Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Pierre Corneille >

Cinna oder Die Milde des Augustus

Pierre Corneille: Cinna oder Die Milde des Augustus - Kapitel 4
Quellenangabe
typetragedy
booktitleCinna oder Die Milde des Augustus
authorPierre Corneille
yearca. 1890
translatorAdolf Laun
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleCinna oder Die Milde des Augustus
pages56
created20120219
sendergerd.bouillon@t-online.de
Schließen

Navigation:

Zweiter Aufzug.

Erster Auftritt.

Augustus. Cinna. Maximus. Höflinge.

Augustus. Zieht euch zurück und Niemand lasset ein,
Du, Cinna, bleib und du auch, Maximus. 17
        (Alle ziehen sich zurück außer Cinna und Maximus.)
Die Herrschaft über Land und Meer, die Macht,
Die übers Weltall mir gegeben ward;
Der Hoheit Größe, der erlauchte Name,
Der so viel Blut und Mühe mir gekostet;
Kurz Alles, was die läst'ge Höflingsschaar
In meinem Glücke zu umschmeicheln pflegt,
Ist doch nur jener trügerische Glanz,
Der kaum genossen, Ueberdruß erweckt.
Gesättigt, zeugt der Ehrgeiz Mißbehagen,
Und Kälte folgt der brennenden Begier,
Und unser Geist, der bis zum letzten Seufzer
Auf dies und jenes wechselnd hin sich lenkte,
Kehrt in sich selbst zurück, um von dem Gipfel,
Den er erklommen hat, herabzusteigen. –
Die Herrschaft war mein Ziel, ich hab's erreicht,
Doch was gewünscht ich hatte, kannt' ich nicht,
Und der Besitz gab für verträumtes Glück
Mir Unruh' nur und ew'ge Sorg' und Qual,
Geheime Feinde, Tod auf allen Seiten
Und nirgends eine Freude, nirgends Ruh.
Vor mir besaß Sulla die höchste Macht,
Der große Cäsar folgte ihm darin,
Doch so verschieden dachten sie, daß jener
Sie niederlegt' und dieser sie bewahrte.
Der Eine rauh, barbarisch, ward geliebt
Und starb in Frieden wie ein guter Bürger,
Der Andre aber sanft und gütig, ward
Inmitten des Senates hingemordet.
Wol könnte solch' ein Beispiel mich belehren,
Genügt' ein Beispiel schon um mich zu leiten.
Das eine winkt mir und das andre schreckt mich.
Doch oft ist's nur ein trügerischer Spiegel.
Das Schicksal, welches unsern Geist beängstigt,
Ist nicht in der Vergangenheit zu lesen.
Der Eine fällt, der Andre steigt empor,
Was diesen stürzt, dient Jenem sich zu retten.

Das, Freunde, ist es, was mir Kummer macht,
Für mich seid ihr Agrippa und Mäcen, 18
Wie sie übt euren Einfluß aus auf mich
In dem, was wir so oft erobert haben;
Bedenkt den Glanz nicht jener höchsten Macht,
Die Rom verhaßt und mir so lästig ist.
Seht nur in mir den Freund und nicht den Herrn.
August, Rom, Staat, in eurer Hand liegt Alles!
Soll Asia, Europa, Afrika
Dem Willen eines Herrschers folgen oder
Republikanischem Gesetz sich beugen?
Zu meiner Richtschnur mach' ich eure Meinung,
Und so nur will ich, sei's ein Kaiser, sei's
Ein bloßer Bürger sein im Röm'schen Staat!

Cinna. Bin ich erstaunt der Frag' auch nicht gewachsen,
Gehorchen werd' ich doch, weil du's befiehlst.
Und meine Ehrfurcht soll mich nicht verhindern,
Die Ansicht, der du huldigst, zu bekämpfen.
Gestatte mir's, dein Ruhm liegt mir am Herzen,
Und du bist in Gefahr ihn zu beflecken,
Wenn du dich solchen Stimmungen ergibst
Und alle deine Handlungen verdammst.

Was von Verbrechen frei man sich errang,
Frei von Gewissensqual darf man's bewahren;
Je größer das ist, welchem man entsagte,
Je mehr erscheint's als ungerecht erworben.
O Herr, beflecke so mit Makel nicht
Die Tugend, die dich zum Monarchen machte,
Du bist's mit Recht, und ohn' ein Staatsverbrechen
Hast du die Form der Herrschaft umgewandelt.
Durch's Recht des Kriegs ist Rom dir unterthan,
Das unter sein Gesetz das Weltall beugte;
Mit deinen Waffen hast du es erobert.
Nicht stets ist der Erobrer ein Tyrann,
Weil er der Herrschaft sich bemächtigt hat,
Wer mit Gerechtigkeit das Land verwaltet,
Der ist mit Recht des Landes Herr und Fürst;
Und also that auch Cäsar, sein Gedächtniß
Mußt du verwerfen oder thun wie er.
Mißbilligst du den Drang nach höchster Macht,
Dann starb mit Recht auch Cäsar als Tyrann. 19
Dann bist du Rechenschaft den Göttern schuldig
Für alles Blut, das du für ihn vergossen,
Um dich zu seinem Rang emporzuschwingen.
Befürchte nicht, o Herr, sein traurig Loos,
Denn dich beschützet eine höhre Macht,
Dir stellte man vergeblich zehn Mal nach,
Der Mordversuch auf ihn gelang sogleich.
Man spinnt Verrath, doch Niemand führt ihn aus,
Zwar gibt es Mörder noch, doch keinen Brutus,
Und muß man seinem Schicksal unterliegen,
So ist es schön als Herr der Welt zu sterben.
Das, Herr, ist meine Meinung und ich glaube,
Daß Maximus dasselbe mit mir denkt.

Maximus. Gewiß, Augustus hat ein Recht zur Herrschaft,
Die er durch seine Tugend sich erwarb.
Doch, daß er ohne seinem Ruhm zu schaden
Der Last des Throns sich nicht entled'gen konnte,
Daß Cäsar er dadurch der Tyrannei
Bezüchtigte und daß er seinem Tod
Rechtfertigung verlieh, muß ich verneinen.

Das Reich, o Herr, und Rom gehören dir,
Frei darf ein Jeder schalten mit dem Seinen;
Er kann's bewahren, kann sich sein entled'gen,
Was Jeder darf, das solltest du nicht dürfen?
Du willst, weil du dir Alles unterwarfst,
Ein Sclav' der Größe sein, die du errangst?
Beherrsche sie, doch laß dich nicht beherrschen,
Dich binden soll sie nicht, sie soll dir weichen.
Verkünde Allen, daß was sie umschließt,
Vor deiner Größe jetzt in Staub zerfällt.
Dein Rom hat einst dir die Geburt verliehn,
Dafür willst du ihm deine Allmacht geben.
Der Edelmuth, mit dem du es beschenkst,
Den legt dir Cinna als Verbrechen aus.
Die Liebe zu dem Vaterlande nennt er
Gewissensbisse, also wird sogar
Der Ruhm geschädigt durch der Tugend Glanz.
Verachten müßte man ja solche Tugend,
Wenn ihrer Mühe Lohn die Schande wär'; 20
Gern geb' ich zu, daß durch so schöne Handlung
Rom mehr von dir empfängt als es dir gibt;
Doch ist es kein Verbrechen, wenn der Dank
Der Gabe Werth bei weitem übersteigt.
Dem Himmel folge, welcher dich begeistert,
Es wächst dein Ruhm, wenn du dem Thron entsagst,
Fort durch die fernste Zeit, nicht weil du ihn
Bestiegst, nein, weil du bist herabgestiegen.
Ihm zu entsagen fordert hohe Tugend
Und wenig Edle gehn so weit, daß sie
Der Herrschaft Süßigkeit verschmähn, nachdem
Sie einen Thron erlangt; bedenke auch,
Daß du in Rom regierst, wo, wie auch immer
Der Hof dich nennt, die Monarchie gehaßt wird,
Der Kaisername, den der Königsname
Nur schwach umhüllt, flößt gleichen Abscheu ein.
Wer dort zum Herrn sich macht, der heißt Tyrann,
Wo Sclav' heißt, wer ihm dient, Verräther, wer
Ihn liebt und feige, wer vor ihm sich beugt,
Man nennt es Tugend, sich von ihm befrein.
Du hast davon die sichersten Beweise!
Vergebens stellte man dir zehn Mal nach,
Vielleicht versucht man es zum eilften Mal.
Und ist die Regung, welche du empfindest,
Ein leiser Wink, den dir der Himmel sendet,
Der dich zu retten nur dies Mittel hat.
O setze dich nicht solchem Unheil aus.
Zwar ist es schön, als Herr der Welt zu sterben,
Doch bleibt der schönste Tod ein Makel immer,
Wo wir mit höhrem Ruhme leben konnten.

Cinna. Gilt's hier die Liebe zu dem Vaterlande,
Dann mußt du nur sein Wohl im Auge haben,
Die Freiheit, die als theures Gut erscheint,
Ist doch für Rom nur ein erträumtes Gut,
Verderblich mehr als nützlich kommt's nie gleich
Dem, was ein guter Fürst bewirken kann.
Er theilt die Aemter aus nach Fug und Recht,
Er lohnt und straft nach reiflicher Erwägung,
Er herrscht ob Allem als rechtmäß'ger Herr, 21
Zur Ueberstürzung treibt ihn keine Furcht
Vor Nebenbuhlern, die ihm schaden könnten.
Doch wo das Volk der Herr ist, herrscht Tumult
Und Niemand hört die Stimme der Vernunft;
Ehrgeiz'gen werden Würd' und Amt verkauft,
Aufrührern wird die höchste Macht zu Theil.
Die kleinen Herrn nur für ein Jahr gewählt,
Ermessend ihrer Herrschaft kurze Dauer,
Ersticken manchen schönen Plan im Werden,
Damit, wer ihnen folgt, die Frucht nicht pflücke.
Gering nur ist ihr Antheil an des Staates Schatz,
Doch sie verstehen sich auf reiche Ernten
Und rechnen auf Verzeihung gern bei denen,
Die ihrerseits auf gleiche Nachsicht rechnen.
Die schlimmste Staatsform ist die Republik!

Augustus. Doch sie allein vermag Rom zu gefallen.
Der Königshaß, den seit fünfhundert Jahren
All' seine Kinder mit der ersten Milch
Einsaugen, ist schon viel zu fest gewurzelt,
Als daß er je aus ihren Herzen schwände.

Maximus. Herr, wisse, Rom beharrt in seiner Krankheit
Und von Genesung will das Volk nichts wissen,
Gewohnheit ist hier stärker als Vernunft,
Es ist verliebt in jenen alten Irrthum,
Von welchem Cinna es befreien möchte;
Dadurch hat sich's das Weltall unterworfen,
Ist über's Haupt der Kön'ge weggeschritten,
Es hat, Provinzen plündernd, sich bereichert,
Und mehr bot selbst der beste Fürst ihm nicht.

Behaupten möcht' ich, daß dieselbe Staatsform
Sich nicht für alle Himmelsstriche eigne;
Was dem Charakter eines Volks gemäß,
Läßt sich nicht ändern, ohne ihn zu schäd'gen.
Es ist ein göttliches Gesetz, das weise
Die Mannichfaltigkeit dem Weltall schenkt.
Der Macedonier liebt die Monarchie,
Den Freistaat lieben alle andern Griechen.
Die Parther, Perser, wollen einen Herrn,
Das Consulat allein paßt für die Römer. 22

Cinna. Wahr ist's, daß nach der Götter hohem Rath
Jedwedem Volk ein andrer Geist zu Theil ward.
Doch ist's nicht minder wahr, daß dies Gesetz
Nach Ort und Zeit sich zu verändern pflegt.
Rom dankt den Kön'gen Ursprung und Erbauung,
Doch Ruhm und Macht kam ihm von seinen Consuln,
Und jetzt empfängt's durch deine seltne Güte
Die höchste Fülle glücklichen Gedeihns.
Nicht plündern fremde Heere mehr den Staat.
Der Janustempel ward durch dich geschlossen,
Was nur ein einzig Mal zur Zeit der Consuln
Und unterm zweiten König vorgekommen.

Maximus. Die Staatsverändrung, die der Himmel sendet,
Verlangt kein Blut, ist nicht verhängnißvoll.

Cinna. Nach ewigem Gesetz verleihn die Götter
Uns große Güter nur um hohen Preis.
Tarquins Verbannung hat uns Blut gekostet,
Und Kriege brachten uns die ersten Consuln.

Maximus. So widerstand Pompejus auch den Göttern,
Als er für uns der Freiheit Kampf bestand.

Cinna. Beschloß der Himmel nicht sie zu vernichten,
Dann hätt' er durch Pompejus sie vertheidigt,
Er wählte seinen Tod, daß er auf ewig
Ein Denkmal dieser großen Wandlung sei:
Den Manen eines solchen Mannes war
Er schuldig, daß der Ruhm, die Freiheit Roms
Mit sich davon zu tragen, ihnen ward.
Der Name Freiheit dient nur zum Verblenden,
Die Größe hindert den Genuß daran.
Seit Rom die Herrscherin der Welt geworden,
Seit Ueberfluß in ihren Mauern herrscht,
Seit große Thaten ihrem Schooß entspringen,
Und Bürger, die noch mächt'ger sind als Kön'ge,
Erkauften Große sich des Volkes Stimme.
Sie nehmen prahlend ihren Herrn in Dienst,
Der sich mit goldnen Ketten fesseln läßt,
Und der gehorcht, wo er zu herrschen glaubte;
Der Neid ruft Hinterlist hervor, der Ehrgeiz
Führt blutige Verbindungen herbei. 23
So ward auf Sulla Marius eifersüchtig,
Cäsar auf meinen Ahn und Mark-Anton
Auf dich; so dient die Freiheit nur dazu
Die Wuth der Bürgerkriege anzufachen,
Wenn so verderblich rings Verwirrung herrscht,
Will man hier nicht den Herrn, dort nicht den Gleichen.

In eines guten Führers Hand, o Herr,
Muß Rom zu seiner Rettung sich vereinen.
Wenn du's nicht zu beglücken denkst, so nimm
Ihm wenigstens die Mittel zum Zerwürfniß.
Als Sulla nach der Oberherrschaft strebte,
Bahnt' er den Weg dem Cäsar und Pompejus,
Den uns die Unglückszeit gebracht nicht hätte.
Hätt' er in seinem Haus die Macht befestigt.
Was Andres brachte Cäsars Tod dir ein
Als Feindschaft von Anton und Lepidus?
Sie hätten Rom durch Römer nicht zerstört,
Wenn Cäsar dir die Herrschaft überließ.
Gibst du das Reich auf, dann verfällt es wieder
Ins Mißgeschick, aus dem sich's kaum gerettet,
Und was an Blut ihm übrig noch geblieben,
Das würden Bürgerkrieg' aufs Neu' vergießen.

Laß dich das Vaterland, das Mitleid rühren,
So fleht durch meinen Mund dein Rom dich an.
Erwäge, welchen Preis du Rom gekostet,
Es hält dich für zu theuer nicht erkauft,
Ihm ward ein schöner Lohn für seine Leiden,
Doch fühlt es sich mit Recht von Furcht ergriffen,
Wenn neidisch auf sein Glück, des Herrschens müde,
Was es nicht wahren kann, du ihm zurückgibst:
Muß es um gleichen Preis ein andres Gut
Erkaufen, ziehst dein Wohl du seinem vor
Und bringst du's dadurch zur Verzweiflung, dann
Wag' ich nicht auszusprechen, was mir ahnt.
Bewahre, dich erhaltend, Rom den Herrn,
Auf daß sein neues Glück aufs Neu' erblüht,
Und setz', um der Gesammtheit Wohl zu gründen,
Den Erben ein, der deiner würdig ist.

Augustus. So lassen wir's dabei, das Mitleid siegt, 24
Die Ruhe ist mir lieb, doch Rom mir lieber;
Und welch' ein Unheil mir auch drohen möge,
Ich füge mich darein, um Rom zu retten.
Und, Cinna, sehnt sich auch mein Herz nach Ruhe,
Die Herrschaft, wie du räthst, will ich bewahren,
Doch nur, damit ihr euren Theil dran habt,
Ich weiß, daß euer Herz mir nichts verheimlicht,
Und daß beim Rath, den ihr mir gebt, ihr nur
Den Staat und mein persönlich Wohl bedenkt.
Aus Liebe kämpfte euer Geist für mich
Und jetzt wird euch der Lohn dafür zu Theil.

Mein Maximus, verwalte du Sicilien,
Bedenke, daß du dort für mich regierst,
Daß, was du thust, auf meinen Namen kommt.
Zur Gattin geb' ich, Cinna, dir Emilia,
Du weißt, daß sie an Julia's Stelle trat,
Und wenn der Zeiten Noth von mir erheischte,
Daß meine Strenge ihren Vater traf,
Mein Schatz seitdem ihr immer offen stand,
Um ihr die Last des Unglücks zu erleichtern.
Als mein Gesandter such' sie zu gewinnen,
Du bist kein Mann, den sie verachten darf,
Du wirst durch deinen Antrag sie erfreun.
Lebt wohl, ich eile Livien dies zu melden.

 

Zweiter Auftritt.

Cinna. Maximus.

Maximus. Was willst du thun nach so viel schönen Reden?

Cinna. Was ich gewollt, das werd ich immer wollen.

Maximus. Ein Haupt des Bundes schmeichelt dem Tyrannen!

Cinna. Ein Haupt des Bundes läßt ihn unbestraft!

Maximus. Frei will ich Rom von Fesseln sehn!

Cinna.                                                                     Bedenke,
Daß ich's zugleich befrein und rächen will.
Octav hat also die Altare plündernd,
Das Land verwüstend, unser Leben opfernd
Und Rom mit Leichen deckend, seiner Wuth
Genügt, und glaubt, daß mit Gewissensbissen
Die Schuld er sühnt; jetzt, wo durch unsre Hand 25
Die Götter sich bereiten ihn zu strafen,
Soll eitle Reu' ihm Sicherheit gewähren?
Das hieße reizen einen Andern, bleibt
Er ungestraft, zu Aehnlichem verführen.
Nein, rächen wir uns, seine Straf' erschrecke
Den, der gleich ihm, nach Kron' und Scepter strebt.
Das Volk gehöre nicht mehr den Tyrannen!
Wär' Sulla seiner Straf' anheimgefallen,
Dann hätte Cäsar nicht so viel gewagt.

Maximus. Doch Cäsars Tod, der dir gerecht erscheint,
Hat dem August als Vorwand nur gedient
Zu seinen Grausamkeiten, Brutus war
Im Irrthum, als er uns befreien wollte,
Hätt' er nicht Rom durch Cäsars Mord gerächt.
Dann hätt' Augustus weniger gewagt.

Cinna. Des Cassius Fehler und der Schrecken machten,
Daß Rom aufs Neu' der Tyrannei verfiel,
Doch solch' ein Unheil wird nicht wieder kommen,
Sind Roms Beherrscher wen'ger unbesonnen.

Maximus. Noch lange hin ist's, bis wir zeigen können,
Daß wir's mit größrer Klugheit lenken würden.
Nur wenig ist's, wenn man ein Glück verschmäht,
Um das man mit Gefahr des Todes rang.

Cinna. Noch wen'ger, wenn man glaubt, man könn' ein Uebel
Ausrotten, wenn man nicht die Wurzel trifft,
Bei solcher Heilung Milde zeigen, heißt
Gift in die Wunde träufeln, die man schließt.

Maximus. Du willst sie blutig und machst sie gefährlich.

Cinna. Du schmerzlos und du heftest Schmach ihr an.

Maximus. Wer seine Ketten bricht, kennt keine Schmach.

Cinna. Doch wer nicht tapfer, macht sich nimmer frei.

Maximus. Die Freiheit reizt und ist des Strebens werth,
Sie ist für Rom ein hoch zu schätzend Gut.

Cinna. Rom wird's nicht schätzen, kommt's aus einer Hand,
Die müde ward, das Volk zu unterdrücken,
Es ist zu stolz zur Freude am Tyrannen,
Der des Bedrückens satt, es von sich stößt. 26
Des Ruhmes wahre Freunde hassen ihn
Zu sehr, um seiner Gaben sich zu freun.

Maximus. So ist Emilia dir des Hasses werth?

Cinna. Von ihm sie zu erhalten widersteht mir.
Hab' ich an ihm die Leiden Roms gerächt,
Dann biet' ich ihm sogar im Orcus Trotz,
Hab' ich sie mir durch seinen Tod verdient,
Dann soll mit ihrer meine blut'ge Hand
Sich einen, über seiner Asche will
Ich mich mit ihr vermählen. Wenn's geschah,
Dann sollen die Geschenke des Tyrannen
Mir die Belohnung seines Todes werden.

Maximus. Wie, darfst du, mit des Mannes Blut befleckt,
Den sie wie einen Vater liebt, noch hoffen
Ihr zu gefallen, denn du denkst doch nicht
Daran, sie mit Gewalt dir zu erringen?

Cinna. Hier im Palast behorcht man uns gar leicht,
Und unbesonnen wäre es von uns,
An solchem Ort Vertrauliches zu reden,
Drum laß uns gehn, daß ich in Sicherheit
Mit dir nach Mitteln forschen könne, die
Auf leichtem Weg uns hin zum Ziele führen.

 

 << Kapitel 3  Kapitel 5 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.