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Das Feuer

Henri Barbusse: Das Feuer - Kapitel 14
Quellenangabe
pfad/barbusse/feuer/feuer.xml
typefiction
authorHenri Barbusse
titleDas Feuer
publisherMax Rascher Verlag
printrunDreiunddreissigstes bis zweiundfünfzigstes Tausend
year1918
translatorL. von Meyenburg
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20121111
projectidc6959b91
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XIII.

Kraftworte.

Barque, der mich schreiben sieht, kriecht auf allen Vieren durch's Stroh zu mir her und streckt mir sein aufgewecktes Gesicht entgegen. Wie eine Interpunktion sitzt ihm darüber sein roter Bajazzoschopf und über seine kleinen, lebhaften Augen faltet und glättet sich seine Stirn wie zwei Zirkumflexe. Er zieht den Mund nach allen Seiten, denn er knackt und kaut gerade eine Schokoladentablette, deren feuchten Rest er noch in der Faust hält.

Dann kaut er mit vollem Mund ein paar Worte her und bläst mir dabei einen Zuckerbäckerduft in die Nase.

– Du, du bist doch Schriftsteller, später schreibst du doch mal über die Soldaten, dann erzählst du von uns, nicht?

– Freilich, mein Sohn, ich werde von dir erzählen, von den Kameraden und von dem, was wir erlebt haben.

– Du, aber sag mal ...

Er deutete mit dem Kopf auf die Papiere, auf die ich mir gerade Notizen machte. Mit aufgehobenem Bleistift beobachte ich ihn und hör ihm zu. Er möchte gerne eine Frage an mich richten.

– Sag mal, ohne Aufdringlichkeit meinerseits ... ich hätt' dich gern was gefragt. Nämlich folgendes: wenn du in deinem Buch die Soldaten reden lässt, reden die dann auch, wie sie wirklich reden, oder machst du das den andern mundgerecht? Ich meine wegen der Kraftausdrücke, die man braucht. Ich meine, wenn man auch noch so gut miteinander auskommt, und ohne einander anschnauzen zu wollen, hörst du doch nie einen Soldaten 's Maul auftun, ohne dass er was sagt und immer wieder sagt, was die Drucker nicht gerne drucken. Aber wenn du die betreffenden Ausdrücke nicht hinschreibst, dann stimmt's doch mit der Aehnlichkeit nicht mehr: grad wie wenn du sie malen möchtest und tust die sichtbarste Farbe, die man überall sieht, nicht dran. Und doch schreibt man so was nicht.

– Ich werde die Ausdrücke dort hinschreiben, wo sie hingehören, Alterchen, weil es die Wahrheit ist.

– Schon, aber glaubst du nicht, dass dann die Kerle aus deiner Gesellschaft, ohne sich um die Wahrheit zu scheren, sagen werden, dass du ein Schwein bist?

– Wahrscheinlich, aber ich werd's doch tun, ohne mich um die Kerle zu kümmern.

– Soll ich dir was sagen? Ich kenne mich zwar in den Büchern nicht aus, aber das war tapfer von dir, weil man's sonst nicht macht, und wenn du 's Herz hast, dann bist du ein feiner Kerl, aber es wird dir doch im letzten Augenblick schwer fallen, du bist viel zu gut erzogen! ... Das ist sogar ein Fehler, der mir an dir aufgefallen ist, seit wir uns kennen. Das und auch die verdammte Gewohnheit, die du hast, wenn wir Schnaps bekommen; weil du glaubst, dass er schädlich ist, anstatt, dass du's einem andern gibst, giesst du dir ihn allemal auf den Schädel und wäschst dir die Haare damit.

*

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