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Das Geheimniß der Stadt

Friedrich Wilhelm Hackländer: Das Geheimniß der Stadt - Kapitel 1
Quellenangabe
typefiction
booktitleDas Geheimniß der Stadt
authorF. W. Hackländer
firstpub1868
year1868
publisherVerlag von Adolph Krabbe
addressStuttgart
titleDas Geheimniß der Stadt
created20080325
sendergerd.bouillon@t-online.de
noteBasierend auf einer PDF-Version von hproding@sun.ac.za
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Das Geheimniß der Stadt.

Von

F. W. Hackländer.

 


 

Stuttgart.
Verlag von Adolph Krabbe.
1868.

 


 

Meinem

Freunde und Verleger

Herrn Adolph Krabbe.

 


 

Als ich im Jahre 1867 die vorliegende Geschichte beendigte und zurückblätternd in Erinnerung und Wirklichkeit zu dem Buche gelangte, welches als mein Erstlingswerk in Ihrem Verlage erschien, sah ich, daß es die Jahreszahl 1842 trug und mithin die hübsche Reihe von 25 Jahren eröffnete, welche unsere Verbindung als Schriftsteller und Verleger jetzt zurückgelegt hat. Wir dürfen also heute die Feier einer silbernen Hochzeit festlich begehen; denn in wie Vielem gleicht nicht die Verbindung zwischen Schriftsteller und Verleger einem Ehebündniß, wenigstens einer Vernunftheirath, die doch häufig auch zu beiderseitigem Segen und Gedeihen geschlossen werden. Freilich wohl haben wir arme Schriftsteller bei einem solchen Bündniß das Unglück, daß das Gedeihen gewöhnlich auf Seite des Verlegers ist, welcher alsdann, rund und behaglich geworden, mit Wohlgefallen auf jene angenehme Zeit zurückblickt, wo er die reiche Ernte eingeheimst hat, während wir als literarische Aehrenleser nebenherliefen. Was nun unsere Verbindung anbelangt, so ist dieselbe vor vielen anderen unbedingt eine Musterehe zu nennen gewesen. Wir haben nicht mehr und nicht öfter in Unfrieden gelebt als nöthig war, um das Blut rascher kreisen zu machen und um Versöhnungen wünschenswerth zu finden. Wir haben uns dann mündlich und schriftlich unseren Fehler kräftigst vorgehalten und meistens nach dieser Offenherzigkeit segensreiche Wirkung verspürt. Kleine gegenseitige Untreuen sind auch wohl mitunter vorgekommen – wir waren eben junge Leute; doch blieben diese Untreuen ohne Folgen und somit auch ohne störenden Einfluß auf unser Zusammenleben. Wohl kam es auch im Laufe der Zeiten zu ernsthaften Zerwürfnissen, die so weit gingen, daß wir begannen an eine Scheidung von Schreibtisch und Comptoir-Pult zu denken und wo wir alsdann das Unklugste thaten, was wir hätten thun können, nämlich wohlwollende Freunde um ihren Rath zu fragen. Aber wir thaten das glücklicherweise mit bestem Erfolg. Denn als Sie mir durch diese guten, wohlmeinenden Freunde als ein ganz eigennütziges Ungeheuer geschildert wurden, so wie ich Ihnen als ein Charakter, bei dessen Verlust nur zu gewinnen sei, vertrugen wir uns augenblicklich wieder und schloßen neu und fester unsere Verbindung; gewiß zum Heil unserer kleinen Minderjährigen, die damals noch nicht unter dem schützenden Dach gesammelter Werke saßen. Seit aber dieses Dach unseren umherwandernden und weit zerstreuten Geisteskindern eine Heimat gegeben, ist unsere Verbindung eine noch festere geworden, und wir haben uns beide mit Geduld und Ergebung, wie in mancher wirklichen Ehe, darein gefügt, mit einander zu leben und zu arbeiten; ja vielleicht diese Verbindung noch in unseren Nachkommen fortdauern zu lassen, wenn Ihr Sohn ein wohlwollender Verleger zu werden verspricht, und wenn einer der Meinigen den leidigen Drang in sich verspüren sollte, zu schriftstellern.

Und so nehmen Sie denn die Widmung dieses kleinen Buches freundlich entgegen, mein lieber Krabbe, als einen Beweis, daß ich mit wahrem Vergnügen unseres 25jährigen Geschäftsverkehres gedenke, und lassen Sie uns heute ein neues Conto beginnen für eine weitere lange Reihe von Jahren, und ferner sein Verleger und Schriftsteller in solch ungetrübtem Frieden und leuchtender Eintracht, wie solche wohl selten oder nie verzeichnet stehen in den Annalen der Weltgeschichte.

Rom am Forum Trajanum, im März 1868.

F. W. Hackländer.

 


 

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