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Gutenberg > Wilhelm Busch >

Das brave Lenchen

Wilhelm Busch: Das brave Lenchen - Kapitel 1
Quellenangabe
typecomics
booktitleUnd die Moral von der Geschicht
authorWilhelm Busch
year1982
publisherC. Bertelsmann Verlag
addressMünchen
isbn3-570-03004-0
titleDas brave Lenchen
pages7
created20101209
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Wilhelm Busch

Das brave Lenchen

Auf einem Schlosse fern im Holz
Wohnt eine Frau gar reich und stolz.

In einem Hüttchen arm und klein
Wohnt Lenchen und ihr Mütterlein.
Das Mütterlein ist schwach und krank
Und ohne Geld und Speis und Trank.

Da denkt das Lenchen: Ach, ich lauf
Um Hilfe nach dem Schloß hinauf!

Es nimmt sich nichts wie einen Schnitt
Vom allerletzten Brote mit.

Und wie es kommt bis an den Steg,
Sitzt da ein armer Hund am Weg.
»Ach!« ruft der Hund. »Mein Herr ist tot;
Hätt' ich doch nur ein Stückchen Brot!«

»Hier«, spricht das Lenchen, »hast du was!« –
Zieht 's Brot hervor und gibt ihm das.

Und wie es weiter fort gerannt,
Liegt da ein Fisch auf trocknem Sand.

Ach!« ruft der Fisch und zappelt sehr.
Wenn ich doch nur im Wasser wär'!«

Gleich bückt das Lenchen sich danach
Und trägt ihn wieder in den Bach.

Dann ist es weiter fort gerannt,
Bis es die Frau im Schlosse fand.

»Ach, liebe Frau, erbarmt Euch mein,
Ich hab' ein krankes Mütterlein!«

»Fort!« schreit die Frau. »Nichts gibt es hier!«
Und jagt das Lenchen vor die Tür.

Das Lenchen sieht vor Tränen kaum
Und setzt sich stumm an einen Baum.

Und horch, im hohlen Baum erklingt
Ein feines Stimmlein, welches singt:
»Mach auf, mach auf, ich bitt' gar schön,
Möcht' gern die liebe Sonne sehn!«

Im Baum, da ist ein Löchlein rund,
Ist zugesteckt mit einem Spund.

Den zieht das Lenchen aus und spricht:
»So komm ans Licht, du armer Wicht!«

Sieh da, und eine Schlange schmiegt
Sich aus dem Baum hervor und kriecht
Und schlingt und schlängelt mit Gezisch
Sich in das dichte Waldgebüsch
Und raschelt da herum und kam
Und bracht' ein Blümlein wundersam.

O Krankentrost, du Blümlein rot,
Herztulipan, hilf aus der Not!

Das Lenchen nimmt das Blümlein an
Und eilt nach Haus, so schnell es kann.

Und wie es kommt bis übern Steg,
Tritt ihm ein Räuber in den Weg.

Dem armen Lenchen stockt das Blut,
Läßt 's Blümlein fallen in die Flut.

Da kommt der Hund und jagt zum Glück
Den Räuber in den Wald zurück.

Und unser Fisch ist auch nicht faul;
Er trägt die Blume in dem Maul.

Jetzt läuft das Lenchen schnell hinein
Zum lieben kranken Mütterlein,
Legt 's Blümlein ihr auf Herz und Mund,
macht 's Mütterlein sogleich gesund;

Heilt auch noch sonst viel kranke Leut
Und ist aus aller Not befreit.

Der Räuber aber hat bei Nacht
Die Frau im Schlosse totgemacht.







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