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Chlodovech

Felix Dahn: Chlodovech - Kapitel 5
Quellenangabe
typefiction
authorFelix Dahn
titleChlodovech
correctorreuters@abc.de
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projectid53b9bf09
created20070520
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V.

Ein Paar Tage darauf schritt die verwitwete Königin – sie trug graue Trauerkleider und hatte jeden Schmuck abgelegt – in dem nach römischem Geschmack angelegten viereckigen Gärtlein des bescheidenen »Palatiums« zu Tournay auf den mit buntem – rotem und gelbem – Sand bestreuten Wegen in der Mitte eines schönen jungen Paares langsam auf und nieder. Zu ihrer Rechten ging der stattliche Guntbert; aber er ließ schwermütig das Haupt sinken und das holde blonde Mädchen, das an Basinas linkem Arme hing, drängte, hart kämpfend, die Thränen zurück.

»Es ist nicht möglich!« sprach die Königin hauptschüttelnd vor sich hin. »Er hat es dir versprochen, sagst du, Guntbert?«

»Fest versprochen. Und meinen Dank dafür genommen. Und gesagt, nun sei ich ihm noch stärker verpflichtet!« – »Und zwei Tage darauf . . .?« – »Ruft er mir, vom Gaul herab, an mir vorübersprengend, zu: ›'s ist nichts mit Bertrada. Die kriegt ein anderer!‹« »Nie!« sprach die Jungfrau ruhig. Und nun, da sie sich hoch aufrichtete, die großen, hellen Augen gen Himmel richtend, sah man erst, wie hochgewachsen auch sie war. Schweigend drückte die Königin ihren Arm an die Brust. »Und bald erfuhr ich,« hob Guntbert wieder an, »wie das kam und wer mir vorgezogen wird. Seit ein paar Wochen weilt ein Römer hier, ein Gesandter des Burgundenkönigs . . .« »Cautinus!« nickte die Königin, »ein Neffe des Bischofs Theoplastus von Genf. Ich sah es wohl, mit welchen Blicken er die Schlanke verfolgte,« grollte sie drohend und zog die Brauen zusammen: dann sah sie wirklich aus wie eine zürnende Göttin aus Asgardh.

»Der warb um sie bei ihm: – ist er doch ihr Muntwalt, da sie, die Fremde, eines Thürings Tochter, rechtlos ist im Lande und nur vom König geschützt. Der Römer bot ihm Gold, – erzählte mir Ansovald, der Antrustio, der dabei stand, viel Gold . . .« »Verkauft wie eine Ware!« sprach Bertrada. »Aber ich habe eine Seele. Und . . . des Vaters Schwert.« Und sie hob die geballte Faust.

Da blieb die Königin stehen und küßte des Mädchens Stirne. »Du Wackre! Das ist deines Vaters Art. Wie er sich selber Treue hielt – und mir – so du. Als alle, alle, die jahrelang der Königin geschmeichelt am Königshof der Thüringe, feige, treulos, falsch von mir abfielen in der Stunde der Gefahr, da haben nur zwei Herzen der Verfolgten Treue gehalten: dein Vater und, Guntbert, deine Mutter. Sie allein teilten viele Wochen lang die Gefahren, die Schrecknisse meiner Flucht durch die in Winterschnee starrenden Wälder, über das bröckelnde Eis aller Ströme von der Unstrut bis an die Schelde. Den Bären und den Räuber hat dein Vater, Bertrada, mir vom Leibe gewehrt, deine Mutter, Guntbert, mir die wunden Füße gesalbt; zuletzt haben beide mich getragen zwei Tage lang. Wohlan denn: Treue um Treue! Ich werde euch helfen, ich werde euch vereinen, so wahr ich den Treulosen geboren!«

»Das zählt dir nicht bei mir, Mutter,« rief eine hohe Stimme. Und Chlodovech sprang hell lachend hinter dem Vorhang hervor, der den Garten von dem Opisthodomos schied. »Das hast du nicht mir zu Lieb gethan. Kanntest mich ja noch gar nicht!«

Unwillig blieb die Königin stehen; das Mädchen drückte die Faust auf die Brust. »Ich hab' dein Wort!« rief Guntbert. »Da hast du auch was Rechtes! Ein König muß viele Worte haben: – Ja und nein nebeneinander! Der andere hatte auch eines meiner Wörter. Was denn? Hilft ihm auch nichts. Ist ja dumm!«

»Chlodovech! Halte Treue. Es war des Vaters letztes Wort.«

Sehr ärgerlich drehte sich der junge König auf der Ferse um sich selber herum. »Mutter – wenn du mir immer nur mit diesem Worte kommst – ich . . . ich ertrag's nicht. Ist ja . . .« Er fing das rohe Wort. Aber er sprach zu sich selber: »Mit ihrem Starenlied von der Treue! Sie wird mich mal so ärgern, daß ich sie nach ihrer ›Reise‹ aus Thüringen frage . . .« Er atmete nochmal heftig. Dann hatte er sich bezwungen. »Wozu all' das Gerede! Ist ja dumm. Wollte ich diese junge Walküre für mich haben – ja, blitze nur mit den Blauaugen! – oder für einen andern, so würde mich weder ihres Vaters dummes altes Schwert . . . – wo mag es übrigens sein?«

»Unter meinem Hauptkissen.«

»Noch Guntberts Zorn, noch der Frau Mutter Treuegesang abhalten. Meint ihr, ich fürcht' euch? Ich fürchte nur – manchmal – mich selber. Aber beruhigt euch, ihr Lieben. Es hat mich schon lange wieder gereut. Der Römer bot mir – nach genauer Schätzung! – doch nicht so viel als Guntberts Treue wert ist. Cautinus ist samt meinem Königswort abgeritten: – aber ohne die Braut! – Die Braut ist Guntberts! – Das bezahlte Brautgeld hab' ich freilich dem andern zurückzugeben . . . vergessen. . . . Ja, was willst du, Mutter? Der Schatz ist leer! Ein König ohne Geld ist . . .? Ist ja dumm. Und Wodan, dein hoher Ahn, hat auch gar oft Riesen und schöne Weiber – betrogen. Treue halten ist gut für Unterthanen, Götter und Könige können das nicht erschwingen. Also rüstet den Brautlauf! Schöne Bertrada, dem ersten Knaben leg' ich mit dem Namen ein Zahngeschenk in die Wiege. Kann man nicht Vater sein des Kindes eines schönen Weibes, – denn du bist wirklich schön, du Trutzige, nur gar zu herb! – ist es eine Art Abfindung, Namengeber dieses Balges werden!« – »Chlodovech! Du bist . . .!« – »Ja, Mutter, nicht ganz so . . . feierlich wie du. Wer weiß, welcher Elbe mein . . . Pate war und mir seine Art zum Zahngeschenke gab? Man raunt allerlei davon im Volke der Franken!«

 


 

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