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Clemens Brentanos Frühlingskranz

Bettina von Arnim: Clemens Brentanos Frühlingskranz - Kapitel 17
Quellenangabe
typefiction
booktitleClemens Brentanos Frühlingskranz
authorBettina von Arnim
year1985
publisherInsel Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-458-14247-9
titleClemens Brentanos Frühlingskranz
pages3-7
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1844
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An Bettine.

Ich sollte schon bei Dir sein, liebe Bettine, ich hatte mir gelobt, daß ich nicht wolle nach den Pfingsttagen hier verweilen, und war auch schon in Mainz, und jetzt bin ich doch wieder auf dem alten Fleck, Savigny ist allein zurück, ich will ja nur noch ein Weilchen mich sammlen und so manches Lied was ich der Gegend und der geschäftigen Natur in ihr abgelauscht habe, noch einmal durchgehen, damit es Dir rechte Freude machen soll.

O kühler Wald,
Wo rauschest du,
In dem mein Liebchen geht,
O Widerhall,
Wo lauschest du,
Der gern mein Lied versteht.

O Widerhall,
O sängst du ihr
Die süßen Träume vor,
Die Lieder all,
O bring sie ihr,
Die ich so früh verlor. –

Im Herzen tief,
Da rauscht der Wald,
In dem mein Liebchen geht,
In Schmerzen schlief
Der Widerhall,
Die Lieder sind verweht.

Im Walde bin
Ich so allein,
O Liebchen, wandre hier,
Verschallet auch
Manch Lied so rein,
Ich singe andre dir.

Ja liebe Bettine, da hast Du wieder einmal durch die Ferne herübergesehen, recht scharf, grad wie Du mir schreibst, so war mein zweiter Pfingstabend. – Sie war fortgefahren, sehr schön geputzt, über Land mit der ganzen Familie, ich und der Hausknecht waren allein zurückgeblieben; ich sagte dem Hausknecht, er solle nur auch ein wenig zu seinen Bekannten gehen, wenn Gäste kommen, so wolle ich ihn rufen; so war ich den ganzen Vormittag allein, so still, wie es im Weingarten war, man konnte hören das Gras wachsen. Da kam mancher Wagen vorbeigefahren mit lustigen Leuten, und wenn ihr Räderlauf in der Ferne sich verlor, da fingen die Glocken aus den Ortschaften rundum an zu läuten, so ist mir der Morgen vergangen von früh vier Uhr, wo die Walpurgis abgefahren war, bis um elf Uhr, wo sie wieder heimkehrte. – Da kamen so viele Gäste von Bingen herüber, und so viele schifften hinüber nach Bingen, daß der Rhein ein groß Spektakelstück gab von Jauchzen und Musik auf den Schiffen, die sich bombardierten mit Trompetenstößen und allerlei verschiedner Tanzmusik und Lieder, die sich einer über den andern hinaus wollten vernehmen lassen; ich habe auch mit Link, der von Frankfurt gekommen war, den Savigny bis Mainz begleitet. Link ist dort zu einer Frau gegangen, von der er mir Wunderdinge erzählt, sie ist eine Französin aus der Vendée, war in Jena bis jetzt, hat dort mit den größten Gelehrten eine Zeitlang zugebracht, allerlei wissenschaftliche Experimente gemacht. – Sie sei, sagt Link, eine Heldin, eine ganz unerschrockne Seele, die in der Terroristenzeit durch ihre Kühnheit Unendliches gewirkt hat – und namentlich in der Vendée, sie soll so schön sein, so vollkommen wohlgebildet wie ein Weib aus den Nibelungen, sie reitet das wildeste Pferd. – Ich stand vor ihrer Tür mit Link, er ging zu ihr mit einem Empfehlungsbrief aus Weimar, ich kehrte um mit dem Marktschiff, in Rüdesheim bin ich erst mit Sonnenuntergang zurückgekommen, alle Wirtshäuser tobten ganz ausgelassen; da hab ich in meinem Giebelstübchen über das Gelärm hinaus mich recht einsamlich in alles, was das Leben mir bietet, hineingedacht, nur Deiner hoffe ich gewiß zu sein, daß auf allen meinen Irrwegen, wo vielleicht keiner mir begegnen mag, Du aber mir nachgehen wirst, und wenn ich mich verlassen wähne, ich dennoch die edelste Wohnung besitze, in Deinem Herzen nämlich. – So war mein Abend beschlossen; getanzt und gejubelt unter mir, ich hörte das Lachen und dann leise klopfen an meiner Tür, als ich aufmachte, fand ich einen Krug mit Maitrank – rheinischer Hippokras – auf der Schwelle und ein Stück Festkuchen; wärst Du hier, so würd ich geglaubt haben, Du hättest es mir vor die Tür gestellt. Aber wer soll's nun gewesen sein? – Es war ja die Walpurg, ich hörte sie am End vom Gang laufen.

Du schreibst mir in Deinem Brief, daß Du selbst eine gewisse Hinneigung zum Bettelmann empfindest. –

Wenn ich ein Bettelmann wär,
Käm ich zu Dir,
Säh Dich gar bittend an,
Was gäbst Du mir? –

Der Pfennig hilft mir nicht,
Nimm ihn zurück,
Goldner als golden glänzt
Allen Dein Blick;

Und was Du allen gibst,
Gebe nicht mir,
Nur was mein Aug begehrt,
Will ich von Dir.

Bettler, wie helf ich Dir? –
Sprächst Du nur so.
Dann wär im Herzen ich
Glücklich und froh.

Laufst auf Dein Kämmerlein,
Holst ein Paar Schuh,
Die sind mir viel zu klein,
Sieh einmal zu. –

Sieh nur, wie klein sie sind,
Drücken mich sehr,
Jungfrau, süß lächelst Du,
O gib mir mehr.

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