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Das Buch vom Eppele

Karl Bröger: Das Buch vom Eppele - Kapitel 36
Quellenangabe
typelegend
authorKarl Bröger
titleDas Buch vom Eppele
publisherJ. H. W. Dietz Nachfolger
printrun
year1926
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150506
projectid6801218d
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Wie der Burggraf seinen eigenen Helm zahlte und Eppele seine Reiterstiefel vom Frauentor nahm

Im Nachlaß des Thüringer Grafen Wilhelm von Schauenburg befand sich als kostbarstes Stück jener Helm, den König Richard Löwenherz in der Schlacht von Jerusalem getragen hatte. Dem Burggrafen von Nürnberg stach dieser Helm gewaltig in die Augen, weshalb er durch einen Beauftragten mit den Erben verhandelte, daß diese das Stück seiner Sammlung käuflich überließen. Für 47 Mark Silber geriet der Handel zur großen Freude des Burggrafen, der stündlich den rückkehrenden Boten mit dem Helm erwartete. Spie darum der Burggraf Gift und Galle und verklagte den Gailinger bei Kaiser Karl auf Ersatz des Schadens, weil der Gailinger den burggräflichen Boten hinter Erlangen geworfen und ihm den Helm abgenommen hatte. Der Kaiser, immer noch in Nürnberg zugegen, verurteilte Eppele zu diesem Schadenersatz, woraufhin Eppele drei Tage später einen zweiten burggräflichen Boten abfing, der mit 100Mark Silber nach der Plassenburg unterwegs war, dort einen Roßkauf zu tätigen. Von den 100 Mark nahm Eppele dem Boten auf den Heller genau 47 Mark weg und sandte sie an den Burggrafen mit einem Brief, daß nun wohl die Sache geschlichtet und dem kaiserlichen Spruch genug getan wäre. Der Zoller verschwor sich hoch und heilig, dem Gailinger solchen Hohn zu vergelten und wies seine Fähnlein an, lebend oder tot diesen heillosen und ganz verdammten Staudenhecht zu fangen.

Gleiche Absicht wurde auch vom Nürnberger Rat gehegt, welcher Eppele während der drei Wochen kaiserlicher Schutzfrist auf Schritt und Tritt nachspüren und sonderlich die Herberge zum ›Güldenen Kreuz‹, wo der Gailinger hauste, peinlich überwachen ließ. Am letzten Abend der Schutzfrist war Eppele wie stets in seine Herberge gegangen, so daß der Rat diesmal ganz fest mit dem Fang rechnete. Als aber mit dem letzten Schlag der Mitternacht Stadtknechte in die von Eppele bewohnte Kammer stürmten, fanden sie das Gemach so leer, wie es die Welt vor ihrer Erschaffung gewesen sein mochte. Nur die großen Reiterstiefel Eppeles standen einsam vor dem Bett und am rechten Stiefel baumelte ein Zettel des Inhalts, der Ritter von Gailing ließe seine Reiterstiefel in eines ehrbaren Rates Verwahrung und hoffe, daß sein Eigentum so lange gut und pfleglich behandelt würde, bis er es wieder abholte, was nächstens geschehe. Die Stadtknechte stellten die ganze Herberge auf den Kopf und suchten bis in den hellen Tag, doch der Gailinger war und blieb spurlos verschwunden.

Andern Tags rüffelte der Bürgermeister Mathias Behaim die Führer der städtischen Fähnlein wegen ihres gezeigten Ungeschicks, und der Rat beschloß, des Gailingers Stiefel sollten an das Frauentor gehangen sein benebst einer öffentlichen Kundmachung, daß 5000 Goldgulden empfinge, wer den Eppele in eines ehrbaren Rates Gewalt spielen könnte. Drei Tage hingen die Stiefel schon am Frauentor, dem Wind und dem Wetter ausgesetzt und von allen Gaffern, die vorbei kamen, groß angestaunt. Früh am Morgen des vierten Tages, nachdem das Frauentor noch keine Stunde geöffnet war, ritt stadtauswärts ein reisender Kaufmann, zügelte am Frauentor sein Roß und fragte den Scharwächter, was es mit den am Tor hängenden Stiefeln auf sich hätte. Der Stadtknecht wollte sich vor dem vornehmen Fremden ein rechtes Ansehen geben und erklärte wichtig, diese Reiterstiefel wären dem Gailinger seine, welchen vermaledeiten Raubgesellen der hochmögende Rat bald zu erwischen und dem Meister Kopfab auszuliefern gedächte. Der Fremde nahm die Erklärung danknickend hin und bat den Scharwächter, ihm doch die Stiefel einmal herunterzuholen, um sie besser zu betrachten. Arglos kam der Stadtknecht solcher Bitte nach und stellte sich recht breitspurig vor das Roß des Fremden, der die Stiefel erst aufmerksam betrachtete, in der Hand wog und sie mit eins dem völlig verdatterten Wächter derb um Maul und Ohren hieb.

Mit zwei Sätzen war der Fremde aus dem Tor, schwenkte drüben die Stiefel durch die Luft und schrie dem noch immer maulsperrenden Stadtknecht zu, er möchte dem Rat bestellen, daß der Eppele da und sehr erbost gewesen sei, die Stiefel so schlecht verwahrt zu finden. Er hätte sie am liebsten dem Herrn Bürgermeister Mathias Behaim selbst um das Maul geschlagen und hoffe, es noch einmal tun zu können. Hernach verschwand der Reiter gegen den Lichtenhof und der Wächter rieb sich noch lange die verschwollenen Backen.

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