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Das Geld auf der Straße

George Randolph Chester: Das Geld auf der Straße - Kapitel 3
Quellenangabe
typefiction
authorG. R. Chester
titleDas Geld auf der Straße
publisherErich Reiß Verlag
yearo.J.
translatorC. A. Bratter
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20140828
projectida5102f67
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2. Kapitel.
Worin erzählt wird, wie Eduard Laemmle die erstaunlichen Chancen der Stoffbelag-Teppichnägel-Industrie gewahr wird.

Vierundzwanzig Bewerber um die im Inserat ausgeschriebene Stellung hatten sich bei Wallingford gemeldet, ehe Eduard Laemmle bei ihm erschien. Es war dies am zweiten Tage nach dem Einrücken der Annonce, die ja überhaupt nur für Laemmles Auge berechnet war. David Jasper, der die Inserate in seiner Zeitung ebenso genau las wie alles übrige – er wollte eben für sein Geld alles haben, was herauszuholen war – hatte seinem Freunde Eduard telephonisch von der glänzenden Chance erzählt.

»Jawohl, Mr. Wallingford ist in seinen Appartements. Ihren Namen, bitte?«

Mr. Laemmle zog eine Visitenkarte hervor, auf der sein Name in kunstvoll imitierter Lithographie zu lesen war. Sie verschaffte ihm sofortigen Zutritt in das Zimmer des Gewaltigen, der nicht wenig erstaunt war, als sein Besucher in lautes Gelächter ausbrach.

»Bitte vielmals um Entschuldigung«, rief Laemmle aus. »Aber ich habe bereits das Vergnügen, Sie zu kennen. Sie – oder eigentlich Ihr Wagen – hat vor einigen Tagen meine Schuhe arg beschmutzt.«

Als Wallingford näheres darüber erfahren hatte, lachte er seinerseits herzlich und schüttelte dem Besucher nochmals die Hand. Der kleine Zwischenfall führte schnell eine engere Annäherung zwischen den beiden herbei.

»Darf ich fragen, was Sie zu mir führt, Mr. Laemmle?«

»Ihre Annonce.«

»Ach, meine Verlangt-Anzeige«, sagte Wallingford mit fein abgetönter, leiser, höflicher Enttäuschung in seiner Stimme. »Ich glaube beinahe, daß es zu spät ist, denn es haben sich schon viele Herren gemeldet. Ich habe allerdings noch keine endgültige Wahl getroffen. Können Sie Ihre Eignung ausweisen?«

»Daran soll es nicht fehlen«, antwortete Laemmle, sich selbstbewußt aufrichtend. »Ich genüge allen berechtigten Ansprüchen.«

Wallingford hatte schon von Blackie Auskunft über Laemmle verlangt und erhalten, und jetzt hatte er Gelegenheit, das lebende Objekt selbst aus nächster Nähe für seine besonderen Zwecke zu beobachten. Mr. Laemmle war ein breitschultriger, ansehnlicher junger Mann von guter Haltung. Er war gekleidet wie einer, der ohne Überheblichkeit gern zeigt, daß er den wohlhabenden Klassen angehört, und die goldene Uhrkette, die von seiner Weste herabhing, zeugte von den soliden Verhältnissen des Besitzers. Der junge Mann war für Wallingfords geübtes Auge ein offenes Buch, dessen Seiten mit großen Lettern bedruckt waren.

»So ist's recht, das höre ich gern«, sagte er. »Nehmen Sie Platz. Ich brauche Ihnen wohl nicht erst zu sagen, daß meine Frage nach Ihren Fähigkeiten durchaus berechtigt ist; denn die sehr wichtige Stellung, um die es sich hier handelt, muß mit größter Sorgfalt besetzt werden, und ich muß notgedrungen in diesem Punkt äußerst wählerisch sein. Wir wollen eine riesige Fabrikanlage hier in dieser Stadt errichten, und die Organisationsarbeit muß von allem Anbeginn streng systematisch durchgeführt werden. Die Tätigkeit des Herrn, dem der Posten des Sekretärs der ›Universal-Stoffbelag-Teppichnägel-Gesellschaft‹ zufällt, müßte sofort einsetzen. Er müßte jede geringste Einzelheit des Unternehmens von Anfang an genau kennenlernen. Ehe ich nicht die geeignete Persönlichkeit gefunden habe, trete ich nicht an die Organisierung des Unternehmens heran.«

Bei jedem Wort beobachtete Wallingford das Gesicht Eduard Laemmles, und er bemerkte bald, wie dieser der Wirkung dieses gesprochenen Chloroforms erlag. Immerhin war nicht anzunehmen, daß ein dreißigjähriger Mann, der 5000 Dollars von seinem Gehalt gespart hat, sich ganz ohne Kampf betäuben lassen würde.

»Bevor wir uns weiter unterhalten,« warf hier der Patient mit großer, großer Schläue ein, »muß ich ausdrücklich betonen, daß ich mich nicht mit Kapital an dem Unternehmen beteiligen kann.«

»Ganz recht«, stimmte Wallingford bei. »Ich habe ja in meinem Inserat ausdrücklich gesagt, daß das nicht nötig ist. Nach unserem Statut muß der Sekretär eine Aktie unseres Unternehmens besitzen, aber diese Aktie werde ich dem Bewerber, der die Stelle erhält, unentgeltlich abgeben. Ich benötige unbedingt den Tüchtigsten in seinem Fach, und deshalb habe ich in meiner Annonce einen Mann gesucht, der in der Buchhaltung durchaus erfahren ist, der die Bureau arbeiten eines großen Unternehmens selbständig durchführen kann, und dem ich für den Anfang 200 Dollars monatlich zahlen will. Ich will einen Mann haben, der etwas leistet, sein Geld brauche ich nicht. Ich darf Ihnen wohl mitteilen, daß Sie erst der zweite Bewerber sind, der nach äußerlicher Schätzung die für das Unternehmen erforderliche Qualifikation besitzt. Sie müßten sich natürlich hierüber näher ausweisen können.«

Wallingford sah, daß sein Gegenüber bald in den nötigen lethargischen Schlaf verfallen werde.

»Fünfzehn Jahre lang«, sagte Laemmle hastig, »war ich in der A. J. Dormanschen Fabriksgesellschaft tätig, und ich kann mich auf diese Firma in jeder Hinsicht beziehen. Ich kann Ihnen aber auch andere Referenzen über meine Zuverlässigkeit und Eignung geben.«

»Was, die A. J. Dorman-Gesellschaft!« rief Wallingford lebhaft aus. (Er hörte den Namen dieser Gesellschaft heute zum ersten Male.) »Dieser Name ist an sich eine hinlängliche Bürgschaft, und wir können daher von diesen Dingen ein andermal reden. Jetzt will ich Ihnen zunächst zeigen, welcher neue Industriezweig in Ihrer Stadt begründet werden wird.« Damit entnahm Wallingford einer Schublade eine Handvoll Nägel, deren Köpfe mit Tuchstoff von verschiedener Farbe überzogen waren. Er hielt sie vor Laemmle hin und suchte dann einen Nagel mit rotem Stoffüberzug heraus. »Sie brauchen nur einen Blick auf diese Nägel zu werfen, um sich selbst ein Urteil darüber zu bilden, welche großartige Gewinnchancen das von mir zu gründende Unternehmen in sich birgt. Halten Sie diese Stifte einen Augenblick, bitte.« Er legte die Nägel aus seiner Hand in die Laemmles. »So, und jetzt kommen Sie mit mir zu dieser Teppichecke. Hier, dieser Nagel da hat einen Stoffüberzug, dessen Farbe ganz zu der des Teppichs paßt. Sehen Sie diese rostigen Nägel hier? Stellen Sie sich selbst vor, wie ganz anders diese Ecke aussehen würde, wenn solche Nägel mit rotem Stoffbelag statt der rostigen da wären!«

Mr. Laemmle blickte hin und begriff. Aber er hielt es für notwendig, geschäftlichen Scharfsinn zu bekunden.

»Gar nicht übel«, sagte er. »Wie steht es aber mit den Herstellungskosten?«

»Die Kosten sind nur ganz unerheblich größer als die für die alten Stahl- oder Messingnägel. Dabei können wir sie mit Leichtigkeit für 10 Cents per Bogen verkaufen; die alten werden für 5 Cents verkauft, so daß wir einen weit größeren Profit erzielen als die Fabrikanten der gewöhnlichen Nägel. Keine Familie ist so arm, daß sie nicht diese hübschen Stoffbelagnägel, wenn (sie erst eingeführt sind, den alten, leicht rostenden Zinn- oder Bronzenägeln vorziehen würde, und Sie können selbst ausrechnen, wie viele Millionen Pakete jedes Jahr in Gebrauch kommen werden. Bedenken Sie nur, daß die ›Eureka-Nägelfabrik‹, die das Nägelgeschäft so gut wie monopolisiert, einen Fabrikbetrieb hat, der sich gut und gern über 20 Acker Landes erstreckt, und daß durchschnittlich alle 7 Minuten eine Waggonladung Nägel die Maschinenräume verläßt! Die Gesellschaft zahlt 16 % Dividende per Jahr bei einem unverteilten Überschuß von 18 Millionen Dollars – und dieses Riesengeschäft baut sich ausschließlich auf Teppichnägeln auf! Mein Lieber, Wir können, wenn wir wollen, zwei Monate, nachdem wir unsere Fabrik in Gang gesetzt haben, unser Unternehmen an die Eureka-Gesellschaft für zwei Millionen Dollars verkaufen, das will besagen, mit einem Profit von mehr als 1000 % von unseren Betriebseinlagen.«

Jetzt war es um Laemmle geschehen. Er war überwältigt. Erst vor drei Tagen war er mit einem anderen Projekt befaßt worden: ein Mr. Daw hatte ihm zugeredet, hatte sich heiser geredet in farbenreichen Schilderungen unermeßlicher Ländereien, die er besitzen wollte, die Tausende von Meilen in unzugänglichen Gegenden lagen, In öden, sandigen Gebieten, in Wüsteneien, deren Boden unaufhörlich bläuliche Ströme überhitzten Dunstes entquollen – und durch die ganze Unterhaltung mit diesem Mr. Daw zog sich der »blaue Dunst«, den Daw ihm vormachte. Hier aber war etwas Sichtbares, Greifbares. Die Spitzen der Nägel, die er hielt, berührten kitzelnd seine Handfläche, und seine Augen waren noch auf den rot überzogenen Stift geheftet, den Wallingford ihm hypnotisch vorhielt. Er raffte sich endlich zu der Frage auf: »Wie ist Ihre Gesellschaft zusammengesetzt?«

»Vorläufig nur aus mir selbst«, antwortete Wallingford mit stolzer Ruhe. »Ich habe die Gesellschaft noch nicht organisiert. Das ist nebensächlich. Wenn ich Kapital suchen werde, werde ich schon wissen, wo es zu finden ist. Ich habe mir diese Stadt ausgesucht wegen der günstigen Gelegenheiten, die sie für Fabrikanlagen bietet, und wegen ihrer ausgezeichneten geographischen Lage als Verkaufszentrum.«

»Die Aktien sind also noch nicht placiert«, dachte Mr. Laemmle laut. Vor seinem inneren Gesicht tauchten bereits riesige Gewinnziffern auf. Das waren ja geradezu fabelhafte Profitmöglichkeiten! Eine märchenhafte Verdienstgelegenheit! Ein ganz einfaches, kleines Ding, ein millionen- und millionenweise gekaufter und benutzter Gegenstand des täglichen Gebrauchs, ein Gegenstand, besser als alles dieser Art, was früher auf den Markt gekommen war, billige Herstellungskosten – wie geschaffen also für einen finanziellen Bombenerfolg!

»Nein, die Aktien sind noch durchaus nicht placiert«, sagte Wallingford. »Ich will überhaupt eine Gesellschaft von nicht mehr als einer Viertelmillion gründen und kleine Aktionäre ganz ausschalten. Ich werde versuchen, das Kapital in zehn Stücke von je 25 000 Dollars zu teilen.«

Laemmle war sichtlich enttäuscht.

»Scheint eine sehr gute Sache zu sein«, sagte er bedauernden Tones.

»Gut? Mein Lieber, ich bin nicht viel älter als Sie, aber ich habe schon mit einer ganzen Anzahl großer Unternehmungen in Boston und anderen Städten zu tun gehabt. Wer sich über mich erkundigen will, braucht nur eine Zeile an die ›Mexican und Rio Grande-Gummi-Gesellschaft‹ zu schreiben, oder an die ›St. John's-Blutorangen-Anpflanzungs-Gesellschaft‹, oder an die ›Los Pocos-Bleierz-Gewinnungs-Gesellschaft‹, oder an die ›Sierra-Zinnober-Bergwerksgesellschaft‹ oder an einige andere Firmen, deren Namen und Adressen ich gern zur Verfügung stelle; aber nie und nirgends habe ich etwas so Gutes, so Vielversprechendes gesehen wie dies hier. Ich stelle alle meine geschäftlichen Fähigkeiten, mein ganzes geschäftliches Urteilsvermögen in den Dienst dieser Sache, und ich werde selbstverständlich die Mehrheit des Aktienbestandes für mich behalten, da ich doch der Erfinder des zu verwertenden Artikels bin.«

Das war der psychologische Augenblick. Wallingford streckte seine Hand aus und nahm aus der Mr. Laemmles die Nägel wieder an sich. Er verschloß die Stifte aber nicht, sondern ließ sie offen liegen. Mr. Laemmle suchte einen aus und prüfte ihn sorgfältig. Dieser Stift war mit Stoff von einer exquisit apfelgrünen Farbe überzogen, und den Stoff hatte Wallingford eigenhändig aus einer seiner teuren Krawatten herausgeschnitten, auf den Stift geklebt und ringsum zurechtgestutzt. Mr. Laemmle ging mit dem Stift ans Fenster, um ihn bei vollem Licht bewundern zu können. Der Unternehmer stand inzwischen vor dem Spiegel und wischte sich den Schweiß von Stirne, Gesicht und Hals. Ein Blick aus dem Spiegel auf Mr. Laemmle zeigte ihm jedoch, daß seine schweißtreibende Mühe nicht vergeblich, daß das Werk geglückt war. In der Tat, Mr. Laemmle war felsenfest überzeugt, daß die »Universal-Stoffbelag-Teppichnägel-Gesellschaft« eine durchaus beachtliche Potenz war; nein, nicht nur beachtlich, sondern sehr hoch zu schätzen. Schon sah Mr. Laemmle im Geiste dichten Rauch aus den hohen Schornsteinen der ›U. S. T. G.‹-Fabrik aufsteigen, schon helle Lichter aus den unzähligen Fabrikfenstern glänzen, schon sah er die Werkstätten, in denen täglich mit Überstunden gearbeitet wurde, Tausende von Arbeitern, die durch die breiten Tore in die Fabrik fluteten, und die hochbeladenen Frachtwagen, die (alle sieben Minuten) die Fabrik verließen ...

»Sie wollen doch nicht etwa zum Diner nach Hause gehen?« klang plötzlich Wallingfords Stimme an sein Ohr. »Ich bin Ihnen noch Revanche für die Schmutzflecken schuldig. Seien Sie mein Gast.«

»Ich – kann nicht gut. Ich werde zu Hause erwartet.«

»Dann telephonieren Sie nach Hause, daß Sie nicht kommen werden.«

»Wir haben kein Telephon zu Hause.«

»Dann läuten Sie doch den nächsten Zigarrenladen an und lassen es von dort aus zu Hause bestellen.«

Mr. Laemmle warf einen Blick auf seinen Anzug. Er war, wie immer, anständig gekleidet, aber doch, seinem Empfinden nach, nicht fein genug für den eleganten Speisesaal unten im Erdgeschoß.

»Ich bin im Straßenanzug«, sagte er zögernd.

»Unsinn! Wenn Sie aber durchaus nicht in den Speisesaal gehen wollen, so kann ich ja hier im Zimmer servieren lassen.« In seiner gewohnten energischen Art nahm Wallingford die Sache selbst in die Hand. Er klingelte und bestellte ein Diner für zwei Personen.

Von diesem Augenblick an gab Mr. Laemmle sich alle Mühe, sein Staunen über die schwindelnde Höhe, zu der menschlicher Komfort und Luxus sich aufzuschwingen vermag, nicht offen zu zeigen. Es war aber vergebliche Mühe. Als zwei uniformierte Kellner den Speisetisch mit seiner blütenweißen Tafeldecke ins Zimmer brachten und glänzende Silberbestecke, geschliffene Flaschen und Gläser auf ihn stellten und als Mittelstück einen Strauß roter Nelken – da begann Mr. Laemmle die Existenz einer ihm ganz neuen Welt zu ahnen, und er wünschte sehnlichst, nicht im Alltagsanzug, sondern in seinem besten schwarzen Salonrock zu stecken. Auf einen Wink Wallingfords ging Laemmle mit ihm in das anstoßende Badezimmer, wo die beiden Toilette für das Diner machten. Laemmle, der dabei den Hemdkragen abnahm, sah, daß er nicht ganz sauber war, und zeigte ihn mit vielsagender bedauernder Miene seinem Gastgeber.

»Einen Kragen kann man eben nicht lange rein halten, alter Junge,« sagte dieser jovial, »das weiß ich längst. Ihnen kann aber geholfen werden.«

Abermals drückte Wallingford auf den Knopf, und abermals stürzten die Boys, so schnell sie konnten, in das Appartement 44a. (Denn Wallingford gab, so schlecht es ihm auch gerade gehen mochte, in den Hotels grundsätzlich große Trinkgelder.) Eine Minute später hielt einer der Boys den Laemmleschen Hemdkragen in der Hand und erhielt die Weisung, flugs einen neuen zu besorgen.

»Und wie steht es mit den Manschetten, alter Junge?« fragte Wallingford. »Auch ein bißchen angeschmutzt? Der Boy kann ja gleich ein Paar neue mitbringen. Was, festgenäht? Auch gut. Er wird ein ganzes Hemd holen. Welche Halsweite?«

Mr. Laemmle ergab sich in sein Schicksal. Er war einfach nicht mehr imstande, ein Wort des Widerspruchs zu sagen. Er sagte Wallingford Hals- und Kragenweite. Einige Minuten später war er mit neuer Wäsche ausstaffiert, und als er sich, frisch gewaschen und tadellos gekleidet, in das Zimmer zurückbegab, das inzwischen in einen elegant hergerichteten privaten Speisesaal umgewandelt worden war, fühlte er sich allmählich auf die Höhen gehoben, auf denen Mr. Wallingford wandelte. Ja, er brachte es sogar zuwege, die Kellner herablassend zu behandeln, dieselben Kellner, unter deren Blicken, solange er den schmutzigen Kragen anhatte, er sich unbehaglich geduckt hatte.

Leute, die sich auf die Kunst des Dinierens verstanden, haben immer zugegeben, daß Wallingford ein untadeliges Menu zusammenzustellen verstand, das vielleicht nur den Fehler haben mochte, allzu reichlich zu sein. In seinem Falle war aber dieser Fehler nicht gut zu vermeiden, denn Wallingford war ein starker, groß gebauter Mann, und seine Fülle verlangte ein entsprechend großes Quantum an Nahrungsmitteln. Wie dem auch sei, und wie andere darüber urteilen mochten – was Mr. Laemmle betrifft, so stand seine Meinung beim letzten Glas Champagner absolut fest: und die ging dahin, daß Mr. Wallingford ein Genie war, ein König unter den Gastgebern, ein Meister in der Welt der Finanzen, ein Gentleman, dem man in allen Dingen nacheifern mußte, und daß derjenige, der es sich einfallen ließe, die finanzielle Stellung und die Unbescholtenheit Wallingfords anzuzweifeln, sich schämen sollte.

Nach dem Diner gingen die beiden ins Theater (Logensitze), und nach dem Theater nahmen sie einen »kleinen kalten Imbiß« (elf Dollars, mit Wein und Zigarren) zu sich. Im übrigen hatte Mr. Laemmle den Posten des Sekretärs der »Universal-Stoffbelag-Teppichnägel-Gesellschaft« dankend angenommen.

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