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Das Buch vom Eppele

Karl Bröger: Das Buch vom Eppele - Kapitel 35
Quellenangabe
typelegend
authorKarl Bröger
titleDas Buch vom Eppele
publisherJ. H. W. Dietz Nachfolger
printrun
year1926
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150506
projectid6801218d
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Eppele versetzt die Stadt Nürnberg und löst sie mit einem von Kaiser Karl geliehenen Gulden wieder aus

Manchen Span hatte Eppele auch mit dem Burggrafen von Nürnberg, den er seines hochmütigen und dabei fürstendienerischen Wesens halber nicht leiden mochte. Waren diese Zollern doch ursprünglich auch ganz einfache Ritter gewesen und hatten nur durch Heirat, Erbschleicherei und geschicktes Augendienen vor Kaisern und Fürsten eine Hausmacht errungen, die sie nach dem fürstlichen Stand streben ließ, dessen Gebühren sie jetzt schon durch eine eigene Hofhaltung nachäfften. Dafür drückten sie auf die Ritterschaft und schmälerten deren Rechte, wo es nur anging, ganz wie Kaiser Karl auch, der nur ein Trachten kannte: sein böhmisches Erbland auf Kosten der Reichsstände zu vergrößern. Wohl gab er den Ständen viele Gerechtsame, doch verschlug er ihm auch nichts, wenn er einmal in Geldnot war, was jährlich nur jeden Monat geschah, die Stände samt ihren Gerechtsamen an Fürsten und Herren schlankweg zu verpfänden, wie er es mit den Reichsstädten Weißenburg und Windsheim getan, die sich und ihre bürgerlichen Freiheiten nur gegen schwere Steuer von dem Nürnberger Burggrafen loszukaufen vermocht hatten.

Es begab sich nun, daß Kaiser Karl IV. einen großen Hoftag in Nürnberg hielt, wozu die Fürsten und Stände des Reiches stark erschienen waren. Bei einem großen Fest auf der Nürnberger Burg kam das Gespräch auch auf den tollen Ritter von Gailing, von dem soviel zu hören, der selbst aber niemals zu sehen wäre und die Burggräfin, eine stolze und neugierige Dame, äußerte den Wunsch, den berühmten und gefürchteten Gailinger einmal von Angesicht zu sehen. In der glänzenden Gesellschaft bewegte sich auch ein Ritter von freiem und kühnem Wesen und dabei bester Sitte, dessen munter witziges Gespräch die Unterhaltung belebte und welcher auch dem Kaiser schon mehrfach aufgefallen war. Der Hausherrin Wunsch wurde rasch in der Gesellschaft bekannt und besprochen, wobei sich seine Erfüllung als unmöglich erwies, denn kein Anwesender konnte von dem Gailinger eine rechte Beschreibung geben. Beiläufig bemerkte der unbekannte Ritter, kaiserliche Macht und Gunst könnte den Wunsch der schönen Frau Burggräfin wohl erfüllen, welche Rede gleich zu Kaiser Karl getragen ward, der den Ritter zu sich rufen ließ und ihn nach Stand und Namen fragte. Der unbekannte Edelmann neigte sich artig vor Kaiser Karl und entgegnete, er könnte seinen Namen nur sagen, wenn kaiserliches Wort versichere, daß ihm daraus keine Beschwernis entstünde und wenn ihm vorher drei Wünsche zugesagt würden. Der Kaiser und die ganze Gesellschaft waren höchlich gespannt, welche Offenbarung sich wohl aus dieser geheimnisvollen Sache ergeben möchte, und Karl IV. verpfändete also sein kaiserliches Wort. Worauf der Ritter wiederum eine untadelige Verbeugung machte und den Kaiser um einen Gulden bat. Herr Karl von Böhmen war von einem solchen Wunsche betroffen und erkundigte sich, wozu denn der Ritter den Gulden benötigte. Eppele erklärte darauf, ohne eine Miene zu verziehen, er hätte die Reichsstadt Nürnberg an seinen Freund, den Ritter Fritz von Lobenstein, verpfändet und bedürfe des Guldens, um die getreue und kaiserlicher Majestät so liebwerte Stadt wieder loszukaufen. Die Gesellschaft stutzte über solche Kühnheit und witzige Anbohrung des Kaisers und Karl IV. selbst sah sich den Schalk erst genau an, ehe er ins Lachen geriet und den Gulden hinreichte, was aber hinterher den filzigen Luxemburger reute und ihm zu viel für einen solchen Spaß schien. Der schwarzhaarige Ritter neigte sich nunmehr gegen die Burggräfin, die neben dem Kaiser saß, und bat um die gnädige Erlaubnis, der edlen Dame seinen zweiten Wunsch abtreten zu dürfen. Die Frau Burggräfin hätte vorhin die Begierde geäußert, einmal den Ritter von Gailing leibhaft zu sehen. Die Burggräfin nickte und fügte bei, das wäre auch jetzt noch ihr Wunsch, sprang aber doch auf und trat einen Schritt zurück, als der Unbekannte in rittermäßiger Art die Knie vor ihr beugte und für die ganze Gesellschaft vernehmlich seiner Freude Ausdruck gab, daß der Ritter von Gailing der hochedlen Frau von Zollern seine Ergebenheit zu Füßen legen dürfte. Alles kam in Aufruhr und die Dienstmannen des Burggrafen griffen schon an die Schwerter, den langgesuchten Räuber zu übermannen. Doch Eppele erhob sich kaltblütig und tat seinen dritten Wunsch um einen kaiserlichen Geleitsbrief, für drei Wochen unbehelligt in Nürnberg zu gehen, wie und wo es ihm beliebt. Dem Kaiser, dem Burggrafen und besonders denen vom Nürnberger Rat schien eine solche Forderung höchst ungebührlich, allein der Gailinger erklärte, an eines Kaisers Wort sollte kein Burggraf oder Ratsherr deuteln noch drehen dürfen. Kaiser Karl schnitt ein saures Gesicht, mehr um den abgelisteten Gulden als um den erbetenen Geleitsbrief, stand aber zu seinem Wort und ließ Eppele das Schreiben behändigen.

Mit einer letzten tiefen Verneigung schritt Eppele rückwärts aus dem Saal, die Augen fest und voll feinen Spotts auf den Burggrafen und auf die Nürnberger Ratsherren gerichtet.

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