Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > George Randolph Chester >

Das Geld auf der Straße

George Randolph Chester: Das Geld auf der Straße - Kapitel 10
Quellenangabe
typefiction
authorG. R. Chester
titleDas Geld auf der Straße
publisherErich Reiß Verlag
yearo.J.
translatorC. A. Bratter
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20140828
projectida5102f67
Schließen

Navigation:

9. Kapitel.
Worin Wallingford Herrn Clover zeigt, wie man Witwen und Waisen Gutes erweist.

Frau Bishop war eine kleine, nervös aussehende Frau von 45 Jahren. Ihr dünnes Haar trug sie von ihrer schmalen Stirn so stramm nach rückwärts gekämmt, daß man vom bloßen Ansehen Kopfweh bekam. Sie saß, als Wallingford und Clover bei ihr vorsprachen, in ihrer ärmlichen »guten Stube«, die runzligen, abgearbeiteten Hände auf ihrem Schoß. Es war dies am Tage nach dem Begräbnis, und sie brach, als die Besucher sich anmeldeten, in Tränen aus.

»Madame,« deklamierte Clover in den tiefsten und teilnahmsvollsten Tönen, über die er verfügte, »es ist das edle Vorrecht des ›Hohen Ordens der Freundeshand‹, die Tränen der Witwen und Waisen zu trocknen und auf ihrem Pfade des Jammers das Licht der Hoffnung leuchten zu lassen. Es gereicht uns zur Freude, Ihnen als ein Zeugnis der sorgenden Liebe Ihres Gatten diesen Scheck auf 1000 Dollars zu überreichen.«

Frau Bishop nahm den Scheck an sich und brach abermals in hemmungsloses Schluchzen aus, was Herrn Wallingford sichtlich erhebliches Mißvergnügen bereitete. Er vermied es, wo er irgend konnte, in andere als frohe Gesichter zu blicken.

Clover räusperte sich.

»Die weit ausschauende väterliche Fürsorge des ›Hohen Ordens der Freundeshände‹«, fuhr er salbungsvoll fort, »ist aber hiermit nicht zu Ende. Die Familie eines jeden unserer Mitglieder wird in solchen traurigen Fällen ganz von selbst ein Schützling des Ordens. Sie mag sich getrost an uns wenden, sie wird Hilfe, Rat und Wohltat vom Orden empfangen. Wir sind eine Schar von Freunden, die sich vereinigt haben, um einander in den Tagen der Sorge und des Kummers beizustehen.«

Clover hielt einen Augenblick inne, um ein Zeichen des Beifalls von Wallingford zu erhaschen. Dieser vermutete (und er vermutete richtig), daß die von Clover vorgetragene, eindrucksvolle Sentenz dem Ritual des Ordens entnommen sei, und er hätte beinahe spöttisch gelächelt. Da aber gerade in diesem Augenblick Frau Bishop ihn anblickte, so nickte er ernst.

»Wir wollen unter diesem Gesichtspunkt zunächst von den 1000 Dollars sprechen, die Sie in der Hand halten, Frau Bishop«, setzte Clover seine (nach Wallingfords Leitsätzen sorgfältig vorbereitete) Rede fort. »Wir halten es für unsere Pflicht, Sie zu mahnen, das Geld weise anzuwenden, da Sie anderen Falles die auf Ihre Zukunft bezüglichen Absichten Ihres sorgenden Gatten nicht verwirklichen würden. Wie dachten Sie diese kleine, runde Summe anzulegen?«

Frau Bishop blickte durch ihre Tränen auf den Scheck. Sie fing eben erst an, zu begreifen, daß er wirkliches Geld darstellte (was ohne die Dazwischenkunft des ränkevollen Wallingford auch tatsächlich der Fall gewesen wäre). Clover hatte beabsichtigt, ihr die 1000 Dollars in zehn neugebackenen Hundert-Dollarnoten auszuzahlen (wohl des stärkeren Effektes halber), aber sein verschlagener Ratgeber hatte bemerkt: wenn die Frau erst die knisternden Scheine in den Fingern habe, werde sie sie nicht mehr loslassen; ein Scheck sei etwas ganz anderes, ein »Fetzen Papier«.

»Ja so«, stammelte Frau Bishop. »Meine Tochter Minnie meint, wir sollen uns Kleider anschaffen und auf ein Klavier anzahlen und Kohlen und Lebensmittel für den Winter einlegen und den Rest auf die Bank tragen. Minnie ist meine jüngere Tochter. Sie ist eben mit der Mittelschule fertig geworden und will jetzt in eine Handelsschule eintreten. Meine ältere aber, die Hattie, will davon nichts wissen. Sie sagt, wenn Minnie eine Stellung in dem Geschäft annimmt, in dem sie selbst arbeitet, so kann die Familie von dem Gehalt der beiden Mädels leben, und ich soll die 1000 Dollars nehmen und damit den Rest der Hypothek, die auf dem Häuschen liegt, abtragen. Die Hypothek kostet 6 % jährlich.«

»Ihre Tochter Hattie ist eine sehr vernünftige junge Dame«, sagte Wallingford sehr ernst. »Es wäre Torheit, diese 1000 Dollars für persönlichen Luxus auszugeben; aber ebenso unrichtig wäre es, die Gewinnmöglichkeiten einzubüßen, die dem Gelde innewohnen.«

Das war die Stimme von Wall Street, die Stimme der Großbanken, die Seele und die Essenz aller finanziellen Weisheit, und Frau Bishop fühlte es erschauernd.

»Madame,« fuhr Clover in seinem Sermon fort, »der Hohe Orden der Freundeshand hat fürsorglich an eine sichere und einträgliche Anlage der Gelder gedacht, die den Witwen und Waisen seiner Mitglieder, den Familien, die der Orden unter seinen Schutz nimmt, hinterlassen werden. Der Orden hat von seinem Kapital einen Teil, und zwar den Teil mit dem höchsten Dividendenerträgnis, abgetrennt und einer eigens geschaffenen »Verwertungsabteilung« des Ordens überwiesen, deren Präsident, beiläufig bemerkt, ich bin; und dieser Herr hier, der eminente Kapitalist und Philantrop, Herr J. Rufus Wallingford, ist einer ihrer leitenden Geister.« Die weit ausholende Handbewegung, mit der er auf den Wohltäter und vielfachen Millionär hinwies, und Wallingfords dankende Verbeugung war ein wirklich sehenswerter Anblick. »Die edelmütigen Herren, die jene wohltätige Einrichtung ins Leben riefen, haben soeben durch eine weitere reiche Zuwendung die Benefizien für unsere Mitglieder erhöht. Die ›Verwertungsabteilung‹ gibt Anteilscheine aus, die Ihnen nicht weniger als 12 % jährlich tragen werden. Ihre Einlage, die 1000 Dollars, können Sie jederzeit zurückziehen. Bedenken Sie, Madame, mit einem solchen Einkommen können sie die Hypothekzinsen abzahlen, und am Ende eines jeden Vierteljahres bleibt Ihnen immer noch eine nette, kleine Summe. Bedenken Sie das, bitte! Jede drei Monate Geld, und Ihre 1000 Dollars sicher angelegt und stets zu Ihrer Verfügung!«

Frau Bishop begriff langsam, aber sie begriff. Freilich trugen die Angaben, die Clover ihr machte, die Zahlen, die er ihr vor Augen hielt, weit weniger zu ihrem Verstehen bei als der Anblick Mr. Wallingfords. Er war so groß, so stattlich, er sah so ehrenfest, so solide aus, so ganz wie verkörperte Rechtschaffenheit und Wohlhabenheit. Ein riesengroßer Brillant glitzerte auf seinem Finger, ein anderer auf seiner Krawatte; jeder von beiden war sicherlich mehrere hundert Dollars wert. Seine Kleider waren von modernstem Schnitt und feinstem Stoff. Sogar seine Socken, deren schmalen Rand Frau Bishop über seinen Halbschuhen sehen konnte, waren von Seide. Frau Bishop hatte das wohl bemerkt.

Die Tür öffnete sich, und ein siebzehn- oder achtzehnjähriges Mädchen trat ein. Daß sie ungewöhnlich hübsch war, konnte man schon an den sich plötzlich erweiternden Augen Wallingfords ersehen.

»Dies ist wohl Ihre Tochter Minnie?« fragte der gütige Herr, in dem alle menschenfreundlichen Instinkte des Schützens und Hegens mit einem Male wach wurden.

Frau Bishop stellte, ein wenig geziert, ihre jüngere Tochter den beiden Glückbringern vor, und Minnie zierte sich ein wenig auf eigene Rechnung. Sie wußte, daß sie hübsch war. Sie las in den Augen des reich aussehenden, fein gekleideten Herrn, daß sie hübsch war. Sie sah an dem freundlichen Lächeln Clovers, daß sie hübsch war. Und ihre Eitelkeit war ganz außerordentlich geschmeichelt.

Eine glänzende Idee schoß plötzlich Herrn Wallingford durch den Kopf.

»Mir fällt eben ein,« sagte er, »auf welche Art die Meinungsverschiedenheiten zwischen Ihren Töchtern ausgeglichen werden können. Wir werden eine neue Kraft für unser Bureau gebrauchen, und Miß Bishop soll die Stelle erhalten. Sie kann bei uns bald mehr Geld verdienen als je in einem Laden, und kann dabei eine bessere Schule durchmachen, als in einer Handelsschule. Wie gefällt Ihnen der Vorschlag, Miß Bishop?«

»Ganz ausgezeichnet«, entgegnete Minnie mit einem großen, runden Blick auf Wallingford.

Sie hatte den vielsagenden Blick mehr aus Gewohnheit als aus Berechnung auf ihn geworfen. Ihr Spiegel und die kleinen Galanterien ihrer jungen Freunde hatten eine Neigung zur Koketterie in ihr hervorgerufen. Es tat ihr wohl, ihre Macht zu fühlen und fühlen zu lassen, zu sehen, wie sie auf erwachsene Männer Eindruck machte.

So war jeder der Anwesenden zufriedengestellt, und man trennte sich im besten Einvernehmen. Wallingford und Clover entfernten sich, nachdem Frau Bishop ihnen den Scheck auf 1000 Dollars zurückgegeben hatte. Frau Bishop hatte, der getroffenen Abmachung zufolge, das Sterbegeld in Höhe von 1000 Dollars ausgezahlt erhalten und Herrn Clover Quittung darüber gegeben; die nämlichen 1000 Dollars hatte sie dem nämlichen Herrn als Anlage in der »Verwaltungsabteilung« des Ordens übergeben und dafür einen auf diesen Betrag lautenden Anteilschein erhalten.

Clover war ganz Jubel und Bewunderung.

»Es ist ganz ausgezeichnet gegangen!« rief er, mit Wallingford in das unsaubere kleine Bureau zurückgekehrt, einem jungen Manne zu. »Hier sind die 1000 Dollars, Mr. Neil.« Er legte den Scheck auf den Tisch. »Ich hätte, weiß der Himmel, darauf geschworen, daß das Geld futsch sei, und wenn noch ein anderes Mitglied gestorben wäre, so hätten wir schön in der Tinte gesessen.«

Mr. Neil war ein junger Mensch, der immer die Stirn runzelte, wie wenn er beständig Sorgen hätte oder über etwas nachdächte. Seine Manschetten hatten fasrige Ränder. Er war der »Hohe Ober-Großsekretär« des Ordens.

»Kann ich jetzt die 50 Dollars haben?« fragte er Clover leise. »Ich muß endlich meine Pensionsrechnung bezahlen.«

»Auf keinen Fall!« antwortete der »Hohe Ober-Großmeister« laut und im entrüsteten Ton gekränkter Rechtschaffenheit. »Diese 1000 Dollars gehören zum Versicherungs-Reservefond.«

»Na, na«, warf Wallingford hier ein. »Beruhigen Sie sich nur und stellen Sie Ihren Weckapparat ab. Die Dinge liegen ganz anders. Sie haben mit diesen 1000 Dollars soeben das Sterbegeld für ein Mitglied ausgezahlt, und der Reservefond hat sich um diesen Betrag verringert. Gleichzeitig hat eine Privatperson sich soeben für 1000 Dollars einen Anteilschein der reorganisierten ›Treuhand-Gesellschaft der Freundeshand‹ erworben und den Betrag zu Ihren Händen hinterlegt. Geben Sie dem Mr. Neil seine 50 Dollars und geben Sie mir einen Scheck auf meine 250 Dollars. Dann wollen wir ein anständiges Bureau auftreiben und die dazugehörigen Möbel kaufen.«

»Dann wird von den 1000 Dollars nicht viel übrigbleiben«, meinte Clover mürrisch.

»Wieso nicht?« entgegnete Wallingford erstaunt. »Sie glauben doch nicht etwa, daß wir irgend etwas bar bezahlen werden? Ich weiß nicht, ob und wieviel Sie Kredit haben, aber mein Kredit ist gut.«

Sein Kredit! Er war noch keine vier Stunden in Chicago! Aber als Clover nochmals einen Blick auf ihn warf, konnte er Wallingfords Selbstsicherheit begreifen. Seine Erscheinung an sich wirkte wie eine solide Garantie, wie eine allerorten hinterlegte hohe Kaution. Er ersuchte nicht erst lange um Kredit; er nahm ihn als etwas Selbstverständliches in Anspruch. Clover sagte sich, als er diesen Gedanken schnell analysierte: die Mittel und Hilfsquellen dieses reichen Mannes müssen enorm sein, da ja sein Reichtum förmlich durch sein Auftreten hindurchleuchtet. In Wahrheit besaß Wallingford, nachdem er seine riesige Hotelrechnung in Neuyork und die Eisenbahnfahrt im teuren Salonwagen bezahlt hatte, in diesem Augenblick ganze 10 Dollars.

»Jetzt könnten wir eigentlich unsere persönlichen Geschäfte zum Abschluß bringen«, meinte Clover und reichte seinem neuen Kompagnon den Scheck auf 250 Dollars. »Ich überschreibe Ihnen die Hälfte meines Aktienbesitzes, mit dem ich an dem Orden beteiligt bin. Ich besitze 86 Aktien, der Sekretär 10 und Strohmänner, die als Direktoren fungieren, vier. Ich überschreibe Ihnen also 43 Aktien zu 100 Dollars, und Sie geben mir 2000 Dollars.«

»Einverstanden«, erklärte Wallingford. Beide setzten sich an den Tisch und schrieben. Clover übertrug Herrn Wallingford 43 Aktien der »Treuhand-Gesellschaft der Freundeshand« m. b. H. und erhielt dafür einen rechteckigen Streifen Papier. Sein Gesicht rötete sich, als er ihn ansah.

»Ja, das ist doch gar kein Scheck!« rief er empört aus. »Das ist ein Akzept auf 90 Tage!«

»Gewiß doch!« sagte J. Rufus Wallingford. »In unseren Besprechungen ist nie von Bargeld die Rede gewesen.«

»Ich kann aber nur Bargeld gebrauchen, nichts anderes als Bargeld!« schrie der andere und schlug mit der haarigen Faust auf den Tisch.

»Wie töricht!« schalt Wallingford lächelnd. »Ich sehe schon, ich werde Ihnen noch eine Menge beibringen müssen, damit Sie verstehen lernen, was Geschäft ist. Rückt eure Stühle näher und hört zu; ich werde euch meinen Plan ausführlich auseinandersetzen. Wenn Sie, Clover, mein Akzept auch dann nicht wollen, so können Sie nach Ihrer eigenen Fasson pleite gehen. Wir werden folgendes tun: Wir organisieren eine neue Betriebsgesellschaft mit 250 000 Dollars, zerlegt in 10 000 Aktien zu 25 Dollars. Wir kaufen die alte 10 000-Dollar-Gesellschaft für 150 000 Dollars in Aktien der neuen Gesellschaft auf. Auf den Kopf verteilt, werden auf Sie und mich, Clover, nahezu je 2600 Aktien entfallen; Mr. Neil wird anstatt seiner jetzigen 10 Aktien deren 600 erhalten, und 4000 Aktien werden als Kassenbestand verbleiben. Diese werden wir an unsere alten Mitglieder verkaufen. Dann setzen wir eure jetzige Versicherungsprämie um ein Viertel herab und verwenden die 100 000 Dollars, die wir durch die Aktienverkäufe hereinbekommen, dazu, neue Mitglieder zu werben, denen wir dann wieder Aktien verkaufen werden. Mittlerweile wird jeden Tag Geld hereinkommen. Sie und ich, Clover, werden jeder 100 Dollars wöchentlich Gehalt beziehen, und Mr. Neil wird wohl auch nichts dagegen haben, wenn er jede Woche 50 Dollars nach Hause trägt.«

Auf Neils Gesicht kämpfte die Freude einen langen Kampf mit den Sorgenfalten, die sich während der Ausführungen Wallingfords noch tiefer gefurcht hätten. Er hatte bisher nie mehr als 15 Dollars die Woche verdient, aber er war so ganz mit Leib und Seele Versicherungsmensch, daß er bei dem ›Finanzplane‹ Wallingfords ein leichtes Hautjucken empfand.

»Ja – das wäre so weit ganz schön«, sagte er. »Wie steht es aber mit der effektiven Versicherung? Wie können wir bei einer um ein Viertel verringerten Prämie unseren Verpflichtungen nachkommen? Eine kurze Weile mag es ja gehen, wenn aber unsere Mitglieder älter werden und die Sterblichkeitsrate wächst, so werden auch die Sterbegelder zunehmen, und wir werden sie nicht zahlen können. An der Hand der Sterblichkeitsstatistik ...« Er holte eine mit Ziffern bedeckte Tabelle herbei.

»Wer spricht denn von Versicherung?« wollte Wallingford wissen. »Ich spreche davon, wie man Geld bekommt. Stellen Sie die Papptafel gefälligst wieder fort. Sie, Clover, machen sich mal gleich an die Arbeit und schreiben einen Haufen hochtrabenden Mist über das großherzige Werk, das Ihre Mitglieder an den Witwen und Waisen tun, wenn sie diese Aktien kaufen; vergessen Sie aber nicht, gleich darauf hinzuweisen, daß die Aktien auch eine gute Dividende abwerfen. Sowie der Aktienbestand der Gesellschaft verkauft und unser Versicherungsverein groß genug ist, um noch mehr aufzunehmen, fangen wir drei an, unsere eigenen Aktien abzuladen, und ziehen uns dann zurück. Wenn Sie auf diese Art 64 000 Dollars in diesem Jahre ›verdient‹ haben, so werden Sie es, glaub' ich, den Aktionären gern überlassen, neue Beamte zu wählen und die Geschäfte der ›Treuhand-Gesellschaft der Freundeshand‹ zu leiten, wie es ihnen paßt. Wie?«

Clover faltete das Akzept Wallingfords ruhig zusammen und steckte es in die Tasche.

»Wir wollen ausgehen und ein neues Bureau mieten«, sagte er. Neil rief ihn aber zurück, weil Clover vergessen hatte, den 50-Dollar-Scheck für die Pensionsrechnung auszuschreiben. Clover holte es nach, gleichzeitig schrieb er, da er gerade dabei war, einen gleich hohen Scheck für sich selbst aus. Wallingford war vorausgegangen.

»Was halten Sie von ihm?« fragte Neil. Sein Gesicht war unruhig.

»Was ich von ihm halte?« wiederholte Clover in heller Begeisterung. »Er ist ein ganz großartiger Mensch! Hätte ich ihn vor fünf Jahren gekannt, so wäre ich heute eine Million schwer.«

»Ist denn aber sein Plan auch ganz stubenrein?«

»Das ist ja gerade das Schöne daran!« Clover jubelte wie ein Schuljunge. »Das Gesetz kann uns nicht das geringste anhaben.«

»Mag sein«, gab Neil zu. »Aber ich muß sagen, es gefällt mir nicht ganz.«

»Fünfzig Dollars wöchentlich, denk' ich, werden Ihnen schon gefallen,« meinte Clover, »und nicht minder Ihre 15 000, wenn wir aus dem Geschäft herausgehen.«

»Das schon«, sagte Neil und fing an zu rechnen, bis die Ziffern vor seinen Augen tanzten und ein Mühlrad in seinem Kopf herumging.

 << Kapitel 9  Kapitel 11 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.