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Das Elfenbeinkind

Henry Rider Haggard: Das Elfenbeinkind - Kapitel 1
Quellenangabe
authorHenry Rider Haggard
titleDas Elfenbeinkind
publisherVerlag Martin Maschler
yearo.J.
translatorArthur Heye
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20170210
projectid318bbeb0
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1. Kapitel
Allan gibt Schießunterricht

Jetzt will ich, Allan Quatermain, jene Erlebnisse erzählen, welche vielleicht zu den seltsamsten Abenteuern zu rechnen sind, die mir im Verlaufe eines kaum zahm oder langweilig zu nennenden Lebens zugestoßen sind.

Neben vielem anderen wird vom Kriege gegen das Volk der »Schwarzen Kendah« und vom Tode Janas, seines Elefantengottes, die Rede sein. Oft habe ich darüber nachgedacht, ob diese Kreatur nicht etwas anderes und mehr gewesen sei als nur ein riesenhaftes, waldbewohnendes Ungetüm. Scheint das unwahrscheinlich? Ist so etwas nicht möglich? Nun, der Leser wird sich selbst sein Urteil bilden.

Ebenso wird ihm die Religion der »Weißen Kendah« merkwürdig genug vorkommen. Die Angehörigen dieses Stammes wollen im Besitz gewisser magischer Kräfte sein, und über diese Kräfte will ich nur das eine bemerken: wenn sie überhaupt existierten, so waren sie jedenfalls nicht unfehlbar. Schon ein einziges Vorkommnis mag dies beweisen: Hârut und Mârut waren auf Grund einer Weissagung der festen Überzeugung, daß ich, und zwar ausschließlich ich, Jana zu töten imstande wäre; und das war ja auch der Grund, weshalb sie mich einluden, ins Kendahland zu kommen. Dennoch war es zuguterletzt mein Diener Hans, der ihn tötete. Um ein Haar wäre ich bei dieser Expedition ums Leben gekommen ...

Doch ich will die Spannung des Lesers nicht unnötig steigern und der Reihenfolge nach meine so sonderbaren Erlebnisse berichten.

Ich wohnte für ein paar Tage während eines kurzen Aufenthaltes in England bei meinem alten Freunde Scroope, oder eigentlich bei seiner Verlobten und deren Angehörigen in Essex. Während meines Besuches wurde ich einmal mitgenommen, um einen noch schöneren Wohnsitz anzusehen; ein prächtiges altes Kastell mit gemauerten Tortürmen. Es war mit vollendeter Kunst restauriert und in einen luxuriösen modernen Wohnsitz umgewandelt worden. Wir wollen es »Ragnall« nennen, nach dem Schloß eines Barons dieses Namens.

Ich hatte schon allerlei über Lord Ragnall gehört. Den Berichten zufolge mußte er so etwas wie ein Universalgenie sein. Er sollte ein selten schönes Äußeres besitzen und durch Geist und Witz glänzen – seinen Doktor habe er cum laude gemacht – daneben sei er ein großer Sportsmann – Führer des »Oxford-Bootes« beim Universitätsrennen – ein hervorragender Schütze, der in Indien Tiger und anderes Großwild jagte. Überdies ein vielversprechender Politiker, dessen Reden im Oberhause Aufsehen erregt hatten. Hinter dem Pseudonym des Autors eines vielgekauften Gedichtbandes verberge sich niemand anders als der Lord selbst. Dann gelte er als trefflicher Soldat und schließlich als Mann von gewaltigem Reichtum, der außer großen Gütern eine Reihe von Kohlengruben und eine ganze Stadt im Norden von England besaß.

Als die Liste der Reichtümer zu Ende war, meinte ich: »Vielleicht ist er in der Liebe unglücklich?«

»Gerade hierin hat er das allergrößte Glück!« antwortete die junge Dame, mit der ich sprach, die Braut Scroopes, Fräulein Manners. »Er ist mit einer Dame verlobt, die geradezu das lieblichste, süßeste und klügste Mädchen von ganz England sein soll, und die beiden beten einander an.«

»Da soll's mich nicht wundern, wenn das Schicksal gegen Lord Ragnall und seine vollkommene Liebste etwas ausheckt.«

Und wirklich sollte ich mit meiner Ahnung rechtbehalten ...

Als ich am nächsten Morgen gefragt wurde, ob ich mir einmal die Sehenswürdigkeiten von Schloß Ragnall anzusehen wünsche, sagte ich gern zu.

Wir hatten in der klaren frostigen Dezemberluft eine schöne Fahrt. Beim Eintreffen hörten wir, daß Lord Ragnall irgendwo im Park beim Schießen wäre, Herr Scroope seinem Freunde aber selbstverständlich das Schloß zeigen könne. So begaben wir drei – Fräulein Manners hatte uns in ihrem Ponywagen herüberkutschiert – uns ins Schloß. Der Pförtner führte uns zum Hauptportal und übergab uns dort einem anderen Menschen, den er Herrn Wild nannte, – dem Kammerdiener Seiner Lordschaft, wie er mir ins Ohr flüsterte.

Ich merkte mir den Namen, weil ich den Eindruck hatte, daß noch niemals jemand weniger »wild« ausgesehen hatte als dieser Herr. Seine Kleidung – er trug einen schwarzen Morgencutaway – war fehlerlos, seine Manieren gewählt, höflich bis an die Grenze der Ironie, aber mit einem Schimmer von hochmütigem Stolz im Hintergrunde. Sein Gesicht mit seiner feinen Nase und, den Falkenaugen war interessant, und die Spur von Kahlheit über der Stirn kam nur dem Gesamteindruck zugute. Sein Alter mochte etwa zwischen Fünfunddreißig und Vierzig liegen, und die Art und Weise, wie er mich meines Hutes und Stockes beraubte, bewies mir die Entschlossenheit seines Charakters. Wahrscheinlich, so überlegte ich, hält er mich für einen etwas gefährlichen Menschen, der die Gemälde oder die Kunstgegenstände mit seinem Stock beschädigen könnte. – Da er nicht wußte, unter welchem Vorwand er mir den Stock allein abverlangen solle, verfiel er auf den Ausweg, mich auch um den Hut zu erleichtern.

Später einmal bestätigte mir Herr Samuel Wild selbst diese meine Mutmaßungen. Er habe in Anbetracht meines ein wenig ungewöhnlichen Äußeren gedacht, ich könnte einer von jenen gefährlichen Leuten sein, von denen er in den Zeitungen soviel las, nämlich ein »Hanarchist«. Ich schreibe das Wort so, wie er es aussprach – und das war eine kuriose Sache. So fehlerlos, so gut erzogen dieser Mann auch war – er hatte seine schwache Seite, durch die er lächerlich wurde. Seine Aussprache des »H« war unsicher. Drei etwa kamen ganz richtig heraus, aber ein viertes machte sich entweder durch völliges Fehlen oder durch unbeabsichtigtes Auftreten bemerkbar. Im übrigen war Samuel Wild ein guter Kerl und von einer rührenden Treue. Ich hatte den größten Respekt vor ihm.

Jetzt begleitete er uns durch das Schloß. Wir sahen alle die zahllosen Kostbarkeiten und wenigstens zweihundert Gemälde aus der Werkstatt berühmter alter Meister. Das gab Wild Gelegenheit, mit großen, wenn auch irgendwo zusammengeklaubten historischen Kenntnissen zu prunken. Um die Wahrheit zu sagen, ich wäre ihm dankbar gewesen, wenn er seine Erklärungen ein bißchen weniger detailliert gehalten hätte, denn an jenem Dezembertage war es in diesen großen Räumen erbärmlich kalt.

Um den Weg von der großen nach der kleinen Galerie abzukürzen, passierten wir Lord Ragnalls Arbeitszimmer, einen gut geheizten und behaglich eingerichteten Raum. Ich blieb einen Augenblick am Feuer stehen. Und da entdeckte ich, durch einen Vorhang verhüllt, ein Gemälde. Ich fragte Herrn Wild nach der Bedeutung.

»Das, mein Herr,« antwortete er mit einer Art stolzer Reserviertheit, »ist das Porträt der zukünftigen gnädigen Frau. Seine Lordschaft hat den Anblick dieses Bildes ausschließlich sich selbst vorbehalten.«

Fräulein Manners kicherte, und ich sagte: »So, ich danke Ihnen. Aber wie kann man nur eine Sache von solch übler Vorbedeutung tun!«

Durch eine offene Türe erspähte ich die Vorhalle, in der mir mein Hut abgenommen worden war, blieb ein wenig zurück, und als die anderen in der kleinen Galerie verschwunden waren, schlüpfte ich in die Halle, nahm mein Hab und Gut wieder an mich und trat in den Garten hinaus, um, hier auf und ab gehend, mich zu erwärmen und auf meine Begleiter zu warten. Als ich so auf der Terrasse hin und her marschierte, hörte ich den Knall von Schüssen. Das Knallen scholl aus einer Gruppe von Eichen her, die in einer Entfernung von etwa vierhundert Metern standen. Mir schien, daß die Schüsse aus einem kleinkalibrigen Gewehr kamen, nicht aus einer Schrotflinte.

Neugierig, wie ich es ja schon fast berufsmäßig bin, ging ich auf einem Umwege quer durch eine Anpflanzung auf den Eichenhain zu. Schließlich stand ich am Rande einer Lichtung und sah, durch einen prächtigen Buchsbaum gedeckt, zwei Männer vor mir. Der eine war ein junger Heger, und der andere – das wußte ich im ersten Moment – war Lord Ragnall selbst. Tatsächlich eine ungewöhnliche Erscheinung! Sehr groß, breitschultrig, zugespitzter Bart, ein freundliches und einnehmendes Gesicht und große dunkle Augen. Er trug einen Mantel über den Schultern, der einen Samtrock darunter sehen ließ.

Meinen Platz wechselnd, beobachtete ich seine Versuche, Holztauben zu schießen, die, durch das kalte Wetter hungrig gemacht, Eicheln picken wollten. Von Zeit zu Zeit tauchten die schönen blauen Vögel auf, einen Moment lang schwebten sie regungslos über den Bäumen, ehe sie sich setzten. Der Schütze feuerte und – sie flogen davon! »Peng – Peng!« machte die Büchse, und weg war die Taube.

»Verdammt!« sagte der Schütze mit einer wohlklingenden Stimme, »das ist die zwölfte, die ich gefehlt habe, Charles.«

»Sie haben den Schwanz getroffen, Mylord. Ich sah eine Feder davonflattern. Aber, wie gesagt, Mylord, es gibt keinen lebenden Menschen, der fliegende Tauben mit einer Kugel zu treffen imstande wäre. Auch dann nicht, wenn sie in der Luft stillzustehen scheinen.«

»Ich habe von einem gehört, Charles. Herr Scroope hat einen Freund aus Afrika zu; Besuch, von dem er schwört, daß er vier Stück von sechs herunterholt.«

»Dann, Mylord, hat Herr Scroope einen Lügenpeter zum Freunde«, entgegnete Charles, indem er ihm das zweite Gewehr reichte.

Das war zuviel für mich. Ich schritt, höflich meinen Hut lüftend, auf die beiden zu und sagte:

»Entschuldigen Sie, mein Herr, wenn ich störe; aber Sie schießen auf diese Holztauben nicht in der richtigen Weise. Wenn die Tauben auch, bevor sie niederkommen, in der Luft stehenzubleiben scheinen – sie fallen schneller, als Sie es sich vorstellen können. Ihr Heger irrte sich, als er Sie vom letzten Vogel, auf den Sie zwei Läufe abfeuerten, eine Schwanzfeder herausholen sah. In beiden Fällen haben Sie wenigstens einen Fuß zu hoch geschossen. Und was herunterkam, war ein Eichenblatt.«

Einen Moment herrschte Schweigen. Dann rief Charles ärgerlich aus:

»Nanu, was denn noch?«

Lord Ragnall aber – er war es wirklich – sah zunächst ebenfalls ärgerlich drein. Dann schien ihn die Sache zu amüsieren.

»Mein Herr,« sagte er, »ich danke Ihnen für Ihren Ratschlag. Es ist wahr, ich habe jede Taube gefehlt, auf die ich mit diesen vertrackten kleinen Büchsen zu schießen versuchte. Aber wenn Sie mir in der Praxis vorführen könnten, was Sie jetzt so freundlich theoretisch entwickelt haben – so würde das den Wert Ihrer Ratschläge sicherlich erhöhen.«

So sprach er. Ohne Zweifel ironisierte er mich (er hatte Sinn für Humor). Meine Rede war aber auch durch meine Erregung ein bißchen zu pompös ausgefallen.

»Geben Sie mir bitte das Gewehr«, antwortete ich, indem ich meinen Mantel ablegte.

Er überreichte es mir mit einer Verbeugung.

»Überlegen Sie sich, was Sie tun wollen,« grunzte Charles, »das Ding ist gespannt und gestochen.«

Ich schickte ihm einen vernichtenden Blick zu, aber dieser ungläubige Heger stierte mich nur mit der ausgesprochenen Unverschämtheit seiner runden Vogelaugen an. Niemals zuvor war ich auf einen dienstbaren Geist so wütend gewesen. Und auf einmal kam mir ein schrecklicher Gedanke. Wie, wenn ich fehlte! Ich wußte herzlich wenig Bescheid über den Flug englischer Holztauben, die mit der Kugel überhaupt leicht zu fehlen sind, und nichts wußte ich von diesen Spezialwaffen. Ein Blick belehrte mich aber, daß ich ein ausgezeichnetes, von einem berühmten Büchsenmacher konstruiertes Gewehr in der Hand hielt. Aber, wenn ich jetzt umschmiß, wie sollte ich Charles' Verachtung und die Höflichkeit seines vornehmen Herrn, der sich schon jetzt über mich amüsierte, ertragen? Ich betete zum Himmel, daß sich keine weiteren Tauben zeigen möchten und so meine vorgegebene Geschicklichkeit wenigstens vorläufig nicht auf die Probe gestellt werden könnte.

Aber es sollte nicht sein. Diese Vögel kamen von weit her einzeln oder zu zweien auf der Suche nach ihrem Lieblingsfutter. Selbst die Tatsache, daß einige verscheucht worden waren, hielt die andern vom Kommen nicht ab. Auf einmal hörte ich Charles knurren: »Na, jetzt passen Sie auf, Meister. Jetzt haben Sie Gelegenheit, Seiner Lordschaft zu zeigen, wie man's macht, trotzdem er, nebenbei bemerkt, der beste Schütze im Lande ist.«

Während er sprach, zeigten sich zwei Tauben. Die eine ein Stückchen hinter der anderen, kamen sie stracks auf uns zu. Als sie, bereit sich niederzulassen, die Lichtung des Hains erreichten, war die eine ungefähr fünfzig, die andere etwa siebzig Meter weit weg. Ich nahm die nächste aufs Korn, gab etwas für den Fall und die Steigung zu und berührte den Hahn der Büchse. Sie hatte nur einen ganz schwachen Rückschlag. Die Kugel durchschlug der Taube den Kropf. Ein Schauer von Eicheln fiel heraus, und das Tierchen sank tot zu Boden. Die zweite Taube, die Gefahr witternd, begann steil in die Höhe zu steigen. Ich feuerte den zweiten Lauf auf gut Glück ab und schoß ihr den Kopf herunter. Dann nahm ich automatisch die andere Büchse, die Charles geladen hatte, aus seiner ausgestreckten Hand. Denn im selben Moment sah ich zwei weitere Tauben heranstreichen. Auf die erste riskierte ich einen schwierigen Schuß und traf sie weit hinten; ihr Schwanz flog weg, aber sie kam, wenn auch noch flatternd, zu Boden. Ich nahm auch die andere aufs Korn; doch als ich den Abzug berührte, ertönte nur ein Klick und weiter nichts.

Damit war die Gelegenheit gekommen, mit Charles ein wenig abzurechnen, und ich benützte sie.

»Junger Mann,« sagte ich, während er mich mit offenem Munde angaffte, »Sie sollten lernen, mit gefährlichen Waffen, wie sie Gewehre sind, vorsichtiger umzugehen. Denn wenn Sie einem Schützen eines ungeladen in die Hand geben, so beweist das nur, daß Sie von der Sache nichts verstehen.«

Dann drehte ich mich auf den Hacken herum und setzte, zum Lord Ragnall gewendet, hinzu:

»Ich muß wegen meines dritten Schusses um Entschuldigung bitten. Ich habe mit ihm selbst gegen etwas verstoßen, was ich Ihnen zur Beachtung empfahl. Ich habe nämlich nicht hoch genug geschossen. Immerhin kann er dazu dienen, Ihrem Diener den Unterschied zwischen dem Schwanz einer Taube und einem Eichenblatt zu zeigen«, und ich zeigte auf eine der Federn, die noch immer in der Luft flatterten.

»Wenn dieser Kerl hier nicht der Teufel in Stiefeln ist ...« murmelte Charles vor sich hin.

Aber sein Herr schnitt ihm mit einem Blick das Wort ab, dann lüftete er vor mir den Hut und sagte:

»Mein Herr, ich gratuliere Ihnen zu einer Geschicklichkeit, die fast an das Wunderbare grenzt, falls nicht Zufall – –« Er brach ab.

»Es ist nur natürlich, daß Sie das annehmen,« antwortete ich, »aber falls noch mehr Tauben kommen und Mister Charles die Büchsen wirklich ladet, hoffe ich, Sie zu überzeugen.«

In diesem Augenblick jedoch verscheuchte ein lauter Ruf von Scroope, der nach mir Ausschau hielt, jede Taube in einem Umkreis von einer halben Meile: eine Tatsache, über die ich nicht gerade ärgerlich war. Denn wer weiß, ob ich alle oder überhaupt noch eine einzige von den Tauben getroffen hätte.

»Ich glaube, meine Freunde rufen mich, deshalb möchte ich Ihnen ›Guten Morgen‹ sagen«, sagte ich linkisch.

»Einen Moment, mein Herr,« rief er aus, »dürfte ich Sie vorher um Ihren Namen bitten? Ich heiße Ragnall – Lord Ragnall.«

»Ich bin Allan Quatermain«, sagte ich.

»Oh!« antwortete er, »das erklärt die Sache. Charles, dies ist Herrn Scroopes Freund, eben derselbe Herr, von dem du sagtest, er schnitte auf. Ich glaube, du tätest besser, dich zu entschuldigen.«

Aber Charles war weg. Ich nahm an, um die Tauben aufzulesen.

In diesem Augenblick erschien Scroope mit Fräulein Manners. Sie hatten unsere Stimmen gehört. Eine allgemeine Aussprache folgte.

»Herr Quatermain hat mir eine Lektion im Schießen von fliegenden Tauben mit kleinkalibrigen Gewehren gegeben«, sagte Lord Ragnall, indem er auf die herumliegenden toten Vögel zeigte.

»Dafür ist er auch kompetent«, bemerkte Scroope.

»Unerhört kompetent«, versetzte seine Lordschaft. »Falls Sie mir nicht glauben, fragen Sie den Heger.«

»Es ist das einzige, was ich kann«, warf ich bescheiden dazwischen. »Schießen ist mein Handwerk, und ich habe viel Übung darin, Vögel im Fluge mit der Kugel herunterzuholen. Aber mit einer Schrotflinte würde ich ohne Zweifel gegen Eure Lordschaft sehr ins Hintertreffen geraten. Darin habe ich nur wenig Übung. Außer wenn ich in Afrika für den Kochtopf schoß.«

»Ja,« unterbrach Scroope, »Sie würden überhaupt keine Chancen gegen einen der besten Schützen Englands haben, Allan.«

»Ich bin dessen nun nicht ganz sicher«, sagte Lord Ragnall mit seinem angenehmen Lächeln. »Ich habe so ein Gefühl, als stecke Herr Quatermain voller Überraschungen. Wir könnten, wenn er einverstanden ist, einmal die Probe aufs Exempel machen. – Wenn Sie doch einen Tag opfern könnten, Herr Quatermain! Wir wollen morgen die Schutzgehölze abjagen, die bis jetzt unberührt sind, und ich hoffe, Sie tun mit.«

Ich machte einige Ausflüchte; denn ich bedachte, daß der von mir glatt überzeugte Charles wohl alle möglichen Geschichten über mich in die Welt setzen würde, und ich wünschte nicht, vor einer Gesellschaft von großen Herren – die ohne Zweifel wegen ihrer ganz besonderen Geschicklichkeit in diesem Sport ausgesucht worden waren – unter Umständen beschämt dazustehen.

Meine Einwendungen überzeugten jedoch weder Lord Ragnall noch Scroope, und so blieb mir nichts übrig, als die Einladung anzunehmen.

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