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Das Geschlecht der Zukunft

Edward Bulwer-Lytton: Das Geschlecht der Zukunft - Kapitel 1
Quellenangabe
typefiction
authorEdward Bulwer
titleDas Geschlecht der Zukunft
publisherTheosophisches Verlagshaus
addressLeipzig
translatorn.n.
correctorhille@abc.de
secondcorrectorGerd Bouillon
senderpmsporer@gmx.com
created20060518
noteOriginal: Vril, the Power of the Coming Race
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Erstes Kapitel

Meine Heimat sind die Vereinigten Staaten von Amerika. Meine Vorfahren wanderten unter Karl II. von England aus. Mein Großvater zeichnete sich im Unabhängigkeitskriege aus, weshalb meine Familie durch Geburt eine hohe Stellung in der Gesellschaft einnahm. Da sie auch reich war, wurde sie zum Staatsdienste für ungeeignet erklärt. Einmal bemühte sich mein Vater um einen Sitz im Kongreß, aber sein Schneider erhielt die Stimmenmehrheit. Seitdem kümmerte er sich nur noch wenig um Politik, und brachte die meiste Zeit in seiner Bibliothek zu. Ich war der älteste seiner drei Söhne; als ich das sechzehnte Jahr erreicht hatte, wurde ich nach England geschickt, meine wissenschaftliche Bildung zu vollenden und meine kaufmännische Laufbahn in einem Geschäfte in Liverpool zu beginnen.

Mein Vater starb, als ich einundzwanzig Jahre alt war. Da er uns in Wohlstand zurückgelassen hatte und ich große Neigung für Reisen und Abenteuer empfand, verzichtete ich für eine Zeit lang auf allen Drang nach den allmächtigen Dollars und ward ein unstäter Wanderer durch die Welt.

Als ich im Jahre 18.. zufällig in * * war, wurde ich von einem Ingenieur, mit dem ich bekannt geworden war, aufgefordert, die Schächte des Bergwerkes, an dem er angestellt war, zu besichtigen.

Der Leser wird, bevor er alle meine Erlebnisse kennen gelernt hat, verstehen, warum ich jeden Aufschluß über die Gegend, von der ich schreibe, verschweige. Er wird mir vielleicht noch dankbar dafür sein, daß ich jede Beschreibung, die zur Entdeckung jenes Distriktes führen könnte, vermeide.

So will ich denn in aller Kürze sagen, daß, als ich den Ingenieur in das Innere des Bergwerkes begleitete, ich so seltsam von dessen düsteren Wundern überrascht wurde und so großes Interesse an den Forschungen meines Freundes nahm, daß ich meinen Aufenthalt in der Gegend verlängerte und mehrere Wochen hindurch täglich in die Gewölbe und Schächte, die sowohl Kunst wie Natur unter der Erdoberfläche gebildet hatten, hinabstieg. Der Ingenieur war der festen Meinung, daß ein noch weit größerer Reichtum an Mineralien, als schon aufgefunden worden war, in einem neuen Schachte, dessen Bohrung unter seiner Leitung begonnen war, verborgen sei. Beim Eindringen in diesen Schacht gelangten wir eines Tages in eine Höhlung, deren Wände zackig und scheinbar verkohlt waren, als seien sie einst in längstvergangenen Zeiten von vulkanischen Feuern auseinandergesprengt worden. In diese Höhlung hatte sich mein Freund in einem Hunde hinabgelassen, nachdem er zuvor die Atmosphäre mit der Sicherheitslampe geprüft hatte. Fast eine Stunde verweilte er in der Tiefe; als er zurückkehrte, war er sehr blaß, und auf seinem sonst offenen, heiteren, furchtlosen Gesichte lag ein ängstlicher, nachdenklicher Ausdruck.

Er meinte kurz, daß ihm das Hinabsteigen unsicher erscheine und daß es zu keinem Resultate führen würde; die weiteren Arbeiten in dem Schachte wurden eingestellt, und wir kehrten zu den bekannteren Teilen des Werkes zurück.

Den Tag über schien der Ingenieur irgend einem ernsten Gedanken nachzuhängen. Er war ungewöhnlich schweigsam, und in seinen Augen lag ein scheuer, unruhiger Blick, als hätte er irgend einen Geist gesehen. Am Abend, als wir in unserer gemeinsamen Wohnung nahe dem Bergwerke beisammen saßen, sagte ich zu meinem Freunde:

»Sage mir aufrichtig, was hast Du in jener Kluft gesehen? Ich bin überzeugt, daß es etwas Seltsames, etwas Entsetzliches war. Was es auch gewesen sein mag, es hat Dich in einen seltsamen Zustand von Furcht und Bedenken versetzt; derlei Angelegenheiten müssen beraten werden. Sprich Dich doch aus!«

Lange versuchte der Ingenieur meinen Fragen auszuweichen; da er aber in der Unterhaltung unbewußt der Branntweinflasche in einem ihm ganz ungewohnten Maße zusprach – er war sonst sehr mäßig – schmolz seine Zurückhaltung allmählich und schließlich erklärte er sich bereit, alles zu erzählen: »Als der Hund anhielt, befand ich mich auf einem Felsenrücken. Unter mir dehnte sich die Kluft in abschüssiger Richtung zu einer beträchtlichen Tiefe aus, deren Dunkelheit meine Lampe nicht zu durchdringen vermochte. Aber zu meiner größten Überraschung strömte daraus ein helles Licht zu mir empor. Sollte es irgend ein vulkanisches Feuer sein? In diesem Falle hätte ich sicher die Hitze gespürt. Doch herrschte darüber irgend ein Zweifel, so war es für unser aller Sicherheit von größter Wichtigkeit, denselben zu heben. Ich untersuchte die Wände des Abhanges und glaubte daraufhin, so weit ich sie überschauen konnte, daß ich es wohl wagen dürfte, mich den unregelmäßigen Vorsprüngen und Ecken anzuvertrauen. Ich verließ den Hund und stieg hinab. Je mehr ich mich dem Lichte näherte, um so größer ward die Kluft, und endlich sah ich zu meinem unaussprechlichen Erstaunen auf dem Boden des Abgrundes einen breiten, ebenen Weg, der, soweit das Auge reichte, wie es schien, durch Gaslampen, die in regelmäßiger Entfernung von einander standen, beleuchtet war, wie die Straßen einer großen Stadt. Aus der Ferne vernahm ich ein Gesumme wie von menschlichen Stimmen. Ich weiß genau, daß keine anderen Bergleute in dieser Gegend beschäftigt sind. Was konnten das für Stimmen sein? Wessen Hände konnten diesen Weg geebnet und diese Lampen angezündet haben?

Der Aberglaube, der so häufig unter den Bergleuten herrscht, daß Gnomen oder Teufel im Inneren der Erde hausen, erfaßte auch mich. Ich fürchtete mich bei dem Gedanken, weiter hinabzusteigen und den Bewohnern dieses unterirdischen Tales begegnen zu können.Außerdem hätte ich es ohne Taue gar nicht vermocht, da von der Stelle, die ich erreicht hatte, bis zum Grunde der Kluft beide Seiten des Felsens steil in die Tiefe gingen. Mit einiger Schwierigkeit lenkte ich meine Schritte rückwärts. Nun habe ich Dir alles erzählt.«

»Wirst Du noch einmal hinabsteigen?«

»Ich sollte es wohl tun, doch mir ist, als wagte ich es nicht.«

»Ein treuer Begleiter verkürzt die Reise und verdoppelt den Mut. Ich will mit Dir gehen. Wir wollen uns mit Tauen von gehöriger Länge und Stärke versehen und – aber verzeih, Du darfst heute Abend nicht mehr trinken. Unsere Hände und Füße müssen morgen fest und standhaft sein.«

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