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Das Buch der guten Werke 1914-1918

Bernhard Diebold: Das Buch der guten Werke 1914-1918 - Kapitel 14
Quellenangabe
authorBernhard Diebold
titleDas Buch der guten Werke 1914-1918
publisherSocietäts-Verlag
year1932
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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Kameraden überall

Das Pferd

Es war nach der ersten Offensive 1918: la Fère bis Noyon. Ich war Krankenträger der Sanitätskompagnie 16 A. K., die den Dienst bei der 33. I. D. versah. Meine Kompagnie bezog am 24. März in Guiscourt Quartier und richtete dort den Verbandsplatz ein. Die Nacht durften wir schlafend verbringen. Am nächsten Morgen bekamen wir Befehl, nach vorne zu gehen und Verwundete, welche in der Kathedrale von Noyon lagen, zum Verbandsplatz, etwa zehn Kilometer, zu tragen. Die Verwundeten lagen in der Krypta der Kathedrale. Wir machten uns auf den Weg und wurden unterwegs mit schwerem Granatfeuer überschüttet. Als wir nach Noyon hereinkamen, bot sich uns ein schreckliches Bild. Die Hauptstraße, die zur Kathedrale führte, lag voller Tote. Die Verwundeten, meistens Franzosen, waren an die Wand der Häuser gesetzt worden, damit sie von den Geschützen nicht zermalmt würden. Trotzdem lagen viele Tote zerquetscht auf dem Fahrweg. Wir marschierten im Eiltempo durch die Straßen, da dauernd Granaten durch die Dächer schlugen. Plötzlich sahen wir auf dem Trottoir einen schwer verwundeten Franzosen sitzen, der erbärmlich jammerte. Er hatte sich ein Unterbett aus einem Hause untergelegt; war aber fast verblutet. Ich sagte zu meinem Feldwebel: »Kalweit, ich nehme den Franzmann mit, er kann noch verbunden werden.« Der Feldwebel sagt: »Mach's auf deine Gefahr, aber sei gleich in der Kathedrale.« Ich sprang nun zu dem armen Kerl, der einen schweren Beinschuß mit Fraktur hatte. Er sagte mir, daß er bereits seit gestern liege; andere Soldaten hätten ihm schon Bettzeug untergelegt, ihn aber nicht mitgenommen. Als ich ihn auf meinen Buckel hob, schrie er mächtig; doch sagte er noch, er habe noch unter dem Bettzeug einen Sandsack voll Lebensmittel liegen. Diesen trug ich auch noch. Bis zur Kathedrale war es wohl ein Kilometer. Mir wurde der Transport doch entsetzlich schwer, zumal ständig Granaten in die Häuser schlugen und die Balken durch die Luft flogen. Am Marktplatz von Noyon machten wir ein wenig Rast. Dort sah ich ein Pferd stehen, welches den Unterkiefer abgeschossen hatte. Der Unterkiefer hing noch an der Haut. Das Pferd war angebunden und stand im Granatfeuer. Ich kombinierte, daß ein Kanonier sein Pferd im Stich gelassen hatte. Der Franzose zeigte auf meinen Revolver und auf das Pferd. Ich lief hin und schoß dem Tier mehrere Kugeln in den Kopf, bis es tot war. Dann nahm ich meinen Franzosen wieder auf den Rücken und trug ihn bis zur Kathedrale in die Krypta. Dort lagen bereit etwa 200 Schwerverwundete. Ein jüdischer Arzt spielte auf der Orgel das Lied »O Haupt voll Blut und Wunden«. Ich wollte mich von meinem Franzosen verabschieden, doch hielt er mich fest und packte seinen Sandsack aus. Es war darin: eine Flasche Sekt, ein halbes Pfund Butter, ein Weißbrot, Schokolade und viele Zigaretten. Wir haben den Bestand ehrlich geteilt; die Flasche Sekt zusammen getrunken. Dann sorgte ich noch, daß er mit zum Verbandsplatz kam. Hundertmal sagte er: » Merci camarade, au revoir.«

Heinrich Weindorf, Kaufmann, Witten/Ruhr.

Das Maschinengewehr

Die zweite Marneschlacht war im Gange. Frisch aufgefüllte Truppenteile, von Rußland und Rumänien kommend, erstürmten die Höhen des Chemin des Dames und drangen zwischen Oise und Aisne bis zur Marne vor. Anfangs Juni, ein besonders heißer Tag. Vor uns hatten sich Franzosen und Engländer eingebuddelt. Wir hatten diese provisorische Stellung zu nehmen. Feuervorbereitung fand fast nicht statt. Als wir unsere Löcher verließen, überschüttete uns der Gegner mit einem Hagel von Geschossen. Sprungweise arbeiteten wir uns näher und näher heran. Das Maschinengewehr über die Schulter, lief ich, neben meinem Gewehrführer, der zäh verteidigten Stellung zu.

Da, ein Schlag gegen mein Ohr. Ein doppelter Aufschrei. Ich war nicht verwundet, ein aus nächster Nähe abgefeuertes feindliches Geschoß hatte den Kühlmantel meines Gewehrs durchschlagen und landete als Querschläger im Hüftenknochen meines Gewehrführers. Ich war noch mit ihm beschäftigt und versuchte ihn stützend zurückzuführen, denn auch ich mußte zurück, mein unbrauchbares Gewehr zu reparieren, als schon die ersten Gefangenen an uns vorbeieilten, Furcht und Schrecken in den verstörten Gesichtern. Ein großer Engländer blieb stehen und nahm den Verwundeten unter den Arm, um mich in meinem Vorhaben zu unterstützen. Leider mußten wir den im Gehen behinderten Verletzten hinlegen und, da er beim Aufheben laut aufschrie, liegen lassen.

Wortlos gingen der Engländer und ich nebeneinander nach hinten. Eine Erschöpfung machte sich bei mir bemerkbar. Mißmutig warf ich das MG. von einer Schulter zur andern. Schon machte ich Miene, es wegzuwerfen. Da griff der Tommy nach der Waffe, deren Geschosse ihm vielleicht gestern und heute morgen noch um die Ohren gepfiffen hatten, und nahm sie mir ab. Mit einem wie nach Entschuldigung klingenden Gestammel lud er sie auf seine Schulter. So konnte man stundenwegs weit, auch am Generalstab vorbei, zwei sich in Sprache und Wesen fremde Menschen, die ein furchtbares Schicksal zu Feinden gemacht, nebeneinander hinpilgern sehen. Ein riesiger Engländer, ein kleiner Deutscher. Ein Engländer, der freiwillig eine Waffe trägt, ja sie sich vor dem Ziele nicht mehr abnehmen läßt, deren Mündung gegen ihn und seinesgleichen gerichtet gewesen war. Er tat dies, um seinem Kameraden von der gegnerischen Seite, der ja wieder hinein muß in all das Elend, zu helfen. Verständigen konnten wir uns nicht, und doch sagte unser Händedruck beim Auseinandergehen mehr, als Worte sagen könnten.

Wilhelm Hauptmann, Schlosser, Ludwigshafen.

Urlauber

Nach langen Monaten Schützengrabendienst an der russischen Front bei Poldury östlich Brody kommt die Nachricht in unsere Stellung, daß vom Kopeljäger Bat. Nr. 10 hundert Mann auf Urlaub gehen könnten. Enthusiasmus! Wir springen und tanzen, werden zu Narren vor Freude, weil wir wieder zu Menschen werden sollen. Zum letztenmal auf die Stehpatrouille; wir rufen der russischen Feldwache zu, daß wir sie auf einige Wochen verlassen, und zu unserer Freude geben sie uns ein Ständchen zum besten. Nach der Ablösung versammeln sich alle Urlauber beim Bataillonskommando zur Entgegennahme einer Ansprache. Man wird zur Fahnentreue ermahnt, spricht von Tradition und weiß nicht, daß wir mit unseren Gedanken schon in der Heimat sind.

Endlich auf dem Marsch zur Bahnstation Laploci. Fahrt bis Lemberg in freudiger Stimmung, die plötzlich durch ein schauerliches Bild zerstört wird. Eine Unmenge Rangiergeleise, auf denen in sengender Julihitze arme, ausgehungerte gefangene Russen unter Bewachung arbeiten. Sie erblicken uns, kommen uns entgegen, fallen auf die Knie und bitten mit herzzerreißender Stimme um Brot. Hunger war in ihren Augen, ihrer Stimme, in ihrem Körper. Wir geben, bis ins Innerste erschüttert, unser Letztes, trotz eigenem Hunger. Doch plötzlich treibt die Wachmannschaft diese gequälten Menschen vor unseren Augen mit gefälltem Bajonett zu ihrer Arbeit.

Ein Schrei der Entrüstung in vielerlei Sprachen ging durch unseren Urlauberzug. Hinaus aus dem Zug, zu Hilfe dem gefangenen Feind, zu Hilfe den Männern, die kniend vor Männern um Brot gebettelt hatten. Und wir haben es durchgesetzt, daß sie es behalten konnten.

Johann Mracek, Bahnarbeiter, Wien.

Zigaretten

Es war zwischen Uranje und Nisch. Der Lazarettzug glitt in eine breite Talmulde und hielt gegen Mittag auf einer kleinen Station. Da die Betten an stählernen Zugfedern nahe den Fenstern angebracht waren, konnten wir bequem die Umgebung betrachten. Deutsche Eisenbahner mit riesigen Strohhüten über braungebrannten Gesichtern betreuten das Stationsgebäude. An der Strecke arbeiteten serbische Kriegsgefangene, die unseren Zug neugierig musterten. Menschen, nicht ausgemergelt und verkommen wie jene montenegrinischen Gefangenen, sondern breit, massiv und trotzig, auch bei dieser Sklavenarbeit. Hart schlugen ihre Picken auf das Steingeröll der Streckenschüttung.

Plötzlich trat einer der Gefangenen an unseren Wagen heran und kletterte auf das Trittbrett. Ein bärtiges grobes Gesicht grinste zum Fenster herein: »Eh, Germanski, saprali – no, no – dobre Papirossi – heidi Berlin –« damit schob sich eine Hand durch das Fenster, eine Hand, von der man sich hierzulande kaum eine Vorstellung machen kann. Eine Bärentatze war das, hornhäutig, muskelschwer, haarig und unsauber.

Längst war der Serbe zu seiner Arbeitskolonne zurückgetreten. Auf meiner Bettdecke lagen einige Zigaretten verstreut. Die Gabe eines serbischen Kriegsgefangenen an den heimkehrenden, feindlichen Kriegskameraden.

Leonhard Hora, Breslau.

Selbstschüsse

Die Arbeitskompagnie 945 der Kriegsgefangenen in Frankreich lag im Frühjahr 1919 in den Baracken eines Pionierdepots am Dorfrande von Saponay bei La Fère-en-Tardenois. Etwa 30 Meter vom Lager entfernt war ein altes Munitionslager. Hier waren einige Gefangene unter Aufsicht eines französischen Sergeanten damit beschäftigt, Kartuschen unschädlich zu machen. Selbstverständlich hatte der Sergeant Langeweile. Er vertrieb sich die Zeit, so gut es ging. Schließlich kommt er auf den Gedanken, Pulver in Reihen auszuschütten und mit der Zigarette in Brand zu stecken.

Im Augenblick steht ein größerer Haufen Pulver in Flammen, und das Feuer greift um sich. Schon krepieren einige Haufen Infanterie-Munition und einige umherliegende Granaten. Wir saßen mit einigen Lagerarbeitern in der Baracke beim Kaffeetrinken, als wir durch die Detonationen aufmerksam wurden. Durch die Tür sehen wir, was los ist. Gleich wird Alarm geschlagen, und dann geht's an's Retirieren nach dem zwei Kilometer entfernten La Fère-en-Tardenois. Holzschuhe wurden in die Hand genommen und dann los. Fieberkranke liefen umher, nur mit dem Hemd bekleidet. Ein Haufen Munition nach dem andern flog in die Luft.

Als wir aus der Gefahrenzone heraus waren, da kam uns zum Bewußtsein, daß noch fünf Kameraden im Prison eingesperrt waren. Wir sagten den gleich uns geflohenen französischen Wachtposten Bescheid, und auch diese konnten unsere Vermutung nur bestätigen. Jetzt war guter Rat teuer. Vorschläge wurden gemacht und verworfen. Helfen mußten wir. Schließlich faßten wir uns zu zwei Mann ein Herz und erklärten, wir wollten unser Glück versuchen. Unser Weg war schwer, aber was gilt ein Menschenleben gegen fünf. Unter ständigem Deckungnehmen gingen wir im Straßengraben vor.

Bis auf 200 Meter waren wir ans Lager herangekommen, da hörten wir hinter uns lautes Rufen in französischer Sprache. Der Lagerkommandant, ein französischer Leutnant, kam mit einigen Wachtposten hinter uns her. Wir sollten halten, rief man uns zu. Wir sprangen in eine am Weg stehende Baracke und ließen die Franzosen herankommen. Der Leutnant wollte uns unsere Aktion verbieten, aber wir bestanden in unserem Kauderwelsch auf unserem Willen. Schließlich einigten wir uns, daß zwei Franzosen und ich vorgehen dürften. Jeder nahm sich ein Wellblech als Deckung, und nun warteten wir ab, bis eine größere Explosion vorbei war. Aber dann ging's im schnellsten Tempo zum Lager hinüber. Das war aber, als ob wir in der Hölle wären. Splitter, halbe und ganze Granaten flogen in der Luft herum. Ein Trommelfeuer ist nicht schlimmer. Wir liefen zur Wachpostenbaracke und holten eine Axt. Hiermit wurden die Türen zertrümmert und unsere fünf Kameraden herausgelassen.

Welchen Schreck hatten sie ausgestanden! Zwei Pritschen hatten sie aufrecht gestellt und darüber den ganzen Fußbodenbelag gelegt, um wenigstens gegen Splitter gedeckt zu sein. Das Dach und die Wände waren überall von Splittern durchschlagen. Der Leutnant war auch froh, daß er seine Leute wieder zusammen hatte. Die beiden Franzosen aber hatten gezeigt, daß sie auch Kameraden sein konnten.

Albert Sülberg, Dreher, Hamm i./W.

Die Liebe ist schuld

In der 226. P. O. W. Comp., in der ich mit der Nummer 445 mit Oelfarbe gestempelt war, trug sich folgendes zu: Unser Wasserwagenfahrer, ein englischer Kavallerist, hatte sich in eine Französin verliebt und brachte seine freien Stunden bei ihr zu. Dies verbot ihm niemand, aber er vergaß oft zur Truppe zurückzukehren. Eine Verwarnung half nichts, er mußte mehrmals durch eine Eskorte mit aufgepflanztem Bajonett geholt werden. Das letzte Mal ließ der Kapitän die Wache raustreten, der Mann wurde vorgeführt, Wache stillgestanden. Es folgte eine Drohrede, bei der die Reitpeitsche des Captain dauernd vor dem Gesicht des Kavalleristen war und in der die Mannschaft mit schweren Strafen bedroht wurde, falls sie dem Arrestanten etwas Eß- oder Rauchbares verabreichen würde. Die Engländer kannten ihren gestrengen Herrn; auch wir Gefangenen haben seinen Zorn oft gespürt, er hielt Wort.

Der Mann wurde abgeführt; die Arrestzellen bestanden aus Spitzzelten mit Drahtverhau und einem Posten davor. Bei seinen täglichen Spaziergängen erhielt der Mann seine Schuhe, dann wurden sie ihm wieder abgenommen, alles unter Bajonett. Da ich als Lagerzimmermann immer im Lager war, sah ich ihn täglich; er nahm zusehends ab. Er erhielt nur Wasser und wenige Keks. Ich faßte den Entschluß, ihm etwas zuzuschmuggeln; unser Feldwebel Kawa und No. 9 rieten mir ab. Hinter den Zellen war unser Brennholz. Ich nahm einige Keks, Zigaretten, Streichholz und eine Reibfläche, wickelte es in ein graues Papier und ging mit einer Säge zum Brennholz. Unser Feldwebel redet den Posten an, ich werfe das Päckchen auf das Zelt, es rutscht ab – fünf Finger greifen unter das Zelt vor, es hat geklappt. Dies tat ich dann oft.

Nach Wochen kommt Aburteilung, wieviel weiß ich nicht. Er wird abgeführt, bittet, mit 445 reden zu dürfen. Es wird gestattet. Ich habe jedes Wort verstanden, doch kann ich nicht englisch schreiben. Er sagte nur: »Ich danke dir, ich werde dich nie vergessen.« Er wurde abgeführt; ich sah ihn nie mehr.

Robert Jensen, Zimmermann, Singen a. H.

Umsonst

Am 20. Juli 1915 früh morgens waren wir (d. h. das Infanterie-Regiment No. 121) zum Sturm gegen die Narew-Festung Rossau angetreten. In lichten Schützenlinien strebten wir die kilometerweit allmählich ansteigenden Höhen zu den Forts hinan. Schwache feindliche Streitkräfte wurden nach einigem Geplänkel gefangen oder vertrieben. Auf halber Höhe aber stießen wir unerwartet auf starken Widerstand des Gegners. Es gab einen tollen Wirrwarr. Unsere Verbände lockerten und vermischten sich. Der Russe brachte unseren Angriff durch seine Ueberzahl und seine günstigere Stellung zum Stehen. Mein Zug war am weitesten vorgekommen, bis ungefähr 60 bis 80 Meter vor die russischen Gräben, die Mann bei Mann besetzt waren. Weder rechts noch links hatten wir Anschluß. Jeder von uns 25 bis 30 Mann schippte sich platt auf der Erde liegend eine notdürftige Deckung. Der sandige, leichte Boden kam uns dabei gut zu statten.

Wenn jetzt der Gegenangriff kam, waren wir glatt erledigt. Meine Nerven waren gespannt zum Zerreißen. Plötzlich hörte ich hinter mir einen Schrei. Hinter meinem Nebenmann, dem Gefreiten Götz, lag in einer Ackerfurche ein gefangener Russe und der hatte soeben von seinen Landsleuten einen Knöchelschuß erhalten. Es war ein Querschläger, der äußerst schmerzhaft sein mußte, weil der ganze Knochen zerschmettert war. Als ich einmal zu dem Manne hinsah, winkte er mit dem Kopf rückwärts. Ich faßte das so auf, daß er nach hinten wolle und dazu mein Einverständnis brauche; das heißt: ich solle eben nicht nach ihm schießen. Er machte auch zwei bis drei Anstrengungen, um weiter zu rutschen, allein die Schmerzen in dem zerschossenen Fuß mußten zu groß sein; jammerwürdig stöhnend blieb er liegen, umpfiffen von den Geschossen seiner eigenen Kameraden.

Die Russen bekamen noch mehr Verstärkung. Wir beobachteten, wie sich ihre Gräben immer dichter anfüllten. Ein Zurücklaufen in diesem Feuer wäre der sichere Tod gewesen; also schossen wir, schossen, was aus dem Lauf herausging. Der verwundete Russe hinter uns jammerte, schrie und bettelte um Hilfe. Doch wer von uns konnte sich jetzt, wo das Gefecht auf seinem Höhepunkt stand, um den armen Kerl kümmern? Ein russisches Maschinengewehr ließ seine Geschoßgarben haarscharf über uns hinsausen; dicht hinter dem Verwundeten spritzten die Stahlkörner in den Boden. Es war zum Verzweifeln. Da, mit einemmal, schiebt sich der Gefreite Götz aus seinem Schützenloch. Kriecht zu dem verwundeten Russen. Zieht sein Stiletmesser aus dem Stiefelschaft und schneidet den Stiefel des Verwundeten auf. Reißt seine Verbandpäckchen heraus und verbindet, platt an die Erde gedrückt, schlecht und recht, wie es eben ging, die furchtbare Wunde des feindlichen Soldaten. Zuguterletzt streift er ihm noch einen Socken oder so was ähnliches über den zerschossenen Fuß. Weiß der Himmel, wo er dieses Ding plötzlich her hatte, ich glaube, der Verwundete hatte es bisher in der Hand gehabt. Ich sah dann noch, wie der Russe an seiner Bluse herumnestelte, ein Päckchen Rubelscheine in der Hand hielt und es dem deutschen Samariter hinstreckte. Doch der winkte ab, ein Satz, und er lag wieder in seinem Erdloch neben mir.

Der Russe aber kroch los. Kroch rückwärts, wollte in die Gefangenschaft, in Sicherheit, weg aus der Todesnähe. Er kroch fünf Meter, kroch zehn Meter. Ich sah ihm nach. Sah ihn auf einmal kaum merkbar zusammenzucken, um dann still liegen zu bleiben – für immer. Ein zweites russisches Geschoß hatte ihn getroffen und sofort getötet.

Das gute Werk des Gefreiten Götz war umsonst. War es umsonst?

R. Stahl, Kaufmann, Heilbronn a. N.

Schuhe in der Wüste

Bei einem Rückzugsgefecht, das eine deutsche Kompanie nach Aufrollung der palästinensischen Front am 29. September 1918 den nachdrängenden Australiern vor den Toren von Damaskus lieferte, wurden einige Australier zu Gefangenen gemacht. Ein Deutscher, dessen Schuhwerk bei den Märschen der letzten Tage schlecht geworden war – die Sohle hatte sich teilweise vom Oberleder gelöst – wollte seine defekten Schuhe mit den guterhaltenen eines Gefangenen wechseln. Der Kompanieführer verbot es ihm mit der Bemerkung, daß solch ein Verhalten einem Gefangenen gegenüber nicht ritterlich sei.

Tags darauf schon gerieten die Deutschen in die Gefangenschaft der Engländer. Der Mann mit den schadhaften Schuhen kam auf dem Marsche nach dem Gefangenenlager in ein Feldstück, das ringsum mit Disteln bestanden war. Jeder Schritt, den er machte, mußte ihm Schmerzen verursachen. Ein Mann der englischen Begleitmannschaften sah es. Er trat hinzu, nahm den Mann auf den Rücken und trug ihn huckepack aus der Distelpartie heraus.

Leopold Zuntz, Kaufmann, Frankfurt a. M.

Gastmahl im Unterstand

Am 2. September 1916 geriet ich mit zwei Kameraden in den Waldkarpathen in russische Gefangenschaft. Unsere Kompanie (im Jäger-Regiment 3) hatte den Auftrag, den Rückzug des Regiments zu decken. Als sich die Kompanie um Mitternacht bei strömendem Regen zum Abmarsch sammelte, wurde plötzlich ein Oberjägerposten vermißt. Obwohl die Russen auf dem Vormarsch begriffen waren und uns zu umzingeln drohten, gab mir der Zugführer, der mich wegen meines furchtlosen Eintretens für die Interessen der Mannschaften nicht recht leiden mochte, den unsinnigen Befehl, den verlorengegangenen Posten zu suchen und zurückzubringen. Der Posten war natürlich nicht aufzufinden, er war entweder überfallen und aufgerieben worden, oder er hatte sich rechtzeitig aus dem Staube gemacht.

Wir waren aber bei diesem Herumtasten in Nacht und Nebel, auf glitschigem, vom Regen aufgeweichten Boden hinter die russischen Linien geraten, die sich immer weiter vorschoben. Um nicht in die Hände des Gegners zu fallen, suchten wir in einem verlassenen Artillerie-Unterstand Schutz vor den vorübermarschierenden russischen Truppen. Ein bukowinischer Bauer hatte uns aber beobachtet und unseren Zufluchtsort den Russen verraten, die ein heftiges Maschinengewehrfeuer auf den zerfallenen Unterstand eröffneten. Seltsamerweise blieben wir trotz der mörderischen Beschießung unverletzt. Da kein Entrinnen möglich war und Gegenwehr sicheren Tod bedeutet hätte, ergaben wir uns der ungeheuren Uebermacht, die unsere kleine »Festung« belagerte.

Man schlug uns nicht tot, wie wir vermutet hatten, obwohl verschiedene russische Soldaten wütend mit den Bajonetten herumfuchtelten, sondern trieb uns unter Kolbenstößen vorwärts. Wir wurden schließlich zwei Kosaken anvertraut, die uns abtransportierten. Die beiden Begleiter waren besser als der Ruf, der ihnen vorausging; sie brachten uns ohne Mißhandlung bis zur russischen Artilleriestellung, wo sie uns dem diensthabenden Offizier übergaben. Der russische Offizier begrüßte uns recht freundlich in etwas fehlerhaftem Deutsch und lud uns zu einem Imbiß in seinen Unterstand ein. Wir waren von diesem Empfang sehr überrascht, nahmen aber an, daß diese Kordialität nur gemimt war, um uns nachher um so leichter über die Stellungen der deutschen Truppen auszuforschen. Der Russe vermied aber Gespräche dieser Art vollständig und plauderte mit uns über Deutschland, das er wohl auf seinen Reisen kennengelernt hatte. Dann trug sein Bursche das Mittagessen auf, das aus sehr schmackhaft zubereiteten Krautwickeln bestand. Es war wie ein Gastmahl im tiefsten Frieden, und nur das ferne Dröhnen der Geschütze erinnerte uns an die schrecklichste Gegenwart. Ehe uns der russische Offizier den Leuten übergab, die uns weitertransportieren sollten, erkundigte er sich teilnehmend bei jedem Einzelnen von uns nach der Adresse seiner Angehörigen, um sie von unserer Gefangennahme zu benachrichtigen. Er erläuterte uns, daß er die Adresse seinen in Petrograd wohnenden Eltern mitteilen würde, die sich dann durch das Rote Kreuz mit unseren Angehörigen in Verbindung setzen würden. »Dann werden Ihre Lieben nicht so lange in Sorge und Angst um Sie sein, denn nichts ist schrecklicher als »vermißt« zu gelten.«

Wir schieden von dem menschenfreundlichen »Feinde«, tiefste Dankbarkeit im Herzen. Die russischen Soldaten nahmen uns in ihre Mitte, übergaben noch jedem von uns ein ungeheures rundes Schwarzbrot, das wir kaum zu tragen vermochten, und nach einigen Stunden der Ruhe ging der Marsch in Richtung Czernowitz weiter.

Als ich 1918 aus der Gefangenschaft heimkehrte und in den Kriegsdokumenten blätterte, fiel mir folgende Karte aus Rußland in die Hände: »Ihr Sohn Waldo Bahmann, kriegsgefangen in Karpathen den 10. August 1916. Befindet sich in Rußland, ist wohl, gesund.« Das Datum stimmt zwar selbst nach den Berechnungen des alten russischen Kalenders nicht ganz, aber das ist ja auch nicht das Wesentliche. Auf der Karte steht eine Bleistiftnotiz meiner Mutter: Erhalten den 6. Dez. 1916. Da sich erst viel später das Rote Kreuz um uns bemühte, kann die Benachrichtigung meiner Angehörigen nur durch die Eltern des russischen Offiziers erfolgt sein. Unter den Bestien, die der Krieg erzeugte, gab es noch gütige Menschen.

Waldo Bahmann, Kaufmann, Stützerbach/Thür.

Unheroische Geschichte

Das Infanterie-Regiment No. 65, 3. Kompanie, wo ich im Felde als Ersatzreservist diente, wurde zum zweiten Male an der Somme eingesetzt. Jetzt sollte am 5. Oktober 1916 morgens 7.15 Uhr der dritte Zug stürmen, um die Stellung gradlinig zu machen. Es wurde gestürmt, aber die Truppen fielen meistens. Die andern sprangen wieder zurück. Die Franzosen bestrichen das ganze Gelände mit Maschinengewehrfeuer.

Die andere Nacht hörte ich auf einmal einen meiner Kameraden, einen Hunsrücker, immer rufen: »Was machscht du denn do?« Ich denke, was ruft der! Ich übersah das Gelände mal genau. Da sah ich einen Menschen vor mir auf zwanzig bis dreißig Meter herumfallen. Da bemerkte ich, daß der Hunsrücker diesen Mann meinte, der im Gelände auf mich zu kam. Ob dieser Mann mich bemerkt hatte, weiß ich nicht. Auf einmal rief er: Pardon Mossier. Ich rief: Komm Kamerad, ging ihm ein paar Schritte entgegen und nahm ihn zu mir in mein Granatloch. Ich rief den Herrn Leutnant, der den dritten Zug hatte, ich hätte einen Franzosen gefangen. Ich führte ihn zu dem Gefangenen.

Als der Gefangene den Leutnant sah, sprach er: Sergeant Major, blessé. Der Herr Leutnant fragte auf französisch, wo er verwundet sei. Der Franzose zeigte auf den rechten oberen Teil des Beines. Auch fragte ihn der Leutnant, wie alt er sei und aus welcher Gegend Frankreichs. Der Franzose sagte, er sei neunzehn Jahre alt und sei von der französisch-spanischen Grenze. Der fing auf einmal an zu jammern. Sergeant Major, toulo (de l'eau). Herr Leutnant fragte mich haben sie Wasser. Ich sagte nein. Wir hatten schon drei Tage keinen Schluck Wasser gehabt. Die Wasserholer konnten nicht heran und blieben aus. Ich hatte aber die Trinkflasche voll Schnaps. Ich trank in der Stellung nämlich keinen Schnaps, und reichte dem Franzosen die Trinkflasche hin. Dieser hätte den ganzen Pudel ausgetrunken, wenn sie ihm der Leutnant nicht abgenommen hätte. Ich persönlich hatte Spaß daran, daß der Gefangene so trank.

Jetzt sagte der Herr Leutnant zu mir: bringen Sie den Gefangenen zum ersten Zug, welcher vierzig bis fünfzig Meter hinter uns lag in Reserve. Da soll ein Mann den Franzosen zum Bataillonsstab bringen. Der Gefangene und ich packten uns in den Arm. Ich stützte ihn, und so gingen wir zwei, die wir uns vorher beschossen hatten, gemütlich über Deckung, da kein Laufgraben da war zum ersten Zug, bzw. zum Sanitäter. Der verband ihn und ich ging wieder zurück in mein Granatloch auf Posten. Die zweite Nacht darauf schickt mich der Herr Leutnant wieder zum ersten Zug. Der Sanitäter müßte kommen, da wir wieder einen Schwerverletzten hatten. Da saß mein Franzose gemütlich bei meinen Kameraden. Wie mir es schien, waren meine Kameraden und der Franzose angeheitert. Ich meldete dem Leutnant, der Franzose sei noch da. Ich bekam wieder den Befehl, der Franzose soll unbedingt fortgebracht werden. Kameradschaftlich klopfte ich dem Franzosen auf die Schulter und sagte: Partie Allemagne. Er sagte: Non non Kamerad, Kamerad! und zeigte mit der Hand im Kreise. Er wollte da bleiben.

H. F., Bäcker.

Piefke ist tot

Telefon. »Halloh! Bist du da – Hannes?« Ich gab Antwort: »Mattes – was gibt's?« »Piefke ist tot!« »Was?« »Piefke ist tot!« »Piefke?« »Ja, Piefke, mein – dein Piefke.« Der Hörer sank herab. Piefke – unser Kriegshund, der Hund der tausend Heldentaten.

»Mattes!« schrie ich in den Apparat, »du lügst. Piefke kann nicht sterben, – nie – hörst du! So etwas gibt es nicht!« Dann hörte ich schluchzen. Ich hänge ein. Es mußte schon wahr sein – sonst weint Mattes nicht.

Meine Hände stützten den Kopf. Ich rechnete unwillkürlich nach: 1914 gefunden, damals zwei Monate alt, heute – fast 15 Jahre lang nach dem Krieg noch bei uns. Fünfzehn Jahre – gar nichts, nichts ist das, das ist keine Zeit für all das Erdulden einer kleinen Hundeseele bei einem Pionierbataillon und in den wirren Kämpfen an der Somme, in der Champagne, am Kemmel, bei Verdun.

Ja, Verdun, da waren deine Heldentage, dort holtest du dir Ruhm und Unsterblichkeit. Verdun, Höhe 304, das Tal des Todes, durch welches du hundertmal gelaufen bist, mit Lebensmitteln, Meldungen mit Post – ja mit Post aus der Heimat, mit den Sehnsuchtsbriefchen vom Bräutchen, vom Mütterchen, du brachtest sie bestimmt durchs Sperrfeuer, durch Flammen und Tod, auf dich war Verlaß, du kehrtest bestimmt zurück, und wenn hundert Kameraden fielen.

Du brachtest es eben fertig, Piefke, nicht wahr, du ahntest die Granate, bevor sie einschlug, und wichest ihr aus. Hundertmal hast du das gekonnt. Du konntest so viel, so unendlich viel. »Piefke, los!« Es gab kein Zittern, Zaudern, raus aus der Höhle, durch die Hölle, zurück, wieder vor – und wieder mal – wieder mal –, oft mußte das sein. Wir forderten es nachher von dir, weil du so ergeben warst. Wann deine beiden Jungens ausruhten, du mußtest, du mußtest hinaus durch die brandende Hölle – wir befahlen dir – ein Streicheln deines rauhen Felles und du stürmtest los. Du warst Soldat geworden, Piefke, ein tauglicher, pflichteifriger, opferbereiter Soldat, und du warst so dankbar, bei uns sein zu dürfen, trotz Not, Tod, Elend, trotz des »Ewigkampfbereiten.«

Du wuchsest mit der Pflicht. Das war das Wunderbare, dein Heldentum ermüdete nie. Du warst immer froh, warst immer spielbereit. Mattes war dein bester Freund. Ich war nicht eifersüchtig, Piefke, o nein. Auch der Mensch hat nur einen Menschen, den er ganz liebt, der ihm alles bedeutet. Mattes konnte auch streng zu dir sein, du warst damals noch jung, mußtest erzogen werden, ja, er hat dich erzogen, weil er ein strenger Herr war. Und ich war es ja nicht. Darum war Mattes dein Auserwählter. Wie weise von dir. Für eines habe ich gesorgt, für gerechte Anerkennung bei den höchsten Vorgesetzten. Das mußte so sein.

Acht Pioniere gruben einen Stollen, der einen feindlichen Stollen unterminieren sollte. Wochenlange Arbeit. Mattes war auch dabei. Du wichest nicht von seiner Seite. Du beobachtetest alles. Mattes arbeitete umständlicher, weil du stets an seiner Seite lagst. Das war gleichgültig. Wo du warst, besaßest du ein Recht, zu sein. Du rührtest dich nicht, kein Laut, denn Mattes hatte es so befohlen, die Wühlerei war von großer Wichtigkeit, denn die französische Mine sollte untergraben werden. Du wußtest Bescheid.

Da eines Nachts, du hebst den Kopf, spitzest die Ohren, springst plötzlich auf, wirst aufgeregt, reißt Mattes' einzige Militärhose entzwei – zerrst den Ueberraschten zurück. Ob Mattes abwehrt, du bist zornig über Mattes' dumme Abwehr, dann scharrst du mit den Pfoten wild, mit blutunterlaufenen Augen, indem du Mattes entsetzt anschaust – doch du bellst nicht.

Da überkommt es deinen Freund mit blitzender Erkenntnis. Wie ein Verzweifelter kriecht er zum Ausgang zurück, spricht hastig mit seinen Kameraden, ein Apparat wird in die Höhle geschafft, Ohren lauschen gespannt, horchen – horchen – Es ist so! Der Franzose hat uns unterminiert, höchste Gefahr!!! – Alles raus, Stellung der Infanterie räumen. Noch rechtzeitig – nach zwei Stunden fliegt ein gewaltiges Stück Erde in die Luft. Hundert Menschen waren gerettet. Das war Piefkes Tat!

Und der Herr General lernte dich kennen. Du hast wohl gar nicht gewußt, daß der Herr ein General war, denn du blicktest nur Mattes an. Aber ich war stolz auf dich, als im Regimentsbefehl dein Name genannt wurde.

Dann kam deine trübste Stunde. Mattes wurde verwundet, und du mußtest zurückbleiben. Ich pflegte, tröstete dich, ich wußte, wie traurig du sein mußtest. Du warst auch nicht mehr der liebe, fröhliche Kamerad. Nichts nützte. Meine ganze Liebe zerschellte an deiner Trauer.

Nach Wochen kam ein Brief aus Köln von Mattes. Er lag dort im Lazarett und heftige Sehnsucht nach Piefke sprach aus jeder Zeile. Ich erwirkte Urlaub für dich und für mich, nur eben nach Köln fahren, zu Mattes. Wir gingen los. Da quoll etwas in deinem Wesen, unbändige Freude. Während der Fahrt schautest du mich unentwegt an, ja, ich mußte dir von Mattes erzählen, und du schmiegtest dich an mich aus Dankbarkeit.

Du machtest meine Liebe glücklich. Bald öffnete sich eine Tür, dein kleiner Leib schoß in den Saal, ein kurzes Verweilen, ein Sprung und hocktest auf einem Bett, darin lag Mattes, zur Unkenntlichkeit verbunden. Du belltest nicht, ein leises, zitterndes Wimmern erlöste deine Sehnsucht.

Ein schluchzendes Atmen tönte durch den Verwundetensaal, wo viele Kameraden diesen Augenblick erlebten. Ich stellte mich abseits und wartete, bis mich Mattes rief.

Das war Piefke, unser Held, Kamerad, Freund, unser Hund, unser herrlichstes Erinnern an ein Wesen, dessen Leben uns durch die Schicksale in Kampf, Not, Tod, Opfer und Freude verbunden hatte, welches dieses kleine Wesen bis zum Höchstmaß erfüllt hatte. So blieb denn Piefke nach dem Kriege bei Mattes.

Ich sprang auf. Schwer atmend kam ich bei Mattes an. Ja, Piefke war tot. Er lag auf einem Kissen, er ruhte wie im Leben. Wir trugen ihn hinaus zur Burgruine Krakau. In einem hübschen Garten unter einer alten Linde liegt er begraben.

Hans Schwaab, Weinhändler, Krefeld.

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