Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > George Randolph Chester >

Das Geld auf der Straße

George Randolph Chester: Das Geld auf der Straße - Kapitel 5
Quellenangabe
typefiction
authorG. R. Chester
titleDas Geld auf der Straße
publisherErich Reiß Verlag
yearo.J.
translatorC. A. Bratter
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20140828
projectida5102f67
Schließen

Navigation:

4. Kapitel.
Worin Wallingford eine kleine Aushilfe annimmt und ein Automobil kauft.

Der Versuch gelang tatsächlich. Gleich nach dem Lunch verschafften sich die beiden ein neues Fichtenholzbrett und schlugen einige Dutzend Nägel hinein. Bei keinem einzigen wurde der Stoffüberzug beschädigt.

Der Umstand, daß Laemmle jetzt Mitteilhaber der Erfindung war, gab dem Unternehmen ein ganz anderes Ansehen.

»Jetzt wollen wir einmal rein geschäftlich reden«, sagte Wallingford. »Die Grundidee rührt natürlich von mir her, aber das Patent müssen wir beide als Erfinder gemeinschaftlich anmelden. Wie die Dinge liegen, bin ich der Ansicht, daß ein Viertel des Patentwertes – wir werden unserer Gesellschaft das Patent um 60 000 Dollar verkaufen – immerhin eine angemessene Entschädigung für Ihre paar Minuten Nachdenkens ist, wie?«

Laemmle, vor dem sich alles im Kreise drehte, pflichtete ihm vollkommen bei.

»Gut. Dann wollen wir sofort zu einem Rechtsanwalt gehen und einen Vertrag aufsetzen lassen. Dann gehen wir zu einem Patentanwalt und bringen die Anmeldung unverzüglich in Gang. Kennen Sie einen guten Anwalt?«

Jawohl, Laemmle kannte einen solchen, einen jungen, trefflichen Mann, der zu seiner Loge gehörte. Beide begaben sich auf den Weg zu ihm. Stolz erhobenen Hauptes schritt Laemmle durch das Portal des feinsten Hotels der Stadt auf die Straße, und mit derselben Miere berechtigten Selbstbewußtseins führte er seinen reichen Geschäftsfreund in das Bureau seines Logenbruders, des Rechtsanwalts Carwin.

Carwin war im Bureau und war zu sprechen. Carwin war leider immer im Bureau und immer zu sprechen. Er hatte noch keine Praxis; aber Laemmle wollte ihm eine solche verschaffen, er wollte ihm Glück bringen, und er fühlte sich vollkommen als edler Glückspender. Carwin sollte der Syndikus der neuen Gesellschaft werden. Der junge Rechtsanwalt setzte den Vertrag auf, in welchem mit vielen juristischen Finessen, Schnörkeln und Vokabeln vereinbart, festgesetzt und erklärt wurde, daß die beiden vertragschließenden Teile gemeinschaftliche Erfinder des nachstehend genau beschriebenen Artikels, eines neuen und verbesserten Teppichnagels, sind; sowie daß alle aus der geschäftlichen Verwertung besagten Artikels sich ergebenden Gewinne voll und uneingeschränkt und auf ewige Zeiten in dem Besitz der beiden vertragschließenden Teile, ihrer Erben und Rechtsnachfolger übergehen, und zwar in dem Verhältnis, daß der eine vertragschließende Teil, Mr. J. Rufus Wallingford, drei Viertel (¾) und der andere vertragschließende Teil, Mr. Eduard Laemmle, ein Viertel (¼) besagter Gewinne erhalten soll.

Als die beiden mit dem kostbaren Dokument aufbrachen und das Bureau verließen, hatte Carwin nicht den Mut, von seiner Liquidation zu sprechen, und Laemmle war zu taktvoll, eine dahingehende Andeutung zu machen, wenngleich er genau wußte, daß Carwin das Geld sehr dringend benötigte. Aus guten Gründen hatte der junge Rechtsanwalt während der Konsultation seine Schuhe sorgfältig unter dem Schreibtisch versteckt gehalten und seine Manschetten immer wieder unter die Ärmel zurückgeschoben. Aus ebenso guten Gründen hatte aber Wallingford es unterlassen, dem Rechtsanwalt die so heiß ersehnte Gebühr zu zahlen. Denn trotzdem Wallingford im Hotel auf Kredit lebte, brauchte er doch stets Bargeld für die vielen Ausgaben, die man nicht stunden lassen kann, und in den letzten drei Tagen hatte er auf diese Art über 50 Dollars für solche Nebenausgaben verbraucht.

Einen Patentanwalt kannte Laemmle nicht, aber er hatte einmal das Firmenschild eines solchen gesehen, und er führte Wallingford zu ihm. Mr. Christopher verlangte einen Vorschuß von 25 Dollars. Laemmle bedauerte, daß der Patentanwalt einen solch groben Schnitzer gemacht hatte, der, wie er glaubte, den Anwalt um die Kundschaft Wallingfords bringen müsse. Dieser zog jedoch ruhig ein Bündel Banknoten aus der Tasche, bezahlte den Anwalt und ließ sich von ihm eine Quittung geben. Noch mehr. Er fragte Mr. Christopher, ob er die Sache mit dem Patent beschleunigen könne, wenn er, Wallingford, ihm, dem Anwalt, sogleich weitere 10 Dollars gebe?

»Schon möglich«, antwortete Mr. Christopher mit einem sehr freundlichen Lächeln und nahm die Banknote in Empfang. Ein solcher Fall war ihm wohl noch nicht vorgekommen. Sein Bureau befand sich in einem alten, unansehnlichen Gebäude ohne Lift, und seine beiden Mandanten hatten die zwei Stockwerke zu Fuß hinaufklettern müssen.

»Sehen Sie zu,« sagte Wallingford, »daß die Zeichnungen und die Anmeldungen bis morgen fertig sind. Wenn die Sache dadurch beschleunigt werden kann, werden wir Sie mit den Papieren nach Washington ins Patentamt schicken.«

Mr. Christopher vernahm dies mit schlecht verhehlter Freude.

Ein ganz wunderbarer Mensch, dieser Wallingford! Wohin er kam, überall hinterließ er frohe Hoffnungen, goldene Aussichten auf Gewinn und gute Tage. Er war ein Wohltäter der Öffentlichkeit, ein Segen für die Menschheit. Seine bloße Erscheinung strahlte Freude aus und rief sonnige Erwartungen wach.

Als sie in das Hotel traten, sagte Wallingford:

»Lassen Sie sich den Schlüssel geben, Eddy, und gehen Sie in mein Zimmer. Sie wissen ja, wo es ist. Richten Sie sich dort häuslich ein. Nehmen Sie Ihr Taschenmesser und versuchen Sie, ob der Stoffüberzug an den letzten Nägeln, die wir ins Brett geschlagen haben, festhält. Ich komme in fünf oder zehn Minuten nach.«

Als Wallingford das Zimmer betrat, fand er Laemmle damit beschäftigt, die Stoffüberzüge in der angegebenen Art zu prüfen. Er war mit dem Ergebnisse höchst zufrieden: sie klebten alle fest an den Nagelköpfen und konnten nur mit Mühe mit dem Messer weggeschabt werden. Er wollte dies seinem Kompagnon frohgelaunt mitteilen, blickte aber in ein finsteres Gesicht.

»Schöne Sache, das!« grollte Wallingford, der sichtlich sehr erregt war. »Erhalte ich da soeben von meiner Bank die Ankündigung, daß mein Konto überzogen ist. Jetzt bleibt mir nichts anderes übrig, als Papiere zu verkaufen – gerade jetzt, wo alle Kurse so tief stehen! Schöner Verlust, der mir da bevorsteht! Aber selbst, wenn ich dies Opfer bringe, dauert es ein paar Tage, bis meine Verkaufsorder effektuiert ist, und inzwischen stehe ich ohne Geld da! Ganz ohne Geld! Da – sehen Sie mal! Keine ganzen 5 Dollars!«

Er warf seinen Überzieher und Hut unmutig auf einen Stuhl, öffnete seinen Rock und wischte sich den Schweiß von Stirne und Hals. Mr. Wallingford war sichtlich über alle Maßen ärgerlich. Er bestellte eine Flasche Champagner in einem so unwirschen Ton, daß der Kellner später unten erzählte, der noble Herr von 44a müsse offenbar mit dem Hotel unzufrieden sein. »Aber frappé, wenn ich bitten darf!« hatte Wallingford dem Kellner nachgerufen. »Der letzte, den ich bestellte, war so warm wie Tee!«

Mr. Laemmle fühlte sich seit gestern in schwindelnde Höhen gehoben. Er hatte die Atmosphäre edlen Geflügels und kalter Weinflaschen eingesogen, und diese Luft schien ihm jetzt bereits die einzig normale, die einzig natürliche zu sein. Der einfache Dollar hatte in seinen Augen ganz bedeutend an Geldwert verloren. Und er begriff, daß ein Mann von J. Rufus Wallingfords ausgedehnten Beziehungen zu der Außenwelt unmöglich ohne Taschengeld leben kann.

»Ich habe etwas Bargeld, mit dem ich Ihnen aushelfen könnte,« sagte er, »wenn ich es Ihnen anbieten darf.« Er fühlte zu seiner großen Verlegenheit, daß ihm bei diesen Worten die Röte heiß ins Gesicht stieg. In Laemmles Umwelt war das Borgen und Entleihen keineswegs unbekannt. Man bat den andern, ohne sich dabei etwas zu denken, um 50 Dollars, erhielt sie und zahlte sie ebenso gleichmütig wieder zurück. Daß einer das Zurückgeben vergessen hätte, war noch nie vorgekommen.

Wallingford nahm das Anerbieten dankbar an. »Sehr nett von Ihnen«, sagte er. »Wenn Sie für einige Tage so viel entbehren können, so wäre mir mit 500 Dollars geholfen.«

Mr. Laemmle fühlte ein Würgen im Halse. Es fiel ihm anscheinend doch noch etwas schwer, mit seinem finanziellen Aufstieg Schritt zu halten.

»Gewiß«, stotterte er. »Ich will sofort zur Bank gehen und das Geld besorgen. Die Bank schließt um 3 Uhr. In einer halben Stunde kann ich zurück sein.«

»Ich gehe gleich mit Ihnen«, sagte Wallingford, der, ohne lange zu fragen, zutreffend erriet, daß Laemmle kein offenes Konto hatte. »Warten Sie einen Augenblick. Ich will Ihnen der Ordnung halber ein Akzept geben, damit Sie etwas in Händen haben.«

Er zog rasch ein Formular aus seiner Tasche, füllte es aus und stand auf. »Ich habe das Akzept auf 30 Tage Fälligkeit ausgestellt – eine rein geschäftliche Formsache«, sagte er, als sie zum Lift schritten. »Sobald ich meine Papiere verkauft habe, löse ich das Akzept selbstverständlich sofort ein. Ich habe 6 % Zinsen geschrieben.«

»O, das war durchaus nicht notwendig«, warf Laemmle ein.

Fünfhundert Dollars! Die Höhe dieser Summe hatte ihn zuerst erschreckt, aber bald darauf hatte er seine Fassung wiedergewonnen und seinen neuen Lebensverhältnissen Rechnung getragen, und er trug das Haupt trotz der großen Summe, die er entleihen mußte, womöglich noch höher als zuvor. Das gehört eben zum Ganzen, sagte er sich.

Auf dem Wege zur Bank überreichte Wallingford ihm das Akzept. »Ich habe doch das richtige Datum eingetragen, – den 25.?« sagte er. »Das stimmt doch?«

»Jawohl,« sagte Laemmle und entfaltete mechanisch das Papier. »Hallo!« rief er aus und blieb auf der Straße stehen. »Sie haben sich geirrt. Das Akzept lautet auf 1000 Dollars!«

»Was Sie sagen! Wirklich, Sie haben recht. Das kommt daher, daß ich selten einen geringeren Betrag zu ziehen pflege. Na, jetzt wollen wir es schon dabei belassen.«

Die Zeit des Würgens im Halse war vorbei ...

»Schön«, sagte Eddy. So sehr er sich aber bemühte, dieses kleine Wort der Zustimmung frei und unbefangen hervorzubringen, es wollte ihm nicht ganz glücken. Gegen seinen Willen kam es gedehnt heraus.

In der Bank angekommen, präsentierte Laemmle Kontobuch und Scheck. Er hatte sich bereits wieder so weit erholt, sich bereits so weit wieder in sein neues Leben hineingedacht, daß er sich nicht 1000, sondern 1100 Dollars auszahlen ließ. »Ich brauche selbst etwas Kleingeld«, sagte er großartig. Dann gab er seinem Kompagnon 1000 Dollars und steckte 100 Dollars in seine Westentasche.

Die Ereignisse nahmen von jetzt ab einen raschen Lauf. – –

Wallingford schickte noch an demselben Abend 150 Dollars an seine Frau ab. »Kopf hoch, kleine Frau«, schrieb er ihr. »Blackie war hier und erzählte, dies sei eine powere Stadt. Stimmt aber nicht. Ich bin erst drei Tage hier und habe schon 1000 Dollars auf der Straße gefunden. Und ich werde ganz bestimmt noch mehr finden. Ich habe mich heute vormittag umgesehen und ein elegantes kleines Haus, das 10 000 Dollars kostet, im wohlhabenden Stadtviertel gefunden. Ich werde das Haus kaufen, um uns das nötige Ansehen zu geben, ohne welches nun einmal nichts zu machen ist. Du weißt schon, wie ich es kaufen werde. Morgen werde ich mir auch ein Automobil aussuchen. Ich brauche es für meine Geschäfte. – Du solltest übrigens sehen, wie lange und seidige Haare die Lämmchen hier haben.«

Der nächste Vormittag wurde ganz dem Vergnügen gewidmet. Wallingford und Laemmle besichtigten drei Automobilfirmen und machten Versuchsfahrten in vier Autos. Endlich suchte Wallingford einen Wagen aus, der ihm »ungefähr paßte« und der 5000 Dollars kosten sollte.

»Ich werde dieses Auto zwei Wochen lang probieren«, sagte er dem Inhaber der Firma. »Halten Sie es in Ihrer Garage zu meiner Verfügung. Wenn ich das Auto behalte, so lasse ich mir eine eigene Garage bauen, und zwar, wie ich hoffe, an meinem eigenen Hause. Ich habe mein Auge auf ein sehr hübsches, kleines Besitztum draußen in Gildendale geworfen, und wenn es nicht zu teuer ist, so lasse ich meine Frau aus Boston kommen, und wir ziehen in das Haus ein.«

»Mit Vergnügen, ganz zu Ihren Diensten«, entgegnete der Firmainhaber.

Als Laemmle fortging, hatte sich in ihm eine völlige Umwertung aller Dinge vollzogen. Nicht einen Pfennig Sicherheit hatte der Verkäufer für das Auto verlangt. Die bloße Erscheinung Wallingfords und sein bestimmtes, selbstsicheres Auftreten genügten anscheinend vollauf!

In seinem Hotelzimmer machten die beiden später weitere Versuche mit den Nägeln, und Wallingford lieferte seinem jungen Kompagnon weitere statistische Angaben über die »Eureka«-Gesellschaft: über ihre Jahresproduktion, die Zahl der Arbeiter und Angestellten, die Zahl der in Betrieb befindlichen Maschinen, über die kleinen Anfänge, aus denen die Gesellschaft hervorgegangen war, und die ungeheueren Profite, die sie jetzt machte.

»Wir werden den ›Eureka‹-Leuten von Anfang an überlegen sein«, sagte Laemmle begeistert. »Wir fangen viel größer an als sie und fabrizieren auch einen viel besseren Artikel, bringen einen viel nützlicheren Gegenstand auf den Markt. Das Publikum wird den Unterschied schon merken. Unser Unternehmen ist das glänzendste der Welt.«

Die Begeisterung, die Wallingford ihm so geschickt eingeflößt hatte, wirkte wie Hefe – sie ging auf und quoll auf, ganz von selbst.

»Nur eine Sache beunruhigt mich noch,« sagte Wallingford mit ernster Miene, »und das ist die Furcht, daß die ›Eureka‹-Leute alles aufbieten werden, um uns aufzukaufen, noch ehe wir voll im Betrieb sind. Denn wenn sie uns einen halbwegs anständigen Preis anbieten, werden unsere Aktionäre losschlagen wollen. Wir beide müssen uns unbedingt dagegen wehren. Wir müssen zusammenhalten und die anderen Aktionäre niederstimmen. Es ist doch sonnenklar, wenn die ›Eureka‹-Leute uns aufkaufen, noch ehe sie unsere Konkurrenz in vollem Umfange verspüren, so werden sie uns kaum ein Fünftel des Preises geben, den wir erzielen können, nachdem wir ihnen einen gesunden Schrecken eingejagt haben. Wir zwei werden über sechs Zehntel der Aktien verfügen, und wir müssen fest bleiben.«

Laemmle steckte beide Daumen in die Westentaschen und trommelte von da aus mit den übrigen Fingern wohlgefällig auf die Stelle, wo sein eben verzehrter Lunch ruhte.

»Und ob!« stimmte er energisch zu. »Ich möchte gerade bei diesem Anlaß erwähnen, daß ich einige meiner Freunde an dem Aktienbesitz beteiligen möchte. Sie sind nicht in den Verhältnissen, um so große Posten zu kaufen, wie Sie gestern sagten; vielleicht kann man aber einen Posten so aufteilen, daß sie alle hinein können.«

»Eigentlich mag ich kleine Aktionäre ganz und gar nicht«, wandte Wallingford stirnrunzelnd ein. »sie sind schwer zu behandeln. Ich mag nur mit größeren Anlagesuchern zu tun haben; das sind gewöhnlich Geschäftsleute, die alle Einzelheiten eines solchen Unternehmens verstehen und nicht bei jeder Läpperei ewige Fragen stellen. Vielleicht läßt sich die Sache aber doch machen. Da wir jetzt unseren Artikel so vervollkommnet haben, so habe ich meinen Plan des Aufbaues der Gesellschaft geändert, und da wird sich wohl ein Weg finden, auf dem Ihre Freunde hinein können. Wir dürfen die Aufmerksamkeit der ›Eureka‹-Leute jetzt noch nicht auf uns lenken. Wir lassen uns daher handelsgerichtlich nur mit einem Kapital von 1000 Dollars eintragen, 10 Aktien zu je 100 Dollars. Es wird eine Art Strohmänner-Gesellschaft sein, in der ich nicht mit meinem Namen figurieren werde. Wenn Sie vier Freunde haben, die je eine Aktie kaufen wollen, so zeichnen Sie die anderen sechs Aktien, für die ich Ihnen Zahlung leisten will; eine werde ich Ihnen, wie versprochen, zum Geschenk machen. Diese Ihre vier Freunde können dann, wenn sie wollen, einen Posten von 25 000 Dollars übernehmen, sowie wir die Organisation unserer Gesellschaft beendet haben werden. Und dies wird geschehen, indem wir unser Aktienkapital erhöhen, gleich nachdem wir unsere Gründungsakten erhalten haben werden. Diese vier Freunde müssen selbstredend unserer ersten Verwaltung angehören, die ein Jahr lang die Geschäfte führen wird. Es wird eine ganz außergewöhnliche Chance für sie sein.«

»Das verstehe ich nicht ganz«, sagte Laemmle.

»Wir lassen uns zunächst nur mit 1000 Dollars Kapital eintragen«, wiederholte Wallingford langsam und geduldig. »Zehn Aktien zu je 100 Dollars, alle voll eingezahlt. Die ›Eureka‹-Gesellschaft wird einem so kleinen Unternehmen keine Beachtung schenken. Sowie wir unsere Gründungsakten haben, werden natürlich wir zwei, die Gründer, die Gesellschaft durch Wahl der Beamten und der Direktion in Gang setzen, und gleich darauf werden wir durch Abstimmung eine Erhöhung unseres Stammkapitals auf 100 000 Dollars beschließen, 1000 Aktien zu je 100 Dollars. Durch Beschluß werden wir zwei, als Erfinder, uns dann 60 000 Dollars, das sind 600 Aktien, für unsere Patente überweisen lassen, für das jetzt beantragte Patent sowie für alle anderen, die wir innerhalb fünf Jahren anmelden und erhalten werden. Die restlichen 40 000 Dollars Aktien werden wir zum Verkauf ausbieten, um uns über das Stadium der Versuche hinauszuhelfen, d. h. bis alle unsere Maschinen perfekt und voll arbeiten. Dann werden wir weitere 100 000 Dollars brauchen, um unsere Fabrik in Betrieb zu setzen. Zu diesem Zweck werden wir uns in eine Gesellschaft mit 300 000 Dollars Kapital umorganisieren. Wir werden alle außenstehenden Aktien einfordern und jedem Aktienbesitzer 2 Aktien zu pari für 1 geben. Dadurch werden 200 000 Dollars untergebracht, und 100 000 Dollars verbleiben, die wir zu pari verkaufen werden. Sie, Laemmle, werden dann anstatt der 15 000 Dollars, die Ihren Anteil an den Patentrechten darstellen, Aktien für 30 000 Dollars haben, das sind 300 Aktien. Und wenn die ›Eureka‹-Gesellschaft uns, nachdem wir in vollem Betrieb sind, auch nur für 1 Million aufkauft, so werden Sie einen Nettogewinn von 100 000 Dollars einheimsen.«

Ein langgezogener Seufzer war die einzige Antwort. Mr. Laemmle begriff jetzt. Das nennt man finanzieren! So sehen die großen, die ganz großen Finanzunternehmungen aus!

»Wir wollen gehen«, sagte er, denn seine Lungen verlangten jetzt nach einem frischen Luftvorrat. »Wir wollen meinen Freund Jasper aufsuchen.«

Zehn Minuten später fuhr Wallingfords Automobil vor dem Hotel vor. Bevor die beiden das Zimmer verließen, steckte jeder eine Handvoll Nägel mit Stoffbelag ein.

 << Kapitel 4  Kapitel 6 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.