Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Georg Büchner >

Dantons Tod

Georg Büchner: Dantons Tod - Kapitel 31
Quellenangabe
typedrama
booktitleDantons Tod
authorGeorg Büchner
year1995
publisherPhillip Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-006060-5
titleDantons Tod
pages1-3
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1835
Schließen

Navigation:

Siebente Szene

Der Revolutionsplatz

Die Wagen kommen angefahren und halten vor der Guillotine. Männer und Weiber singen und tanzen die Carmagnole. Die Gefangenen stimmen die Marseillaise an.

Ein Weib (mit Kindern). Platz! Platz! Die Kinder schreien, sie haben Hunger. Ich muß sie zusehen machen, daß sie still sind. Platz!

Ein Weib. He, Danton, du kannst jetzt mit den Würmern Unzucht treiben.

Eine andere. Hérault, aus deinen hübschen Haaren laß ich mir eine Perücke machen.

Hérault. Ich habe nicht Waldung genug für einen so abgeholzten Venusberg.

Camille. Verfluchte Hexen! Ihr werdet noch schreien: »Ihr Berge, fallet auf uns!«

Ein Weib. Der Berg ist auf euch, oder ihr seid ihn vielmehr hinuntergefallen.

Danton (zu Camille). Ruhig, mein Junge! Du hast dich heiser geschrien.

Camille (gibt dem Fuhrmann Geld). Da, alter Charon, dein Karren ist ein guter Präsentierteller! – Meine Herren, ich will mich zuerst servieren. Das ist ein klassisches Gastmahl; wir liegen auf unsern Plätzen und verschütten etwas Blut als Libation. Adieu, Danton! (Er besteigt das Blutgerüst, die Gefangnen folgen ihm, einer nach dem andern. Danton steigt zuletzt hinauf.)

Lacroix (zu dem Volk). Ihr tötet uns an dem Tage, wo ihr den Verstand verloren habt; ihr werdet sie an dem töten, wo ihr ihn wiederbekommt.

Einige Stimmen. Das war schon einmal da; wie langweilig!

Lacroix. Die Tyrannen werden über unsern Gräbern den Hals brechen.

Hérault (zu Danton). Er hält seine Leiche für ein Mistbeet der Freiheit.

Philippeau (auf dem Schafott). Ich vergebe euch; ich wünsche, eure Todesstunde sei nicht bittrer als die meinige.

Hérault. Dacht' ich's doch! er muß sich noch einmal in den Busen greifen und den Leuten da unten zeigen, daß er reine Wäsche hat.

Fabre. Lebe wohl, Danton! Ich sterbe doppelt.

Danton. Adieu, mein Freund! Die Guillotine ist der beste Arzt.

Hérault (will Danton umarmen). Ach, Danton, ich bringe nicht einmal einen Spaß mehr heraus. Da ist's Zeit. (Ein Henker stößt ihn zurück.)

Danton (zum Henker). Willst du grausamer sein als der Tod? Kannst du verhindern, daß unsere Köpfe sich auf dem Boden des Korbes küssen?

 << Kapitel 30  Kapitel 32 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.