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Das Ende des Odysseus

Victor Auburtin: Das Ende des Odysseus - Kapitel 8
Quellenangabe
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typesketch
authorVictor Auburtin
titleDas Ende des Odysseus
publisherHaffmans Verlag
printrun1. - 3. Tausend
editorGeorg Eyring
year1986
illustratorFritz Graßhoff
isbn3251000802
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorGerd Bouillon
senderwww.gaga.net
created20110411
projectid74ee16c9
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Die Sorgen Gottes

Unter der Brücke von Montereau rankte sich die Kletterrose hin, am Bogen entlang, von einem Ufer zum anderen. Also unter jener Brücke, um die sich die Franzosen und Burgunder stritten und auf der das Blut floß, als sei es mit Eimern hingegossen.

Wie im April des Jahres 1470 die Franzosen über die Brücke ritten, um den Burgundern die Stadt Cartay wegzunehmen, da war das Gewächs der Kletterrose noch dünn und grün und hatte keine Blätter.

Im Juni dann trieben die Burgunder die geschlagenen Franzosen wieder über die Brücke zurück, und da hatte die Kletterrose hundert blaßrote Blüten, um die die Bienen und Hummeln beschäftigt waren.

Im August aber war es, daß oben auf der Brücke der Herzog Johann von Burgund ermordet wurde. Die Franzosen ermordeten ihn bei der Besprechung des Vertrages und rissen ihm sechzehn Wunden durch den Leib und durch sein Herz. Und um diese Zeit hatte die Kletterrose ihre Früchte in aller Stille ausgereift, runde glänzende Früchte voll von Samen und voll von Zukunft.

Und just in dieser Stunde, da der Panzermann dort oben in seinem Blute schwamm, geschah es, daß Gott der Herr durch diese Gegend kam, um in seiner Schöpfung nach dem Rechten zu sehen. Er stieg unter die Brücke, besah die Kletterrose und fühlte ihre Früchte mit seinen Geisterfingern ab. Und sagte sich: »Diese Pflanze wurde gut, sie trug in Frieden ihre Frucht. Nur hier links scheinen mir einige Früchte nicht ganz geraten zu sein, wohl weil sie nicht genug Sonne hatten. Aber«, so fügte der Herr seufzend hinzu, »es gibt halt nichts Vollkommenes in dieser Welt.«

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