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William Shakespeare: Coriolanus - Kapitel 19
Quellenangabe
typetragedy
booktitleJulius Cäsar ? Antonius und Cleopatra ? Coriolanus
authorWilliam Shakespeare
translatorDorothea Tieck
year1979
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn3-257-20633-X
titleCoriolanus
pages201-203
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Fünfte Szene

Sicinius, Brutus und ein Ädil treten auf.

Sicinius.
Schickt sie nach Hause, er ist fort. Nicht weiter.
Der Adel ist gekränkt, der, wie wir sahen,
Für ihn Partei ergriff.

Brutus.
Da unsre Macht
Wir nun gezeigt, laßt uns demütger scheinen,
Nun es geschehn, als da's im Werden.

Sicinius.
Schickt sie heim.
Sagt ihnen, fort sei nun ihr großer Feind
Und neu befestigt ihre Macht.

Brutus.
Entlaßt sie.
Hier kommt die Mutter.

Volumnia, Virgilia und Menenius treten auf.

Sicinius.
Laßt uns fort!

Brutus.
Weshalb?

Sicinius.
Man sagt, sie sei verrückt.

Brutus.
Sie sah uns schon.
Weicht ihr nicht aus.

Volumnia.
Ha, wohlgetroffen!
Der Götter aufgehäufte Strafen lohnen
Euch eure Liebe.

Menenius.
Still, seid nicht so laut.

Volumnia.
Könnt ich vor Tränen nur, ihr solltet hören –
Doch sollt ihr etwas hören. Wollt Ihr gehn?

Virgilia.
Auch Ihr sollt bleiben. Hätt ich doch die Macht,
Das meinem Mann zu sagen.

Sicinius.
Seid Ihr männisch?

Volumnia.
Ja, Narr. Ist das 'ne Schande? Seht den Narren!
War nicht ein Mann ihr Vater? Warst du fuchsisch,
Zu bannen ihn, der Wunden schlug für Rom,
Mehr als du Worte sprachst?

Sicinius.
O gütger Himmel!

Volumnia.
Mehr edle Wunden als du kluge Worte,
Und zu Roms Heil. Eins sag ich dir – doch geh.
Nein, bleiben sollst du! Wäre nur mein Sohn,
Sein gutes Schwert in Händen, in Arabien,
Und dort vor ihm dein Stamm.

Sicinius.
Was dann?

Virgilia.
Was dann?
Er würde dort dein ganz Geschlecht vertilgen.

Volumnia.
Bastard' und alles.
O Wackrer! du trägst Wunden viel für Rom.

Menenius.
Kommt, kommt! seid ruhig.

Sicinius.
Ich wollt, er wär dem Vaterland geblieben,
Was er ihm war, statt selbst den edlen Knoten
Zu lösen, den er schlang.

Brutus.
So wünscht ich auch.

Volumnia.
«So wünscht ich auch»? Ihr hetztet auf den Pöbel,
Katzen, die seinen Wert begreifen können
Wie die Mysterien ich, die nicht der Himmel
Der Erd enthüllen will.

Brutus.
Kommt, laßt uns gehn.

Volumnia.
Nun ja, ich bitt euch! geht!
Ihr tatet wackre Tat. – Hört dies noch erst:
So weit das Kapitol hoch überragt
Das kleinste Haus in Rom, so weit mein Sohn,
Der Gatte dieser Frau, hier dieser, seht ihr?
Den ihr verbanntet, überragt euch alle.

Brutus.
Genug. Wir gehn.

Sicinius.
Was bleiben wir, gehetzt
Von einer, der die Sinne fehlen?

Volumnia.
Nehmt
Noch mein Gebet mit euch.
(Die Tribunen gehn ab.)
O! hätten doch die Götter nichts zu tun,
Als meine Flüch erfüllen. Träf ich sie
Nur einmal tags, erleichtern würd's mein Herz
Von schwerer Last.

Menenius.
Ihr gabt es ihnen derb,
Und habt auch Grund. Speist Ihr mit mir zu Nacht?

Volumnia.
Zorn ist mein Nachtmahl; so mich selbst verzehrend,
Verschmacht ich an der Nahrung. Laßt uns gehn.
Laßt dieses schwache Wimmern, klagt wie ich,
Der Juno gleich im Zorn. – Kommt, kommt!

Menenius.
Pfui, pfui!

(Sie gehn ab.)

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