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Das Feuer

Henri Barbusse: Das Feuer - Kapitel 8
Quellenangabe
pfad/barbusse/feuer/feuer.xml
typefiction
authorHenri Barbusse
titleDas Feuer
publisherMax Rascher Verlag
printrunDreiunddreissigstes bis zweiundfünfzigstes Tausend
year1918
translatorL. von Meyenburg
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20121111
projectidc6959b91
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VII.

Truppenverladen.

Am andern Tag ergriff Barque das Wort und sagte:

– Ich will dir erklären, wie das ist. Es gibt wel... Ein wütender Pfiff schnitt ihm plötzlich den Faden seiner Erklärung gerade an dieser Silbe ab

Wir standen auf dem Bahnsteig eines Bahnhofes. Ein Alarm hatte uns dem Schlaf und dem Dorf entrissen und dann waren wir hierher marschiert. Mit der Ruhe war es nun aus; wir kamen in einen andern Sektor und waren somit in eine andere Gegend verschlagen. Gauchin hatten wir in der Dunkelheit verlassen, ohne die Dinge und die Menschen zu sehn, ohne ihnen Lebewohl zu sagen und ohne eine letzte Erinnerung mitzunehmen.

... Eine Lokomotive streifte immer wieder dicht an uns vorbei und kreischte aus voller Kehle. Ich sah, wie Barque, dem das Kreischen dieses Kolosses den Mund verstopfte, einen Fluch ausstiess; und auch die andern behelmten und in Sturmbänder eingeschnallten Gesichter sah ich in ihrer machtlosen Betäubung Fratzen schneiden; wir versahen im Bahnhof den Wachdienst.

– Bitte nach Ihnen! bellte Barque dem mit Rauch beflaggten Pfiff wütend entgegen.

Aber der schreckliche Apparat jagte ihm unerbittlich die Worte in die Kehle zurück; als dann die Maschine schwieg und uns ihr Echo weiter in den Ohren nachhallte, war der Faden des Gespräches endgültig abgebrochen und Barque schloss kurz und bündig mit einem einfachen; »Ja«.

Dann sahen wir uns um.

Wir standen verloren, in einer Art Stadt. Endlose Wagenreihen von vierzig bis sechzig aneinander gekoppelten Wagen bildeten gleichsam düstere, niedrige und einförmige Häuserreihen, die durch kleine Gassen voneinander getrennt waren. Vor uns ging, an der Ansammlung jener fahrenden Häuser vorbei, die endlose Strasse, auf der die weisslichen Schienen nach beiden Richtungen liefen, aufgefressen vom weiten Horizonte. Abschnitte von Zügen, ganze Züge rollten in langen Horizontalen vorbei, stellten sich auf und wurden wieder umgekoppelt. Von allen Seiten her hörte man das regelmässige Hämmern der Züge auf dem gepanzerten Boden, schrille Pfiffe, das Läuten der Signalglocken und den metallnen und widerhallenden Höllenlärm der kubischen Kolosse, die ihre Stahlstummel ineinanderstiessen mit einem Rückzerren der Ketten und einem Gerassel, das durch alle Wirbeln des langen Skelettes nachhallte. Im Erdgeschoss des Bahnhofgebäudes, das wie ein Bürgermeisteramt in der Mitte stand, trillerte das hastige Klingeln des Telegraphen und des Telephons, durchsetzt von abgerissenen Stimmen. Rings herum standen auf kohlschwarzem Boden die Warenmagazine und die niedren Ablagen, deren aufgestapelten Inhalt man durch die offenen Tore sehn konnte; dann die Weichenhäuschen, gespickt mit Weichenhebeln, die Wassersäulen und die durchsichtigen Eisentürme, deren Drähte den Himmel linierten wie Notenpapier; hier und dort die Signalscheiben und darüber hinaus zwei Dampfkräne, die diese düstre und flache Stadt bis in die Wolken wie Kirchtürme überragten. In einiger Entfernung davon standen auf verlorenem Gelände und leeren Flächen Militärwagen und Lastautos und daneben reihten sich Pferde unendlich aneinander.

– Das gibt 'nen Rummel!

– Das ganze Armeekorps wird heute abend eingeschifft!

– Guck, da kommen sie schon.

Eine Staubwolke, die ein lärmendes Rädergerassel und trommelnde Huftritte deckte, näherte sich und wuchs heran auf der Allee, die zum Bahnhof führte und die man durch die Gebäudereihen herankommen sah.

– Da hat's schon verladne Kanonen.

Zwischen zwei langen Kistenpyramiden sah man in der Tat Räderprofile und langgestreckte Kanonenschnabel. Die Munitionswagen, die Kanonen und die Räder waren gelb-, braun- und grüngestreift.

– Die haben sich geschminkt. Dort hat's Pferde, die sie angemalt haben. Guck, der dort, mit den dicken Beinen, sieht aus als hätt' er Hosen an; weiss war er und deshalb haben sie ihn mit einer andern Farbe angestrichen.

Der fragliche Gaul stand von den andern etwas abseits, als ob er ihnen misstraue und hatte eine offensichtlich verlogene, graugelbliche Farbe.

– Armer Kerl! sagte Tulacque.

– Da hast du's, meinte Paradis, die alten Klepper, nicht nur totschiessen lassen müssen sie sich, sondern 's Schindluder treibt man noch mit ihnen.

– In ihrem Interesse!

– Grad wie bei uns, auch in unserm Interesse, was?

Gegen Abend marschierten die Soldaten an. Von allen Seiten flossen die Reihen dem Bahnhof zu. Vor den Fronten sah man Offiziere klirrend vorbeilaufen. Die Menschenüberschwemmung wurde durch lange Schranken eingedämmt oder in eingezäunte Vierecke eingepfercht, wo es nur Platz hatte. Die Leute bildeten Gewehrpyramiden, legten die Säcke ab und, da es ihnen verboten war, sich zu entfernen, warteten sie Schulter an Schulter im Halbdunkel vergraben.

Unaufhörlich kamen neue Truppen an und schienen immer mächtiger, je dunkler es wurde. Zugleich mit den Truppen rollten die Autos heran. Bald war es ein unaufhörliches Gebrumme: grosse Herrschaftswagen standen in einer uferlosen Flucht von kleineren, mittleren und dicken Lastautos. Alles stellte sich auf, schob sich ein und häufte sich auf den angewiesenen Plätzen an. Ein breites Gemurmel und sonstiger Lärm stieg aus diesem Menschen- und Wagenozean, der an die Ufer des Bahnhofes schlug und allmählich in ihn eindrang.

– Das ist noch gar nichts, sagte Cocon, der Zahlenmensch. Schon beim Armeestab hat es dreissig Offiziersautos und weisst du, fügte er hinzu, wieviel Züge à fünfzig Wagen es braucht für das ganze Armeekorps mit allem Zubehör, ausser natürlich die Autos, die zu Fuss nach dem neuen Sektor fahren? Zieh dir 's Gehirn nicht auseinander, Liebster; neunzig Züge braucht's.

– Gottverdammich! Und dreiunddreissig Armeekorps hat's?

– Was? Neununddreissig hat's.

Das Hin und Her wird lauter. Der Bahnhof bevölkert und übervölkert sich. Soweit das Auge eine Form oder den Schein einer Form erblickt, reicht das Tohuwabohu und eine Menschen- und Materialaufstellung, die wie eine Panik hin und her wogt. Die ganze Stufenleiter der Offiziere schafft und rennt und geht vorbei und wieder vorbei wie Meteore und sie schwingen die Arme dabei, dass die Tressen glänzen und geben die Befehle und die Gegenbefehle weiter, die ihnen die Ordonnanzen und die Radfahrer bringen, nachdem sie sich durch das Volk durchgewunden haben; die einen langsam, die andern wie Fische im Wasser mit schnellen Windungen.

Endlich rückt der Abend an. Die fleckenweise um die Hügelchen der Gewehrpyramiden zerstreuten Gruppen der Soldaten verschwinden in der Dunkelheit und werden eins mit der schwarzen Erde. Nur die brennenden Pfeifen und Zigaretten verraten ihre Gegenwart. An gewissen Stellen brennt längs der Gruppen eine ununterbrochene Reihe kleiner, heller Pünktchen, wie die leuchtende Girlande einer festlichen Strassenbeleuchtung.

Ueber dieser verschwommenen und wogenden Menge brausen die Stimmen durcheinander wie das Meer, das an das Ufer prallt; und dieses ewige Murmeln übertönen Befehle, Schreie, Rufe, oder der Rummel des Ein- und Ausladens, das Donnern eines Stosshammers, der im Dunkeln wütend stampft, oder das Getöse eines Dampfkessels.

Ueberall gehn in der unendlichen, mit Menschen und Dingen geschwängerten Dunkelheit die Lichter an.

Es sind die elektrischen Laternen der Offiziere und der Gruppenführer, die Azetylenlaternen der Radfahrer, die im Zickzack, hier und dort, ihr stechend-weisses Pünktchen oder die Fläche ihrer fahlen Lichtquelle umherführen.

Eine leuchtende Azetylenautolaterne erscheint plötzlich und blendet und streut ein Lichtbündel vor sich hin. Andre Autolaternen durchlochen und zerreissen das Dunkel der Welt.

Dann hat der Bahnhof ein phantastisches Aussehen. Unerkenntliche Formen tauchen auf und platzen auf dem Blauschwarz des Himmels. Schattenhügel türmen sich, gross wie die Ruinen einer Stadt. Man erkennt den Anfang jener masslosen Aufstellung von Dingen, die sich in der Dunkelheit verlieren. Man ahnt tiefe Massen, deren vorderstes Relief aus einem undurchsichtigen Schacht herausleuchten.

Links von uns wälzen sich wie eine dichte Ueberschwemmung Kavallerieabteilungen und Infanterie heran. Man hört das Wogen der Stimmen, das sich wie ein Nebel ausbreitet. Und plötzlich leuchten einige Reihen in einem phosphoreszierenden Lichtmoment oder rotbeleuchtet auf und man horcht nach jenem langen Strom von Geräuschen hin.

In Viehwagen, deren graue Massen und schwarze Mäuler man im dunstigen Flammenwirbel der Fackeln erblickt, verladen Trainsoldaten Pferde auf schiefen Ebenen: Rufe, Flüche und ein tobsüchtiges Getrampel, das sich wehrt und gegen die Wände des Wagens schlägt, in den man es einsperrt; dann das wütende Hufgestampfe eines störrischen Tieres, das der Führer anflucht.

Daneben werden Fuhrwerke auf Eisenbahnwagen fortgeschafft. Ein Menschengewimmel umkreist einen Berg Pferdefutter. Ein zerstreuter Haufe zerrt an ungeheuren Ballen.

– Drei Stunden stehn wir jetzt auf unsern Drehscheiben, seufzt Paradis.

– Was sind das für welche?

Man sieht, von ausströmenden Lichtfetzen beleuchtet, eine Schar Kobolde, umringt von Leuchtkäfern, mit merkwürdigem Werkzeug vorüber huschen und wieder verschwinden.

– Das ist die Scheinwerferabteilung, sagt Cocon.

– Träumst du? Was? Woran denkst du jetzt gerade?

– Vier Divisionen sind jetzt beim Armeekorps, antwortet Cocon. Das ist verschieden, manchmal sind's drei, manchmal fünf. Jetzt gerade sind's vier. Und jede Division, fährt der Zahlenmensch fort, den unsre Korporalschaft das Vergnügen hat zu besitzen, jede Division hat drei Infanterie-Regimenter, zwei Jäger-Bataillone zu Fuss, ein Reserveinfanterie-Regiment, ohne die Spezialtruppen als da sind: Artillerie, Genieabteilungen, Train usw.; dazu kommt noch der Divisionsstab und alle Dienstzweige, die nicht dem Regiment zugeteilt sind, sondern direkt der Division unterstellt sind. Ein Linienregiment von drei Bataillonen braucht vier Züge; ein Zug für die Maschinengewehr-Abteilung und die dem Bataillon nicht zugeteilten Truppen und ein Zug pro Bataillon. Alle Truppen werden übrigens nicht hier verladen. Die Verladestellen erstrecken sich über die ganze Linie je nach Ort der verschiedenen Quartiere und der Zeit ihrer Ablösung.

– Ich bin müde, sagt Tulacque. Man isst eben zu wenig Nachhaltiges, weisst du. Man hält die Haxen stramm, weil's Mode ist, aber man hat weder Kraft noch Saft.

– Ich hab mich erkundigt, führt Cocon wieder aus. Die Truppen, die eigentlichen Truppen, werden erst von Mitternacht an verladen. Sie stehn noch überall in den Dörfern 'rum, zehn Kilometer in der Runde. Zuerst kommen alle Dienstabteilungen des Armeekorps fort und was nicht zur Division, sondern direkt zum Armeekorps gehört und von ihm abhängt, erklärt Cocon freundlicherweise. – Und bei diesen Spezialtruppen da siehst du erst keinen Ballon und keine Fliegerabteilung. Die dicken Möbel lassen sich nicht verladen und fahren ganz alleine mit ihrem Personal, ihren Bureaus und ihrem Sanitätsdienst. Das Jägerregiment hängt auch direkt vom Armeekorps ab.

– 's gibt doch kein Jägerregiment, sagt Barque unüberlegterweise. Es sind doch Bataillone, man sagt doch das soundsovielte Jägerbataillon.

Darauf sieht man, wie Cocon in der Dunkelheit mit seinen mächtigen Achseln zuckt und wie seine Brillen einen Blitz der Verachtung von sich geben.

– So, hast du's gemerkt, du Watschelfratze, du? Rechne dir jetzt aus, wenn du's fertig bringst, dass die Jäger zu Pferd und die Jäger zu Fuss zwei Bataillone ausmachen.;

– Ja so! sagte Barque, ich vergass die zu Pferd.

– Sonst nichts! macht Cocon. Als Spezialtruppen des Armeekorps hat's noch die Korpsartillerie, das heisst die direkt vom Armeekorps abhängt und noch zur Divisionsartillerie hinzukommt. Und die besteht aus der schweren Artillerie, der Schützengrabenartillerie, den Artillerieparks, die Automobilkanonen, die Fliegerabwehrgeschütze und weiss ich, was alles noch! Dann hat's noch die Genieabteilung, das Militärgericht, dazu die Heerespolizei zu Fuss und die berittene, der Sanitätsdienst, die Tierärzte, eine Schwadron Train, ein Reserveregiment für den Wachtdienst und die Mannschaften des Generalquartiers, dann den Verpflegungsdienst mit zugehörigem Train«. – Dann noch 's Rindvieh und die Remonte usw.; die Automobilabteilung, darüber könnt ich dir allein eine ganze Stunde erzählen, wenn ich wollte; dann die Zahlmeister mit der Kasse und der Post, das Kriegsgericht, die Telegraphisten und die ganze elektrische Abteilung. Alles das mit Direktoren, Kommandanten, Abteilungen und Unterabteilungen; und es wimmelt dabei von Schreibern, von Wachen und Ordonnanzen, bis der ganze Rummel verladen ist. Kannst dir nun 'ne Vorstellung machen, in was für 'nem Wust so 'n Armeekorps-Kommandant steckt.

In diesem Augenblick umringte uns eine Gruppe von Soldaten, die ausser ihrer Bepackung noch Kisten und in Papier eingeschnürte Pakete hinkend mit sich schleppten und dann auf den Boden stellten mit einem erlösenden: uff!

– Das sind die Sekretäre des Generalstabes. Die gehören zum Generalquartier, das heisst, sowas wie Gefolgschaft des Generals. Jedesmal, wenn umgezogen wird, schleppen sie ihre Aktenkisten, ihre Tische, ihre Register und den ganzen Kram mit, den sie zum Schreiben brauchen. Guck, da ist grad eine Schreibmaschine, die der Alte dort und das kleine Blutwurstkerlchen mit der Faust am Gewehr mitschleppen. Drei Bureaus haben sie, und dazu der Kurier, die Kanzlei und die Topographische Abteilung des Armeekorps, die den Divisionen die Karten verteilt und Pläne anfertigt nach Angaben der Flieger und der Beobachter und der Gefangenen; alle Offiziere von allen Bureaus, die unter Leitung eines Vizechefs und eines Chefs – zweier Obersten – den Armeekorpsstab ausmachen. Zum eigentlichen Generalquartier aber gehören noch die Ordonnanzen, die Küchenmannschaft, die Magaziner, die Arbeiter, die Elektrotechniker, die Polizei und die begleitende Reiterei, alles das steht unter dem Befehl eines Kommandanten.

In diesem Augenblick werden wir plötzlich alle miteinander zurückgestossen.

– He! Vorsicht! Zurück! schreit als Entschuldigung einer, der mit Hilfe anderer einen Rollwagen nach dem Eisenbahnzug stösst.

Es geht schwer, denn es geht bergauf und sowie man sich nicht mehr mit aller Kraft gegen den Rollwagen stemmt oder sich an die Räder hängt, so rollt er zurück. Die finstern Gesichter drücken sich an ihn, knirschen und schimpfen, wie an ein Ungeheuer gepresst, in die Dunkelheit hinein.

Barque schreit einen der wütenden Arbeiter an, indem er sich die Hüfte reibt:

– Bringst du 'n rauf, alte Watschel?

– Gottverdammich! bellt der andre, ganz von seiner Arbeit in Anspruch genommen. Achtung, der Stein! Der ganze Karren verreckt mir ja!

In einer plötzlichen Kehrbewegung stösst er wieder an Barque und antwortet ihm diesmal:

– Was stehst du gerade hier, wie'n Misthaufen?

– Nanu, du, hast gesoffen? macht Barque. Warum ich dasteh? Der ist nicht schlecht? Du, sag mal, du Lausbande, das kannst du mir schriftlich geben!

– Zurück! schrie eine neue Stimme, die einer Abteilung verschiedenartig aber gleich schwer beladner Männer voranging ...

Man weiss nicht mehr, wo man hintreten soll, überall steht man im Weg. Man schreitet vor, man geht auseinander und drückt sich im Gedränge zurück.

– Ausserdem, fährt Cocon weiter, unempfindlich wie ein Gelehrter, ausserdem kommen dann die Divisionen; davon ist eine jede wiederum organisiert ungefähr wie ein Armeekorps ...

– Ja, ja, schon gut, stopf zu!

– Herr, macht der Gaul ein Geschrei, in seinem Rollstall, bemerkt Paradis. Der ist sicher dem andern seine Schwiegeralte.

– Ich wette, es ist dem Majorarzt sein Füllen, von dem der Viehdoktor sagte, es sei ein Kamel, das immer 's Kalb macht.

– Gut organisiert ist der Rummel, da ist nichts dagegen zu sagen! bewundert Lamuse, der in diesem Augenblick von einer Stosswelle mit Kisten beladner Artilleristen zurückgedrängt wird.

– Das ist sicher, stimmt ihm Marthereau zu, das Zeug alles verladen, da kannst du allerdings keine Strohschädel brauchen und auch keine Bärenhäutler ... Mensch, pass auf, wo du hintrittst, du Kuttelfetzen!

– Kannst was erleben, punkto Umzug. Wie ich mich mit meiner Familie in Marcoussis eingerichtet hab, gab's keinen derartigen Rummel. Ich bin ja auch kein Rummelmacher, das stimmt auch wieder.

Drauf ist alles still; dann hört man Cocon wieder:

– Wenn man die französische Armee der Front – abgesehn von dem, was hinter der Front steckt, wo's nochmal soviel hat, zum Beispiel die Ambulanzen, die neun Millionen gekostet haben und die in einem Tag siebentausend Kranke evakuieren kann –, wenn man die französische Armee in Zügen von sechzig Wagen und bei je einer Viertelstunde Zwischenraum vorüberfahren sehn wollte, ging das vierzig Tage und vierzig Nächte.

– Ah! machen sie alle daraufhin.

Aber es übersteigt ihre Vorstellungskraft; ihre Aufmerksamkeit wendet sich ab von den grossen Ziffern und sie verspüren einen Ekel davor. Sie gähnen sich die Augen feucht und schauen durch's Gedränge, das sich überstürzt, durch den brüllenden Radau, den Rauch und die blitzenden Lichter hindurch dem schrecklichen Strich des Panzerzuges nach, der im flackernden Schein des Horizontes vorüberfährt.

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