Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
William Shakespeare: Coriolanus - Kapitel 25
Quellenangabe
typetragedy
booktitleJulius Cäsar ? Antonius und Cleopatra ? Coriolanus
authorWilliam Shakespeare
translatorDorothea Tieck
year1979
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn3-257-20633-X
titleCoriolanus
pages201-203
sendergerd.bouillon@t-online.de
Schließen

Navigation:

Fünfter Aufzug

Erste Szene

Rom, ein öffentlicher Platz

Es treten auf Menenius, Cominius, Sicinius, Brutus und andere

Menenius.
Nein, ich geh nicht. – Ihr hört, was dem er sagte,
Der einst sein Feldherr war; der ihn geliebt
Aufs allerzärtlichste. Mich nannt er Vater;
Doch was tut das? – Geht ihr, die ihn verbannt,
'ne Meile schon vor seinem Zelt fallt nieder
Und schleicht so kniend in seine Gnade. – Nein:
Wollt er nichts von Cominius hören, bleib ich
Zu Haus.

Cominius.
Er tat, als kennte er mich nicht.

Menenius.
Hört ihr's?

Cominius.
Doch einmal nannt er mich bei meinem Namen:
Die alte Freundschaft macht ich geltend, Blut,
Gemeinsam sonst vergossen. Coriolan
Wollt er nicht sein, verbat sich jeden Namen:
Er sei ein Nichts, ein ungenanntes Wesen,
Bis er sich einen Namen neu geschmiedet
Im Brande Roms.

Menenius.
Ah! so. Ihr machtet's gut.
Ein Paar Tribunen, die für Rom sich quälten,
Wohfeil zu machen Kohlen. – Edler Ruhm!

Cominius.
Ich mahnt ihn, wie so königlich Verzeihung,
Je minder sie erwartet sei. Er sprach,
Das sei vom Staat ein kahles Wort an ihn,
Den selbst der Staat bestraft.

Menenius.
Das war ganz recht.
Was konnt er anders sagen?

Cominius.
Ich suchte dann sein Mitleid zu erwecken
Für die besondern Freund'. Er gab zur Antwort:
Nicht lesen könn er sie aus einem Haufen
Verdorbner, schlechter Spreu, auch sei es Torheit,
Um ein zwei arme Körner stinken lassen
Den Unrat unverbrannt.

Menenius.
Um ein paar Körner?
Davon bin ich eins, seine Frau und Mutter,
Sein Kind, der wackre Freund, wir sind die Körner:
Ihr seid die dumpfe Spreu, und eur Gestank
Dringt bis zum Mond; wir müssen für euch brennen.

Sicinius.
Seid milde doch, wenn ihr zu helfen weigert
In so ratloser Zeit. Verhöhnt uns mindestens
Mit unserm Elend nicht; denn sprächet Ihr
Für Euer Vaterland, Eur gutes Wort,
Mehr als ein eilig aufgerafftes Heer,
Hemmt' unsern Landsmann.

Menenius.
Nein ich bleib davon.

Sicinius.
Ich bitt Euch, geht zu ihm.

Menenius.
Was soll es nutzen?

Brutus.
Versuchen nur, was Eure Liebe kann
Für Rom bei Marcius.

Menenius.
Und gesetzt, daß Marcius
Zurück mich schickt, wie er Cominius tat,
Ganz ungehört. – Die Folge?
Noch ein gekränkter Freund, von Gram durchbohrt
Durch seine Härte. Nun?

Sicinius.
Euern Willen
Erkennt Rom dankbar nach dem Maß, wie Ihr
Die gute Meinung zeigt.

Menenius.
Ich will's versuchen –
Kann sein, er hört mich; doch, die Lippe beißen
Und grollen mit Cominius schwächt mein Herz.
Man traf die Stunde nicht, vor Tische war's.
Und sind die Adern leer, ist kalt das Blut,
Dann schmollen wir dem Morgen, sind unwillig
Zu geben und vergeben; doch gefüllt
Die Röhren und Kanäle unsers Bluts
Mit Wein und Nahrung, macht die Seele schmeidger
Als priesterliches Fasten. – Drum erpaß ich,
Bis er für mein Gesuch in Tafellaune,
Und dann mach ich mich an ihn.

Brutus.
Ihr kennt den wahren Pfad zu seiner Güte
Und könnt des Wegs nicht fehlen.

Menenius.
Gut, ich prüf ihn.
Geh's, wie es will, bald werd ich selber wissen,
Ob's mir gelang. (Geht ab.)

Cominius.
Er hört ihn nimmer.

Sicinius.
Nicht?

Cominius.
Glaubt mir, er sitzt in Gold, sein Blick so feurig,
Als wollt er Rom verbrennen; und sein Zorn
Ist Kerkermeister seiner Gnad. – Ich kniete,
Nur leise sprach er: «Auf!» – entließ mich – so –
Mit seiner stummen Hand. Was er tun würde,
Schickt' er mir schriftlich nach; was er nicht würde,
Zwäng ihn ein Eid, sich selbst nicht nachzugeben.
So daß uns keine Hoffnung bleibt –
Wenn's seine edle Mutter nicht und Gattin –
Die, hör ich, sind gewillt, ihn anzuflehn
Um Gnade für die Stadt; drum gehn wir hin,
Daß unser bestes Wort sie noch mehr treibe.

(Gehn ab.)

 << Kapitel 24  Kapitel 26 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.