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Das Buch vom Eppele

Karl Bröger: Das Buch vom Eppele - Kapitel 40
Quellenangabe
typelegend
authorKarl Bröger
titleDas Buch vom Eppele
publisherJ. H. W. Dietz Nachfolger
printrun
year1926
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150506
projectid6801218d
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Eppeles Ende und wie er aus der Welt ging

Die vier freien und Reichsstädte Nürnberg, Rothenburg, Windsheim und Weißenburg erhoben gegen den Ritter von Gailing und seine mitgefangenen Freunde und Sippen Klage über schwere Gewalttat an ihren Rechten und Bürgern, verübt durch lange Jahre mit Rauben und Sengen wider alles christliche Gebot und kaiserliche Verbriefung. Der Spruch lautete für den Ritter von Gailing und die beiden Herren von Bernheim zum Tode, zu vollstrecken über zweimal vierundzwanzig Stunden auf dem Marktplatz vor versammeltem Volk. Alter Sitte gemäß wurde den Schächern noch ein letzter Wunsch offen gelassen, woraufhin Eppele bat, als letzter gerädert und enthauptet zu werden und seinen Kopf auf keinen Fall denen von Nürnberg auszuliefern, wäre es doch seine höchste Freude und ein rechter Herztrost, zu wissen, daß dieser durch fünfzig Jahre von denen Nürnberger Ballenbindern begehrte Kopf ihnen auch im Tode entginge, wollte ein hochweiser Rat zu Nürnberg aber von dem Gailinger unbedingt eine Hinterlassenschaft, so möchten sich der Rat zu Nürnberg an seinem Steiß genügen lassen, den er ihm gern zu fleißiger Verehrung zuschreiben könnte.

Der Marktplatz von Neumarkt war am Ostermittwoch schwarz von Volk, das sich um das Hochgericht keilte und jedem Handgriff des Henkers und seiner Knechte mit blutlüsternen Augen folgte. Eppele schlang seinen Arm um die Schultern der Freunde und küßte den jungen Häublein von Bernheim auf Mund und Wange, bevor der den schweren Gang tat. Von Hänslein von Bernheim verabschiedete sich Eppele mit einem festen Händedruck und folgte sodann als letzter Sünder dem Wink des Nachrichters, der den Gailinger auf das Rad flocht und an die zwei Stunden mit eiserner Beule zerschlug, ohne daß auch nur ein Laut über Eppeles Mund gekommen wäre. Zum Richtblock hingetragen schaute Eppele gelassen und mit keiner Wimper zuckend in das gaffende Volk und empfing den tödlichen Streich als ein rechter Mann und Ritter.

In das Licht des späten Nachmittags reckte der Henker das Haupt Eppeles, an welchem trotz den siebenzig Jahren noch jedes Härchen kohlschwarz war und um dessen Mund ein fein und spöttisch lächelnder Zug hing. Reckte das Haupt erst gegen Süden, wo der Heilige Vater hauste, dann gegen Osten, wo Kaiser Wenzel zu Prag einen guten Tag lebte, nach Norden, wo die geliebte Veste Drameysl lag und zuletzt nach Westen in die zartglühende Lenzsonne.

Da geschah es, daß der rumpflose Eppele, allem Volke sichtbar, die schwarzen Augen aufschlug und noch einmal drohend nach Westen schaute, wo hinter Hügeln und Wäldern die mächtige Stadt Nürnberg gewaltig von immer neu aufquellenden Leben rauscht.

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