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Clemens Brentanos Frühlingskranz

Bettina von Arnim: Clemens Brentanos Frühlingskranz - Kapitel 79
Quellenangabe
typefiction
booktitleClemens Brentanos Frühlingskranz
authorBettina von Arnim
year1985
publisherInsel Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-458-14247-9
titleClemens Brentanos Frühlingskranz
pages3-7
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1844
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Liebe Bettine!

Deinen unendlich liebevollen, seelenvollen Brief habe ich heute morgen im Bette erhalten, er hat mich aufgeweckt, und ich habe ihn gebetet. Sei zufrieden, mein Kind, es hat sich alles so gewendet, wie Du es wünschtest, Sophie wird mein Weib nicht, aber meine liebe, sehr liebe Freundin. Sie selbst hat freiwillig nach reifer Überlegung dieser Verbindung entsagt, aber sie kann nicht leben ohne mich, und sie ist entschlossen, nach Marburg zu ziehen, um meiner und Savignys Gesellschaft zu genießen. Ich habe ihr heute morgen sogleich Deinen Brief geschickt, und die beiliegenden Zeilen schickte sie mir mit zurück, Du glaubst nicht, wie sie Dich und mich liebt und wie wir auf Erden ihr Alles sein werden. Liebe kann ich nicht für sie empfinden, aber ein Vertrauen, eine Neigung, die nahe an Liebe grenzt. – Der Dichter Tieck war vor kurzem hier, er hat mich so liebgewonnen, daß wir Tag und Nacht beisammen waren; ach er ist ein recht vortrefflicher Mann, er hat mir seinen Dornenstock, den ihm Hardenberg (Novalis) geschnitten, geschenkt, und ich gab ihm dafür die kleine Vorstecknadel von Dir, ich habe ihm viel von Dir erzählt, er liebt Dich herzlich, und ich habe ihm versprochen, Dich um ein Kleidchen für sein vierjähriges Kind zu bitten, der Gedanke machte ihm unsägliche Freude. Sein ganzes Wesen hat eine große Gewalt über alle Menschen, wie auch Arnims Wesen eine solche Macht übt. Die beiden lieben sich wechselseitig von Herzen. Du glaubst nicht, wie mich die Liebe dieses Mannes gestärkt und aufrichtig gemacht hat. – Meine Büste wird in wenigen Tagen fertig, und dann reise ich ohngefähr von heut in zehn Tagen nach Marburg und von da nach Schlangenbad zu Dir, um Dir vieles zu erzählen; daß ich nach Schlangenbad komme, ja von allem rede kein Wort. Freust Du Dich dann nicht auf die Büste? – Überlege es recht, welches Opfer Sophie gebracht hat für Dich, für mich, ach ihre Güte ist unbeschreiblich groß, ich schwöre Dir, sie wird Dir eine teuerste Freundin werden. Lebe wohl, sei gesund, pudle Dich hübsch, bald bin ich bei Dir. Aber um Gottes willen schreibe noch einmal hierher, gleich von Schlangenbad. Schicke den Brief an die Mereau.

Clemens.

Freitag, den 4. August.

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