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Cinna oder Die Milde des Augustus

Pierre Corneille: Cinna oder Die Milde des Augustus - Kapitel 7
Quellenangabe
typetragedy
booktitleCinna oder Die Milde des Augustus
authorPierre Corneille
yearca. 1890
translatorAdolf Laun
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleCinna oder Die Milde des Augustus
pages56
created20120219
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Fünfter Aufzug.

Erster Auftritt.

Augustus. Cinna.

Augustus. Nimm einen Sessel, Cinna, und genau
Folg' dem Gebot, das ich dir auferlege,
Horch, ohne mich zu stören, meiner Rede,
Kein Wort, kein Ausruf hemme ihren Lauf,
Beherrsche deine Zung', und wenn das Schweigen
Gewalt anthut der Regung deiner Seele,
Dann sei darauf Erwidrung dir gestattet,
In diesem Punkt nur folge meinem Wunsch.

Cinna. Ich werde dir gehorchen.

Augustus. Halte Wort,
Und dafür will auch ich mein Wort dir halten.
Sie, welche dir das Leben schenkten, waren
Die Feinde meines Vaters und die meinen.
In ihrem Lager wurdest du geboren.
Als du nach ihrem Tod mir angehörtest,
Da gab der Haß, den du im Busen trugst,
Dir Waffen in die Hand mich zu bekämpfen,
Du warst mein Feind, bevor du noch geboren,
Und warst es noch, als du mich kennen konntest.
Das Blut, das dich zu meinem Gegner machte,
Trotz deiner Neigung blieb sich's immer treu:
Was du vermochtest, thatst du gegen mich.
Dein Leben schonend, rächt' ich mich an dir, 48
Verhaften ließ ich dich, doch war ich gnädig:
Es ward mein Hof dein einziges Gefängniß,
Dein Patrimonium gab ich dir zurück
Und theilte dir Antonius Schätze mit.
Du weißt, daß ich seitdem zu jeder Zeit
Um deinetwillen zum Verschwender wurde.
Die Würden alle, welche du begehrtest,
Erkannt' ich gern dir augenblicklich zu;
Ich zog dich selbst den Söhnen derer vor,
Die mir mit ihrem Blut den Thron erkämpften
Und die das Leben mir gerettet haben.
Und so wie ich mit dir gelebt, das hat
Den Neid der Sieger gegen den Besiegten
Erweckt. Als mir der Himmel, der mich so
Begünstigt hatte, durch Mäcenas Tod
Von seiner Mißgunst solch' ein Zeugniß gab,
Hab' seinen Platz bei mir ich dir gegeben
Und zum Vertrauten dich gemacht statt seiner.
Und heute, da mein schwankendes Gemüth
Mich drängte, meiner Herrschaft zu entsagen,
Fragt' ich nur dich und Maximus um Rath,
Und deine Meinung ist es, der ich folgte;
Noch mehr, am selben Tage gab ich dir
Emilien, die ein würd'ger Gegenstand
Für die Bewerbung ganz Italiens ist,
Die meine Liebe hat so hoch gestellt,
Daß wen'ger ich dir gab, hätt' einen Thron
Ich dir gegeben, Cinna, denk' daran,
Es können so viel Ruhm und so viel Ehre
Dir nicht so rasch aus der Erinnrung schwinden;
Du bist deß eingedenk und willst mich tödten?

Cinna. Ich, Herr, wär' so verrätherisch gesinnt,
Daß solch' ein feiger Plan . . .

Augustus. Du brachst dein Wort.
Setz' dich, noch sagt' ich meinen Willen nicht,
Rechtfert'ge dich nachher, wenn du's vermagst.
Hör' jetzt mich an und bänd'ge deine Zunge.
Du willst mich morgen auf dem Capitol
Ermorden, deine Hand soll bei dem Opfer 49
Den Todesstoß mir statt des Weihrauchs geben.
Die eine Hälfte deiner Leute soll
Das Thor besetzen und die andere
Dir folgen und mit Waffen Beistand leihn.
Ist's nicht so oder ist's nur ein Verdacht?
Soll ich dir der Verschwornen Namen nennen?
Marcellus, Plautus, Lenas, Albinus,
Pomponius, Rutilus, Icilius
Und Maximus, den ich nach dir am meisten
Geliebt, die anderen lohnt es nicht zu nennen,
Ein Haufen, mit Verbrechen und mit Schulden
Belastet, der bedrängt ist durch die Ordnung,
Die mein Gesetz dem Staate gab, der nicht
Mehr hoffen darf ihm zu entgehn und der
Durch allgemeinen Umsturz nur besteht.

Du schweigst jetzt, Cinna, doch dein Schweigen scheint
Bestürzung, nicht Gehorsam mir zu sein.
Was war dein Plan, was dachtest du zu thun,
Wenn du im Tempel mich erschlagen hättest?
Dein Volk befreien von der Königsherrschaft;
Wenn deine Politik ich recht verstand,
So hängt sein Wohl von einem Herrscher ab,
Der Alles wahrt in seiner festen Hand,
Und wenn's die Freiheit war, für die du kämpftest,
Warum mich hindern denn, sie ihm zu geben;
Für's ganze Reich hätt'st du sie angenommen
Und nicht durch Mord gestrebt sie zu erringen.
War das dein Ziel an meiner Statt zu herrschen?
Es ist mit einem schlimmen Loos bedroht,
Wenn dir kein andres Hinderniß als ich
Entgegensteht, des Throns dich zu bemächt'gen,
Wenn es so tief herabgesunken ist,
Daß du nach mir der einzig Würdige,
Und wenn die große Last des röm'schen Reichs
Nach meinem Tod auf dich nur fallen kann.

Erkenne dich und kehre bei dir ein.
Man liebt und ehrt dich, schmeichelt dir in Rom,
Man bebt vor dir und bringt dir Huldigungen,
Hoch stehst du und vermagst das, was du willst; 50
Doch Mitleid fühlten sie, die dich beneiden,
Wenn nur dein eigenes Verdienst dich stützte.
Zeih' mich der Lüge, poch' auf deinen Werth,
Nenn' deine Tugenden und Thaten mir
Und das, wodurch du mir gefallen hast,
Worin du höher als die Menge stehst.
Von meiner Gunst nur kommt dir Ruhm und Macht;
Nur sie erhebt und stützt dich ganz allein,
Vor ihr und nicht vor dir beugt man sich nieder,
Du hast das Ansehn nur, das sie dir gibt,
Um dich zu stürzen braucht' ich heute nur
Die Hand zurückzuziehen, die dich stützt,
Doch lieber komm' ich deinem Wunsche nach,
Herrsch', wenn du kannst, auf Kosten meines Lebens,
Doch darfst du hoffen, daß Servilius,
Metellus, Cossus, Paulus, Fabius
Und Andre, die durch Muth lebend'ge Bilder
Der Helden, ihrer Väter, sind, sie würden
Dem Stolz des edlen Bluts entsagen, um
Es zu erdulden, daß du sie beherrschest,
So rede jetzt.

Cinna. Ich bin erstaunt, bestürzt,
Dein Zorn erschreckt mich nicht und nicht der Tod,
Verrathen bin ich und ich blick' umher
Und weiß nicht den, der mich verrieth, zu finden.

Doch soll es mich nicht allzusehr bekümmern,
Ich bin ein Römer aus Pompejus Blut;
Des Vaters und der Brüder feiger Mord
Ward nicht genug durch Cäsars Tod gerächt.
Das ist der einz'ge Grund zu dem Complot;
Verrathen fall' ich deiner Streng' anheim,
Doch darfst du nicht auf feige Reue hoffen,
Auf eitles Klagen und auf nutzlos Seufzen.
Dir ist das Schicksal günstig, feindlich mir,
Ich weiß, was ich gethan, was dir zu thun bleibt,
Der Nachwelt bist du ein Exempel schuldig
Und deine Sicherheit heischt meinen Tod.

Augustus. Du trotzest mir, du prahlst mit deiner Großmuth,
Rühmst dein Verbrechen statt es zu entschuld'gen. 51
Laß sehn, ob du es bis ans Ende treibst.
Du kennst dein Loos, siehst, daß ich Alles weiß:
Sprich selbst dein Urtheil, wähle deine Strafe.

 

Zweiter Auftritt.

Augustus. Livia. Cinna. Emilia. Fulvia.

Livia. Noch kennst du die Verschworenen nicht Alle,
Emilia auch gehört zu ihrem Bunde.

Cinna. Sie selbst, o Götter!

Augustus. Du auch, meine Tochter?

Emilia. Ja, was er that, er that es mir zu Liebe.
Ich war, o Herr, der Grund und war der Lohn.

Augustus. Die Liebe, die ich selbst in dir erweckte,
Treibt sie dich schon so weit, für ihn zu sterben?
Es brennt dein Herz in allzurascher Glut,
Zu früh liebst du den Freund, den ich dir gab.

Emilia. Die Liebe, welche deinen Zorn erweckt,
Ist keine Wirkung deß, was du befohlen;
Eh' du befahlst, war unsre Lieb' erglüht.
Vier Jahre schon währt der geheime Bund,
Doch wie ich ihn auch liebt', er für mich glühte,
Der Haß, der uns belebte, war noch stärker;
Und Hoffnung gab ich keine ihm, bevor
Er nicht versprach des Vaters Tod zu rächen,
Er schwur es mir und suchte Bundsgenossen,
Doch hat der Himmel den Erfolg vereitelt;
Ich komm', o Herr, ein Opfer dir zu bringen,
Doch ob ich mich auch mit der Schuld belaste,
Ich hoffe nicht das Leben ihm zu retten.
Sein Tod ist des Complots gerechte Strafe,
Entschuld'gung gibt es nicht für Staatsverbrecher.
Der Tod mit ihm führt mich zu meinem Vater.
Das führt mich her zu dir und das nur hoff' ich.

Augustus. Warum und auf wie lange noch nimmst du
Aus meinem Hause Waffen gegen mich?
Verstoßen hab' ich Julia, weil sie
Unziemlich sich betrug, an ihre Stelle
Setzt' ich Emilia, jedoch auch sie
Hat sich unwürdig dieses Rangs gezeigt. 52
Die Ein' entehrte mich, die Andre dürstet
Nach meinem Blut, sie nehmen Beide nur
Die Leidenschaft zu ihrer Führerin;
Unsittlich war die Eine und die Andre
Sinnt nur auf Mord. Verdien' ich solchen Lohn?

Emilia. Du hast dem Vater ebenso gelohnt.

Augustus. Bedenk', wie liebevoll ich dich erzog!

Emilia. Mit gleicher Zärtlichkeit erzog er dich,
Er wurde dein Beschützer, du sein Mörder,
Du hast mir des Verbrechens Weg gezeigt,
Der einz'ge Unterschied ist dieser nur,
Daß deiner Ehrbegier mein Vater fiel,
Daß aber mich gerechter Zorn entflammt,
Dich wegen des vergoss'nen Bluts zu opfern.

Livia. Genug, Emilia, halt ein, bedenke,
Daß er an dir die Wohlthat deines Vaters
Nur allzusehr vergolten hat, sein Tod,
Der deine Wuth entflammt, war ein Verbrechen
Octavs, doch war es das des Kaisers nicht.

Die Staatsverbrechen, die der Krone gelten,
Verzeiht der Himmel, wenn sie uns gelingen,
Und auf dem hohen Platz, den er uns gab,
Wird, was geschah, gerecht, was kommen wird,
Erlaubt. Der, dem's gelingt, ist schuldlos stets,
Und unantastbar bleibt das, was er that,
Wir schulden Alles ihm: Besitz und Leben,
Doch uns fehlt Anrecht auf des Herrschers Leben.

Emilia. Drum dacht' ich nur in dem, was ich gesagt,
Ihn zu erbittern, nicht mich zu vertheid'gen.
Bestrafe nur o Herr, den bösen Reiz,
Der aus dem Günstling den Verbrecher macht.
Nimm, dich zu sichern, mir mein traurig Leben.
Verführt' ich ihn, verführ' ich Andre auch,
Und ich bin mehr zu fürchten, dich bedroht
Noch mehr Gefahr, wenn ich zugleich die Liebe
Mit meines Vaters Blut zu rächen habe.

Cinna. O, daß du mich verführtest! welch' ein Schmerz,
Durch sie entehrt zu werden, die man liebt.
Die Wahrheit soll, o Herr, sich dir enthüllen, 53
Schon eh' ich liebte, faßt' ich diesen Plan.
Sie meinen Wünschen unerbittlich findend,
Schien sie mir doch für Anderes empfänglich.
Ich sprach von ihrem Vater, deiner Strenge,
Bot meinen Arm und bot mein Herz ihr an.
Dem Weiberherzen ist die Rache süß,
Dadurch wirkt ich auf sie, gewann ich sie,
Ihr wenig geltend, übersah sie mich,
Doch nicht den Arm, der ihr die Rache bot.
Nur meine Arglist schürte die Verschwörung,
Mein ist die Schuld, sie Mitschuld'ge nur.

Emilia. Was sprichst du, Cinna, glaubst du mich zu lieben,
Wenn du der Sterbenden die Ehre raubst?

Cinna. Stirb, doch befleck' im Tod nicht meinen Ruhm!

Emilia. Der meine wird befleckt, glaubt Cäsar dir.

Cinna. Doch ich verlier' den meinen, lenkest du
Den Glanz so edlen Thuns allein auf dich.

Emilia. Nun wohl! nimm' deinen Theil, laß mir den meinen,
Ihn mindern hieß es, raubt' ich deinen dir.

Herr, unsre Seelen sind zwei Römerseelen,
Der Herzen Band verknüpft auch unsern Haß,
Das Angedenken unsrer Väter hat
Uns über unsre gleiche Pflicht belehrt,
Und unsre Herzen haben sich geeint
Im edlen Plan, den unser Geist entwarf.
Wir suchen Beide einen schönen Tod,
Du wolltest uns vereinen, trenn' uns nicht!

Augustus. Ja, treulos undankbares Paar, die ihr
Mehr feind mir als Anton und Lepidus,
Ich werde euch vereinen, weil ihr's wollt.
Der Glut, die euch verzehrt, muß ich entsprechen.
Das Weltall soll erfahren, wie ich's meine,
Erstaunt ob eurer Schuld und meiner Rache.

 

Dritter Auftritt.

Augustus. Livia. Cinna. Maximus. Emilia. Fulvia.

Augustus. Doch sieh', der Himmel will mir wohl, er hat
Den Maximus der Wogen Wuth entrissen.
Komm her, du einz'ger, treubewährter Freund! 54

Maximus. Herr, einen Schuld'gen ehre nicht zu sehr.

Augustus. Da du bereut hast, sprich nicht von Verbrechen.
Dir, der mich vor Gefahren hat beschützt,
Verdanke ich mein Leben und das Reich.

Maximus. Berührt von keiner tugendhaften Reue,
Hab' ich dir sein Complot verrathen, um
Dadurch den Nebenbuhler zu verderben.
Euphorbes, der von meinem Tode sprach,
Betrog dich, daß du mich nicht rufen solltest.
Ich wollt' Emilien täuschend und erschreckend
Fortlocken aus Italien und sie
Gewinnen für den Plan sie zu entführen,
In ihr die Hoffnung weckend, daß heimkehrend
Sie den Geliebten würde rächen können;
Doch sie ließ sich so gröblich nicht bethören,
Und ihre Tugend widerstand dem Anschlag.
Sie las in meiner Seele; da das Weitre
Bekannt dir ist, brauch' ich nicht mehr zu sagen;
Du siehst, wie schlecht mir meine List gelang,
Doch soll mir Lohn für meine Kunde werden,
So laß Euphorbes unter Qualen enden
Und mich im Angesicht der Liebenden.
Verrathen hab' ich Freund, Geliebte, Herrn,
Den Ruhm, das Vaterland, dem Rathe folgend,
Den der Verräther gab; doch wär' ich glücklich,
Könnt' ich dafür ihn und mich selbst bestrafen.

Augustus. O Himmel! ist's noch nicht genug, bewahrt
Mein Schicksal in der Meinen Kreis noch Einen,
Der zu verführen ist, dann mögen ihm
Die Unterird'schen ihren Beistand leihn.
Herr bin ich über mich und über's Weltall,
Ich bin's und will es sein. Bewahr', o Zeit,
Das Angedenken meines letzten Siegs.
Zum Zorn hab' ich das höchste Recht, doch ich
Bemeistre ihn, seid dessen stets gedenk.

Komm, Cinna, laß uns Freunde sein, ich wünsch' es.
Du warst mein Freund, ich schenkte dir das Leben,
Und deinem schlimmen Plan zum Trotz schenk' ich's
Aufs Neue dir, der du mich morden wolltest. 55
Beginnen wir den Wettstreit, laß uns zeigen,
Wer mehr zu geben, zu empfangen weiß;
Du lohnst mein Wohlthun mit Verrath, doch ich
Verdopple es, dich damit zu bewältigen.
Die schöne Freundin geb' ich dir, empfange
Dazu für's nächste Jahr das Consulat.
O meine Tochter, liebe deinen Cinna
Noch mehr als du den Kaiserpurpur liebst,
Mein Beispiel lehre dich den Zorn beherrschen.
Indem ich den Gemahl dir geb', erstatt' ich
Dir mehr zurück, als gäb' ich dir den Vater.

Emilia. Herr, deiner hohen Gnad' ergeb' ich mich
Und seh' aufs Neue klar bei ihrem Licht,
Was mir gerecht schien, scheint mir jetzt Verbrechen,
Ich fühle tiefe Reu' in mir erwachen,
Was Furcht vor Strafe nicht erwecken konnte,
Und im Geheimen stimmt mein Herz ihr bei.

Zur höchsten Macht bestimmte dich der Himmel,
Ich selber liefre den Beweis dafür,
Und rühme dessen mich mit Stolz, da er
Das Herz mir ändert, will er auch den Staat
Verändern. Sterben wird mein Haß, den ich
Unsterblich glaubte; sieh, er ist schon todt,
Dies Herz wird dein getreuer Unterthan,
Das vor des Hasses Wuth erschrickt, es strebt
Dahin, daß es mit Eifer jetzt dir diene.

Cinna. Was sag' ich weiter noch, o Herr, da uns
Für unser Unrecht Lohn statt Strafe wird.
O beispiellose Tugend, Milde, die
Die Macht verherrlicht, meine Schuld vergrößert.

Augustus. Laß uns hochherz'gen Sinns die Schuld vergessen,
Es mag dem Maximus Verzeihung werden;
Verrathen hat er uns, doch euch bewahrte
Die Unschuld er dadurch und gibt zurück
Mir meine Freunde. (Zu Maximus.) Nimm aufs Neu' den Platz,
Den du gewohnt bist, bei mir ein, und kehre
Zu deinem Ansehn, deinem Einfluß jetzt zurück.
Euphorbes auch erhalte unsre Gnade,
Und morgen segne Hymen ihre Liebe, 56
Liebst du sie noch, so sei dies deine Strafe.

Maximus. Ich murre nicht, es ist nur zu gerecht,
Mehr noch bin ich beschämt durch deine Gnade,
Als neidisch auf das Gut, das du mir nimmst.

Cinna. Jetzt, da ins Herz die Tugend wiederkehrt,
Weih' ich die Treue dir, die ich verletzte,
Sie ist so fest und so unwandelbar,
Daß sie des Himmels Einsturz nicht erschüttert.

Der Lenker menschlicher Geschicke möge
Die Tage dir verlängern, die wir gern
Dir opfern, mög' ich hundertfach für dich
Verlieren, was ich dir allein verdanke.

Livia. Das ist nicht alles, Herr, ein Himmelsstrahl
Durchleuchtet glückverkündend meine Seele.
Horch, was die Götter dir durch mich enthüllen,
Sieh, welch ein Glück das Schicksal dir bestimmt:

Nach dieser That bleibt nichts für dich zu fürchten,
Dem schlimmen Plan entsagt dein ärgster Feind,
Ihm ist's ein Ruhm, dein Unterthan zu sterben,
Der Neid, so undankbar wie feig, wird fürder
Nicht deines schönen Lebens Lauf bedrohn,
Verrath und Mord bleibt deiner Schwelle fern,
Dein ist die Kunst, der Herzen Herr zu sein.
Rom wird jetzt gern mit tiefempfundner Freude
In deine Hand des Weltreich's Scepter legen,
Dein königlicher Geist wird es belehren,
Welch' Glück ihm blüht, wenn du sein Herrscher bleibst,
Vom Irrthum, den es lang gehegt, befreit,
Ist nur die Monarchie sein einz'ger Wunsch.
Schon baut's Altär' und Tempel für dich auf,
Im Götterkreis ist dir ein Platz bereitet,
Die Nachwelt wird in allen Landen dich
Den Fürsten als ein edles Vorbild zeigen.

Augustus. Ich nehme hoffend deinen Ausspruch an,
Denn dich erleuchten stets die gnäd'gen Götter!

Wenn's morgen tagt, laßt uns mit frohen Händen
Bei günst'ger Schau ein doppelt Opfer bringen,
Und den Verschworenen verkündet rings:
August weiß Alles, doch August vergißt.

 

Ende.

 

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