Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Karl Bröger >

Das Buch vom Eppele

Karl Bröger: Das Buch vom Eppele - Kapitel 33
Quellenangabe
typelegend
authorKarl Bröger
titleDas Buch vom Eppele
publisherJ. H. W. Dietz Nachfolger
printrun
year1926
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150506
projectid6801218d
Schließen

Navigation:

Eppele schreibt einen gelahrten Brief und führt zu Nürnberg die Eiserne Jungfrau spazieren

Dem Rate zu Nürnberg war ein kaiserliches Schreiben zugekommen, darin Karl IV. seine neuerrichtete Hochschule in Prag denen ehrbaren und wohlweisen Herren empfahl, daß sie ihre Söhne, soweit solche gelehrten Standes werden sollten, doch nach Prag möchten geben und dort studieren lassen. Eppele bekam von diesem Briefe wind, setzte sich in der Drameysler Burgstube hin und fertigte ein Schreiben an den Nürnberger Rat, welches der etwas weitsichtige Bürgermeister Friedrich Imhoff mit gestrecktem Arm den versammelten Ehrbaren und Wohlweisen kundgab. Verwundert erst, dann sehr ärgerlich vernahmen sie:

An einen hochweisen, ehrbaren und fürtrefflichen Rat zu Nürnberg!

Habe viel Gutes und Schönes vernommen von derer neuen kaiserlichen Hochschule zu Prag als eines rechten Brunnens geistlicher und weltlicher Gelahrtheit. Ich, Ritter Eppele von Gailing, kaiserlicher Reichslehensmann auf Feste Wald, insgleichen erbeingesessener Herr auf Gailnau, Illesheim, Röllinghausen und Drameysl, wäre wohl willens, einen tiefen Trunk zu tun aus solchem Brunnen, sintemal ein Leben in der Wissenschaft ruhiger und bekömmlicher ist denn das Leben eines Ritters, der schon an die Fünfzig geht, durch Gottes Güte zwar noch rüstig und behend, doch einer annehmlicheren Hantierung gern geneigt wäre.

Bin mir aber im Zweifel, ob ich sollte nach Prag gehen als Schüler oder als Lehrer und versehe mich dem Zuspruch eines hochweisen, ehrbaren und fürtrefflichen Rates zu Nürnberg, für seine Weisheit männiglich bekannt, wie solcher Zweifel zu meinem Nutz und Frommen möchte entschieden sein. Alter Freundschaft eingedenk halte ich zuversichtlich dafür, von einem hochweisen, ehrbaren und fürtrefflichen Rat bald Antwort zu empfangen benebst einer Wegzehrung und Beisteuer zum Studium, damit der den Wissenschaften willige Geist nicht durch einen Körper, so zu Prag darben müßte, gehindert sei.

Eines hochweisen, ehrbaren und fürtrefflichen Rates zu Nürnberg stets ergebener Freund und Diener

Eppele von Gailing.

Dieses Schreiben brachte die Ehrbaren gewaltig in Harnisch und sie taten nach Drameysl Bescheid, unmaßgeblicher Meinung eines ehrbaren Rates nach eignete sich der von Gailing nicht zum Gelahrten, weder als Schüler noch als Lehrer, solange Rauben, Sengen und Heckenreiten nicht unter die Wissenschaften aufgenommen wären, die eine Hochschule lehren müßte, wollte der von Gailing frömmer werden und ehrliche Hantierung treiben, so würde ihn an solchem Vorsatz niemand behelligen. Ein Stipendium müßte der von Gailing schon selbst zu Nürnberg holen, woselbst ihm auch die nötige Gelahrsamkeit beigebracht werden könnte, ohne die beschwerliche Reise nach Prag zu tun. Für solches Handwerk stünde eine schmucke und herzhafte Jungfrau in einem netten Stüblein des Fröschturms zu seinen Diensten. Eppele wußte sogleich, daß damit die ›Eiserne Jungfrau‹ im heimlichen Gericht gemeint war, dankte dem Rat für seine offene Antwort und kündigte seinen Besuch zur nächsten Zeit an.

Kurze Zeit nach diesem Briefwechsel war die Fastnacht. In Nürnberg herrschte tolles Leben mit viel Übermut, Mummenschanz und Äfferei. Die Handwerker zogen in geschlossener Reihe durch die Stadt, voran die Metzger, die ihren berühmten Schembart liefen, welche Vergunst ihnen von Kaiser Karl IV. für die dem alten Rat bewiesene Treue urkundlich verbrieft war. Doch schier noch mehr Jubel und Aufsehen denn dieses Schembartlaufen der Metzger erweckte eine Gruppe, die eben über den Weinmarkt auf das Rathaus zukam. Ein leibhaftiger Esel trabte voraus, eine Schaube übergehängt, um den Hals die weiße Ratsherrnkrause und zwischen den langen Ohren ein Barett, wie es die Ehrbaren und Ratsfähigen trugen. Hinter dem Esel schritt eine Maske, völlig gewandet wie die ›Eiserne Jungfrau‹ vom Fröschturm und hielt in der einen Hand einen großen Trichter und in der andern des Esels Schwanz. Von Zeit zu Zeit Hub die Maske den Schwanz des Esels auf und stieß den Trichter in das Gegenstück des Eselskopfes, worauf der vierbeinige Ratsherr in einen gelinden Trab fiel und die tollsten Sprünge vollführte. Alles Volk wälzte sich vor Lachen über diesen derbwitzigen Hohn auf einen ehrbaren Rat und rannte neben der Gruppe schreiend und neckend her. Der Bürgermeister Friedrich Imhoff verlor vor Wut alle Farbe aus dem Gesicht und gebot den Stadtknechten, auf der Stelle die Maske mit dem Esel aufzuheben, die sich auch gleich hinter der Gruppe hermachten, jedoch mit dem Volk in Händel gerieten und erst wieder aus dem Tumult kamen, als die Maske verschwunden war.

An der Fleischbrücke stand der Esel und schüttelte melancholisch den grauen Kopf, um Barett und Halskrause loszuwerden. Daneben lag das Maskengewand der ›Eisernen Jungfrau‹ und durch das Tiergärtnertor ritt, still vor sich hinlachend, Eppele von Gailing.

 << Kapitel 32  Kapitel 34 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.