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Das Feuer

Henri Barbusse: Das Feuer - Kapitel 5
Quellenangabe
pfad/barbusse/feuer/feuer.xml
typefiction
authorHenri Barbusse
titleDas Feuer
publisherMax Rascher Verlag
printrunDreiunddreissigstes bis zweiundfünfzigstes Tausend
year1918
translatorL. von Meyenburg
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20121111
projectidc6959b91
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IV.

Volpatte und Fouillade.

Bei der Ankunft im Quartier rief eine Stimme:

– Wo ist nur Volpatte?

– Und wo ist Fouillade?

Sie waren vom 5. Bataillon aufgeboten, mit in die erste Linie genommen worden, und sollten sich nachher wieder in unserm Quartier einfinden; aber man fand nicht die Spur von ihnen. So war die Korporalschaft um zwei Mann ärmer geworden!

– Der Teufel soll das holen! So geht's einem immer, wenn man seine Leute hergibt, kreischte der Sergeant.

Als der Hauptmann davon erfuhr, fluchte auch er und sagte:

– Ich brauch die Leute; man soll sie sofort auftreiben. Vorwärts!

Farfadet und ich wurden von Korporal Bertrand aus der Scheune gerufen, in der wir uns schon zur Ruhe hingelegt hatten und einschlummern wollten.

– Volpatte und Fouillade müssen her. Wir standen schnell auf und machten uns mit bangem Gefühl auf den Weg. Unsre beiden Kameraden waren vom fünften Bataillon mit in jene höllische Ablösung mitgezogen worden. Wer weiss, wo sie jetzt stecken und was aus ihnen geworden ist?

... Wir gehn den Hügel wieder hinauf und machen zum zweitenmal, in entgegengesetzter Richtung, den langen Weg, den wir letzte Nacht und seit Morgenanbruch bereits hinter uns gelegt hatten. Wir sind zwar unbepackt, tragen bloss das Gewehr und die gewöhnliche Ausrüstung, aber die Müdigkeit lastet dennoch auf uns; schlaftrunken schleppen wir uns durch die traurige Landschaft, unterm dunstgrauen Himmel. Farfadet fängt allmählich an zu keuchen; anfangs sprach er ein wenig, dann aber liess ihn die Müdigkeit verstummen. Er ist zwar tapfer, aber schwächlich und hatte früher kaum gelernt, sich seiner Beine zu bedienen; denn seit seiner ersten Kommunion kratzte er mit der Feder in einem Bürgermeisteramt hinter dem Ofen und in Gesellschaft von alten verstaubten Akten.

Als wir aber aus dem Holz treten und uns, auf dem glitschigen Boden vorwärts tappend, in die Verbindungsgräben drücken, sehen wir zwei dünne Schatten vor uns; es sind zwei Soldaten, die auf uns zuschreiten; man erkennt die rundliche Form ihrer Bepackung und den geraden Strich ihres Gewehres. Allmählich wird die schwankende Zwillingserscheinung deutlicher.

– Sie sind es!

Einer von ihnen hat den Kopf in dickes Verbandzeug eingewickelt.

– Verwundet? Es ist Volpatte!

Wir laufen den Auferstandenen entgegen; dabei zischen unsre Sohlen geräuschvoll im Kot, in den wir einsinken, und die Patronentaschen schütteln klirrend ihren Inhalt.

Die beiden stehen still und lassen uns herankommen. Als wir nun auf Hörweite von ihnen entfernt sind, schreit Volpatte:

– Höchste Eisenbahn!

– Bist du verwundet?

– Was? fragt Volpatte, dem der Verband die Ohren verstopft, sodass man brüllen muss, um sich mit ihm zu verständigen. Wir treten an ihn heran und schreien; dann antwortet er:

– Noch gut abgelaufen ... Wir kommen aus dem Loch, wo uns das 5. Bataillon Donnerstag reingesteckt hat.

– Seid ihr solange nicht mehr rausgekommen? brüllt Farfadet, dessen gellende Frauenstimme durchs Polster dringt, das Volpatte das Trommelfell versperrt ...

– Jawohl, meint Fouillade, Gottverdammich! Oder glaubst du, wir sind mit Flügeln davongeflogen, oder haben uns etwa ohne Befehl auf die Beine gemacht?

Dann hocken beide ermattet ab. Der Kopf von Volpatte sieht aus wie ein Pack schmutziger Wäsche, mit dem dicken Knoten oben auf dem Verband, aus dem ein schwarzgelbliches Gesicht guckt.

– Hat man euch arme Teufel vergessen?

– Schon ein wenig! schreit Fouillade, glaub's schon, dass man uns vergessen hat! Vier Tage und vier Nächte in einem Granatenloch, wo die Kugeln von der Seite einschlugen und das obendrein noch nach Scheisse roch.

– Hast 'ne Ahnung, sagt Volpatte. Das war kein gewöhnlicher Horchposten, wo man aus und eingeht und regelmässig abgelöst wird. Ein Granatenloch, sag ich dir, ein ganz gewöhnliches Granatenloch und nichts weiter. Letzten Donnerstag haben sie uns gesagt: »So, versteckt euch hier und schiesst in einer Tour weiter«, hat einer gesagt. Am andern Morgen kam zwar einer vom 5. Bataillon und hat seine Nase reingesteckt: »Was Teufels macht ihr hier!« »Schiessen tun wir; sie haben gesagt wir sollen schiessen, deshalb schiessen wir und wenn sie's gesagt haben, wird schon was dran sein; und jetzt warten wir, bis einer sagt, wir sollen was anderes tun als schiessen.« Drauf hat sich der Kerl gedrückt; er schien nicht ganz überzeugt von der Sache und hatte offenbar keine Vorliebe für Granatenpuffer, »'s ist 10 Uhr« hat er gesagt.

– Wir hatten für uns zwei, fährt Fouillade weiter, einen Kleieklumps und einen Kübel Wein, den uns die 18te gegeben hatte und eine ganze Patronenkiste. Die Patronen haben wir verknallt und den Saint-Honoré gesoffen. Vorsichtshalber haben wir ein paar Patronen und von dem Kuchen ein Stück aufgehoben; den Wein aber haben wir ausgetrunken.

– Schade, sagt Volpatte, sintemal ich durstig bin. Habt ihr nichts für den Gaumen, ihr?

– Einen Tropfen Wein hab ich noch, antwortet Farfadet.

– Her damit, sagt Fouillade, indem er auf Volpatte deutet. Er hat Blut verloren, ich hab nur einen gewöhnlichen Durst, gib's ihm.

Volpatte schlotterte. Seine kleinen Augen fieberten aus dem mächtigen Verband heraus, der wie ein Stein auf seinen Schultern lag.

– Ah! Das tut wohl, meinte er und trank den Wein.

– Richtig, fuhr er fort, nachdem er, wie es die Höflichkeit gebietet, den letzten Tropfen auf den Boden geschleudert hatte, zwei Deutsche haben wir gesichert. Sie krochen über's Feld und sind in unser Loch geraten, blindlings wie Maulwürfe in eine Falle, die Scheissbrüder. Eingesackt haben wir die Kerle. Als wir dann sechsunddreissig Stunden lang geschossen hatten, haben wir die letzten Patronen in die Klistierspritze gesteckt und haben gewartet mit unserm deutschen Paket. Der Verbindungskuli hatte nämlich vergessen zu sagen, dass wir noch immer da seien. Ihr vom 6ten habt vergessen uns zurückzuverlangen, die 18te Kompagnie, die hat uns auch sitzen lassen und da wir nicht auf gewöhnlichem Horchposten standen, wo es regelmässige Ablösung gibt wie bei der Verwaltung, da hab ich schon gedacht, so jetzt bleiben wir hocken, bis das ganze Regiment wieder zurückkommt. Schliesslich haben uns Knochensammler vom 204ten gesehn, als sie nach Verwundeten schnupperten; die haben uns angemeldet. Dann kriegten wir Befehl zum Rückzug und zwar sofort, hiess es. Da haben wir unsre Siebensachen gepackt und sind gegangen und haben gelacht von wegen dem »sofort«. Den Deutschen haben wir die Schnüre von den Beinen abgeschnallt, haben sie mitgenommen und dem 204ten abgeliefert. Und jetzt sind wir wieder da.

– Im Vorübergehn haben wir sogar einen Sergeanten aufgefunden, der sich in ein Loch duckte und sich nicht rauswagte; so was wie Gehirnerschütterung hatte er; da haben wir ihn angeschnauzt und das hat ihn wieder ein wenig auf den Damm gebracht und »dank schön« hat er gesagt; Sacerdote, hiess er.

– Aber du? Deine Wunde?

– An beiden Ohren. Eine Granate, weisst du, mitten rein geplatzt. Mein Kopf zwischen die Splitter durch sozusagen, aber knapp, sag ich dir, rasibus, nur die Ohrläppchen, die hat's geputzt.

– Wenn du's siehst, sagt Fouillade, zum kotzen, die beiden Ohren, so runterhängen sie. Unsre zwei Verbandpakete hatten wir, und die Sänftenträger haben uns noch eins gepumpt. Drei Verbände hat er also rumgewickelt um seine Wärmeflasche.

– Gebt euer Zeug her, und gehn wir heim.

Farfadet und ich teilten uns in das Gepäck von Volpatte. Fouillade aber will um alles in der Welt das seine nicht hergeben, obwohl der Durst ihn melancholisch stimmt und er vor Trockenheit vergeht.

So schreiten wir denn langsam davon. Ist es doch immerhin ein Genuss, nicht in Reih und Glied marschieren zu müssen; und es ist so selten, dass es einem ungewohnt vorkommt und eine Wohltat ist. Bald atmen wir alle vier erleichtert auf und fühlen uns frei; man schreitet so wie zum Vergnügen übers Land.

– Jetzt gehn wir spazieren, sagt Volpatte stolz. Und als wir aber oben auf der Anhöhe stehn, gibt er sich rosigen Gefühlen hin und sagt:

– Es ist doch noch eine Glückswunde schliesslich, so krieg ich doch Urlaub, totsicher.

Er zwinkert mit den Augen; Freude strahlt aus ihnen und aus der weissen Kugel, die auf seinen Schultern hin- und herwackelt und an den verwundeten Stellen rötlich gefärbt ist.

Da tönen aus der Tiefe sechs Glockenschläge vom Dorf her.

– Ich kümmere mich 'n Dreck um die Zeit, sagt Volpatte. Die Zeit, die sich abwickelt und ich, wir haben miteinander nichts mehr zu tun.

Mit einem Male wird er redeselig. Ein leichtes Fieber reizt seine Gesprächigkeit, wobei er vergnügt in einem langsamen Schritt dahinschlendert.

– Jetzt krieg ich ein rotes Zeichen auf den Mantel, totsicher, und werd zurückgeschickt. Und dabei werd ich höflich behandelt werden: »Bitt schön, hier durch ... so, so, Alterchen.« Dann die Ambulanz, dann der Sanitätszug mit den Knutschereien der Damen vom Roten Kreuz auf der ganzen Reise, wie sie 's dem Crapelet Jules gemacht haben, und dann 's Spital erst mit weissen Bettüchern und dem warmen Ofen mitten drin und nichts als Leute, die einen bedienen und denen man zuschaut, und die Ordonnanz-Hauspantoffeln, Herrgott, und einen Nachttisch: Möbel überhaupt! Und in den grossen Spitälern wohnst du prima, was die Nahrung angeht. Ausgezeichnetes Essen, Bäder werd ich nehmen, überhaupt werd ich alles nehmen, was da ist. Und allerlei Annehmlichkeiten, ohne dass man erst mit den andern drum raufen muss und sich bis aufs Blut drum anstrengen. Auf der Bettdecke liegen dann meine beiden Pfoten, die nichts zu tun haben, wie Luxusartikel – wie so 'n Spielzeug! Und ich unter der Decke schön warm von oben bis unten, und die Füsse ausgebreitet wie zwei Veilchensträusser ...

Volpatte hält plötzlich inne, sucht in seinen Taschen und zieht zugleich mit seiner berühmten Schere von Soissons etwas heraus, das er mir vorzeigt.

– Guck her, hast du's schon gesehn?

Es ist das Bild seiner Frau und seiner beiden Jungens. Schon oft hat er sie mir gezeigt; auch diesmal schau ich's an und nicke zustimmend.

– Jetzt geh ich dann auf Urlaub, fährt Volpatte fort, und derweil meine Ohrlappen wieder anwachsen, werden mich meine Frau und meine Kinder anschauen, und ich werd sie auch anschauen. Und während sie dann wieder anwachsen, wie Salat, unterdessen wird's vorwärts gehn mit dem Krieg ... Die Russen ... oder sonst was! ...

So ergab er sich dem glücklichen Zukunftstraum, sprach laut vor sich hin und fühlte sich bereits weit weg von uns in seiner Feststimmung.

– Du Lauskerl! schrie ihn Fouillade an. Ein gottverdammtes Schwein hast du!

Wie sollte man ihn auch nicht beneiden? Ihn, der jetzt einen oder zwei Monate lang, gerade in dieser Jahreszeit, hinter die Front kommen wird, und der, anstatt hier in Gefahr und Elend weiter zu leben, plötzlich in einen Rentier umgewandelt war!

– Anfangs, meinte Farfadet, fand ich's schon komisch, wenn einer von der »guten Wunde« sprach. Aber jetzt, hol's der Teufel, jetzt ist es bei Gott das einzige, was sich ein armer Soldat Gutes wünschen kann.

*

Das Dorf lag nicht mehr weit von uns, als wir gerade um den Wald bogen. Da erschien plötzlich eine weibliche Gestalt an der Waldecke gegen das Licht, dessen helle Strahlen ihre Silhouette leuchtend abgrenzten. Am Saum des Waldes, in dessen Hintergrund die Bäume violette Striche hinzeichneten, stand die schlanke Gestalt mit blondleuchtenden Haaren; in ihrem blassen Gesicht aber sah man ein Paar grosse Augen, wie zwei Nachtschatten sitzen. Dieses leuchtende Wesen schaute uns an und stand auf zitternden Beinen; dann schlüpfte sie plötzlich unter's Gehölz wie eine Fackel.

Diese Erscheinung, die so plötzlich wieder verschwand, machte auf Volpatte einen solchen Eindruck, dass er den Faden seiner Rede verlor.

– Ist das eine Schnepfe, das Weib da?

– Nein, meint Fouillade, der nicht recht verstanden hatte; Eudoxie heisst sie. Ich kenne sie, vom Sehn; sie ist ein Flüchtling. Keine Ahnung, woher sie kommt; ich weiss nur, dass sie in Gamblin bei einer Familie wohnt.

– Sie ist mager und schön, bemerkte Volpatte. 'n bisschen dran naschen, wäre gar nicht übel ... das wär ein Fressen, so'n Hühnchen ... Paar Augen hat sie!

– Komisch ist sie, sagt Fouillade. Immer muss sie rumstrolchen. Kaum siehst du sie irgendwo mit dem blonden Haarbusch oben drauf, da ist sie schon weg. Und dann weiss sie nicht, was Gefahr ist. Manchmal drückt sie sich in der vordersten Linie rum. Komisches Ding.

– Da! dort ist sie wieder, die Erscheinung! Die hält uns fest mit den Augen. Offenbar kommen wir ihr interessant vor.

Die leuchtende Silhouette zierte in diesem Augenblick das andere Ende des Waldrandes.

– Ich kümmere mich 'n Dreck um die Weiber, erklärte Volpatte, der sich wieder in seinen Urlaubstraum versenkte.

– Jedenfalls hat's einen in der Korporalschaft, der haarig in sie vernarrt ist. Da! Wenn man vom Wolf spricht ...

– Sieht man seinen Schwanz ...

– Noch nicht, aber fast ... Da!

Und man sah aus einem Gebüsch, heraus rechterhand, die Nase von Lamuse wie einen roten Wildschweinrüssel vorschnüffeln. Er war jenem Frauenzimmer auf der Spur und als er sie sah, stand er still wie ein Jagdhund und holte zum Sprung aus. Als er sich aber auf das Weib stürzen wollte, stiess er auf uns.

Wie der dicke Lamuse nun Volpatte und Fouillade erkannte, liess er einen Freudenschrei los und hatte nur noch den einen Gedanken, uns die Tornister, die Gewehre und die Brotsäcke abzunehmen.

– Her damit! Ich hab ausschlafen können, gebt nur her!

Alles wollte er tragen; Farfadet und ich machten keine Schwierigkeiten und gaben gerne das ganze Zeug Volpattes ab; auch Fouillade trennte sich schliesslich von seiner Brottasche und seinem Gewehr.

So wurde Lamuse zum wandelnden Gepäckturm; er verschwand unter der ungeheuren und breiten Last und schleppte sich nur mit kleinen Schritten weiter.

Trotzdem aber schien ihn seine fixe Idee nicht ruhn zu lassen, und seine Blicke spähten seitwärts nach der Frau, der er nachgelaufen war.

Alle Augenblicke blieb er stehn, rückte ein Gepäckstück zurecht, schöpfte Luft und wischte sich die fetten Schweisstropfen vom Gesicht, wobei er alle Ecken des Horizonts absuchte und den Waldrand abspähte. Er sah sie aber nicht mehr.

Ich dagegen erblickte sie wieder ... und kam diesmal allerdings zur Erkenntnis, dass sie es mit einem von uns hatte. Dort, linkerhand, kroch sie halb aus dem grünen Schatten des Unterholzes. Sie hielt sich dabei mit einer Hand an einem Zweig fest, beugte sich vor und man sah ihre schwarzen Nachtaugen und ihr bleiches Gesicht, das halb beleuchtet war und so einem wachsenden Monde glich. Ich bemerkte ein Lächeln auf ihren Lippen. Indem ich dann der Richtung ihres Blickes nachging, sah ich nicht weit hinter uns Farfadet, der ebenfalls lächelte.

Dann verschwand sie lächelnd im Schatten des Laubes und Farfadet lächelte ihr nach ...

So wurde mir klar, dass zwischen jener gelenkigen und zarten Zigeunerin, die keiner andern Frau glich, und Farfadet, der sich durch seine feine, zitternde Biegsamkeit von uns allen abhob, ein Einverständnis herrschte ...

... Lamuse hatte nichts gesehn; denn die Last, die er Farfadet und mir abgenommen hatte, versperrte ihm die Aussicht, und seine Aufmerksamkeit konzentrierte sich ganz auf die Aufrechterhaltung seines Gleichgewichtes und die Wahl der Stelle, auf die er seine arg beschwerten Füsse hinsetzen wollte.

Er sieht totunglücklich aus und jammert; ein trauriger Gedanke drückt ihn schwer, und aus dem rauhen Keuchen seiner Brust glaube ich sein klopfendes und murrendes Herz herauszuhören. Dann betrachte ich mir Volpatte mit seinem Verbandpolster und dann den mächtigen, dicken und blutdrallen Kerl, der in sich den ewigen, tiefen Drang schleppt, dessen Schärfe er allein zu messen vermag; und dabei denke ich, dass nicht jener verbunden wird, der die schwerste Wunde trägt.

Endlich steigen wir zum Dorf hinab.

– Jetzt gibt's was zu trinken, sagt Fouillade.

– Urlaub krieg ich jetzt, sagt Volpatte.

Lamuse aber keucht:

– Meuh ... Meuh ...

Dann kommen die Kameraden gelaufen, schreien durcheinander und versammeln sich auf dem kleinen Dorfplatz, auf dem die Kirche steht mit ihren zwei Türmen, von denen der eine durch eine Granate derart zertrümmert wurde, dass die Kirche, von vorne gesehn, nur noch ein entstelltes Gesicht zeigt.

*

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