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Dantons Tod

Georg Büchner: Dantons Tod - Kapitel 28
Quellenangabe
typedrama
booktitleDantons Tod
authorGeorg Büchner
year1995
publisherPhillip Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-006060-5
titleDantons Tod
pages1-3
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1835
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Vierte Szene

Platz vor der Conciergerie

Ein Schließer. Zwei Fuhrleute mit Karren. Weiber.

Schließer. Wer hat euch herfahren geheißen?

Erster Fuhrmann. Ich heiße nicht Herfahren, das ist ein kurioser Namen.

Schließer. Dummkopf, wer hat dir die Bestallung dazu gegeben?

Erster Fuhrmann. Ich habe keine Stallung dazu kriegt, nichts als zehn Sous für den Kopf.

Zweiter Fuhrmann. Der Schuft will mich ums Brot bringen.

Erster Fuhrmann. Was nennst du dein Brot? (Auf die Fenster der Gefangnen deutend:) Das ist Wurmfraß.

Zweiter Fuhrmann. Meine Kinder sind auch Würmer, und die wollen auch ihr Teil davon. Oh, es geht schlecht mit unsrem Metier, und doch sind wir die besten Fuhrleute.

Erster Fuhrmann. Wie das?

Zweiter Fuhrmann. Wer ist der beste Fuhrmann?

Erster Fuhrmann. Der am weitesten und am schnellsten fährt.

Zweiter Fuhrmann. Nun, Esel, wer fährt weiter, als der aus der Welt fährt, und wer fährt schneller, als der 's in einer Viertelstunde tut? Genau gemessen ist's eine Viertelstunde von da bis zum Revolutionsplatz.

Schließer. Rasch, ihr Schlingel! Näher ans Tor; Platz da, ihr Mädel!

Erster Fuhrmann. Halt't Euren Platz vor! Um ein Mädel fährt man nit herum, immer in die Mitt' 'nein.

Zweiter Fuhrmann. Ja, das glaub ich: du kannst mit Karren und Gäulen hinein, du findst gute Gleise; aber du mußt Quarantäne halten, wenn du herauskommst. (Sie fahren vor.)

Zweiter Fuhrmann. (zu den Weibern). Was gafft ihr?

Ein Weib. Wir warten auf alte Kunden.

Zweiter Fuhrmann. Meint ihr, mein Karren wär' ein Bordell? Er ist ein anständiger Karren, er hat den König und alle vornehmen Herren aus Paris zur Tafel gefahren.

Lucile (tritt auf. Sie setzt sich auf einen Stein unter die Fenster der Gefangnen). Camille, Camille! (Camille erscheint am Fenster.) Höre, Camille, du machst mich lachen mit dem langen Steinrock und der eisernen Maske vor dem Gesicht; kannst du dich nicht bücken? Wo sind deine Arme? – Ich will dich locken, lieber Vogel. (Singt:)
 
        Es stehn zwei Sternlein an dem Himmel,
        Scheinen heller als der Mond,
        Der ein' scheint vor Feinsliebchens Fenster,
        Der andre vor die Kammertür.

Komm, komm, mein Freund! Leise die Truppe herauf, sie schlafen alle. Der Mond hilft mir schon lange warten. Aber du kannst ja nicht zum Tor herein, das ist eine unleidliche Tracht. Das ist zu arg für den Spaß, mach ein Ende! Du rührst dich auch gar nicht, warum sprichst du nicht? Du machst mir Angst.

Höre! die Leute sagen, du müßtest sterben, und machen dazu so ernsthafte Gesichter. Sterben! ich muß lachen über die Gesichter. Sterben! Was ist das für ein Wort? Sag mir's, Camille. Sterben! Ich will nachdenken. Da, da ist's. Ich will ihm nachlaufen; komm, süßer Freund, hilf mir fangen, komm! komm! (Sie läuft weg.)

Camille (ruft). Lucile! Lucile!

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