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Das Buch vom Eppele

Karl Bröger: Das Buch vom Eppele - Kapitel 11
Quellenangabe
typelegend
authorKarl Bröger
titleDas Buch vom Eppele
publisherJ. H. W. Dietz Nachfolger
printrun
year1926
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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Wie Eppele mit den Nürnbergern anband und sie um zwei bissige Weiber schatzte

In der Maiwoche vor Himmelfahrt 1332 warf Eppele gleich zwei Nürnberger Warenzüge nieder und schlug die Quittung über den erbeuteten Wert ans Frauentor zugleich mit einer Nachricht für den hohen Rat, dreizehn fränkische Herren hätten einen Bund geschlossen, die bedrängten Rechte deutscher Ritterschaft zu wahren, im fränkischen Lande auf Zucht und Ordnung zu dringen und vornehmlich jede Überhebung, Anmaßung und Unredlichkeit der hochachtbaren Pfeffersäcke zu ahnden. Außerdem erinnerte Eppele den Rat zu Nürnberg an seine noch zu regelnde Mitgift von 8000 Goldgulden, um welche ihn Herr Jörg Tetzel durch seine Abweisung geschädigt hätte. Zu gelegener Zeit wolle er schon kommen und das Guthaben holen.

Der Nürnberger Rat war in Verzweiflung. Auf allen Landstraßen streiften die berittenen Stadtknechte und suchten den Ritter von Gailing, derweil dieser bereits wieder zwei Tage als zunftgerechter Messerschmied in Nürnberg umging, dem Herrn Bürgermeister Tobias Nützel fast auf die Füße trat und sich vor Gelächter ausschüttete über Gespräche, die in der Bürgerschaft vom Streite zweier vornehmer Weiber spaßig gepflogen wurden.

Gertrud, des Bürgermeisters Base, war auf dem letzten Geschlechtertanz mit Pilitrud, der Ehefrau des Ratsherrn Ketzel, in ein heftiges Zungengefecht verwickelt worden wegen des Vortritts bei einem Tanz. Seitdem hingen die beiden Weiber aneinander wie der Gehenkte an seinem Strick und äfften sich mit Rede und Widerrede, wo es nur möglich war. Rasche Zungen hatten beide und befanden sich auch annähernd bei gleichem Atem, so daß das Gekläff nicht abriß und die ganze Stadt mit seinen unlieblichen Lauten erfüllte. Mochten nun auch nicht wenige ihr helles Vergnügen an dieser Weiberfehde haben: Der Bürgermeister und der Ratsherr Ketzel mußten die Hölle im Hause erdulden und konnten nichts ändern, der blutleere und ängstliche Herr Ketzel am allerwenigsten, weil Frau Pilitrud ihn aus der Schürze schüttelte und wieder hineinwickelte, wie es ihr gefiel. Der Bürgermeister Nützel wiederum kannte genau das Testament der sehr reichen, unverehelichten Base Gertrud, das ihn als einstigen Erben vorsah, und hütete sich, die streitlustige Jungfrau zu reizen. Da nun des Gezänkes aber kein Ende abzusehen und schon die halbe Stadt in den Streit vermengt war, ratschlagten der Bürgermeister und Ratsherr Ketzel, wie sie die bissigen Weiber auseinander und sich für einige Zeit von ihrem Hauskreuz bringen könnten. Endlich gelang es doch, Gertrud und Pilitrud für auswärtigen Aufenthalt bei Verwandten zu erwärmen.

Eppele erfuhr zwei Tage vor der Abreise, daß des Bürgermeisters Base gegen Feucht, Frau Pilitrud Ketzel auf Forchheim zu fahren gedächte, machte sich eilig aus der Stadt und fand das Fähnlein seiner dreizehn Knechte am vereinbarten Platz. Eppele teilte den Haufen, legte sich selbst mit der einen Hälfte an die Straße nach Feucht und gab Pankraz mit der andern Hälfte Auftrag, des Ratsherrn Ketzel Ehefrau abzufangen und nach Drameysl zu verbringen. Der Burghof von Drameysl schallte andern Tags von wüstem Zanken und Keifen, als sich Gertrud und Pilitrud so unverhofft in des Gailingers Schloß wiedersahen. Eine beschuldigte die andere des Verrats, was jedoch Eppele mit der Bemerkung abtat, der Bürgermeister und Ratsherr Ketzel, seine guten Freunde, hätten ihn zu der Tat gedungen, um endlich einmal Ruhe im Hause und in der Stadt zu haben. Außerdem wäre es auch dieser ehrengeachteten Männer dringlicher Wunsch, den beiden Frauen möchte es in der Haft nicht gar zu gut ergehen, damit sie ihre Zungen vielleicht etwas zähmen lernten. So täte es ihm denn als Ritter leid, zwei so hochgestellte Frauen aus ratsfähigem Geschlechte nicht ihrem Stande gemäß behandeln zu können, doch er hätte sein ritterliches Wort verpfändet, daß er Gertrud und Pilitrud unterbringen wolle, wie es für ihre Natur angebracht sei. Worauf Pankraz zwei große sich gegenüberliegende Gänseställe öffnete, in den einen Gertrud, in den andern Pilitrud nicht ohne sanften Zwang geleitete und die Lattentüren hinter ihnen abschloß.

Eine halbe Woche gellte der Burghof von Drameysl wider von dem bald zornigen, bald weinerlichen Geschnatter der beiden Weiber, die nun zwar ihre eigene Fehde begraben hatten, dafür aber den an ihrer schandbaren Haft schuldigen Männern furchtbare Rache schworen, in ihrer Wut von Eppele noch bestärkt und bis zur Siedehitze getrieben. Am vierten Tage wurden die Weiber aus den Ställen gelassen, weil das Lösegeld eingetroffen war. Eppele hatte dem Bürgermeister Nützel und dem Ratsherrn Ketzel geschrieben, daß Gertrud und Pilitrud in seiner Gewalt wären, in Hinsicht auf ihre Bissigkeit für einen friedlichen Rittersitz jedoch zu gefährlich und sohin gegen tausend Goldgulden zu lösen wären, ungeachtet das Mundstück einer jeden sonst mit fünftausend Gulden nicht zu hoch geschätzt sei.

Die Folgen dieses Streiches kamen mit voller Wucht über den Bürgermeister Nützel und den Ratsherrn Ketzel, welche ganz umsonst ihre Unschuld beteuerten. Gertrud änderte ihr Testament und verschrieb Hab und Gut der Kirche, und Frau Pilitrud versalzte ihrem Ratsherrn das Leben, daß er gar nicht anders mehr als sauer blicken konnte.

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