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Clemens Brentanos Frühlingskranz

Bettina von Arnim: Clemens Brentanos Frühlingskranz - Kapitel 40
Quellenangabe
typefiction
booktitleClemens Brentanos Frühlingskranz
authorBettina von Arnim
year1985
publisherInsel Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-458-14247-9
titleClemens Brentanos Frühlingskranz
pages3-7
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1844
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Liebe Bettine!

Ich gebe Dir in wenig Worten eine recht erfreuliche Antwort auf Deinen lieben, tollen, wunderlichen Brief, der wie alle Deine Briefe nicht zu beantworten ist. Denke Dir – in vierzehn Tagen seh ich Dich wieder! – Den 1. Juni bin ich in Frankfurt, und den 1. Juni ist mein lieber Freund Achim von Arnim in Frankfurt! Ritters großer Nebenmann in der Physik. – Die eigentliche große Freude, die mich hinzieht, ist, daß Du meinen lieben göttlichen Arnim kennenlernen wirst und ein freundliches Bild mehr in Dein Leben tritt. Es wäre schön, wenn Du um die Zeit in Frankfurt sein könntest, wo nicht! – wo nicht, so bringe ich ihn nach Offenbach! Gott gebe dann besser Wetter als nun, damit Dein Kabinett, der Garten, brauchbar ist, uns drei miteinander zu erfreuen. Versteht sich, daß Du niemand vom Inhalt dieses Briefes erzählst.

Ich schreibe Dir hier einige Lieder der Minnesänger aus dem Altschwäbischen her, die ich, soviel es der Reim erlaubt, übersetzt habe. Es gibt wohl kein Gedicht mit soviel Klang als das erste, es ist vom Herrn Ulrich von Liechtenstein an seine Geliebte, und nun an Dich von mir, an die alles von mir ist.

Wohl mir der Sinne,
Die je mir gegeben die Lehre,
Daß ich sie minne
Von Herzen je länger je mehre,
Daß ich ihr Ehre
Recht als ein Wunder so sunder, so sehre
Minne und meine sie reine, sie selig, sie hehre.

Selig ich wäre,
Ja ganz ich in Freuden erglühte,
Wollte mein Schwere
Bedenken ihr hohes Gemüte.
Nimmer doch müde
Werd ich zu ringen mit Singen im Liede,
Wie ich mir hüte ihr Güte, sie Blume, sie Blüte.

Mit Händen umfalte
Ich flehentlich auch ihre Füße,
Daß wie Isalde
Tristanten sie mich trösten müsse.
Und mich so grüße,
Daß ihr Gebäre mein Schwere versüße,
Daß sie mich scheide von Leide, sie Liebe, sie Süße.

All mein Gedanken
Dabei meine Sinn allgemeine,
Gar ohne Wanken,
Besorgen besonders das eine,
Wie ich ihr bescheine,
Daß ich nun lange mit Sange sie meine
In stetem Mute sie Gute, sie Reine.

Sehnlich ich ringe,
Daß einstens bei grauendem Haare
Freudig ich singe,
Wie ich ihr Herz noch bewahre.
Traurige Jahre
Wird sie mit Blicken erquicken für wahre,
Dann wird mein Singen verjüngen die Holde, die Klare.

Es hat mich einige Mühe gekostet, es Dir zu übersetzen, und ich habe es daher, doch fast zu seinem Gewinst, etwas verändern müssen.

Es stund eine Frau alleine
Und harrte über die Heide
Und harrte wohl ihres Lieben,
Ein' Falken sah sie da fliegen.

O wohl dir, Falke, frei du bist,
Fliegst hin, wo dir's am liebsten ist,
Erwählest dir im Walde
Einen Baum, der dir gefalle.

Und also hab auch ich getan,
Ich wählt' mir selber einen Mann,
Den suchten mir meine Augen,
Den halten mir schöne Frauen.

O weh, wann lassen sie mein Lieb,
Hielt ich doch ihre Trauten nie!

Dies und das folgende ist von Herrn Dietmar von A[i]st, dem Minnesänger.

Auf der Linden ebene,
Da sang ein kleines Vögelein,
Vor dem Walde ward es laut,
Da hob sich neu das Herze mein.
An einem Ort, da es eh schon war,
Da sah ich Rosenblumen blühn,
Die mahnten mich der Gedanken viel,
Die mich zu einer Frauen ziehn.
Es dünket mich wohl tausend Jahr,
Daß ich in Liebesarmen lag,
Und ohne mein Verschulden gar
Miß ich das nun schon manchen Tag.
Ach seit ich keine Blumen sah
Und hörte kleiner Vöglein Sang,
Seit war all meine Freude kurz
Und auch der Jammer allzu lang.

Was Du noch über mein Buch sagst, ist ihm zu viel Ehre angetan; wenn ich Dir nichts davon gesagt habe, wenn ich Dir es nicht in Händen gab, so ist's, weil ich fühle, daß was Besseres in Dir ist, als alle meine Bücher und Gedanken Dir geben können. –

Den Brief, den Ritter mir über Dein Geschenk geschrieben, lege ich Dir hier bei, finde Du den Dank selbst heraus, aber bewahre ja mir den Brief mit den übrigen, die ich Dir letzt schickte, denn seine Handschrift ist mir heilig. Wenn Du doch auch ein Käppchen für den Arnim machen könntest, damit wir ihm gleich etwas schenken können, da er wohl schnell abreist, so wär das wohl hübsch. Du weißt nicht, wie ich mich freue, daß Du ihn und er Dich sehen soll, er ist gar zu lieb und lustig wie wenige Menschen auf Erden. Adieu lieb Kind, schreib doch dem Savigny ein oder zwei Worte, wie du sonst auch immer von Zeit zu Zeit ein Blättchen ihm oft schicktest. –

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