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Das Geistliche Jahr

Annette von Droste-Hülshoff: Das Geistliche Jahr - Kapitel 52
Quellenangabe
typepoem
authorAnnette von Droste-Hülshoff
titleDas Geistliche Jahr
booktitleGesammelte Werke
isbn3-87876-308-5
publisherEmil Vollmer Verlag, München
editorReinhold Schneider
pages5-189
senderbelmekhira@hotmail.com
firstpub1851
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Am sechzehnten Sonntage nach Pfingsten

»Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon«

Wer nur vertraut auf Gottes Macht
In allen seinen Nöten,
Den hat kein Feind zum Fall gebracht,
Den kann kein Gegner töten;
Und wo die Angst ihn überfällt,
Da wird der allerstärkste Held
An seine Seite treten.

Der wird mit seinem scharfen Speer
Die Gegner ihm zerstäuben,
Und von dem allergrößten Heer
Kein Huf wird übrig bleiben;
Sei's äußrer oder innrer Feind,
Wenn nur der rechte Held erscheint,
Der kann ihm Grenzen schreiben.

Er ist der allerbeste Herr,
Den einer mag erlangen;
Glückselig ist der Fröhner, der
In seinem Dienst gefangen.
So süß ist seine Sklaverei,
Daß Jeder, sei er noch so frei,
Mag tragen drum Verlangen.

Des Hungers Qual, der Blöße Schmach,
Die weiß er zu vergelten;
Es durft' ihn noch bis diesen Tag
Nicht Einer treulos schelten.
Er zahlt mit wucherndem Gewinst
An Alle, die in seinen Dienst
Ihr Gut und Leben stellten.

Und aller Stärke Talisman
Den hält er in der Rechten;
Selbst aus den schärfsten Dornen kann
Er Rosenkränze flechten.
Er zeigt im wilden Kampfrevier
Die echte Aaronsschlange dir,
Mußt du mit Vipern fechten.

Und rüttelt sich der grimmste Feind,
Da lehrt Er dich ein Zeichen,
Vor dem, so schlimm er es auch meint,
Muß schnell der Drache weichen;
Nur sei es von bereiter Hand
Mit rechtem Glauben angewandt,
Sonst mag es nimmer reichen.

Wem schwach der Glaube und Vertraun,
Ob ihn die Sehnsucht treibe,
Der darf doch noch von ferne schaun,
Daß er im Nachtrab bleibe,
Auf den erquickend in der Glut
Des Helden milder Schatten ruht
Wie mächt'gen Schildes Scheibe.

Doch wem der Glaube echt und klar,
Den kann kein Leid bezwingen,
Der mag wohl aller Güter bar
Noch wie ein Vogel singen.
Schaut doch die Lilien in dem Feld,
Wie sind sie frisch und wohlbestellt,
Wie grün und guter Dingen!

Sie haben nicht des Webens Acht
Und sind so reich gezieret,
Daß Salomo in seiner Pracht
Viel minder Lob gebühret.
Schaut doch die jungen Raben an,
Wie sind sie statt und wohlgetan,
Wie blank und glatt geschnüret!

Er, der die jungen Raben nährt,
Er wird auch meiner walten,
Und müßt' er aus der Schlack' am Herd
Die Brode mir gestalten.
O Heil, daß ich den Herrn erwarb,
Bei dem kein Diener noch verdarb!
An ihn will ich mich halten.



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