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Das Dschungelbuch

Rudyard Kipling: Das Dschungelbuch - Kapitel 8
Quellenangabe
typefiction
authorRudyard Kipling
booktitleDie Dschungelbücher
titleDas Dschungelbuch
publisherDeutsche Buchgemeinschaft
year1965
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
projectidef81b28c
created20061224
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Lukannon

Die wehmütige Hymne des Robbenvolkes

        Ich traf meine Brüder am Morgen
    (doch ach! Jetzt bin ich so alt),
Traf sie, wo schäumende Brandung
    sich türmt mit Urgewalt.
Ich hörte ihr fröhliches Singen,
    das machtvoll die Brandung verschlang,
Den Sang der vielen Millionen,
    des Robbenvolkes Sang
Am Riffe von Lukannon.

Sie sangen von sonnigen Gründen
    am grauen Lagunenrand,
Sie sangen von wonnigen Scharen
    im schimmernden Dünensand,
Sie sangen von nächtlichen Tänzen
    in schäumender Wellenflut,
Als noch kein gieriger Jäger
    vergoß der Robben Blut
Am Riffe von Lukannon.

Ich traf meine Brüder am Morgen,
    (ich sehe sie nimmermehr),
Sie kamen in vielen Legionen –
    heut ist die Küste leer!
Und über dem Gischt der Wellen
    klang unser Willkommensang,
Wenn sich mit glitzernden Fellen
    die Schar auf die Felsen schwang
Am Riffe von Lukannon.

Heil dir, du Riff von Lukannon!
    Hoch sproßt dein saftiges Ried,
Und auf den leuchtenden Algen
    des Meeres Dunsthauch glüht.
Trägst tausendfache Spuren
    aus meiner Jugendzeit,
Als wir auf felsigen Gründen
    nicht kannten Not und Leid!
Dort, wo die Robbenmutter
    schon mehr denn tausend Jahr
Auf weichem Dünenbette
    das Robbenkind gebar,
Am Riffe von Lukannon!

Ich traf meine Brüder am Morgen,
    gebrochen, in großer Not,
Die Jäger lauern im Wasser –
    mit ihnen lauert der Tod.
Die Jäger lauern am Lande,
    sie dürsten nach Blut und Mord
Und schießen und schlagen und treiben
    die Brüder vom Strande fort!
Sie treiben uns zum Tode
    wie Schafe, Stück für Stück,
Und dennoch: wir singen die Hymne,
    die Hymne vom Robbenglück
Am Riffe von Lukannon.

Entflieht! Entflieht nach dem Süden!
    Und du, Gooverooska, geh!
Und singe den Mädchen des Meeres
    die Hymne von unserm Weh!
Wirft wilder Sturm an die Felsen
    das leere Haifischei,
Auf alten Tummelplätzen
    grüßt keines Robben Schrei! ...
Ihr Riffe von Lukannon,
    bleibt ihr auch ewig stehn,
Die Robben werdet ihr nimmer,
    ach, nimmer wiedersehn,
Ihr Riffe von Lukannon!

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