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Das blaue Fieber

Johann Georg Kerner: Das blaue Fieber - Kapitel 1
Quellenangabe
booktitleDas blaue Fieber
authorJohann Georg Kerner
typepoem
year1804
titleDas blaue Fieber
publisherKerner
sendercollasius-hamburg@t-online.de
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Johann Georg Kerner

Das blaue Fieber

Gelbes Fieber ist verschwunden,
Hat das blaue losgebunden,
Wilder rast es durch die Lande
Und zerreißt die schönsten Bande,
Selbst der Freiheit hohen Bund
Stempelt es zum blauen Hund.

Noch einmal zur Höll hinab
Geht es nun in frischem Trab,
Satans Knechte en parade
Stehen da mit Spieß und Rad.
Werden nunmehr neu gemacht,
Die der Blaue hergebracht,
Und, nachdem sie gar gebraten,
In die Oberwelt verladen

Sprengt nun auf das Grabgestein
Und läßt nach Europa ein
All die roten Mütz-Kujonen
Als ein Heer von Reichsbaronen,
Neue Sterne, neue Sonnen,
Neue Freuden, neue Wonnen
Strahlen von der blauen Brust
Einzig nur die Räuberlust.

Trauernd stehn zwar die Teutonen,
Die den Süd und Nord bewohnen.
Doch der Blaue schlug sie platt,
Und der Deutschen Spiel heißt Matt.
Sind nun geldlos ohne Blut,
Ohne Waffen, ohne Mut
Hingeschleudert zu den andern,
Die von Schmach zu Elend wandern.
Rauben, schinden, plündern, morden,
Güter für den neuen Orden,
Blaues Wunder unsrer Zeit,
Aller Narren Seligkeit.

Apenninen sind bezwungen,
Pyrenäen auch errungen,
Alpen hat er eingesteckt
Und die Hölle losgeweckt.

Ärger wüten nicht Hyänen,
Tiger hat er zu Mäzenen,
Flüsse hat er ausgesoffen,
Und noch steht der Schlund ihm offen.

Meere wollt er auch bewingen
Und den Dreizack sich erringen,
Aber Wasser ist nicht Land,
Doch das Meer, es gibt ihm Sand;
Sand, die Augen zu verblenden,
Daß man glaubt, er wolle enden
Seine Lust nach neuen Siegen,
Nachspiel seiner Vorspielslügen.

Hört den Glockenschlag von Jammer,
Unter des Tyrannen Hammer
Stunden, Wochen, Monden, Jahre
Schwinden hin zur Totenbahre.

Und so seufzen Millionen
Unter seinen Skorpionen -
Zepter, Keule, wie man will,
Alles stumm und stier und still.

Ende, tönt's von allen Seiten,
Ende, Blauer, unsere Leiden!
Doch der Blaue gähnt und spricht:
"Nacht für euch, für mich nur Licht."

Elend, Schmach und jede Plage
Sind die Losung unsrer Tage,
Und der blaue Hund, er bellt,
Bis sich Pest zu Pest gesellt.

Himmel, sende deine Blitze
Von Jehovens Donnersitze,
Und umgürt Europens Raum
Mit Gomorrhens Flammensaum.

Und sollt auch in neuen Welten
Dieses blaue Fieber gelten,
Dann zerschmettre Gott Diktator
Den verfluchten Welt-Äquator,
Und ersäuf den Erdenkreis
In des Blauen Todesschweiß.








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