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Chlodovech

Felix Dahn: Chlodovech - Kapitel 42
Quellenangabe
typefiction
authorFelix Dahn
titleChlodovech
correctorreuters@abc.de
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senderwww.gaga.net
projectid53b9bf09
created20070520
modified20160412
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XLII.

Wenige Tage darauf ließ der König seine Gattin und den Kanzler, der sich seit jener Unterredung nach Kräften zurückgehalten hatte, zu sich entbieten. Sie fanden ihn in zorniger Stimmung, wie seit der Niederlage an der Isère fast immer. »Was denn?« fauchte er beiden entgegen. »Dieser Imperator! Dieser Lügenkaiser! Dieser Wortbrecher! Da soll man noch einen Glauben an die Menschheit haben! Auf die Menschen ist so wenig Verlaß wie auf die – verschiedenen! – Götter. Wißt ihr, was in der großmächtigen Kiste war? Eben haben sie diese rückenbeugenden Byzantiner vor meinen Augen geöffnet: ein Rock und ein Brief!« »Ist wenig!« meinte der Kanzler spöttisch. »Da wird doch das Konzil helfen müssen,« flüsterte er der Königin zu.

»Was für ein Rock?« fragte diese erstaunt. »Ja, und was für ein Brief zumal?« forschte der Kanzler. »Der Rock? Da liegt er – irgendwo – dort, in die Ecke hab' ich ihn geworfen! – Das ist nämlich eine ›Chlamys‹, sagten die dienernden Gesandten: eine Chlamys wie sie der römische Konsul trägt. Und der Kaiser schicke mir den langen Rock mit den übrigen Abzeichen der konsularischen Würde. Ist ja dumm! Aber gleichwohl! Man muß auch kleine Mittel brauchen. Morgen reite ich durch die Straßen von Paris, mit dieser ›Chlamys‹ da behangen. Goldmünzen ausstreuend unter das Volk: das sei römischer Brauch, erklärten die Gesandten, – die dazu erforderlichen Goldstücke haben sie leider nicht mitgebracht! – Aber es kann nicht schaden, glauben meine römischen Unterthanen, es sei mit Zustimmung des Kaisers, daß ich ihnen römische Steuern abfordere. Hei! Wenig wahrlich haben wir seit vier Menschenaltern, seit dem Urahn Merovech, die Kaiser gefragt, ob es sie freue, daß wir uns in diesem schönen Lande ausbreiten.« »Aber der Brief?« mahnte der Kanzler. »Was denn? Ah ja. Da hab' ich ihn im Zorn in die andere Ecke geworfen. Danke, Cautine. Nun hört, wie man nur so lügen kann! Er schreibt, er wünsche mir Glück zu meinen – ›anfänglichen‹ – Erfolgen: als Anerkennung dieser schicke er mir jenen goldgestickten Rock. Aber das versprochene Gold sei er mir nicht schuldig, da ich ja den Krieg nicht bis zur Vernichtung der Feinde fortgeführt habe, sondern geschlagen worden sei! Im Gegenteil! Er habe – nach römischem Recht der ›Societas‹ – Wodan weiß, was für ein Ding das ist! – eine ›Schadensersatzforderung‹ gegen mich, weil er bei dem Angriff seiner Flotte auf die gotischen Häfen in Italien, den er nur mir zu Liebe – es ist doch stark, wenn ein Herrscher so lügt! So was sollte doch nicht sein! – unternommen, schwere Verluste erlitten habe. Der verfluchte Friedenskönig hat ihn nämlich überall zurückgeschlagen! Seine Schiffe haben gar nicht landen können. Der Seegraf von Neapel – Totila heißt er – und Graf Teja von Tarent haben sie in die Flucht gejagt. Ei, mich freut's, nachdem mir sein Sieg doch nichts mehr geholfen hätte.«

Da ward der Vorhang hastig aufgerissen. »Was ist, Ansovald? Was bringst du? Schon zurück von der Grenze? Du solltest ja mit diesem Vitigis um Waffenruhe verhandeln! Ich muß Zeit gewinnen, bis ich Gold, Söldner, Waffen, das heißt: immer wieder Gold . . . Was ist mit dem Waffenstillstand?« – »Nichts ist damit. Die Goten verlangen, weil sie die Gefährlichkeit – wie sie sagen – merowingischer Nachbarschaft erkannt, du sollest, um ihre Besitzungen sicherzustellen, dein ganzes Grenzland im Südwesten, alles, was du seit deines Vaters Tod hier erworben, abtreten an – Gundobad von Burgund, der sich ihnen auf das engste verbündet hat.«

»Was denn? Diese Hunde! Was hast du erwidert?« – »Ich wies die Schmach mit Stolz zurück. Aber . . .« – »Nun, was aber?« – »Da befahl Graf Vitigis – vor meinen Ohren – daß sechzig Tausendschaften Goten und zwanzigtausend Burgunden sofort gegen unsere Grenzen aufbrechen sollten. Jetzt wahre dich, Herr König! Jetzt gilt es nicht mehr Eroberung und Ruhm, – jetzt gilt es fechten für dein Haupt und Leben!« »Ja wohl,« rief Chlodovech. »Wahr sprichst du. Und ich habe kein Heer! Keine Waffen! Und kein Geld! Kanzler, berufe sofort das Konzil. Schaffe Geld, Geld um jeden Preis!« – »Und die Ketzer?« – »Nieder mit ihnen!« – »Und . . . und die Heiden?« – »Ich gebe sie dir preis! Nur Geld, Geld, rasch, viel! Und Waffen! Und ein Heer!«

 


 

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