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Salomon Geßner: Daphnis - Kapitel 1
Quellenangabe
typefiction
booktitleSchriften II. Theil
authorSalomon Geßner
firstpub1754
year1976
noteFaksimile-Druck der Ausgabe von 1762
publisherGeorg Olms Verlag
addressHildesheim - New York
isbn3-487-06005-1
titleDaphnis
pages3-157
created20060223
sendergerd.bouillon
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Salomon Geßner

Daphnis

Zürich bei Orell, Geßner, u. Comp. 1762

Me juvat in Gremio doctæ legisse puellæ
    Auribus & puris Scripta probasse mea.
Hæc ubi contigerint, Populi confusa valeto
    Fabula, nam Dominâ Judice tutus ero.
Propert. Lib. II.

Mein Herr!

WIe, Sie kœnnen izt in der Stadt bleiben, izt da der Fryhling kommt? Wollen Sie nicht sehen, wie die Bæume blyhen, und wie die Wiesen sich schmyken? Kommen Sie doch zu uns auf das Land; Sie werden den Fryhling sehen, und mich. Wenn Sie nun nicht kommen, so werd ich recht bœse auf Sie; ich bin es so schon halb. Die Frau N. hat mir gesagt, Sie haben einen Daphnis geschrieben; und ich, mein Geheimniß-reicher Herr! ich muß davon nichts wissen. Sie haben doch gesehen, daß mir Ihr leztes Lied recht sehr wol gefallen hat; ich sing es immer. Verzweifelt! (sagt die Frau von * * *) Sie singen doch immer das gleiche, wie die Amsel des Herrn B. Lezthin sang ichs beym Mond-Schein in der Wiese, und war recht froh dabey. Da hub die Nachtigall an, und da mußt ich doch schweigen, so gern ich mich selbst singen hœre. Kommen Sie den kynftigen Donnerstag gewiß, ich will Sie auf den Abend in der Laube erwarten; aber bringen Sie den Daphnis mit, oder ich bin mein Lebtag nicht mehr

Ihre Freundin.

 

Mademoiselle!

WEr kœnnte Ihnen auf solche Drohungen nicht gehorchen? Hier haben Sie den Daphnis, und zwar gedrukt; und die Beantwortung Ihres Briefs ist so gar eine Zueignungs-Schrift. Wem hætte ich ihn anders zueignen kœnnen, als Ihnen? da mir an Ihrem Beyfall das meiste gelegen ist, und ich (ich muß es nur sagen) Ihnen allein zu danken habe, wenn Sie die Liebe nach der Natur geschildert finden. Ja wann ich an die Phillis dachte, dann dacht ich an Sie, und ich war dann Daphnis, ein glyklicher Einfall fyr mich, den kleinen Roman zu schreiben; es war immer ein angenehmer Traum, der mir Ihre Abwesenheit zuweilen ertræglich machte. Welch ein angenehmes Entzyken, mich so wachend mit Ihnen in Træume zu verlieren!

Aber die Frau N. muß doch geschwazt haben. Ich hab sie recht sehr ersucht, ihnen nichts zu sagen. Ich hætte nicht længer ein Geheimniß daraus gemacht; ich hætt' es ihnen gelesen, und nicht gesagt, daß ich Verfasser bin, bis ich ihr freyes Urtheil gewußt hætte; und so hætte ich dann das Urtheil aller Kenner gewußt.

Uebermorgen, welch Entzyken! ybermorgen werd ich bey Ihnen in der Laube seyn, und Sie und den Fryhling sehen. Aber vergessen Sie ja nicht, daß eine Zueignungs-Schrift wenigstens hundert Kysse werth ist. Leben Sie wol! Ich bin – – –

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