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Chlodovech

Felix Dahn: Chlodovech - Kapitel 40
Quellenangabe
typefiction
authorFelix Dahn
titleChlodovech
correctorreuters@abc.de
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senderwww.gaga.net
projectid53b9bf09
created20070520
modified20160412
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XL.

Am andern Tag ward die Entscheidungsschlacht in diesem Krieg geschlagen.

Chlodovech wollte, wie gesagt, mit seinem Heer und den hier erwarteten Trümmern des burgundischen den vereinten Ost- und Westgoten den Übergang über die Isère verwehren, auf deren Nordufer, nördlich von Valence, bei Romans, er lagerte. Er wurde bis zur Vernichtung geschlagen. Die Ostgoten hatten, früher im Kampfe gegen Rom, nunmehr, seit dreißig Jahren in Italien in der Schule Roms, die überlegene römische Kriegführung kennen und nachbilden gelernt und sich so eine Kriegskunst angeeignet, die dann später nur durch die großen Feldherrn Belisar und Narses überboten ward. Aber gegenüber den noch halb barbarischen Franken, Burgunden, Alamannen war sie weit mehr als ausreichend.

Herzog Ibba, ein ganz besonders von dem großen König zu Ravenna ausgebildeter Feldherr, hatte nicht die Besiegung, – die Vernichtung des feindlichen Heeres hatte er ins Auge gefaßt. Nach alter römischer Überlieferung plante er die zangenhafte Umfassung des Gegners von allen Seiten. Und vollständig hatte er dem Gegner die Vorbereitung dieses Planes zu verbergen verstanden, Dank der geheimen Mitwirkung der Anwohner, die nun hier dem rechtgläubigen Kirchenbeschenker so beflissen wie anderwärts Chlodovech dienten.

Die Schlacht begann am frühen Morgen des schwülen Sommertages. Herzog Ibba eilte vorher den Fluß entlang an der Reihe seiner Krieger vorüber und befahl: »Betet! Betet zu dem Gott, an den ihr glaubt. Ihr heidnischen Gepiden in unsrem Heere zu Wodan! Ihr Christen zu Gott dem Vater, an den ihr alle glaubt, mag der Sohn dem Vater wesensgleich oder nur ähnlich sein. Ihr alle aber, sehet und höret euren Feldherrn beten.« Er sprang vom Roß, warf sich auf beide Knie und rief zum Himmel auf: »Höre mich, du Gott, allmächtiger Herr des Himmels und der Erden, gieb der gerechten Sache den Sieg. Wir zogen aus, den Enkel unsers Königs, ein hilflos Kind, zu schützen vor dem Räuber seines Erbes. Töte mich und zerschmettre mein Heer, wenn wir im Unrecht sind. Aber zerschmettre die Macht dieses Merowingen, wenn er ein Räuber und ein Mörder ist.« Dann sprang er auf, bestieg das Pferd und gab den Befehl zum Angriff. Auf Flößen und watend versuchte das Mitteltreffen der Goten den Übergang. Erfolgreich wehrte Chlodovech diesen Angriff ab. Vorsichtig hatte er auch diesmal eine Nachhut in seinem Rücken aufgestellt: aber diese ward nun sein Verderben. Denn plötzlich erscholl von diesem Rückhalt her wildes, verzweiflungsvolles Geschrei und in aufgelöster Flucht, vom Schrecken entschart, jagten seine Reiter, sein Fußvolk durcheinander gemischt, heran, seine eignen Reihen über den Haufen rennend. »Flieht! flieht!« schrien sie, sinnlos vor Entsetzen. »Alles ist aus! Die Goten über uns! Aus dem Walde! Die Goten überall.«

Da erbleichte Chlodovech: »Was denn? Was denn?« schrie er. »Ist ja dumm. Das müssen die – endlich eintreffenden! – Burgunden sein. Wer kann in unserm Rücken . . .?« – »Graf Vitigis! – Und alles ist verloren!« schrien die Flüchtigen und warfen die Waffen weg. Und es war so.

Graf Vitigis hatte am Abend vor der Schlacht von den Umwohnern erkundet, daß eine nicht allzuweite Strecke flußaufwärts in einem Fischerdorf eine sehr beträchtliche Zahl von Nachen und Boten zu finden sei: er berichtete das dem Herzog, der ihn sofort – es war dunkel geworden – mit einer starken und erlesenen Schar dorthin absandte, mit dem Befehl, den Fluß dort in aller Stille zu überschreiten, den Franken heimlich in den Rücken zu eilen, sich den Morgen über in dem Walde hinter Romans verborgen zu halten und gegen Mittag, wann er das Getose der Schlacht vernehmen werde, die Feinde überraschend von hinten anzugreifen. So war's geschehen.

Einen Blick warf Chlodovech noch nach vorn: da sah er bereits das Mitteltreffen der Goten das rechte Ufer der Isère ersteigen, nun nicht mehr abgewehrt von den Seinen, die, verwirrt durch das Geschrei vom Rücken her, zugleich von vorn bedroht, nach beiden Flanken hin auseinander stoben. »Hei,« rief er zornig gegen die schwarzen, schwülen Gewitterwolken hinauf, »ist das euer Dank, ihr Heiligen? – Der Sieg ist hin, jetzt gilt's Leben und Heer retten. Hierher, Guntbert! Hierher, Ansovald! Zurück! Alles zurück! Wir müssen diesen Vitigis über den Haufen rennen. Sonst sieht keiner von uns die Heimat wieder. Zurück!«

Aber Graf Vitigis war nicht über den Haufen zu rennen. Wie ein eherner Stachel traf er auf die entmutigt und ordnungslos gegen ihn heranflutenden Scharen, die Flüchtlingen viel ähnlicher als Angreifern waren. Er selbst prallte mit Chlodovech zusammen, aber es kam nicht zum Waffenkampf: Wàllăda, des Goten herrlich Roß, allerdings König Theoderich's edles Geschenk, warf im Ansprengen den Gaul des Königs auf die Hinterbeine. Mit Mühe zogen die Gefolgen den schwer gequetschten Reiter unter dem Pferd hervor und retteten ihn aus der verlornen Schlacht: sein Heer war tot, wund, gefangen.

 


 

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