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Das Buch vom Eppele

Karl Bröger: Das Buch vom Eppele - Kapitel 15
Quellenangabe
typelegend
authorKarl Bröger
titleDas Buch vom Eppele
publisherJ. H. W. Dietz Nachfolger
printrun
year1926
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150506
projectid6801218d
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Wie Eppele diese Versicherung wahrmachte und den Nürnbergern ihr silbernes Vogelhaus wegtrug

Pankraz, Eppeles vertrauter Knecht, rannte an einem Dienstag zu Anfang September 1333 über den Burghof von Drameysl und schrie nach den beiden Gesellen Peter und Michel. Diese zottelten auf seinen Ruf erst ganz gemütlich hinter den Ställen hervor, hoben aber die Beine gleich schneller, als ihnen Pankraz den Befehl Eppeles sagte, sofort mit ihm auf die Burgstube zu kommen. Großen Schrittes maß Eppele die Drameysler Burgstube und sah gar nicht auf, als Pankraz mit den zwei Knechten eintrat und tief verneigt an der Türe stehen blieb. Erst nach einer ganzen Weile winkte Eppele die drei Knechte heran und eröffnete ihnen, sie müßten sich diesen Abend noch fertig machen zu einem Gang nach Nürnberg. Zu einem Gang, nicht zu einem Ritt, weshalb sie auch passende Bauernkleidung aussuchen, und jeder ein hohes Reff mit Eiern, Butter, Schinken und ähnlicher bäuerischer Ware bereitstellen sollte. Den kommenden Donnerstag müßten sie auf dem Herrenmarkt zu Nürnberg sitzen, nicht anders denn Bäuerische, die für ihre Ware Geld zu lösen in die Stadt gegangen sind. Peter sah den Michel, und dieser wiederum den Peter offenen Mundes an, doch Eppele endigte dieses wechselseitige Staunen mit der Weisung, alles Nähere würden sie durch Pankraz schon zur rechten Zeit erfahren. Die beiden Knechte verbeugten sich tief und gingen hinaus, während Eppele den Pankraz dicht an seine Seite treten ließ und wohl eine halbe Stunde gedämpften Tons zu ihm sprach. Das Gesicht des Vertrauten, dem Gesicht Eppeles merkwürdig ähnlich wie auch in der Gestalt, zuckte vor unterdrücktem Lachen, als er die Burgstube hinter sich schloß. Am gleichen Abend zur letzten Vesper knarrte das versteckte Hinterpförtchen der Drameysler Burg und ließ drei Bäuerlein hinaus, die, mit hohen Körben bepackt, auf Feldwegen der großen Straße nach Nürnberg zustrebten.

Der Herrenmarkt zu Nürnberg lag noch im ersten Morgenschein, aber schon zogen die frühesten Käufer den Buden und Kramständen zu, boten und feilschten und suchten in der langen Marktzeile zwischen Sankt Sebald und der Fleischbrücke nach dem billigsten Handel. Von Stunde zu Stunde mehrte sich das Volk und drängte sich besonders bei dem stattlichen Wechselhaus am Herrenmarkt, um nur ja auch das silberne Vogelhaus zu sehen, das drinnen auf einem Tisch des großen Saales ausgestellt war. Rufe der Bewunderung ertönten von den Lippen Fremder wie Einheimischer über die kunstreiche, aus reinem Silber getriebene Arbeit des käfigartigen Gehäuses, das den Augen der Beschauer die kostbarsten Stücke Nürnbergischen Gold- und Silberschmiedegewerbes preisgab und so recht den hohen Stand dieser edlen Kunst offenbarte. Immer neue Menschen drängten nach dem Tisch, und so fielen die drei Bäuerlein auch nicht weiter auf, die mit einem Schwarm hereingekommen waren, aufgerissenen Maules vor dem Vogelhaus glotzten und zum Ergötzen der anderen Beschauer einfältige Schätzungen über den Wert des Behälters und seines Inhaltes anstellten.

Gleich nach der zweiten Vesper durchritt das Neutor ein vornehmer Herr, in einen weiten Mantel aus schwarzem Samt gehüllt, lenkte das Roß langsam die steile Irhergasse hinab und hielt dort vor einer Hufschmiede, wo der Meister mit seinen beiden Gesellen unter der Pfeilerhalle vor dem Hause arbeitete. Der fremde Herr hielt an und trug dem Meister Schmied auf, seinem Pferde die besten neuen Hufeisen anzuschlagen, die ein Hufschmied zu Nürnberg hätte. Dem Meister sagte etwas im Gesichte des fremden Herrn, daß sich der Auftrag sicher lohnen würde, und er beeilte sich darum, den Fremden vor allen anderen zu bedienen. War aber dann doch verblüfft und verlegen, als ihm der Fremde nach vollbrachtem Werk für jedes Hufeisen einen vollwichtigen Goldgulden gab, in Summa sonach vier Gulden. Der Hufschmied beguckte bald die gleißende Münze auf seiner Hand, bald den freigebigen Fremdling und meinte zuletzt, solche Bezahlung wäre zuviel und er möchte sie selbst dem Eppele nicht anfordern, wenn dieser sein Roß von ihm beschlagen ließe. Der Fremde schwang sich unter der Rede des Schmieds gewandt in den Sattel und entgegnete, der Meister solle seinen Lohn ruhig einstecken, die Herren vom Nürnberger Rat, denen er angenehme Botschaft brächte, hätten der Goldgulden genug, die Ausgabe zehnfach zu vergüten.

Ohne jede Eile ritt darauf der vornehme Herr an das Wechselhaus, stieg ab, klatschte seinem prächtigen Rappen eins auf die Kruppe und drehte ihn nach der Richtung, aus der Herr und Roß gekommen waren. Ging dann in den großen Saal, wo die übrigen Beschauer und auch die wachthaltenden Stadtknechte ehrfürchtig Platz machten, und versenkte sich andächtig in die Betrachtung des silbernen Vogelhauses wie der darin verwahrten Schätze.

Unterdessen erhub sich an einer Nebentüre des Saales ein erschrecklicher Lärm. Drei Bauern mit leerem Reff auf dem Rücken schrien und tobten dort gegeneinander, anscheinend des guten fränkischen Weines voll, und zerbläuten sich endlich Köpfe und Rücken mit den kräftigen Heckenprügeln, davon jeder den vorteilhaftesten Gebrauch zu machen versuchte. Immer größer wurde der Tumult, denn einige Streithänse mischten sich ein und schließlich stand nur noch der Fremde vor dem silbernen Vogelhaus, weil auch die Stadtknechte aus dem Saal geeilt waren, um den draußen munter fortdauernden Streit handgreiflich mit ihren Spießen zu schlichten. Einen raschen Blick warf der Fremde um sich, raffte mit einem Griff das kostbare Schaustück vom Tisch, barg es unter seinem weiten Mantel und war auch schon wie ein Schatten durch eine Seitentüre entwichen.

Wenige Augenblicke später raste die Irhergasse ein Reiter hinauf, daß alles Volk schreiend zur Seite stob, schwenkte just vor dem Hause des mit vier Gulden entlohnten Hufschmieds ein blitzendes Gehäuse und schrie dem Schmied und allen, die es mit anhörten, einen Gruß vom Eppele an den Nürnberger Rat zu und daß der Eppele schönsten Dank sagen ließe für das treffliche Brautgeschenk. Zwei Scharwächter am Neutor, die mit vorgehaltenen Spießen den verwegenen Reiter aufzuhalten gedachten, waren im Nu überritten und sahen nach dem Hochkommen nur noch die weiße Staubwolke, in der Eppele nach Drameysl galoppte.

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