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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Gedichte

Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Gedichte - Lob-rede an das liebwertheste frauen-zimmer
Quellenangabe
typepoem
booktitleGedichte
authorChristian Hofmann von Hofmannswaldau
year1994
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-008889-5
titleLob-rede an das liebwertheste frauen-zimmer
pages26-29
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Christian Hofmann von Hofmannswaldau

Lob-rede an das liebwertheste frauen-zimmer.

          HOchwerthes jungfern-volck / ihr holden anmuths-sonnen /
    Ihr auserwehlter schmuck / der hauß und gassen ziert.
Wer ist so steinern / der euch nicht hat lieb gewonnen?
    Und welchen habt ihr nicht mit fesseln heimgeführt?
Wer ist so kühn / der darff für eure augen treten /
    Wenn ihr die waaren habt der schönheit ausgelegt?
Wer will euch / liebste / nicht als einen Gott anbeten /
    Weil ihr das bildnis seyd / das Venus selbst geprägt.
Jedoch ich will nur bloß ein theil von dem berühren /
    Mit welchem die natur euch herrlich hat versehn.
Der sinnen schiff soll mich in solche länder führen /
    Wo auff der see voll milch nur liebes-winde wehn.
Die brüste sind mein zweck / die schönen marmel-ballen /
    Auf welchen Amor ihm ein lust-schloß hat gebaut;
Die durch das athem-spiel sich heben und auch fallen /
    Auf die der sonne gold wolriechend ambra thaut.
Sie sind ein paradieß / in welchem äpffel reiffen /
    Nach derer süssen kost iedweder Adam lechst /
Zwey felsen / um die stets des Zephirs winde pfeiffen.
    Ein garten schöner frucht / wo die vergnügung wächst.
Ein über-irrdisch bild / dem alle opffern müssen.
    Ein ausgeputzt altar / für dem die welt sich beugt.
Ein crystallinen qvell / aus welchem ströme flüssen /
    Davon die süßigkeit den nectar übersteigt.
Sie sind zwey schwestern / die in einem bette schlaffen /
    Davon die eine doch die andre keinmal drückt.
Zwey kammern / welche voll von blancken liebes-waffen /
    Aus denen Cypripor die göldnen pfeile schickt.
Sie sind ein zeher leim / woran die sinnen kleben;
    Ein feuer welches macht die kältste hertzen warm;
Ein bezoar der auch entseelten giebt das leben;
    Ein solcher schatz / für dem das reichthum selbst ist arm.
Ein kräfftig himmel-brod / das die verliebten schmecken;
    Ein alabaster-hauß / so mit rubinen prahlt;
Ein süsser honigseim / den matte seelen lecken;
    Ein himmel / wo das heer der liebes-sterne strahlt.
Ein scharff-geschliffen schwerd / das tieffe wunden hauet /
    Ein rosen-strauch / der auch im winter rosen bringt.
Ein meer / worauff man der Syrenen kräffte schauet /
    Von denen der gesang biß in die seele dringt.
Sie sind ein schnee-gebürg / in welchem funcken glimmen /
    Davon der härtste stahl wie weiches wachs zerfleust.
Ein wasser-reicher teich / darinnen fische schwimmen /
    Davon sich sattsam ein verliebter magen speist.
Sie sind der jugend lust / und aller kurtzweil zunder /
    Ein krantz / in welchem man die keuschheits-blume sieht.
Sie kürtzen lange zeit / und stifften eitel wunder /
    Weil beydes glut und schnee auff ihrem throne blüht.
Sie sind ein runder sarg / wo liebe liegt begraben /
    Ein ditrich / welcher auch des hertzens grund auffschleust /
Ein ort / in dem nur lust will sitz und wohnstadt haben /
    In dessen hölen milch und nectar häuffig fleust.
Zwey fässer / welche sind mit julep-safft erfüllet /
    Lockvögel / derer thon ein freyes hertze bindt;
Zwey sonnen / welche zwar mit dünnem flor umhüllet /
    Doch macht ihr heller blitz die klärsten augen blind.
Sie sind ein zart gewand von schwanen-weisser seide /
    Daran man sehen kan / wie ieder faden steht /
Zwey hügel / derer höh' bedecket ist mit kreide /
    Zwey fläschgen / denen nie der wollust milch entgeht.
Zwey brünne / da nur stets gesunde wasser quellen /
    Und wo die dürre nicht der adern marck aussaugt.
Zwey jäger / welche zahm und wilde thiere fällen /
    Wo keines wird verschont / was nur zu fangen taugt.
Zwey schnee-balln / welche doch unmöglich schmeltzen können /
    Womit das jungfern-volck der männer seelen schmeist.
Zwey aufgestellte garn / und schlingen freyer sinnen /
    Aus denen gar kein mensch / wie klug er ist / entreist.
Zwey kräme / wo man huld und freundlichkeit ausleget /
    Und wo ein rother mund nur kan der kauffmann seyn.
Zwey körb' / in welchen man bloß marcipan feil träget /
    Nach dessen süßigkeit die lippen lechsend schreyn.
Zwey thürme / derer pracht von elffenbein vollführet /
    Darauff Cupidens pfeil die wache fleißig hält.
Zwey kleinod / derer glantz der jungfern leiber zieret /
    Wenn ihre freundligkeit den männern netze stellt.
Sie sind ein blasebalg / ein feuer auffzufachen /
    Das durch kein mittel nicht kan werden ausgelöscht.
Zwey bette / wo rubin und marmel hochzeit machen /
    Wo süsse mandel-milch der rosen scharlach wäscht.
Sie sind ein see-compas / der hurtig rudern heisset /
    Eh man in hafen der vergnügung wird gebracht.
Ein reiner thron / auff dem der liljen silber gleisset /
    Worauff verliebtes volck nur hat zu sitzen macht.
Ein werthes heiligthum / das keusche lippen küssen /
    Für dem sich hertz und knie in tieffster demuth neigt.
Ein meer / aus dem sich lust und liebligkeit ergiessen /
    Ein bergwerck / dessen grund zwey demant-steine zeigt.
Doch niemand lobt den brauch die kugeln zu verdecken /
    Darauff man sehen kan wo lieb- und lust-land liegt.
Ach schönste! glaubet mir ihr möget sie verstecken /
    Ein liebes-auge hat dem allen obgesiegt
Orontes selbst bezeugt / daß kein verbergen nutze /
    Der brüste Pharos' hat durch zart gewand geleucht.
Er ruht im liebes port ietzt unter ihrem schutze /
    Wenn uns ein rauher sturm noch um die segel streicht.
Wol dem nun / der wie er kan so vergnüget leben!
    Den so ein weisser schild für wehmuths-wunden schützt!
Der seinem munde kan dergleichen zucker geben /
    Der so vergnügt / wie er / im liljen-garten sitzt!
Der so die blumen mag auff weissen wiesen brechen;
    Der aus der brüste schacht rubin und demant gräbt.
Der rosen samlen kan ohn einzig dornen-stechen;
    Der von der speiß und krafft der süssen äpffel lebt.
Dem so das glücke blüht / den es so bruder nennet /
    Dem eine runde brust kan pfühl und polster seyn.
Der in der liebsten schooß mit vollem zügel rennet /
    Der seiner Venus so flößt liebes-balsam ein.
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