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Das Geld auf der Straße

George Randolph Chester: Das Geld auf der Straße - Kapitel 13
Quellenangabe
typefiction
authorG. R. Chester
titleDas Geld auf der Straße
publisherErich Reiß Verlag
yearo.J.
translatorC. A. Bratter
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20140828
projectida5102f67
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12. Kapitel.
Worin J. Rufus sich der Fabrikation von Registrierkassen widmet.

Erst als der Zug über die letzte Vorstadt hinausgefahren war, fand Wallingford, der mit seiner Frau in einem reservierten Abteil eines Schlafwagens saß, seine gewöhnliche muntere Laune wieder.

»Du hast doch das Päckchen ›amerikanische Pässe‹ wohl verwahrt, Fanny?« fragte er.

»Jawohl, sie sind gut aufgehoben, aber ich bin doch froh, wenn ich sie los bin«, antwortete sie. Sie öffnete ihre Handtasche, leerte sie aus, trennte mit einem Taschenmesser den falschen Boden auf und zog ein flaches Bündel Tausend-Dollarnoten heraus, das sie ihm einhändigte. Er zählte sie.

»Vierzig!« rief er jubelnd aus. Dann schlug er sich auf die Knie und lachte laut. »Ich sehe den Hungerleider, den Neil, vor mir, wie er seinen Gimpeln von ›Delegierten‹ betrübt mitteilt, daß Mr. Wallingford sein Guthaben bei der ›Second National Bank‹ trotz alledem bis auf den letzten Pfennig behoben hat. Jawohl, das hat J. Rufus Wallingford tatsächlich an dem Tage, an dem er sein Bankbuch verloren hatte, getan. Ich habe aber noch ein übriges getan. Ich habe zwar das Gesetz auch ohne das auf meiner Seite, aber um ganz sicher zu gehen, habe ich vor unserer Abreise noch einen Notar herausgetrommelt und eidesstattlich versichert, daß ich den Scheck unter Zwang ausgestellt habe. Die Bank erhält diese eidesstattliche Versicherung, noch ehe ihr der Scheck präsentiert und das Beschlagnahmeverfahren eingeleitet werden kann.«

Er lachte wieder, aber seine Frau teilte diese Frohlaune nicht.

»Mir gefällt die Sache nicht«, sagte sie. »Du treibst es immer bunter, und eines Tages wird es zu spät sein. Und noch etwas: ist es dir nicht aufgefallen, daß unser Geld uns keinen Segen bringt?«

»Du wirst ganz anders reden, wenn wir uns erst einmal irgendwo fest niederlassen und dann anfangen, unser Leben zu genießen«, beruhigte ihr Mann sie. »Weißt du denn, was dieses Päckchen Banknoten für uns bedeutet? Daß wir, solange das Geld vorhält, das Salz der Erde sind; daß wir uns ein ganzes Jahr lang nicht nur jeden Luxus dieser Welt bieten können, sondern daß jeder, dem wir begegnen, alles aufbieten wird, uns das Leben angenehm zu machen.«

Zu diesem Endzweck mietete Wallingford, wieder in Neuyork angekommen, ein Appartement für 200 Dollars wöchentlich und begann aufs neue auf größtem Fuße zu leben. Er bereute nicht den gestrigen und sorgte sich nicht um den morgigen Tag, sondern lebte nur dem kostbaren (und kostspieligen) Augenblick. In solchen Augenblicken der »Schonzeit«, wie sie es nannte, das heißt der Pausen zwischen den mehr als zweifelhaften Geschäften ihres Mannes, söhnte sich Frau Wallingford mit ihrer Lebensweise aus, oder, genauer gesagt, hieß sie das feinere sittliche Gefühl, das in jeder Frau schlummert, schweigen. In den Tagen, in denen Wallingford nichts »verdiente«, sondern nur »verdientes« Geld ausgab, war sie es zufrieden, die große Dame zu spielen, sich auserlesene Toiletten anzuschaffen, sich mit glitzernden Edelsteinen zu schmücken, Stätten des Glanzes aufzusuchen, in denen die elegante Welt verkehrt, wenngleich sie dort keine Bekanntschaften anknüpfen konnte, mit einem Wort, sich mit jedem Luxus zu umgeben, der für Geld zu haben ist, und durch einen bloßen Druck auf einen Knopf jede Laune zu befriedigen. Und ihr Mann suchte und fand seine höchste Befriedigung darin, Geld wie ein Fürst auszugeben, sich möglichst oft, möglichst auffallend und auf möglichst neue Art als reicher Herr aufzuspielen, damit die Leute sich nach ihm umsähen und fragten, wer er wohl sein möge. Das war ihm der höchste Lebensgenuß.

Nur eines, sein ruheloser Geist, hinderte ihn, dieses taten- und verdienstlose Leben fortzuführen, ehe die 40 000 Dollars ganz dahingeschmolzen waren. Nach zwei Monaten dieser weichlichen Untätigkeit war es ihm ein dringendes Bedürfnis, wieder etwas Aufregendes zu erleben. Die Rennsaison, die eben einsetzte, befriedigte eine Zeitlang dieses Bedürfnis. Jeden Nachmittag war er auf dem Rennplatz und wettete Tausende mit demselben Gleichmut, wie andere einen Fünfer. Er wußte natürlich, wohin dies führen müsse, aber er machte sich nichts daraus. Was lag daran, ob er sein Geld in mehr oder weniger kurzer Zeit ausgab? Auf seinen unermeßlichen Jagdgründen lag ja noch viel mehr Geld; und wenn das, was er eben besaß, ausgegeben war, so brauchte er nur in die Welt hinauszuziehen, um sich neues zu holen. Er erschrak daher nicht allzusehr, als er eines Morgens beim Verrechnen die Entdeckung machte, daß ihm nur noch ein Bruchteil seines »Versicherungsfonds« (wie er es nannte) übriggeblieben war.

Am selben Tage erhielt er ein dringendes Telegramm von »Blackie« Daw. Er las es, pfiff leise vor sich hin und reichte es stumm seiner Frau.

»Du wirst doch nicht hinfahren?« fragte sie unruhig.

»Natürlich werde ich«, erklärte er ihr bestimmt. »Blackie ist der einzige, auf den ich mich verlassen kann, daß er einmal mir heraushilft, wenn ich zufällig in solch unangenehmer Lage bin.«

»Aber, Jim, du hast doch eben gesagt, daß du nur noch knapp 6000 Dollars hast.«

»Das ist schon richtig«, entgegnete Wallingford. »So wie wir jetzt leben, müßten wir doch in spätestens einem Monat von hier weg und uns nach neuen Mitteln umsehen. Ich werde 5000 für Blackie einstecken (er deutete auf das Telegramm) und ein paar hundert für meine Ausgaben. Den Rest behältst du, und wir ziehen sofort aus diesem Appartement fort. Ich verschaffe dir eine hübsche kleine Wohnung für etwa 20 Dollars wöchentlich, und ehe ich zurückkomme, werde ich schon etwas aufgegabelt haben, was uns wieder Geld einbringt.«

Im Innern war er mit dieser Wendung der Dinge ganz zufrieden. Die Untätigkeit begann ihm auf die Nerven zu fallen, und das Telegramm Blackies, das ihn dringend aus Neuyork fort berief, paßte durchaus zu seinen Plänen. In kurzer Zeit hatte er seine Frau anderweitig gut untergebracht; dann begab er sich sofort zum Bahnhof, denn er hatte nicht mehr viel Zeit, wenn er den Zug noch erreichen wollte. So wenig Zeit er aber auch hatte, für das Schicksal, das über seinem Leben waltete, war es genug, um eine Begegnung herbeizuführen, die für ihn von Wichtigkeit werden sollte.

Als er auf dem Bahnsteig einem Träger sein Handgepäck übergab, rannte ein geräuschvoller, kleiner Mann, sichtlich ein Deutscher, den Perron entlang zu dem Zugführer, der unablässig auf seine Taschenuhr blickte, um das Zeichen zur Abfahrt zu geben.

»Ich habe meinen Regenschirm vergessen«, sprudelte der Kleine hervor.

»Zu spät«, erklärte der Autokrat bestimmt. Er sagte es nicht schroff, nicht unfreundlich, aber in dem festen Tone der unerschütterlichen Pflichterfüllung.

Die Augen des Kleinen blitzten durch seine Brille, sein Gesicht rötete sich heftig, sein grauer Schnurrbart schien sich zu sträuben. »Es ist aber der Regenschirm meiner Frau!« drängte er, als ob dies für den Zugführer etwas ganz anderes wäre.

Der Sklave seiner Pflicht lächelte nicht einmal. Sein Arm hob sich, und einen Augenblick später hätte seine gebieterische Handbewegung den Zug Nr. 18 in Bewegung gesetzt. Aber gerade in diesem Augenblick berührte der Schaffner des Pullmanwagens, der neben ihm stand, den blauen Arm der Autorität.

»Nur noch einen Moment«, sagte der Schaffner und deutete mit dem Finger auf die Plattform des Pullmanwagens. »Dort kommt ein Passagier, der sehr noble Trinkgelder hergibt. Von einem Dollar aufwärts. Ich kenne ihn, er ist schon früher mit mir gefahren.«

Der Kapitän des Achtzehnerzuges warf einen Blick auf besagten Passagier und nickte.

»Ich kenne ihn auch«, sagte er. »Na, meinetwegen.« Und zu dem unruhig zappelnden Deutschen: »Machen Sie schnell!«

Karl Klug, dem Wallingford diese Vergünstigung verschafft hatte, lief dem Wartesaal zu und kam keuchend zurück, um gerade noch im allerletzten Augenblick den Rauchwagen des Zuges zu besteigen, der sich eine Sekunde darauf in Bewegung setzte. Ganz außer Atem stieg er die wenigen Stufen empor und ließ sich, aus allen Poren schwitzend, auf einem Sitz neben Wallingford nieder. Den Schirm hatte er nicht mitgebracht.

»Schrecklich!« rief er aus. »Alle Menschen hier sind Gauner. Keine fünf Minuten habe ich ihn im Wartesaal liegen lassen, und schon ist er fort. Fort! Und noch dazu der Schirm meiner Frau!«

Unter gewöhnlichen Umständen würde Herr Klug, der trotz seines dreißigjährigen Aufenthaltes in Amerika die Standesanschauungen seiner alten Heimat noch nicht verlernt hatte, ganz gewiß diesen Fremden, der mindestens wie ein Graf aussah, nicht angesprochen haben. Aber jetzt war er zum Überlaufen zornig, und er mußte einfach eine teilnehmende Seele haben, vor der er die Schale seines Grimmes ausschütten konnte. Wallingford ließ ihn gewähren. Es lag nicht in seiner Art, andere, auch minder wohlhabend aussehende Menschen abzuweisen. Er lachte nur. Um seine halb geschlossenen Augen zuckten hundert lachende Fältchen, und sein rotes Gesicht wurde noch röter.

»Sie haben ganz recht«, sagte er. »Wenn ich in Neuyork bin, so trage ich alles, was ich besitze, immer vor mir her, und wenn ich mich umdrehen will, so halte ich es mit den Händen fest.«

»So ist es auch«, stimmte Karl Klug zu. »Drei Tage lang bin ich hier gewesen, und was habe ich für Menschen angetroffen! Jeder, aber auch jeder, mit dem ich zu tun hatte, gehört ins Zuchthaus. Jawohl, ins Zuchthaus!«

Irgend etwas besonders Unangenehmes mußte ihm bei diesen letzten Worten eingefallen sein, denn er stieß sie heftig hervor, fast schreiend, und schlug sich mit beiden Fäusten auf die Knie. Er beugte den Kopf vor, und sein Schnurrbart sträubte sich wieder. Wallingford musterte ihn mit Kennerblick. Klugs Anzug war fertig gekauft, aber er war von sehr gutem Stoff. Sein Gesicht war intelligent und zeugte von angestrengter Denkarbeit. Seine mageren Hände waren rauh, die Finger geschmeidig, die Außengelenke zurückgebogen, namentlich der Daumen, der beinahe einen Halbkreis beschrieb. Die Innenseite der Finger war von unzähligen kleinen Linien und Furchen durchzogen. Allen diesen Anzeichen nach war der Mann ein Mechaniker, und zwar ein geschickter. Diese Finger wußten mit kleinen Maschinenbestandteilen gewandt umzugehen, und jahrelanges Hantieren mit Schmieröl hatte schwarze Spuren auf den zahllosen kleinen Furchen hinterlassen.

»Hat man Sie hochgenommen?« fragte Wallingford mit einem Anflug lebhafteren Interesses, das über bloße höfliche Teilnahme hinausging.

»Es ist ihnen vorbeigelungen«, antwortete Klug in derselben burschikosen Sprache, und Wallingford bemerkte daraus, daß der kleine Deutsche sich auf die volkstümliche Ausdrucksweise der Amerikaner, den »slang«, verstand. »Ich bin ihnen doch zu smart gewesen.« Er dachte eine Weile nach und sagte dann: »Wer weiß? Vielleicht stehlen sie mir mein Patent doch noch auf irgendeine Weise.«

Sein Patent! Wallingford spitzte die kleinen, dicken Ohren. Die Zigarre, die er eben zum Munde führen wollte, blieb auf halbem Wege in seiner Hand.

»Sie haben wohl ein Patent verkaufen wollen?« fragte er.

»Dreihundert Dollars haben sie mir geboten«, antwortete Klug heftig und schlug sich nochmals mit beiden Fäusten auf die Knie. »Sechs Jahre lang habe ich in meiner Werkstatt an einer Maschine gearbeitet, die sich von allen anderen dieser Art wesentlich unterscheidet, und die glatt funktioniert. Und wie ich zu ihnen kam, hatten sie bereits eine Abschrift von meinem Patent und zeigten es mir. Sie haben sie vom Patentamt für 5 Cents gekauft. Ich soll mir ihre Idee angeeignet haben! Daß sie mich nicht einen Dieb genannt haben, war alles. Dreihundert Dollars haben sie mir geboten!«

Wallingford dachte ernsthaft nach.

»Ist wohl eine gute Maschine, die Ihrige?« sagte er dann.

»Das will ich meinen«, antwortete der Kleine voll Selbstgefühl.

»Was für Leute sind das?«

Einen Augenblick zauderte Klug mißtrauisch, aber die Erscheinung dieses Fremden war äußerst beruhigend. Der sah aus wie der verkörperte Wohlstand, solidester Wohlstand, hinter dieser breiten Brust und dieser Brillantnadel konnte keine Falschheit wohnen. Übrigens war Klug noch immer zornig, und Zorn verträgt sich nicht mit Vorsicht.

»Die ›Amerikanische Registrierkassen-Gesellschaft von New Jersey‹«, antwortete er, jede Silbe unterstreichend.

Wallingfords Interesse wuchs mit jedem Augenblick.

»Dann haben Sie wirklich ein gutes Patent«, sagte er. »Wenn die Leute Ihnen 300 Dollars geboten haben, so ist es Tausende wert, sonst würden sie keinen Pfennig dafür hergeben. Die Gesellschaft hat Hunderte von Patenten aufgekauft, aber Sie haben offenbar etwas, was ihnen noch fehlt.«

»Vierhundertzwölf Patente haben sie gekauft«, teilte Klug mit. »Ich habe jedes einzelne genau geprüft, habe sechs Jahre lang jeden Draht, jeden Stift, jede Feder untersucht. Meine Maschine ist etwas ganz Neues; die Gesellschaft hat nichts Ähnliches. Sie hat einen Menschen angestellt, der nichts anderes zu tun hat, als sich um alle Patente dieser Branche zu kümmern. Wissen Sie, was er mir gesagt hat? ›Jawohl,‹ hat er gesagt, ›ich weiß schon,‹ hat er gesagt, ›Sie haben sechs Jahre lang gearbeitet, in der Hoffnung, uns eines Tages mit Ihrer Maschine Geld zu erpressen. Wenn Sie glauben, daß Sie Ihre Maschine fabrizieren und Geld damit verdienen können, so probieren Sie's doch!‹ Jawohl, das hat er gesagt!«

Wallingford nickte verständnisvoll.

»Natürlich«, sagte er. »Die Gesellschaft hat noch gegen jeden, der seine Nase in ihr Geschäft steckte, entweder Prozeß geführt, oder sie hat ihn aufgekauft. Ich kenne sie. Wenn Sie eine gute, neue Erfindung gemacht haben, so war es unklug von Ihnen, zuerst zu dieser Gesellschaft zu gehen. Sie hat Ihnen, wie sie es immer tut, den Betrag angeboten, den sie für den ersten Prozeß gegen Sie ausgegeben haben würde, und einen Prozeß hätte sie unter allen Umständen gegen Sie angestrengt. Das tut sie grundsätzlich. So verkauft man kein Patent. Sehen Sie, darum sterben auch alle Erfinder arm. Sie müssen die Sache anders anfassen. Sie müssen mit der Fabrikation der Maschine anfangen und die Leute an Sie herantreten lassen. Sie müssen ihnen einen Schrecken einjagen.«

Die bloße Anregung jagte aber ihm, dem Kleinen, Schrecken ein. »Ach herrje, nein!« rief er abwehrend aus und schüttelte heftig den Kopf. »Ich habe nicht Geld genug für so was. Ich würde mein ganzes kleines Vermögen dabei zusetzen.«

»Es gehört gar nicht so viel Geld dazu, wenn man es nur richtig anwendet«, entgegnete Wallingford. »Verwenden Sie so wenig Kapital wie möglich für die Fabrikation und heben Sie sich das meiste für Prozesse auf. Ich wette, ich kann Ihr Patent für Sie verkaufen.« Er dachte wieder nach, und seine Augen leuchteten immer heller; er blickte sinnend hinaus in die vorbeihuschende Landschaft. »Ich will Ihnen sagen, was Sie tun müßten. Gründen Sie eine Gesellschaft, und ich werde selbst einen Teil der Aktien kaufen.«

»Ach was, diese Gesellschaften sind alle Humbug, und ich will nichts davon wissen!« rief Klug mit explosiver Heftigkeit aus. »Ich gebe mich mit Aktiengeschäften nicht ab. Ich habe schon einmal Aktien gehabt, mehr als mir lieb war, und werde nie wieder Aktien kaufen oder verkaufen, nie mehr. Ich habe noch einige, die ich gern abgeben möchte.«

»Dann gehen Sie doch mit jemandem in Kompagnie. Sie haben doch sicher vier oder fünf Freunde, die jeder 5000 Dollars einlegen könnten?«

»Das schon«, entgegnete Klug. »Ich bin Präsident der Bau-Kredit-Genossenschaft ›Germania‹,« setzte er nicht ohne Selbstgefühl hinzu.

»Dann können Sie natürlich über Geld verfügen«, sagte Wallingford in einem Ton, aus dem Achtung vor der gesellschaftlichen Stellung Klugs deutlich hervorklang. »Ich werde so viel einlegen wie jeder andere, und Sie schießen Ihr Patent gegen halben Gewinnanteil ein. Wir fangen sofort mit der Fabrikation an, und wenn Ihre Maschine etwas taugt – und sie muß es wohl, da die Gesellschaft Ihnen sonst nicht einen Pfifferling für das Patent angeboten haben würde – so zwinge ich die Neu Jerseyer auf die Knie und bringe sie dahin, daß sie uns bitten, ihr Geld anzunehmen. Es gibt schon Mittel, sie dazu zu bringen.«

»Die Maschine taugt schon etwas«, erklärte Klug selbstbewußt. »Warten Sie, ich werde sie Ihnen zeigen.«

Neben seinem Sitz lag ein großer Kasten, der wie ein Schreibmaschinenfutteral aussah, nur daß er größer war.

»Kommen Sie damit in den Salonwagen«, riet Wallingford.

Es war das erstemal, daß Klug in einem dieser Wagen war, in denen es so exklusiv aussah und alles nach Reichtum roch. Er hatte oft von sicherem Reichtum geträumt, aber diese Träume waren rauh zerstört worden. Noch einmal stiegen sie in ihm auf, als er den Kasten öffnete und den Apparat dem Fremden erklärte, der, wie er von ihm erfuhr, nach derselben Stadt reiste wie er selbst. Es war eine pneumatische Maschine; jede Taste setzte einen Hebel in Bewegung, welcher die den Betrag aufweisenden Kärtchen geräuschlos herausschleuderte. Sie war in jeder Hinsicht perfekt, und Wallingford untersuchte sie mit verständnisvoller Genauigkeit, die Klugs Achtung vor ihm noch erhöhte. Während er aber die Patentzeichnungen mit der Maschine verglich und anscheinend nur mit dem Studium des Mechanismus beschäftigt war, flog sein geschäftiger Geist weit darüber hinaus, suchte neue Möglichkeiten, löste verworrene Fäden, die sich in seinem Gehirn spannen, und knüpfte sie fest zusammen.

»Gut«, sagte er schließlich. »Wie ich schon sagte, ich werde mich in Ihre Gesellschaft einkaufen. Setzen Sie sich sofort mit Ihren Freunden in Verbindung und fangen Sie schnellstens mit der Fabrikation dieser Maschine an. Ich garantiere Ihnen, daß Sie einen angemessenen Preis für Ihr Patent erhalten werden.«

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