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Das Geld auf der Straße

George Randolph Chester: Das Geld auf der Straße - Kapitel 15
Quellenangabe
typefiction
authorG. R. Chester
titleDas Geld auf der Straße
publisherErich Reiß Verlag
yearo.J.
translatorC. A. Bratter
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20140828
projectida5102f67
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14. Kapitel.
Worin gezeigt wird, wie mitunter 500 Dollars dieselben Dienste tun wie 5000.

Für nicht ganz 25 Dollars spielte Wallingford an jenem Abend sich als fürstlicher Gönner auf. Es wurden, wie Jens angekündigt hatte, verschiedene Dinge ausgelost, und Wallingford, der daran teilnahm, zeigte sich äußerst freigebig. Wenn er ein Los kaufte, so gab er eine größere Note hin und wies das Wechselgeld zurück; wenn er etwas gewann, so lehnte er die Annahme ab und ließ den Gewinn zum allgemeinen Besten nochmals verlosen; die Kinder hielt er im Ringelstechen frei, so viel sie wollten. Jens Jensen stellte ihn seinen Bekannten stolz vor, zunächst dem Geistlichen und dem Emil Keßler. Dieser war ein dünner Mann mit blassem Gesicht und hoher Stirn; sah aus wie ein Universitätsprofessor und war ein Schuhmacher. Dr. Feldmeyer kam später. Er lenkte sofort die Aufmerksamkeit Wallingfords auf sich. Er war ein ziemlich eleganter Herr mit angenehmen gesellschaftlichen Formen. Er interessierte sich, wie aus der Unterhaltung hervorging, lebhaft für Bücher, für Musik, für die schönen Künste, kurz, für alles, was das Leben verschönert; er war auch, wie er diskret durchblicken ließ, bei den Frauen beliebt. Keines seiner Worte, kein Zug in seinem Gesicht entging der Aufmerksamkeit des Kapitalisten aus dem Osten. Da der Doktor in demselben Hotel wohnte wie Wallingford, so gingen sie zusammen nach Hause. Der große Kapitalist aber hinterließ bei allen, denen er an diesem Abend begegnet war, den unauslöschlichen Eindruck, daß er für Klug und dessen Freunde einen unschätzbaren Gewinn bedeute; aber nicht allein für diese, auch für die Gemeinde, für die Stadt, für jeden Ort auf der Weltkugel, den er mit seiner Gegenwart beehre. Als aber der unschätzbare Gewinn allein in seinem Zimmer war, schrieb er seiner Frau einen langen Brief.

»Liebe Fanny,« hieß es darin, »komme sofort hierher. Ich habe den größten Profit in Aussicht, den ich je gemacht habe, und zwar in einem einwandfreien, gesetzlich unanfechtbaren Geschäft. Ich brauche Dein lächelndes Gesichtchen dazu.«

Es lag in diesem letzten Satz ein tieferer Sinn, als er in dem Briefe anzudeuten für gut befand. Er lachte, und seine Gedanken beschäftigten sich mit dem Dr. Feldmeyer, als er den Brief verschloß. Dann vertiefte er sich wieder in den inneren Bau des Klugschen Apparates. Diesmal gelang es ihm, das bestimmte kleine Detail, nach dem er lange gesucht hatte, zu finden. Er wußte genau, daß es da sein mußte, und er ließ nicht ab, bis er es entdeckt hatte. Früh am nächsten Morgen fuhr er zur Werkstatt Klugs hinaus.

Er hatte dort eine lange und ernste Unterredung mit dem Deutschen. Er wies ihm haarscharf nach, daß die Erfindung Klugs die Patentrechte der »Amerikanischen Registrierkassen-Gesellschaft von Neu Jersey« verletzte, da das Prinzip des Antriebs bei dem Apparat Klugs im wesentlichen dasselbe war wie bei denen der Gesellschaft. Ein Unterschied bestand hauptsächlich in der Form, in welcher der Apparat in Gang gebracht wurde. Wallingford setzte dies dem anfänglich widerstrebenden Klug in aller Ausführlichkeit auseinander. Es handelte sich um den langen, durch eine Feder in Bewegung gesetzten Hebel, der das glatte Abrollen und Auswerfen der Zettel sichert.

»Dasselbe Prinzip finden Sie in jeder Maschine der ›Amerikanischen Gesellschaft‹, und ich wette, daß sie zwei Tage, nachdem Sie Ihren Apparat zu verkaufen anfangen, einen Einhaltsbefehl gegen Sie erwirkt. Ich will Ihnen aber jetzt zeigen, wie wir um diese Schwierigkeit herumkommen können.«

Zögernd und widerwillig folgte Klug den Ausführungen Wallingfords, dessen Verbesserungsvorschläge auf einer logischen Anwendung des pneumatischen Prinzips beruhten.

»Noch etwas«, fuhr Wallingford fort. »Alle diese kleinen Zapfen vervielfachen die Möglichkeit, daß der Apparat in Unordnung gerät. Warum machen Sie nicht lieber eine Luftdruckkammer, durch die alle diese Zapfen angetrieben und das Abrollen der Zettel entsprechend vereinfacht wird? Dadurch würden mindestens 5 Dollars bei der Herstellung eines jeden Apparates gespart werden, und dieser würde viel einfacher zu handhaben, viel praktischer sein. Ich werde mir diese Verbesserung natürlich patentieren lassen, werde aber das Patent gegen eine ganz geringe Entschädigung an euch abtreten.«

Klug war noch nicht überzeugt. Wie, er sollte sechs lange Jahre mit eiserner, hartnäckiger Ausdauer an seiner Erfindung gearbeitet, seine Idee in allen Einzelheiten ausgebaut und dennoch dasselbe Prinzip wie die »Amerikanische Gesellschaft« verwertet haben! Das war schlechterdings unmöglich. Er nahm die »Mitteilungen des Patentamts« zur Hand und ging die wichtigeren, grundlegenden Zeichnungen, die den Patenten der »Amerikanischen Gesellschaft« beilagen, eine nach der anderen sorgfältig durch. Es dauerte eine Stunde, bis er damit fertig war. Wallingford wartete geduldig.

»Nicht zu finden«, rief Klug triumphierend.

Wallingford öffnete einen der Bände, suchte eine bestimmte Zeichnung heraus und legte den Finger darauf. »Dies hier«, sagte er.

»Aber das sieht doch ganz anders aus«, warf Klug hitzig ein.

»Ich sagte Ihnen ja schon, Mr. Klug, die Form ist anders, aber das Patent beruht auf dem mechanischen Grundprinzip der Erfindung, und das ist hier« – er wies auf die betreffende Stelle der Zeichnung – »unleugbar gegeben. Das Patent läuft noch vier Jahre.«

Karl prüfte die Zeichnung genau. Die Form der Vorrichtung war tatsächlich, wie er immer behauptete, von seiner gänzlich verschieden. Als er aber die Zeichnung schärfer analysierte, mußte er sich gestehen, daß Wallingford wahrscheinlich recht hatte. Das Prinzip war dasselbe, oder doch (sagte er sich einschränkend) ein ähnliches; jedenfalls war die Ähnlichkeit groß genug, um eine Handhabe für einen Prozeß zu bilden. Es beunruhigte ihn über alle Maßen.

»Machen Sie sich nichts daraus«, tröstete ihn Wallingford. »Seien Sie froh, daß wir den Haken rechtzeitig entdeckt haben. Ich werde das Patent auf meine Verbesserung sofort anmelden und es Ihnen überweisen. Ich verlange dafür nur einen kleinen Kredit – sagen wir 1500 Dollars – in den Büchern der von uns zu gründenden Gesellschaft.«

Karl Klug dachte ein wenig nach. »Heute nachmittag werde ich Ihnen Bescheid sagen.« Er brauchte Zeit, um sich diesen verwickelten Vorschlag zu überlegen; auch wollte er ihn, schon anstandshalber, mit seinen Freunden besprechen.

»Gut«, sagte Wallingford. »Nur noch eine Kleinigkeit. Wir wollen doch ein so großes Kompagniegeschäft nicht in einem Anwaltsbureau gründen, wo in einem fort Leute ein- und ausgehen. Ich werde ein Zimmer in meinem Hotel dafür bereitstellen. Das ist doch besser, meinen Sie nicht auch, Mr. Klug?«

»Gewiß«, kam es zögernd zurück. Karl war froh, einen Entschluß fassen zu können, der nicht zu schwer wog.

»Können Sie die anderen benachrichtigen?« fragte Wallingford. »Wenn nicht, so suche ich sie selbst auf.«

»Das werde ich schon machen. Sie wohnen alle in meiner Nähe, mit Ausnahme des Dr. Feldmeyer, zu dem Sie gehen müssen. Ich bringe den Rechtsanwalt mit.«

»Einverstanden«, sagte Wallingford. Er zweifelte nicht daran, daß dieser Rechtsanwalt ein anderer als Maylie sein werde. Unterwegs, im Wagen, zog er seine Brieftasche heraus und zählte ihren Inhalt.

Er hatte etwas über 600 Dollars, und nachmittags sollte er die Differenz zwischen 5000 Dollars – seiner Einlage in die neue Gesellschaft – und 1500 Dollars – dem ihm für sein Patent einzuräumenden Kredit – bar auf den Tisch legen. 3500 Dollars! In diesem Augenblick hatte er nicht die geringste Aussicht, auch nur einen Teil des fehlenden Betrages aufzubringen. Trotzdem lächelte er selbstzufrieden, als er die Brieftasche wieder einsteckte. So lange andere Leute Geld hatten, war es nur ein angenehmer Zeitvertreib für ihn, in den Irrgängen des Finanzierens zu lustwandeln. Mit vollkommener Gemütsruhe traf er alle Vorbereitungen für das kleine Schauspiel, das er heute nachmittag in seinem Hotel zu inszenieren gedachte.

Er ersuchte den Dr. Feldmeyer, um die festgesetzte Stunde Karl Klug und die anderen Herren im Vestibül zu erwarten und sie in ein von ihm gemietetes, als Speisesaal hergerichtetes großes Zimmer zu führen. Dort erwartete sie Wallingford an der Spitze eines langen Tisches als großzügiger Wirt. Groß gebaut, stattlich, reich gekleidet, sicher im Auftreten, wie er war, paßte er ganz und gar in diese Umgebung, in den hohen Saal mit seinem Deckengebälk, dem dunklen Holzwerk, den kostbaren Tapeten, bunten Fensterscheiben, dicken Teppichen und dem glitzernden Büffet. Um den schneeweiß gedeckten Tisch standen acht Stühle und neben jedem Gedeck ein großes Kelchglas. Als der erste Besucher eintrat, drückte Wallingford auf einen Knopf, und als alle sich gesetzt hatten, erschien ein Kellner mit riesigen Glaskrügen voll Bier. Der Anblick versetzte die Anwesenden natürlich in die beste Laune; man lachte, füllte die Gläser, trank, schenkte wieder ein und redete durcheinander, bis Dr. Feldmeyer sich erhob und auf den Tisch klopfte, worauf sich tiefer Ernst auf die Versammlung legte.

»Da unser Wirt bereits an der Spitze der Tafel sitzt,« sagte er in leicht scherzhaftem Ton, »so beantrage ich seine Erwählung zum zeitweiligen Vorsitzenden.«

Dr. Feldmeyer war Wallingfords Gast beim Lunch gewesen und hatte bald herausgefunden, daß dieser große Kapitalist auch sonst in jeder Hinsicht Vollblut war; ein Lebemann, der sich auf gutes Essen, gute Weine und gute Kumpanei verstand; ein Gentleman mit großen finanziellen Mitteln, dem nichts daran lag, auf welche Art er sein Geld ausgab, wenn er nur dafür das bekam, was er gerade haben wollte. Der Doktor war durchaus bereit, in jeder Beziehung für Wallingford einzutreten, ein Gentleman für den andern.

Die Wahl Mr. Wallingfords zum zeitweiligen Vorsitzenden und des Dr. Feldmeyer zum zeitweiligen Sekretär vollzog sich in den angenehmsten Formen. Der Rechtsanwalt, ein kleiner, trockener Herr, der nie eine Meinung äußerte, wenn er nicht gefragt wurde (und der jede Antwort sorgfältig für seine Liquidation notierte), verlas darauf die Vereinbarung, wonach die sieben anwesenden Herren ein Kompagniegeschäft eingingen zum Zweck der Gründung einer Betriebsgesellschaft auf Aktien, die sich mit der Herstellung und Verwertung der Erfindung Mr. Klugs befassen solle. Der genannte Mr. Klug als Erfinder sollte halben Gewinnanteil beziehen; die anderen Kompagnons sollten so viel Geld einschießen, als erforderlich sein würde, um den Betrieb und das Geschäft in Gang zu halten, und jeder sollte im genauen Verhältnis zu seiner Einlage am Gewinn beteiligt sein. Das war augenscheinlich der Wille und die Meinung sämtlicher Teilnehmer, und nachdem es nochmal sehr langsam und deutlich, Punkt um Punkt, verlesen worden war, wurde der Vertrag von den einfachen, achtbaren Männern unterzeichnet. Während dieser Formalität, die sich nach einigem nochmaligem genauen Nachlesen vollzog (wobei einige dicke Finger sich die Buchstaben entlang schoben), füllte der Kellner die Gläser aufs neue, und Wallingford wandte sich zu Mr. Klug.

»Was ich Sie fragen wollte, Mr. Klug«, sagte er in gedämpftem Tone, der als vertraulich gelten sollte, aber doch laut genug war, um von den Nächstsitzenden gehört zu werden. »Haben Sie mit Ihren Freunden wegen meines Patentes gesprochen?«

Jens Jensen, der neben Klug saß, übernahm es, für diesen zu antworten.

»Das ist schon in Ordnung«, rief er aus. »Wir wissen alle bereits davon.« Ein Blick auf das zustimmende Kopfnicken der anderen überzeugte Wallingford, daß die Sache tatsächlich schon in Ordnung war. Alle waren einverstanden, daß Herrn Wallingford für die unschätzbare Verbesserung am Apparat und seine Vereinfachungsidee ein Kredit von 1500 Dollars einzuräumen sei.

»Sehr gut«, sagte Wallingford. »Diese Angelegenheit wäre also erledigt.« Er hatte ein Gefühl der Erleichterung, das er indessen sorgfältig verbarg. »Als zeitweiliger Vorsitzender möchte ich jetzt den Herrn Sekretär auffordern, die Einzahlungen entgegenzunehmen.«

Die Herren am Tisch machten ernste Gesichter. Es war für sie keine Kleinigkeit, ihr sauer erworbenes und mühsam erspartes Geld herzugeben. Auf Dr. Feldmeyers Aufruf ergab sich, daß er selbst, Wallingford, Schmitt und Jensen bereit waren, je 5000 Dollars einzuzahlen, Vogel und Keßler je 2000 Dollars.

»24 000 Dollars«, verkündete der Doktor kurz.

Wallingford stand auf. »Meine Herren!« sagte er. »Es wäre unklug und ungeschäftsmäßig, totes Kapital herumliegen zu lassen. 24 000 Dollars ist mehr Geld, als wir auf einige Zeit hinaus brauchen. Ich schlage deshalb vor, daß kein Mitglied unserer Gesellschaft gegenwärtig mehr als 2000 Dollars einzahlen soll. Dann können die Herren Dr. Feldmeyer, Schmitt, Jensen und ich vorläufig je 3000 Dollars in ihren Sparbanken, Bau-Kredit-Gesellschaften und anderen zinstragenden Anstalten belassen. Wenn unsere Gesellschaft weitere Kapitalien benötigt, also vielleicht in etwa sechs Monaten, können wir die Einzahlungen immer noch erhöhen. Ich bitte, über meinen Antrag abstimmen zu lassen.«

Darauf konnte es nur eine Antwort geben. Zinsen! Die Ersparnisse aller dieser Männer hatten 3 oder 4, selten mehr als 5 % Zinsen getragen, und sie empfanden mit der Zeit fast eine größere Wertschätzung für die Zinsen, als für das Kapital. Wie klug vorsorglich von diesem Wallingford, an die Zinsen zu denken!

Die Herren begannen schon, das Geld aus ihren Brieftaschen hervorzuholen, als der kleine, vertrocknete Rechtsanwalt nicht ohne ersichtliche Mühe die sachliche Bemerkung aus sich herauspreßte, daß vor der effektiven Einzahlung erst jemand ernannt werden müßte, dem es obliegen würde, die Beträge in Empfang zu nehmen. Daraufhin nahm die Versammlung, trotzdem sie noch keine eingetragene Körperschaft darstellte, regelrechte Beamtenwahlen vor, und Mr. Klug wurde selbstverständlich zum Präsidenten gewählt. Mr. Wallingford lehnte das Amt des Vizepräsidenten und auch des Sekretärs entschieden ab. Man bot ihm auch das Amt des Schatzmeisters an, aber er war zu bescheiden, auch zu beschäftigt, um es anzunehmen. Nein, er wolle nur ein einfacher Teilhaber sein; er wolle der Gesellschaft stets mit seinem Rat und seinen Erfahrungen zur Seite stehen, ihr mit seinen schwachen Kräften helfen und ihr mit jedem Betrage beispringen, falls ihre eigenen Finanzen sich einmal als unzulänglich erweisen sollten, die »Gesellschaft für Pneumatische Registrierkassen« dem Erfolge entgegenzuführen, der ihrer unzweifelhaft wartete. So wurde denn Jens Jensen zum Schatzmeister gewählt, und Emil Keßler beantragte, daß die Teilhaber bei ihm ihre Einzahlungen hinterlegten, und daß die Versammlung sich sodann vertage. Er hatte die 2000 Dollars bei sich, die Klug ihm geliehen hatte, und er fühlte sich unbehaglich, solange er sie nicht los war.

»Ich gestatte niemand, dieses Zimmer zu verlassen«, rief Wallingford lachend aus und winkte dem Kellner, der darauf verschwand. »Wir wollen das Geld einzahlen, dann aber haben wir noch andere wichtige Geschäfte zu erledigen.«

»Mr. Wallingford wünscht, daß wir erst noch essen, trinken und uns auf Kosten der ›Amerikanischen Registrierkassen-Gesellschaft‹ unterhalten«, erklärte Dr. Feldmeyer, der eben einen Scheck ausgefüllt hatte.

Der Scherz wurde viel belacht und die Anregung fand lauten Beifall. Es war ein löbliches, ein gemeinnütziges Beginnen, einem Monopol Geld abzunehmen. In den Zeitungen lasen sie's täglich. Jawohl, die »Amerikanische Gesellschaft« sollte und mußte auf die Knie gezwungen werden, in aller Ruhe und Bequemlichkeit, ohne Aufregung; der luxuriöse Speisesaal und die starke Persönlichkeit Wallingfords waren glückverheißende Anzeichen. So leisteten denn die Herren frohgemut ihre Einzahlungen. Dr. Feldmeyer war der einzige, der mit einem Scheck bezahlte, die anderen zahlten in bar. Der Wirt, den die Pflichten der Gastfreundschaft geschäftig hielten, blieb mit seiner Zahlung noch zurück, bis die Kellner einen Lunch servierten, eine wahre Offenbarung auf dem Gebiete der »Gabelbissen«. Während der schmatzenden, fröhlichen Verwirrung des Mahles zahlte Wallingford ruhig seine 500 Dollars ein. Diese 500 und die ihm als Entgelt für sein Patent gutgeschriebenen 1500 Dollars machten seine Einzahlung, 2000 Dollars, voll. Er hatte sich somit genau mit demselben Betrage beteiligt, den alle anderen, mit Ausnahme Karl Klugs, eingezahlt hatten. Als dies vorüber war, wischte sich der schlaue Herr verstohlen den Schweiß von der Stirn und seufzte leise vor sich hin. Es hatte drei arbeitsreiche, mühevolle Tage gedauert, bis er den Anschluß an das Patent und die glänzenden Aussichten Karl Klugs gefunden hatte!

Eine Stunde später verabschiedete sich die fröhliche kleine Gesellschaft, auf die das Glück bereits zu lächeln schien, von dem gütigen Wirt. Kaum hatte aber der letzte Gast das Zimmer verlassen, als der Gütige ans Telephon eilte und seinen eigenen Anwalt, Mr. Maylie, anrief. Der Anwalt kam sofort.

»Ich möchte Sie bitten,« sagte ihm Wallingford, »sich sofort alle Daten zu beschaffen, die sich auf die ›Amerikanische Registrierkassen-Gesellschaft von Neujersey‹ beziehen. Ich will wissen, mit wem und mit welchem Erfolge diese Gesellschaft wegen Verletzung ihrer Patentrechte prozessiert hat, ferner will ich die Adressen der Personen oder Firmen haben, gegen welche diese Prozesse geführt worden sind, und schließlich möchte ich erfahren, welche Konkurrenzgesellschaften die ›Amerikanische‹ aufgekauft hat. Sie haben doch verstanden?«

»Machen wir«, antwortete Maylie zuversichtlich, und goß sich ein Glas Champagner ein. Er blickte, nachdem er das erste Glas geleert hatte, sehnsüchtig nach der Flasche; da aber Wallingford ihn nicht aufforderte, ein zweites Glas zu trinken, ging er fort.

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