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Conrad Ferdinand Meyer: Gedichte

Conrad Ferdinand Meyer: Conrad Ferdinand Meyer: Gedichte - Das bittere Trünklein
Quellenangabe
typepoem
authorC. F. Meyer
titleDas bittere Trünklein
senderh.guhl@klik.ch
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Das bittere Trünklein

Ein betrogen Mägdlein irrt im Walde,
Flieht den harten Tag und sucht das Dunkel,
Wirft auf eine Felsenbank sich nieder
Und beginnt zu weinen unersättlich.

In den wettermürben Stein des Felsens
Ist gegraben eine kleine Schale –
Da das Mägdlein sich erhebt zu wandern,
Bleibt die Schale voller bittrer Zähren.

Abends kommt ein Vöglein hergeflattert,
Aus gewohntem Becherlein zu trinken,
Wo sich ihm das Himmelswasser sammelt
Schluckt und schüttelt sich und fliegt von hinnen.

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