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Das Buch vom Eppele

Karl Bröger: Das Buch vom Eppele - Kapitel 19
Quellenangabe
typelegend
authorKarl Bröger
titleDas Buch vom Eppele
publisherJ. H. W. Dietz Nachfolger
printrun
year1926
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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Wie Eppele Pfeffer säte und Gulden erntete

Das Frühjahr 1335 war vorzeitig eingebrochen und erbrachte mit vielem Februarregen grundlose Wege, die Eppeles Ausritt von Illesheim bis in die Woche vor dem Sonntag Reminiszere verzögerten. Zu Beginn dieser Woche wehte der erste trocknende Märzwind und trieb Eppele an, den beschlossenen Ritt nach Drameysl endlich zu unternehmen. Frau Kunigunde und das Töchterlein Agnes blieben in Illesheim zurück, um welches Vertrauen der schon langsam ergrauende Kunold dem Ritter von Gailing doppelt anhänglich ward. In Drameysl begrüßte Pankraz den Herrn voll Freuden und tat bei guter Weise auch die Anfrage, wann wohl wieder ein Ritt aus dem Stegreif fällig wäre, was Eppele nur durch ein Kopfschütteln beantwortete. Einige Wochen enthielt sich der Gailinger jeder Tollheit und lebte auf Drameysl kaum viel anders denn drunten in Muggendorf der Kaplan Kilianus, der aus dem Kloster der Nürnberger Frauenbrüder gekommen und der neue Seelsorger nach dem Weggang des Paters Remigius geworden war. Ein Eiferer für die Kirche und ein überaus scharfer Sündenbesen, hatte der Pater öfters fallen lassen, er wolle dem Ritter von Gailing schon den Kopf zurechtsetzen und ihn von seiner Spott- und Raublust heilen. Eppele verhielt bei seinen Ritten über Land manchmal vor dem Muggendorfer Pfarrhaus und wechselte mit dem hager und streng ausschauenden Kaplan kurze Reden, aus denen der Pater nicht klug werden, doch soviel entnehmen konnte, daß der junge Ritter von Gailing weder bei seiner Geburt noch seither auf den Kopf gefallen war. Eines Apriltags war Eppele mit den Freunden Wolf von Wurmstein, Dietrich von Wiesenthau und Jörg Fuchs von Bimbach, im Geleite sonst nur noch den treuen Pankraz, gemächlich über Land geritten und gegen den Abend nach dem stattlichen Markte Forchheim gelangt, wo die Gesellschaft im besten Gasthaus Einkehr hielt. Die wohlig warme Gaststube war gut besetzt, so daß die drei Ritter eben noch Plätze an dem großen Haupttisch erhalten konnten, während Pankraz in ein Nebengemach zu dem bescheidenen Volk ging. Die Gäste am Haupttisch waren lauter ansehnliche Männer, Prälaten und Kaufleute von Bamberg, die tapfer dem Wein zusprachen und sich erbauliche und verwunderliche Geschichten erzählten, worin die Wahrheit nicht immer zu ihrem gebührenden Rechte kam. Von Hexen und Zauberern war die Rede und auch davon, daß im Main bei Bamberg ein Hecht gefangen wurde mit zwei richtigen Federflügeln, die es ihm ermöglichten, bis in die Wipfel der höchsten Eiche zu fliegen.

Eine Stunde lauschte Eppele dem seltsamen Gespräch, dann nahm er selbst das Wort und tischte der Tafelrunde toternsten Gesichtes die Mär auf, er hätte durch die Gnade seines Schutzpatrons endlich den langgesuchten Güldensamen entdeckt. Dieses köstliche Kraut brauchte nur mit dem ersten Schlag der Mitternacht ausgesät werden, und zwar auf einem Acker in der Nähe eines Kreuzwegs, und noch bevor die Geisterstunde um sei, könnte man richtige, vollwichtige und unbeschnittene Gulden ernten. Die Zecher horchten verwundert auf und forschten nach Art und Wesen dieses wahrhaft kostbaren Krautes, doch Eppele bedeutete ihrer Neugier, das wäre nun gerade sein Geheimnis. Also erhub sich ein heftiges Zungengedresch, was es mit diesem Güldensamen wohl auf sich haben könnte, bis Eppele den Streit der Meinungen damit abtat, daß er die ehrenfesten unwürdigen Herren einlud, sich noch diese Nacht von der Wahrheit seiner Rede selbst zu überzeugen.

Eine Viertelstunde darnach sprengte Pankraz, was die Riemen hielten, nach Drameysl, scheuchte dort die zwölf anderen Knechte auf, wechselte das Pferd und raste im gleichen Galopp wieder gegen Forchheim zurück. Den Drameysler Haufen hinterstellte er in einer Mulde, dreihundert Schritte vom Kreuzweg. Eine halbe Stunde fehlte noch auf die Mitternacht, als Pankraz wieder vor Eppele trat und ihm ehrfürchtig ein grauenes Leinensäckchen übermachte. Sogleich brach die Runde aus, die drei Freunde und Spießgesellen Eppeles, zwei Prälaten und fünf Kaufherren aus Bamberg mit etlichen Dienern und zum Beschluß der Knecht Pankraz, um noch rechtzeitig vor dem ersten Schlag der Mitternacht an Ort und Stelle zu sein.

Die Nacht war feucht und mild, nicht zu hell und für das Vorhaben des Gailingers so recht beschaffen. Am Kreuzweg stieg alles von den Pferden und Eppele schritt mit dem grauen Säcklein voraus, hinter sich dicht auf den Fersen die Bamberger Kaufherren. Beim ersten Schlag der Mitternacht griff Eppele in das Säcklein, nahm eine Handvoll des geheimnisvollen Güldensamens heraus und streute sie über den Acker, allerhand sinnlose Worte dazu murmelnd. Die Ballenhengste von Bamberg rissen Mund und Augen immer weiter auf, jeder bemüht, den ersten gewachsenen Gulden zu entdecken: Da wendete sich Eppele blitzschnell um und schleuderte eine gute Hand voll Pfeffer und gleich noch eine nach den Guldensuchern, die geblendet und vor lauter Nießreiz halbbetäubt erst wieder zu sich kamen, als sie schon, umringt vom Drameysler Haufen, der Burg des Gailingers zugeführt wurden.

Nach vier Wochen kam aus Bamberg die Schatzung. Eppele klimperte vor den betrübten Augen der Bamberger Kaufherren mit den schönen Goldgulden und fragte, ob sie nun glauben wollten, daß er Gülden zaubern könnte, wenn sie auch nicht gerade auf einem Acker am Kreuzweg gewachsen wären, sondern in den wohllöblichen Handelshäusern zu Bamberg.

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