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Das Buch vom Aberglauben, Mißbrauch, und falschen Wahn

Johann Georg Friedrich Jacobi: Das Buch vom Aberglauben, Mißbrauch, und falschen Wahn - Kapitel 38
Quellenangabe
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typetractate
authorJohann Georg Friedrich Jacobi
titleDas Buch vom Aberglauben, Mißbrauch, und falschen Wahn
publisherIm Verlag des Unterricht- Noth- und Hülfsbüchlein
year1790
firstpub
correctorreuters@abc.de
senderPamela Lampel
created20100408
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Aberglaube aus der Naturgeschichte.

Auch in die Naturgeschichte hat man Aberglauben gemengt. Die Regenwürmer, die in der Kühle der Nacht, oder wenn es geregnet hat, und der Boden feucht ist, aus der Erde hervorkriechen, sollen, nach der Meinung der Unwissenden, mit dem Regen selbst aus der Luft fallen – und das glauben einige so vest, daß sie sich durchaus keines bessern wollen belehren lassen, wenn man ihnen gleich sagt, daß Thiere die Sonnenhitze nicht vertragen, und durch trockene Erde nicht hindurch können und sterben müssen, wenn sie auf derselben liegen und von der Sonne beschienen werden. Sie kommen vielmehr nach dem Regen durch die nun lockere Erde hervor.

Der Blutigel, der in sumpfigten Wassern lebt, und Menschen das Blut aussaugt, darum, weil Blut seine liebste Nahrung ist, soll es deswegen thun, weil er bei dem Menschen Gift merke.

Manchem Tiere hat der Aberglaube sogar den Namen gegeben. Der länglichte, hinten mit Schwanzgabeln versehene Wurm, der sich in Früchten und Blumen, besonders in Sonnenblumen aufhält, der sogenannte Ohrwurm, ist er nicht deswegen verrufen, weil er den Leuten in die Ohren laufen soll? Es ist ein blosses Mährchen, das er darauf ausgehe, den Menschen in die Ohren zu kriechen; denn er kann eben so wenig, als die übrigen Insekten Ohrenfett vertragen. Der Wurm kriecht gern in alle Oefnungen, und wenn er diesen Triebe nach einst jemand in die Ohren gekommen ist, so folgt noch nicht, daß es seine Natur so mit sich bringe.

Es giebt sehr viele Arten von Blatläusen. Sie haben einen kleinen Kopf, einen Saugstachel, zwei Augen, und dazwischen zwei Fühlhörner und sechs Füsse; sehen nach Beschaffenheit der Bäume und Gesträuche, worauf sie jung geworden sind und fressen, schwarz grün, gelb roth, braun und weiß aus, und sitzen kluvweiß, zwei drei bis vierfach dicht neben und über einander. Sie fressen unablässig, so daß Blätter und Knospen bald welk, schwarz und grau werden, und oft ganz verderben. Die Weibchen stechen die Blätter an, theilen die Häute von einander, und legen sodann ihre Eier dazwischen; daher werden die Blätter, worauf die Blatläuse wohnen, gleich krumm. Sie vermehren sich erstaunlich schnell, denn eine Blatlaus bringt den Sommer über (innerhalb 14 Tagen) drei bis viermal etliche hundert lebendige Junge zur Welt, und eine junge Blatlaus bringt gleich etliche Tage nach ihrer Geburt auch wieder Junge. Im Herbst legen sie Eier, damit im Frühjhar gleich wieder Junge da sind. Die das nicht wußten, haben geglaubt, sie fallen mit dem Thau aus der Luft, und nennen sie Mehlthau. Zuweilen wohl, aber nicht immer haben die Blatläuse auch Flügel, so daß sie bisweilen bei hunderttausenden in einem Garten können angeflogen kommen; wenn sie vom Winde aufgehoben und fortgetrieben werden. Sonst fliegen die geflügelten im Herbst auch wohl von einer Pflanze zur andern, und suchen die ungeflügelten zur Begattung auf.

Die Heuschrecken oder Grashüpfer haben ihren Namen von Heu und schrecken; weil sie zur Zeit der Heuernte besonders häufig auf den Wiesen angetroffen werden, und weil schrecken so viel heißt, als springen oder hüpfen; denn sie springen mit ihren zween Hinterfüssen über das höchste Gras weg, um ihre Nahrung zu finden, und ihren Feinden zu entgehen. Die die Bedeutung jenes altdeutschen Worts nicht kannten, glaubten, sie hätten ihren Namen daher, weil Gott die bösen Menschen durch sie erschrecke, wenn sie nicht Busse thun wollen, indem er eine grosse Menge über ihre Felder kommen und ihre Früchte verzehren lasse.

Die Grillen, Heimchen oder Zirpen, die gewöhnlich in Küchen, Brau- und Backhäusern und andern warmen Orten wohnen, machen das bekannte Geschwirre in den Küchen x. indem die Männchen ihre Oberflügel an einander schlagen. Es giebt einfältige Leute, welche glauben, wenn die Grillen langsam und ängstlich schwirren, so entstehe ein Unglück im Hause, oder es sterbe gar jemand darinn; nur soviel ist wahr, daß es bald regnet, wenn die Grillen hastig singen. Andre glauben, man dürfe keine Grille tödten, ohne ein Unglück ins Haus zu bringen, oder sie zerfressen dem Kleider und Schuhe, der eine von ihren Kameraden umgebracht hat. Welche Vorstellungen!

Die Schaum- oder Götschwürmer saugen im Mai oder Juni aus den Weidenblättern eine Menge Saft, und geben denselben in der Gestalt eines dicken weissen Schaums oder Speichels wieder so häufig von sich, daß man glauben sollte, die Weiden wären mit Schaum über und über bezogen. Der Kukuk sucht die unter dem Schaum sitzenden Thierchen auf und frißt sie; daher nennt man diesen Schaum sehr unrichtig Kukuksspeichel, weil man fälschlich glaubt, der Kukuk lege ihn hin.

Im Mai oder Juni fliegen, besonders des Abends, eine Art von Schmetterlingen in den Stuben herum, welche man schlechtweg Motten nennt. Diese Motten, oder eigentlich Pelzmaden, legen ihre Eier in die Pelzwerke und wollene Kleidungsstücke, und die darauskommende Maden zerfressen dasjenige sehr, wohin sie von ihrer Mutter gelegt sind. Es ist also der fliegende Wurm selbst nicht, der die Kleider zerfrißt, wie viele glauben, sondern die aus ihren Eiern entstehenden Maden.

Die Königinn der Ameisen legt vom Januar bis zum September, in jede Zelle etliche, und in alle Zellen zusammen, gegen 8000 Eier. Die Arbeit- oder Zwitterameisen sitzen dann etlich Tage über den Eiern, da sie denn alle weiß, bald nachher rauch und mit kleinen Haaren bedeckt werden, und endlich sich als Maden zeigen, die sich aber noch nicht von ihrer Stelle wegbewegen können. Sobald nun diese Maden groß genug sind, werden sie von den Arbeitern an einen bequemen Ort, wo sie von der Sonne beschienen werden, hingetragen. Jetzt fangen die Maden an zu springen, und wickeln sich in sehr dünnes weißlichtes Gewebe, und werden Püpchen. Und dies sind diejenigen sonderbaren Dinge, die man im gemeinen Leben fälschlich Ameiseneier nennt. Man darf also nicht glauben, als ob die sogenannten Ameiseneier von den Ameisen gelegt würden; sie sind nichts anders, als aus Maden entstandene Püpchen, die aus Eiern kommen.

Die Eichblatswespe bohrt mit ihrem Bohrer, den sie am hintern Theil des Leibes hat, in die jungen Triebe, Stengel und Blätter der Eichen ein Loch, und legt ihre Eier darein. Um so ein Ei her entsteht eine rundligte Erhöhung, die nach und nach hart, und endlich so groß als eine Haselnuß wird. Dieses Gewächs hat allemal ein Loch, daß die Made (welche aus dem von der Wespe hineingelegten Ei entstanden) gebohrt hat, und wodurch sie nachher als Wespe geflogen ist. Die Galläpfel sind also eigentlich keine solche Gewächse, die so wie Früchte auf den Bäumen wachsen, sondern durch eine Art Wespen verursachte Auswüchse auf den Eichblättern.

Auf den sauern Kirschenblättern bemerkt man bisweilen weißlich-gelbe Striche mit Krümmungen, die im kleinen die Gestalt einer Schlange nicht undeutlich vorstellen. Abergläubische Leute betrachten diese Abbildungen sorgfältig, halten sie für Vorboten des Unglücks, und machen davon allerhand Auslegungen; als wolle Gott dadurch seine Strafgerichte anzeigen, und das Getraide auf dem Felde durch Schlangen, Heuschrecken, Mäuse x. verwüsten lassen. Im Jahre 1773 sahe man dergleichen Figuren auf gedachten Blättern in Menge, und die darauf folgenden Jahre waren doch sehr gute Kornjahre, und die Felder wurden weder von Heuschrecken, noch von Mäusen, vielweniger von Schlangen beschädigt. Die Ursach davon ist diese: Ein gewisses kleines Insekt, das man die Minirer oder Schanzgräber nennt, legt seine Eier ganz einzeln auf die sauren Kirschblätter, die denn durch die Wärme der Sonne ausgebrütet werden. Aus denselben kriecht eine Made, die sich ins Blatt, und darin fortfrißt. Je größer die Made, desto dicker wird der Strich. Die Excremente, welche sie von sich giebt, machen die schwarzen Punkte. Ohngefehr 14 Tage nach ihrer Ausbrütung aus dem Ei, geschieht ihre Verwandlung, da sie sich denn durch die Haut des Blats durchfrißt, welcher Ort denn den Kopf der Schlange vorstellt. Würde es daher nicht thöricht seyn, dieß für Vorboten des Unglücks zu halten?

Die Stubenfliegen legen ihre Eier an allerhand saftige und unreine Orte, nicht aber auf Kleider, Bücher, Fenster und Wände, wie mancher unwissend glaubt; denn das ist blos ihr Unrath. Wären es Eier, die nach und nach lebendig würden, so würden ihrer bald eine so große Menge werden, daß wir uns vor ihnen nicht bergen könnten. Die Schmeisfliegen, Aas- oder Fleischfliegen legen ihre Eier auf das Fleisch todter Thiere oder überhaupt aufs Fleisch. Und diese werden gewöhnlich schon an dem Tage, wo sie gelegt sind, lebendig, und lecken und fressen sich innerhalb neun Tagen so dick und voll an, daß sie sich verpuppen und in neun oder zehn Tagen darauf, schon als junge Schmeisfliegen davon fliegen können. Es ist durchaus nicht wahr, was doch viele immer noch glauben, daß in dem Fleische selbst der Stof liege, woraus nachmals die Maden entstünden. Man sieht dieß offenbar daran, daß wenn in ein Gefäß, welches etwa mit dichten Flor oder mit Leinwand so verwahrt ist, daß durchaus kein Insekt dazu kann, Fleisch gethan wird, das noch ganz rein ist, keineswegs Maden hinein kommen, und daß es ganz in Fäulniß übergeht, ohne von diesen verzehrt zu werden. Man lasse aber das Gefäß offen, so daß Fliegen dazu können, und man wird bald die Maden darin sehen. Eben so ungereimt wäre es, zu glauben, die Mücken entstünden aus dem Wasser selbst, weil sie sich dabei besonders häufig aufhalten? Sie legen ihre Eier in Sümpfe, Teiche und Wassergraben, so daß sie sich auf ein schwimmendes Blat, Gräsgen oder Hölzgen setzen, und ihre Eier allmählig ins Wasser fallen lassen. Aus diesen Eiern kommen Larven d. i. Maden, die da so lange Wasserflöhe und andere kleine Insekten fressen, bis sie sich verpuppen, und die Mücken heraus geflogen sind. Da glauben denn nun aber wieder einfältige Leute, der Stof, woraus die Mücken entstehen, liege im Wasser selbst, und sie würden da ohne Zuthun ihrer Art erzeugt. Daß man doch immer bei den Sachen stehen bleibt, wie sie zu seyn scheinen, ohne nach dem Grund zu fragen. Unwissend seyn ist keine Schande; aber unwissend bleiben wollen, daß ist Schande, große Schande, und erzeugt nichts als Dumm- und Albernheiten.

Wenn an Jemand eine Spinne herum gekrochen ist, sagt man, so ist dieß eine Anzeige, daß er Gift bei sich habe, den die Spinnen merken: und manche sind aldann wohl thörigt genug, zu laxieren, damit das Gift, wornach die Spinnen kriechen, von ihnen gehe. Es ist ein blosses Ohngefähr, wenn an Jemand eine Spinne läuft, und daß sie keinen Gift bei ihm wittere, erhellet schon daraus, daß die Spinnen bei uns nicht giftig sind. Andre glauben, die Spinnen saugten das Gift aus der Luft an, und dulden sie deswegen in den Stuben gern, weil, wie sie denken, da gesunde Luft sey, wo recht viel Spinnen sich befinden – ganz unrecht! Die Spinnen sind, wie gesagt, selbst nicht giftig, saugen daher gewiß auch das Gift aus der Luft nicht, und es ist dieß kein Bewegungsgrund, sie als Hausgenossen zu dulden. Ihr Nutzen besteht vielmehr darinn, daß sie die Fliegen und Mücken, die uns beschwerlich seyn würden, in den Netzen fangen und aussaugen, welches sie zu dem Ende ausgespannt haben. Sie selbst dienen den Vögeln wieder zur Nahrung, und diese nutzen uns Menschen. – So ist in der Natur nichts, auch die Spinnen nicht überflüssig und alles gereicht endlich zum besten der ersten Bewohner der Erde, zum besten der Menschen.

Die Krebse haben in dem Leibe kleine weisse Steinchen, die man in den Apotheken gebraucht, die man aber ganz unrichtig Krebsaugen nennt.

Es giebt eine Art von Pilzen oder Erdschwämmen, die man in den Apotheken kauft, und die, wenn sie getrocknet sind, die besondere Eigenschaft haben, daß sie alle die Thiere tödten, die blind gebohren werden, z.B. Hunde, Ratten, Mäuse u.s.w. wenn man sie ihnen irgend worin eingiebt. Andern Thieren aber, die sehend auf die Welt kommen, Katzen z.B. schaden sie nichts. Man nennt diese Pilze unerweislich Kräheaugen.

Sonderbar und merkwürdig ist es, daß der Stockfisch seine Gedärme und Magen zum Maul herausstrecken und ausleeren kann, um sich sodann aufs neue wieder dick anzufressen. Alle Seeleute wissen das, und es wäre gewiß thöricht, es deswegen zu leugnen, weil es wundersam scheint. Die Erfahrung muß in diesen und andern Fällen allein entscheiden. Thöricht aber würde es seyn, zu glauben, daß der Fisch, den man Petermännchen nennt, derjenige Fisch sey, in dessen Munde der Apostel Petrus ehedem einen Stater fand; denn man hat keine Gründe, warum man das glaubt – keine andere, als hergebrachte Sage, und etwas Aberglaube.

Die Neunaugen oder Pricken haben nur zwei Augen, ob sie gleich, nach dem Namen zu urtheilen, neun Augen haben müßten; denn die sieben Oefnungen an ihrem Halse sind keine Augen, sondern Luftlöcher zum Athemholen. Oben auf dem Kopf haben sie ein Spritzloch, oder eine Röhre, durch die sie das Wasser einsaugen, und es hernach seitwärts aus den Luftröhren wieder ausspritzen. Einige sagen, sie thäten es umgekehrt.

Vom Propheten Jonas glaubt man gewöhnlich, wiewohl ganz unrichtig, daß er vom Wallfisch verschlungen, und wieder ausgespieen sey: Allein die Kehle des Wallfisches ist nur so groß daß er Heringe und andere kleine Fische verschlingen kann; Daher besteht aus Heringen sein gewöhnlicher Fraß, und deswegen jagt er auch hinter den Heringen immer hastig drein. Wahrscheinlich muß es einer von den Haifischen gewesen seyn, vielleicht der, der jetzt unter dem Namen Menschenfresser bekannt ist, und den die Holländer auch dermalen noch Jonas-Hay nennen. Dieser ist zehn bis zwölf Ellen lang, und vier bis fünf Ellen dick, und hat einen so breiten Rachen, daß er einen Menschen auf einmal völlig ganz verschlingen kann. Der Menschenfresserfisch hält sich auch in eben dem Meere auf, wo Jonas verschlungen wurde, in dem Mittelländischen; der Wallfisch aber im Nordmeer.

Die Blindschleiche wird wegen ihren sehr kleinen Augen so genennt: Einfältige glauben sie habe gar keine.

Gehörnte Schlangen, die zwo kleine Erhöhungen über den Kopf haben sollen, giebt es zwar in Egypten; aber keine zweiköpfigte; Denn das, was man gewöhnlich fliegende Drachen nennt, sind keine Schlangen, sondern eine Art Eidexen, die zwar mit ihren häutigen Flügeln schnell von der Erde auf einen Baum, und von einem Baum auf den andern fliegen, sich aber schlechterdings nicht so frei, wie die Vögel in der Luft, herum bewegen können, und werden füglich fliegende Eidexen genannt.

Der Basiliske hält sich in Egypten auf Bäumen auf, und frißt Fliegen und andere kleine Insecten. Er ist fast eine halbe Elle lang, und von bläulich-grauer und weißgefleckter Farbe, und hat oben auf dem Nacken einen häutigen Kamm, den er wie Flügel ausbreiten, und damit ein wenig fliegen kann. Ehedem glaubten einige, die Hähne legten Eier, und aus diesen Eiern kämen Basilisken, die jedes lebendige Thier, und auch den Menschen, der sie ansähe, mit ihrem Gift auf der Stelle tödten. Dadurch aber, glaubten diese Leichtgläubigen, könne er getödtet werden, daß Jemand sich über und über mit Stroh bewickele, und ihm einen Spiegel vorhalte. Wenn denn der Basiliske im Spiegel sich selbst sähe, so ergrimme er auf sich, als ein ihm unbekanntes Thier, hauchte seinen Gift aus allen Kräften nach demselben hin, um es zu tödten, der aber von dem Spiegel auf ihn zurück pralle, und ihn selbst tödte. – Jetzt glaubt kein Vernünftiger mehr an so etwas, weil die Ungereimtheit davon allzuklar am Tage liegt.

Der Salamander ist diejendige Eidexe, von der man ehedem gefabelt und geglaubt hat, daß sie im Feuer nicht verbrenne, sie möge auch darin liegen so lange sie wolle. Sie ist eine Spanne lang und kaum Fingers dick, sieht oben glänzend schwarz und unten gelblicht aus, und hat auf dem Rücken zwo Reihen Warzen, aus denen eine weisse Feuchtigkeit fließt, wenn sie in ein Feuer geworfen wird. Sie löscht dadurch die Kohlen um sich herum allmählig aus, läuft unbeschädigt fort, und geht wieder auf ihre Fliegenjagd. Wirft man sie aber in ein allzustarkes Kohlenfeuer, daß ihre Feuchtigkeiten nicht hinreichend sind, die Gluth zu löschen, so verbrennen sie gewiß. – Wie man doch so geneigt ist, das, was man bei dem ersten Anblick nicht gleich begreift, als Wunder darzustellen?! In der Gegen von Trident werden im Frühling und Herbst viele Salamander gefunden. Man hat mit ihnen die Probe gemacht, und sie ins Feuer geworfen, aber sie haben es keineswegs gelöscht, sondern sind davon verzehrt worden. In Ostindien besonders, giebt es diejenige Art Salamander, die sich sobald sie auf glühende Kohlen geworfen werden, aufblasen, und aus den bekannten Warzen eine schleimige Materie spritzen, womit sie die nächsten Kohlen auslöschen, und sich also, wie wohl nur auf eine kurze Zeit darauf halten können.

Der Krokodil legt sich ganze Stunden und Tage lang in das Schilf oder auf den Schlamm, ohne alle Bewegung hin, so daß man ihn für einen Holzstamm ansehen könnte, und lauert so auf die Menschen, die am Ufer gehen, schlafen oder Baden, um sie zu erwürgen. So bald er einen Menschen sieht, schleicht er langsam näher, und wenn er so nahe bei ihm ist, daß er ihn mit einem Sprung erreichen kann, so springt er plötzlich auf ihn los, und erdrosselt und frißt ihn. Ist er ihm aber noch zu weit entfernt, so sucht er ihn mit seinem Schwanz niederzuschlagen, denn damit kann er auch den stärksten Ochsen tödten. Man glaubte sonst, der Krokodil lege sich ins Schilf, schreie da wie ein Kind, und wenn denn jemand dem Hülfe dürftig geachtetem Kinde zu Hülfe kommen wollte, so würde er von dem betrügerischen Krokodil angefallen und gefressen.

Den Tag über bleibt der Frosch gern im Wasser, des Abends aber, oder auch wohl bei Tage, nach einem warmen Regen, sieht man hie und da Frösche und Kröten oft in Menge beisammen. Es ist lächerlich wenn man glaubt, daß es zuweilen Kröten und Frösche regne, oder wenn man meint, Kröten und Frösche wachsen aus dem Schlamm. Man müßte wunderliche Begriffe von der anziehenden Kraft der Sonne haben, wenn man glauben wollte, daß sie auch schwere Körper, dergleichen Frösche und Kröten sind, aufziehen könne, und daß diese eine Zeit lang in der Luft leben, und dann wieder herabfallen könnten. Die Sonne kann auch das kleinste Sandkörnchen nicht, geschweige denn Frösche und Kröten in die Höhe ziehen. Wer je einen Frosch oder eine Kröte hat in den Sonnenstrahlen in die Höhe fahren, oder mit dem Regen wirklich aus der Luft fallen sehen, der trete auf und behaupte es! Hat man wohl jemals gefunden, daß es auch Fische geregnet hätte? und warum sollte es nicht auch Fische regnen können, wenn jenes wahr wär, da diese doch im Wasser sich befinden, und daher mit demselben desto leichter in die Höhe gezogen werden könnten.

Im Schlamm können Frösche und Kröten auch nicht erzeugt werden. Kein Geschöpf wird ohne Fortpflanzung seiner Art erzeugt; weder Fliegen noch Maden noch sonst etwas. Es ist hierbei ein fast allgemeines Vorutheil! Wenn Frösche und Kröten ihre Eier nicht in den Sumpf legen, die von der Sonne ausgebrütet werden, so werden dergleichen Thiere da nie zu sehen seyn. Leichtgläubige sagen auch wohl, wenn man eine Ente im Topf thät, und dieselbe auf acht Tage vergrübe, so würden daraus endlich Kröten – welche Begriffe von der Fortpflanzung der Thiere!

Der stärkste unter allen Vögeln ist wohl der braunrothe Geier, der sonst auch Greif genennt wird. Er ist mit ausgebreiteten Flügeln 8 Ellen breit, und so stark, daß er ein Schaaf in der Luft wegführen kann. Ja wenn ihrer zwei beisammen sind, so fallen sie auch wohl einen Ochsen an, und machen ihn todt: einer hakt ihm die Augen aus, und der andere reißt ihm den Bauch auf, und zieht ihm sein Eingeweide heraus, bis er todt zur Erde fällt. Wem fallen aber hiebei die Märchen nicht ein, die von dem Vogel Greif erzählt werden? besonders von dem, der den in eine Haut genäheten Robinson übers Meer trug, und von dem einige glauben, daß eine einzige Feder von ihm, so groß wie ein Baum gewesen sey.

Die Neuntödter oder Würger sind nur so groß als Lerchen und Sperlinge, fressen die kleinen Vögel, die sie bezwingen und erwürgen können, und im Nothfall auch Insecten. Da glauben denn nun aber wieder einige, es sey der Natur dieser Vögel eigen, täglich gerade 9 Thiere zu tödten, und sie könnten nicht eher ruhen, als bis sie diese Anzahl gewürgt hätten.

Der Paradiesvogel sieht sehr schön aus, ist ohngefähr so groß wie ein Staar, und hält sich in Ostindien auf. Er ist derjenige Vogel, von dem viele Leute ehedem einfältiger Weise geglaubt haben, er komme aus dem Paradiese her, habe keine Füße, schwebe immer in der Luft, und lebe von der Luft, und vermehre sich auch in der Luft, indem das Weibchen ihre Eier dem Männchen auf den Rücken lege, und darauf ausbrüten lasse, und falle nicht anders als todt zur Erde; Lebendig sey noch keiner herunter gekommen. – Endlich aber entdeckte man den Betrug der Indianer, daß sie diese Vögel jung fingen, und ihnen die Füße abschnitten, und sie so den leichtgläubigen Europäern als Wundervögel theuer verkauften. – Die Europäer aber waren doch auch so klug nicht, und die Indianer nicht so dumm, daß jene sich nicht hätten betrügen lassen, und diese ihre Betrüger nicht hätten wieder betrügen sollen.

Ehedem schrieben große Gelehrte von dem Vogel Phönix, der nicht vorhanden war. Man glaubte von ihm, daß er unsterblich sey, denn aus seiner Asche komme immer ein neuer Vogel hervor. Endlich warf man die Frage auf: Giebt es einen Phönix? Man untersuchte und fand, daß es keinen gebe. Ganz ungegründet ist gleichfalls die Meinung von den sogenannten Seejungfern. Die obere Hälfte soll Mensch von jungferlichem Ansehen, die andere – Fisch seyn; und sie sollen durch ihren Gesang Sturm verkündigen. Vermuthlich haben sie ihr Entstehen in der bekannten Geschichte des Ulysses.

Der Pelikan oder die Kropfgans ist so groß als ein Schwan, sieht fast ganz weiß aus, hat beinahe einen ellenlangen und zween-Finger breiten Schnabel, und unter demselben einen langen tiefen Sack hängen, und frißt Fische und Würmer. Er steckt seinen langen Schnabel ins Wasser, sperrt ihn von einander, und füllt seinen Sack mit Wasser, Fischen und Würmern an. Merkt er, daß er eine Mahlzeit Fische gefangen hat, so zieht er ihn heraus, und frißt seinen Raub nach Bequemlichkeit auf. Hat er Junge. so fliegt er mit vollem Sack zu ihnen hin, und speiet ihnen alles vor, was darin ist, Wasser, Fische und Würmer. Und von diesem Vorspeien kommt vermuthlich die Fabel, daß er sich die Brust aufhacke und seine Jungen mit Blut füttere.

Der Storch ist ein bekannter Vogel. Seine ganze Naturgeschichte gehört hieher nicht: Ich erzähle nur das, was man Abergläubisches von ihm hat. Er baut sein Nest auf Häuser, Kirchen, alte Thürme und abgeköpfte Bäume, läßt auf sich regnen und wehen, und fürchtet weder Blitz noch Donner. Das heisse Afrika, und die wärmeren Gegenden von Asien und Europa sind sein Vaterland. Zu uns nach Deutschland kommt er erst im März oder April, zieht drei oder vier Junge groß, und fliegt mit denselben, wieder dahin, wo er hergekommen ist. Man liebt den Storch, weil er nicht viel Schaden thut, und sehr nützlich ist, denn er frißt Schlangen und anderes Ungeziefer weg: Ja einige halten ihn sogar für einen heiligen Vogel, den man auf keine Weise beleidigen dürfe, und glauben, es bringe Glück in dasjenige Haus, worauf er wohne. Solche bauen ihm daher oft ein Nest auf ihr Haus und sorgen eifrig dafür, daß es im guten Stande bleibe, damit es der Storch das nächste Jahr wieder bewohnen könne. Denn so bald der Storch im Frühjahr wieder zurück kommt; so sucht er das Dorf und den Ort wieder, wo er das vorige Jahr genistet hatte. Ist sein altes Nest noch da, und im guten Stande; so putzt er es aus und wohnt wieder darin. Ist es aber nicht mehr bewohnbar, oder gar nicht mehr da, so holt er im nächsten Gehölz Reiser und baut sich ein neues. So einfältig ist jetzt aber wohl niemand mehr, daß er glaubt, es könne der Blitz dem Hause nicht einschlagen, wo ein Storch wohnt, oder es könne da kein Feuer auskommen, oder wenn etwas auskäme, so löschen die Störche es? Denn hundert Fälle haben schon das Gegentheil gelehrt. Der Blitz hat oft schon in das Haus geschlagen, auf dem ein Storchnest war, oft schon ist in einem solchen Hause Feuer ausgekommen, und die Störche flogen davon, und ließen es zusamt ihrem Nest verbrennen.

Unter den Schnepfen giebt es eine Art, welche Heerschnepfe oder Himmelsziege heißt: Sie fliegt so hoch, daß man sie nicht sehen, sondern nur meck! meck! kann schreien hören. Eben deswegen, weil sie fast, wie eine Ziege schreien kann, aus keiner andern Ursach nennt man sie Himmelsziege.

Nordamerika ist das Vaterland des Welschenhahns, Indians oder Puters: Von da ist er bis zu uns gebracht worden, und hat sich hier fortgepflanzt. Ehedem glaubte man Kalekut in Ostindien wär es: Daher nennt man ihn noch jetzt unrichtiger Weise Kalekutschenhahn.

Zuweilen legen die Hüner auch Eier ohne Schalen, welche man Windeier nennt; und dann findet man auch Eier, worin zween Dotter sind. Es liegt darin aber nichts vorbedeutendes, noch weniger kann man glauben, daß solche Hüner behext sind.

Die Schwalben werden von vielen für heilige Vögel gehalten, denen man ja nichts zu Leide thun dürfe. Nützlich sind sie wohl, denn sie fangen eine Menge Insecten weg, die uns sonst sehr beschwerlich seyn würden – und eben deswegen ist es unrecht sie zu tödten. Aber Sünde begeht man damit just nicht. Da wo Schwalben an ein Haus bauen, glaubt man, sey Glück; und man läßt sie ungestört die Häuser beklecken; Wo aber Sperlinge anbauen sey Unglück; und man zerstört ihre Nester. Wo Sperlinge die Schwalben vertreiben, da denkt man, vertreibt das Unglück das Glück, und man wird unruhig. Die Schwalben sind nützlich, die Sperlinge schädlich; folglich bedeuten jene nach der gewöhnlichen Meinung Glück; diese Unglück.

Die Nachtschwalbe, welches die größte unter allen ist, heißt sonst auch noch Hexe oder Ziegenmelker – Hexe – weil die dumme Einfalt ehedem glaubte, sie thue Menschen und Vieh allerhand Tort an – Ziegenmelker – weil sie sich des Nachts in die Ställe schleiche, und den Ziegen die Milch aussauge. So etwas glaubt jetzt aber kein Vernünftiger mehr! Sie fliegt des Nachts herum, um die Buttervögel, die des Nachts herum fliegen, und die ihr zur Nahrung dienen, zu fangen; und daher kann es geschehen, daß sie zuweilen des Nachts oder in der Dämmerung an Scheunen und Ställen herumflattert; Allein dieß thut sie der Nahrung wegen, nicht die Thiere zu melken, welches auch gänzlich gegen dem Bau ihres Körpers streitet.

Der Nachtrabe soll ein Vogel seyn, der durch einen lauten, einförmigen Ton, sich des Nachts in der Luft hören lasse. Man erzählt davon viel abgeschmackte Dinge. Einige bilden sich sogar ein, daß der Teufel sich in die Gestalt des Nachtraben verstelle, und daß er demjenigen Hals und Bein breche, der sich unterstehe ihn nachzurufen; daher diese Stimme dem Einfältigen immer schreckhaft ist. Aber es giebt eigentlich keine Nachtraben; sondern der Rohrdommel und Fischreicher sind es, die wenn sie des Nachts fliegen, diesen lauten einförmigen Ton machen.

Auch die Heerschnepfen, welche sonst auch Haberböcke oder Himmelsziegen heißen, geben einen solchen Ton, der besonders des Nachts, dem Furchtsamen Grausen erregt. Sie halten sich an sumpfigten Oertern auf, und das Männchen schreckt mit seiner meckernden Stimme, welche es sowohl im Sitzen als im Fliegen von sich hören läßt, den Abergläubischen, der einen Ziegenbock meckern zu hören glaubt, und dann wenn er nichts sieht, wohl gar denkt, daß dieser Ort ein Aufenthalt der Gespenster und Nachtgeister sey.

Der Siebenschläfer ist ein Thier fast so groß wie ein Eichhörnchen, und schläft gewöhnlich 7 Monate in einem weg; zuweilen länger, zuweilen kürzer, nachdem der Winter heftig oder nicht, lange oder nicht lange dauert; Denn im Herbst legt er sich schon in sein Loch, rollt sich zusammen und erstarrt; im Mai erwacht er dann wieder und kommt hervor. Doch erwacht er zuweilen auch mitten im Winter, wenn es nemlich etliche Tage hinter einander recht warm gewesen ist, steht auf und sucht sich was zu fressen. So bald es aber kalt wird, erstarrt er wieder, und seine Erstarrung ist so stark, daß man ihn in die Hand nehmen, rütteln und drücken, ja sogar auf der Erde wegrollen darf, ohne daß er erwacht. Einige denken, er schlafe durch sein ganzes Leben, abwechselnd 7 Stunden, dann wache er eben so lange, und schlafe dann wieder ein; und daher habe er den Namen Siebenschläfer bekommen.

Dass es einen Rattenkönig mit zehn Köpfen geben soll, ist eine alberne Fabel, die vermuthlich auf folgende Weise entstanden ist; Es kommt zuweilen eine Menge Ratten zusammen, diese spielen und verwickeln alsdenn ihre langen Schwänze, daß sie so leicht nicht wieder von einander loskommen können. Da dieß nun vermuthlich einst ein Unwissender sah, und nicht wußte, was er daraus machen sollte, sagte er, daß er eine Ratte mit zehn Köpfen gesehen habe, welche wohl der Rattenkönig gewesen seyn würde. Andre glauben das Wunderthier, und nun hatte man einen Rattenkönig. Aber er war nur in den Köpfen derer, die gern glauben, was albern ist, ohne es selbst gesehen oder untersucht zu haben.

Des Maulwurfs stärkster Sinn, ist der Geruch, nach diesem bestimmt er sein Wühlen; aber er hat auch Augen und Ohren, er sieht und hört also. Diese sind jedoch mit Haaren so dicht bewachsen, daß man sie nicht sieht. Daher glaubte man sonst, der Maulwurf könne gar nicht sehen und hören, weil er keine Augen und Ohren habe, sondern er müsse alles riechen und fühlen. Wenn die Maulwürfe im Frühjahr häufig aufwerfen, so prophezeihet der Abergläubische daraus guten Graswuchs. Es mag zwar seyn, daß die von den Maulwürfen aus guten Boden aufgestoßene Erde, wenn sie zu rechter Zeit gut zerstreuet wird, einen vermoseten Rasenboden zu jüngerer und süsserer Grasfrucht bringe; allein wenn man die Maulwürfe, aus dieser Ursach sich vermehren, und die Wiesen durchwühlen lassen wollte; so würde der daher entstehende Schade weit größer seyn als der Nutzen.

Der Vielfraß hat seinen Namen von vielem Fressen, denn er frißt den ganzen Tag und scheint doch nie recht satt zu seyn, er ist räuberischer und unersättlicher als der Wolf – aber demohngeachtet ist es eine Fabel, daß er sich, wenn er allzuviel gefressen habe, zwischen zween, nahe beisammen stehende Bäume dringe, und seinen dicken Wanst hinten ausleere, um von neuen fressen zu können.

Die Faraonsmaus, Faraonsratte oder der Ichnevmon, ist fast so groß als ein Marder, und wohnt vorzüglich in Egypten an den Ufern des Meers und des Nils. In Egypten macht man sie zahm, und gebraucht sie in den Häusern, wie wir unsre Katzen zum Mäuse- und Rattenfangen; aber sie machen ausserdem auf alles, was sie lebendiges vorfinden und bezwingen können, Jagd, und fürchten sich sogar vor Hunden und Katzen, und jungen Krokodillen nicht, sondern fallsen sie an, und bezwingen und fressen sie. Die Krokodilleneier, die sie mit vieler List aus dem Sand zu scharren wissen, sind ihr bester Fraß, und da sie deren oft 300 bis 400 zerbrechen, so werden sie für Feinde der Krokodillen gehalten, welche die schädliche Vermehrung derselben hindern. Aber das ist ohnstreitig ganz falsch, daß sie den schlafenden Krokodillen durch den Rachen in den Leib kriechen, und darin die Eingeweide auffressen, sodann aber wieder beim Rachen heraus spazieren, oder gar ein Loch durch der Krokodille Bäuche bohren, und sodann hastig davon fliegen. – Diese Fabel mit dem Ichnevmon entstand vielleicht daher, daß der Scinx oder das Erdkrokodill dem schlafenden grossen Krokodill in den Rachen geht, ihm die Ueberbleibsel von dem Frase, was ihm zwischen den Zähnen sitzen geblieben ist, auszufressen.

Das Elendthier kann den Schlitten in einem Tage 10 bis 15 Meilen auf den Schnee fortziehen, ohne nur einmal stille zu stehen, oder zu fressen. Seine Haut ist sehr dick, und wenn sie gegerbt ist, so hart und fest, daß man mit einer Flintenkugel kein Loch in sie schiessen kann. Es ist so groß wie ein Pferd, und kann einen Menschen oder ein Thier, mit einen Schlag seines Vorderfusses tödten. Man darf nicht glauben, daß das Elendthier seinen Namen daher habe, weil es dem Elend oder der fallenden Sucht zuweilen unterworfen sey?

Das Stachelschwein ist mit langen knöchernen, weissen und schwarzen, oder röthlichen Stacheln bedeckt, die es, wenn es will, erheben und niederlegen kann; Die mehrsten sind etwas über eine Viertelelle, die größten aber fast eine Elle lang. Und mit diesen Stacheln wehrt es sich gegen seine Feinde; denn es kann sich so zusammenrollen, Kopf und Füsse so dicht anziehen, daß man nichts mehr als die Stacheln sieht, und es herumwälzen, und von einer Stelle zur andern werfen darf, ohne daß es ihm Schaden thue. Wenn ein Feind im nahe kömmt, so fährt es schnell auf, schüttelt die Haut wie ein Hund, der eben aus dem Wasser gekommen ist, erhebt seine Stacheln und macht damit ein Geräusch, um sie zu schrecken. Kommt der Feind ihm näher, so rollt es sich zusammen, und bleibt unbeweglich liegen, und nun kann ihm auch der stärkste Löwe nichts thun. Ehedem glaubte man, das Stachelschwein laufe seinem Feind mit grossem Gerassel entgegen, und schiesse einen Stachel auf ihn los; aber das kann das Stachelschwein nicht; denn seine Stacheln sitzen unbeweglich fest. Das aber ist wahr, daß es sich zusammenrollt, sich über Schlangen und Eidexen so lange her wälzt bis sie todt sind, und sie alsdenn frißt.

Die Igel, welche mit dem Stachelschwein die größte Aehnlichkeit haben, rollen sich zusammen, und wälzen sich über die unter den Bäumen liegenden Aepfel und Birn so lange her, bis etliche an den Stacheln stecken bleiben, und so tragen sie sie in ihr Loch; Das aber ist nicht wahr, daß sie auf die Obstbäume steigen, und reife Birn und Aepfel abschütteln, um sie nachher zu fressen. Auch das ist falsch, daß sie den Kühen und Ziegen die Milch aussaugen, wie manche Leute glauben. Unter

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