Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Bettina von Arnim >

Clemens Brentanos Frühlingskranz

Bettina von Arnim: Clemens Brentanos Frühlingskranz - Kapitel 49
Quellenangabe
typefiction
booktitleClemens Brentanos Frühlingskranz
authorBettina von Arnim
year1985
publisherInsel Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-458-14247-9
titleClemens Brentanos Frühlingskranz
pages3-7
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1844
Schließen

Navigation:

Lieber Clemens.

Ich will gleich anfangen mit dem, was mich zuletzt frappiert in Deinem Brief! – Ich hab Angst, die Musik wird schlecht zu Deiner Oper. – Warum? – weil Du eine so enorme Freude daran hast! – Ich kenne Dich ja! – Du läßt Dich gar zu leicht begeistern. Einem Kapellmeister gegenüber, wenn er seine Musik vorträgt, ist nicht zu spaßen mit fünf Sinnen, sie gehen in die Brüche! Er betrachtet Dich als einen guten Kerl, den er mit Herablassung Straßen führt, welche Dir unbekannt sind, Du kannst da gar keine Autorität haben, Du mußt Dich führen lassen! Die Effekte, die Du nur in Gedanken hörst und Dir natürlich ganz übernatürlich vorstellst bei vollem Orchester, machen Dich in Dankbarkeit hinschmelzen vor dem Kapellmeister, der, überrascht von dem Eindruck, den er Dir macht, eine ganz neue Bekanntschaft mit seinem Talent zu machen glaubt, er komponiert drauflos, weil er eine Quelle der Erfindung in sich entdeckt, auf die er früher nicht sich verlassen konnte! – Nun findet er, daß Du trotz Deinen Dichterlaunen ein sehr verständiger, urteilsfähiger junger Mensch bist, Du wirst gelobt als höchst liebenswürdig, die Sängerinnen werden begeistert, sie strengen sich an, wetteifern! Fräulein Petersilie soll die Hauptrolle haben, sie verleugnet den Peter zu Haus und kommt bloß als Silie. Der Name Silie bewegt Dein Dichtergenie zu Explosionen von Begeistrung. – Kurz, es wird ein Wonnemonat, wie noch kein schönerer war, wo Dichtkunst und Tonkunst sich vermählen! –

Hoffmann hat hier ein Duett gemacht, wozu Du mir den Text schon früher gabst: »Hör, es klagt die Flöte wieder, und die kühlen Brunnen rauschen.« – Ja, wenn Dein Komponist so arbeitete wie er! – Dazu muß man aber in eine Einsiedelei verborgen, Blumen und Gras umher, im Schlaf versunken, nach der Ferne lauschen, wo die rauschende Welt endlich auch betäubt ruht. –- So ist aber der gute Hoffmann, sein kränklicher gebrechlicher Körper sondert ihn ab von den Schwelgereien der Musiker, von ihren Weltverhältnissen und Liebeleien! – Durch den Hoffmann hab ich manches begreifen lernen. Erst war ich als immer verwundert, wie doch ein Mensch so ein traurig Los tragen müsse, der seinen Leib doch nicht verlassen könne, der ihm Schmerzen macht; jetzt weiß ich's aber anders. Der Geist überwindet alles. Und wenn der Geist kämpft, so muß er doch stark dadurch werden. Der Geist kann nicht Wunden erliegen. Invulnerable, sagt Mirabeau. Es kann nur vielleicht ihm versagt sein, sich geltend zu machen! – Aber vielleicht ist der Leib die verschloßne Werkstätte, in der der Geist zur höchsten Stufe der Bildung gelangt; und wenn er erst durchgeläutert und geglüht als vollendetes Kunstwerk seiner selbst, zugleich mit dem Lebenskeim zu einer höheren, gewaltigeren Bildung versehen, neue Welten durchdringt – was ist's da, daß in dieser Welt die Krankheit wie ein böser Traum ihn anflog. – Guter Hoffmann! – Ich höre sein Klavier bei offnen Fenstern in die Mondnacht rauschen! Er denkt gewiß, ich lieg im Bett und hör ihm zu! –

Gute Nacht, morgen schreib ich weiter, weil Du einen so langen historischen Brief verlangst. –

Den wollt ich Dir wohl schreiben, den schönen langen historischen Brief, wenn nur was vorgehen wollte! – Ich hab zwar gar keine Neigung, daß etwas vorgehen soll, aber doch wie letzt in der Blaufärberei am Kanal Feuer ausbrach, machte mir das ein unendliches Vergnügen; damit stimmte das Volk mit seinem Schauspielertalent überein. – Eine Verzweiflungs- und Jammergeschrei-Komödie, gewürzt mit den ausgelassensten Scherzen; das ganze war unwiderstehlich, ich bedauerte, daß es nicht schicklich war mitzuspielen, sondern nur zuzuhören. – Gegenüber vom Feuerbrunsttheater, im freien Feld, steht das große Haus, worin Bernards blasende Instrumentisten alle wohnen, die manchmal sich das Pläsier machen, aus allen Fenstern heraus nach den vier Weltgegenden hin ihre Passagen zu exerzieren, diese waren durch die ausschlagenden Flammen in Begeistrung versetzt – sie bliesen Tusch, wenn ein Stück Dach einfiel oder Mauer! – Was einem doch gleich Lebensübermut durchströmt, wenn die Menschheit nicht so ängstlich am Besitztum klebt! – Wenn man hört Mitleidsquellen rieslen, über das einzige bißchen Habe, was den Armen nun verloren ist. – Das macht so malade, es steht einem der Verstand still, da doch gewiß jeder genug hätte, wenn jeder wüßte, was er mit dem seinen anfangen soll. – Der Blaufärber hatte die großmütigste Gleichgültigkeit bei diesem Veraschen seiner Einbläuung, und es kamen die närrischsten Witze vor bei der Judenspritze, bei welcher der Blaufärber selber stand und sie fortwährend dirigierte gegen die zwei uralte Linden in seinem Hof, die sein Ururgroßvater, der auch Blaufärber war, gepflanzt hatte, unter denen der Färber seine Hochzeit gehalten. – »Wenn ihr mir die erhaltet«, sagte er zu den Juden, »so schenk ich euch zwanzig Taler.« – Nun wurden die Juden so feurig, lauter arme Lumpen! – Es gab ein Gezänk mit der Polizei, sie wollte auf die unnützen Linden kein Wasser verwendet haben, die Juden schrieen mörderlich, als man ihnen den Schlauch entriß, nach dem Blaufärber; der kam herbei und mußte ihn wieder erobern. »Was solle die alte Bääm«, sagte der Herr Bolezei! – »Wie, Herr Polizei! – Sie schmähen die alten Linden, das Wahrzeichen von Offenbach?« – »Ei do könnt ganz Offebach abbrenne und die Wahrzeiche bliebe alleen stehe. Die könnten doch das Maul nicht uftun und erzähle, daß Offebach da gestane hat.« –

Die Linden wurden übrigens gerettet, denn die Juden ließen sich nicht zu nah kommen! – Die Hornisten, Hautboisten, Klarinettisten und Fagottisten schmetterten ihre Passagen dazwischen, wie freie Göttersöhne in des Mondes blauem Licht, der über ihrer Wohnung thronte und nichts von seinem Glanz verlor durch die gegenüber aufqualmende Feuersäule, die sich oft vom Rauch nieder mußte drücken lassen! – Der Mond hat Charakter, die Gestirne haben Charakter, der Himmel, der sie trägt, wie ein Baum die Äpfel, der ist der Charakterbaum. – Die Menschenseele ist ein kleiner fliegender Samenstaub, der einen guten Boden sucht, um auch Charakter zu werden. Das Werden! – das große Werden – »ist und soll sein der einzige Genuß«, sagt die Günderode, »der wird aber nicht, der nicht göttlich wird«, sagt die Günderode auch noch. – Für heut hab ich genug geschrieben; nun wünsch ich, daß morgen wieder was vorfallen möge, einzig um meinen historischen Brief fortsetzen zu können. –

Heut ist aber doch nichts vorgefallen, sosehr ich auch getrieben habe und dem Fenster hinausgeguckt, ob nichts kommen wollte. – Vom Feuer war viel die Rede, man besuchte die Großmama, um ihr zu gratulieren, daß ihr der Schreck nichts geschadet habe; sie wurde am End ärgerlich, wie einer nach dem andern kam, die Fürstin von Ysenburg war zuerst bei ihr gewesen, da war es gleich Mode geworden. – Es ist schlimm, daß die Großmama sich nicht gut verleugnen kann, weil sie nie aus Garten und Haus kommt! – Diese Häuslichkeit hat einen eignen poetischen Schimmer, alles in der höchsten Reinlichkeit und Heimlichkeit erhalten – zu jeder Stunde, zu jeder Jahreszeit ist nichts vernachlässigt, selbst das aufgeschichtete Brennholz am Gartenspalier ist unter ihrer Aufsicht der Schönheitslehre. – Wenn es im Winter muß verbraucht werden, so läßt sie es immer so abnehmen, daß die Schneedecke so weit wie möglich unverletzt bleibt, bis Tauwetter einfällt, wo sie's abkehren läßt. Im Herbst hat sie ihre Freude dran, wie die roten Blätter der wilden Rebe es mit Purpur zudecken. – Im Frühling regnen die hohen Akazien ihre Blütenblättchen drauf herab, und die Großmutter freut sich sehr daran! – Ach was willst Du? – Es gibt doch keine edlere Frau wie die Großmutter! – Wer den wunderschönen Blitz ihres Auges verkennt, wenn sie manchmal sinnend mitten im Garten steht und späht nach allen Seiten, und geht dann plötzlich hin, um einem Zweig mehr Freiheit zu geben, um eine Ranke zu stützen! – und dann so befriedigt in der Dämmerung den Garten verläßt, als habe sie mit der Überzeugung alles gesegnet, daß es fruchten werde. –

Nein, heute ist nichts weiter vorgefallen, was ich historisch nennen könnte, der Tag ist total vorbei! – und nichts, was nur den Hund hätte zum Bellen gebracht. – Nur eine kleine elegische Szene. Die Großmama hat manchmal einen Verdruß an so einem Federvieh; wenn es in ihre Hausordnung sich nicht fügt, so muß es geschlachtet werden, diesmal traf das traurige Los der Hinrichtung ein impertinentes Huhn, was immer mit großer Geschwindigkeit die Weizenkörner, welche sie für alle streut als Dessert zum Haber, für sich allein erschnappte. Dies Huhn war von Meline in Affektion genommen, gleich als es auskroch, heißt Männewei, von Mannweibchen, weil es lang unentschieden blieb, ob das Tier ein Hahn oder Huhn sei, da es einen so roten stolzen doppelten Kamm und einen schönen roten Bart hat, kurz, ich komme grade an der Küche vorbei, wie die taube Agnes auf dem Schemel sitzt, das Huhn zwischen den Knien, das Messer wetzt. – Ich springe hinzu, ziehe den Schemel unter ihr weg, sie fällt auf die Nase, das Huhn unter dem Messer weg flattert mit großem Geschrei durchs Küchenfenster; es war die Zeit, wo die andern Hühner schon alle im Hühnerstall mit ihrem Hahn der goldnen Ruhe genießen, kaum hörten sie aber das Notgeschrei der Henne, als alle loslegten mit Gackern! Ich war voll Schreck über meine Kühnheit, die Hinrichtung zu verhindern. Ich jagte das Huhn durch den Garten, ganz am End der Pappelwand fing ich's erst ein, wo sollte ich mit hin, brachte ich's zurück, so wurde es dennoch abgetan, aber mir schauderte, eine Suppe von diesem Huhn zu essen. – Ich marschierte zum Gärtner im Boskett. – Der nimmt es unter seine Obhut, bis bessere Zeiten kommen. – Wie kann man auch Tiere, die täglich unter uns herumlaufen, uns trauen, einem nicht aus dem Weg gehen, plötzlich, was sie gar nicht gewärtig sind, über sie herfallen und fressen. Die taube Agnes ist sehr erschrocken, daß der Poltergeist die Schawell unter ihr weggezogen hat, sie erzählt noch mehrere Fälle von diesem Spukeding; – einmal war es mit ihrer Haube ausgerissen – sie war aber am Fensterriegel hängengeblieben. – Diesmal mit der Henne, keiner glaubt ihr das, aber jeder wundert sich, daß es verschwunden ist und nicht wieder erscheint. – Und endlich, meint die Agnes, werden wir's doch einsehen, daß es spukt. Die alte Kordel setzte sich mit dem Rädchen herbei, die Agnes erzählte lauter Geschichten von Küchenteufel, eine ganz aparte Klasse; wollt ich auch jetzt sagen, daß ich das Huhn weggeschleppt habe, keiner würde es glauben. – Abends beim Sternenschimmer, wo ich den Kopf weit aus unserm Mansardfenster streckte, um recht viele Sterne zu Zeugen meines feierlichen Schwures aufzurufen, tat ich das Gelübde, alles dranzuwagen, wenn ich einen Menschen in Gefahr sehe und wenn auch selbst das Messer schon über seinem Haupte schwebt. – Ein rascher Entschluß vermag viel, aber Zagen ist das Verderben aller Großtaten! Hätt ich nur einen Augenblick mich besonnen, so lebte jetzt kein Männewei mehr! – Und mit so einem Tier ist's eine besondere Sache, man weiß nicht, ob es ein Jenseits hat, doch lebt es gern, doch hat es mehr mit der Natur zu schaffen wie wir, doch gehört ihm die Welt, jeden Augenblick es drauf verweilt, ja es ist der Mühe wert, ein Leben zu retten, sei es, welches es wolle. Ach die Schwäne fallen mir hier ein, die ihr schneeweiß Gefieder im eignen Blute mußten baden, die Helden der Gironde! –

Schon wieder ist der Abend angerückt, lieber Clemens! – Heute sind keine Ereignisse vorgefallen, nur Nachrichten eingelaufen, die aber vielversprechend sind. – Savigny ist auf dem Trages und erwartet uns zum Diner den Sonntag, wir werden also morgen in die Stadt gehen; diese Nachricht brachte Doktor Ebel als Auftrag von Leonhardi, der uns einen Platz in seinem Wagen anbot. – Ebel ist ein naturforschender Mistfinke, aber die Großmama geht ganz darüber hinweg, daß er immer ein schmutziges Hemd anhat und schwarze Nägel, und tat folgenden merkwürdigen Ausspruch: »Mein Kind! – die Reinlichkeit ist zwar die edelste Tugend und ist verschwistert mit der sittlichen Reinheit. Selbst ein lasterhafter Mensch erhebt sich aus seinem Sündenpfuhl, wenn er sich wäscht und ein reines Hemd anlegt, die Würde des Menschen fühlt sich dadurch neu belebt. – Aber – –« sagte sie und hielt ein, denn der Mistfinke, der einen Augenblick abwesend gewesen war, trat herein und brachte der Großmama allerlei Abfall von der Natur, den sie sollte in ihr Naturalienkabinett aufnehmen. Unter andern ein Stück Leinwand von Asbest, was unverbrennlich sei. – Moose, welche auf der höchsten Spitze der Spitzberge wachsen – purpurrot! – St. Pierre und Buffon wurde geholt, um über Schnecken und Muschelsamen, wovon Ebel eine ganze Bonbontüte voll mitgebracht hatte, zu befragen, sie blieben die Antwort schuldig! – Ebel erzählte also, daß dieser aus dem Grund des Schwarzen Meeres ihm von einem Freund zur Untersuchung mit vielen Mühen und Unkosten gesendeter Muschelsame die wunderbarsten Erscheinungen enthalte, mit einem Vergrößerungsglas betrachtet werde man die ausgebildetste Formen drinnen finden, die so klein seien, daß man sie für Sandkörnchen halte. – Die Großmama war begeistert für diese Merkwürdigkeitstreckelchen, aus denen die Welt zusammengebacken ist und die Ebel mit Lebensgefahr unter einer Taucherglocke von einem kühnen Taucher wollte erhalten haben, ein Paketchen draus gemacht und mit Noten versehen in ein Kästchen gepackt, worin noch andre Seltenheiten der Art liegen. – Das war nun, was er in der rechten Rocktasche mitgebracht hatte. Nun griff er in die linke Rocktasche. Das erste Päckchen enthielt ein Stück Spinnweb von der Riesenspinne – er konnte es ordentlich auseinanderfalten, ohne es zu zerreißen, es fiel dabei sehr viel Staub heraus; die Großmama hätte dies Chemisett der Arachne gewiß gern unter ihren tausend Wundern der Welt besessen, allein Ebel wickelte es sorgfältig wieder ein und steckte es in die Westentasche! – Ich glaub, er hat's irgend im Winkel auf dem Boden entdeckt und hat ihm die Reise aus Indien erspart! – Dafür entschädigte er sie mit einem Stück Brot von der Brotbaumfrucht in Otaiti. – Dies war eine große Galanterie, denn bekanntlich ist ihr Liebling unter allen ihren Werken dieser Roman, der auf Otaiti vorgeht; sie war also durch dies Brot so entzückt, daß ihr die Tränen herabrannen! – »O Kinder«, sagte sie,»wieviel Schönes harret noch eurer, wenn ihr euer Interesse an der Natur ausbildet, glaubt mir, nicht allein das, wozu die Natur etwas geschaffen zu haben scheint, hängt mit diesem Etwas zusammen und ist darauf angewiesen; nein, es führt alles eine Sprache mit dem Geist. Dieser aber ist wie ein Kind, die große Rednerin Natur spricht nur liebkosende Worte zu ihm, ja sie ahmt sein Lallen nach, nur um ihm sich verständlich zu machen; aber es muß einstens dahin kommen, daß sie die höchste Begeisterung zu ihm ausspreche und daß er ihr Antwort darauf geben könne.« »Ja«, sagt ich, »liebe Großmama. Wenn die Natur erst mit dem Menschen spricht wie Mirabeau zu der Nation, dann werden lauter Freiheitshelden geboren werden!« – Ebel! – kreuzigt sich immer vor mir, er ist mehr noch als Hase! – Jede Idee, die ich ausspreche, deucht ihm ein Pistolenschuß, das Geringste, was ich sage, hält er für eine Erbse, die ich ihm mit einem Blaserohr in die Perücke ziele; – es kommt ihm immer vor, als erschüttre ich das Weltall mit meinen Behauptungen. – Er lauscht manchmal, ob er's nicht krachen hört. – Er guckt nach dem Wetter und behauptet, die Wolken, die da herankommen, seien gewitterhaft von meiner elektrischen Natur zusammengezogen, und er mag durchaus nicht in meiner Nähe verweilen bei schwüler Luft, er fürchtet für sein geschätztes Dasein, das Gewitter könne in ihn einschlagen und seine Seele ungewaschen und ungekämmt vor den Richterstuhl Gottes bringen! – Der Herzog von Gotha war dabei, als er dies einmal sagte, und hatte seine Verwundrung über den gelehrten Naturforscher, er fragte ihn, ob er denn an ein letztes Gericht glaube, ob er an die Hölle glaube? – Da kam es heraus, daß er an noch mehr glaubt; nämlich an einen großen Aktenschrank, worin alle Lebensprozesse aller Menschen drinnen in höchster Ordnung aufgestapelt sind. Dieser Aktenschrank ist sehr leicht beweglich, auf einen Wink fliegt er auf und präsentiert grade die Akten, die zum Prozeß des Lebensverfloßnen die nötigen überweisenden sind, denn kein Mensch wird verurteilt, er werde denn von der Gerechtigkeit des Richterspruchs überzeugt – damit er sich die Höllenpein nicht durch den Trost erleichtere, er sei ungerecht verdammt –, denn Gott kann nicht ungerecht sein, setzt Ebel hinzu! O Hirngespinst, o Scheusal, o Gespenst, o Empusa, sagte der Herzog, und seitdem trägt Ebel den Namen Empusa! Er wird auch nicht mehr maskuliniert, sondern muß weiblich passieren, was ihn ärgert, mich aber auch.

Genug von der Empusa; als sie geflohen war, so wollte die Großmama das Wort für ihn nehmen! und meinte, es sei doch gut von ihm, diese Freude ihr zu machen. Ich holte Licht und bat die Großmama so sehr, sie möge doch die Asbestleinwand ins Licht halten. Aber ach, sie brannte ab. – Adieu Leinwand! – Adieu Ebel, Du bist kein charmanter Ebel mehr! –

 << Kapitel 48  Kapitel 50 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.