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Chlodovech

Felix Dahn: Chlodovech - Kapitel 35
Quellenangabe
typefiction
authorFelix Dahn
titleChlodovech
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
projectid53b9bf09
created20070520
modified20160412
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XXXV.

Von dem eroberten Kastell in das Lager von Poitiers zurückgekehrt, rüstete Chlodovech nun alles zu dem Sturm auf die überaus festen Werke, während seine Streifscharen, wie die Burgunden unter Gundobad, das flache Land weithin verheerten. »Hm,« meinte er zu Ansovald nach einem prüfenden Umritt um die Mauern, – Guntbert hielt sich fern – »wird viel Blut kosten. Aber wir wollens doch allein machen, ehe die Burgunden kommen. Dann kriegt Freund Gundobad nicht einen Stein von Poitiers.«

Jedoch der Sturm sollte den Franken erspart bleiben. Gleich nach diesem Umritt kehrte Cautinus zurück, der wiederholt, um Verhandlungen mit den Belagerten über Frieden oder doch Waffenstillstand zu führen, in die Stadt gegangen war, in Wahrheit aber, um von dem Bischof allerlei über den Zustand der Feste und die Pläne der Belagerten zu erforschen. »Herr König,« rief er, sobald er in dessen Zelt trat, »ich heische Botenlohn für wichtige, frohe Kunde!«

»Was denn?« meinte der, »Gold hab' ich dir schon genug geschenkt. Aber ich sah wiederholt die heißen Blicke deiner kohlschwarzen Augen so begehrlich ruhen auf den schönen, jungen, schlanken, blonden, weißarmigen Gotenmädchen, die wir in jener Feste gefangen. Ich will dir ein paar schenken: suche dir zwei aus.« – »Herr König, was . . .?« – »Was denn? Was denn? Verstell' dich nicht vor mir! Ist ja dumm. Frau Hrothehild und Genoveva und Remigius – unscheidbar, wie die heilige Dreifaltigkeit! – sind zum Glück für uns beide nicht allwissend wie diese.« »Dank also,« sprach Cautinus mit funkelnden Augen. »Nun höre: in dem Heere der Goten gärt es: Empörung gegen Alarich steht bevor.« – »Vorzüglich! Aber warum?« – »Sie grollen ihm, daß er uns das Land verheeren läßt und sich in der Feste einschließt . . .« – »Das Klügste, was er thun kann, bis die Ostgoten kommen.« – »Sie verlangen stürmisch, er solle herausbrechen und im offnen Felde kämpfen.« »Dann ist er verloren,« lachte Chlodovech. »Das erkennt er; deshalb weigert er sich noch, aber bald werden sie ihn zwingen. Zumal, wenn du ein wenig nachhilfst.« – »Wie gern! Aber wie?« – »Bischof Theodor – er ist ein kluges Haupt . . .« »Nur allzuklug,« meinte der König, bedeutsam nickend. »Er rät dir, zum Schein die Belagerung aufzuheben, abzuziehen, angeblich, weil die Ostgoten heranrücken, diesen entgegen, etwa nach Vouglé, auf die vocladischen Felder. Dann wird sein Heer Alarich zwingen, dir nachzueilen, um dich zwischen die Ostgoten und seine Scharen in die Mitte zu nehmen, zu umklammern und zu vernichten. Die Ostgoten aber sind noch jenseit der Alpen: du machst Kehrt und hast Alarich und die Seinen vor dem Schwert: – außerhalb der schützenden Wälle.«

Chlodovech strahlte vor Freude: »Herrlich! herrlich! Höre, dem Bischof bin ich Dank schuldig: ich schenke seiner Kirche mein Gewicht in Gold. Und ihm selber? – Sollen wir ihm auch eine hübsche Gotin . . .? – Was denn? Nicht? Ist doch nicht dumm?« »Er ist wohl zu alt,« lächelte Cautinus, »solche Gabe noch recht würdigen zu können.« – »Also frisch ans Werk. Rufe Guntbert, Ansovald, die andern Führer zusammen und alle Krieger außer den Wachen. Laut verkünd' ich's, daß wir morgen den Ostgoten, die schon bei Vouglé stehen, entgegenziehen, um nicht hier von diesem Entsatzheer mit einem Ausfall der Belagerten zugleich gepackt zu werden. Nachdem wir die Ostgoten zurückgeschlagen, – verkünd' ich, – wollen wir nach Poitiers umkehren. Die Nachricht von der Annäherung der Ostgoten muß rasch in die Stadt gelangen, sonst zieht uns Alarich nicht nach. Wie fang' ich das an? Was denn? Was denn?« Er ging nachsinnend auf und nieder. »Hei, ich hab's. Wodan gab mir's ein: – will sagen Sankt Martinus. Zwei Überläufer müssen's in der Stadt verbreiten.« »Denen kostet's den Kragen, wird der Betrug entdeckt,« meinte der Priester. »Schadet wenig!« lachte Chlodovech. »Ist ein gottgefällig Werk, die in den Tod zu schicken. Aber wer weiß? Die – wie die Katzen – fallen immer ungeschädigt auf die Füße. He, Gero und Frecho! Herein! Meine Wölflein, – ihr sollt wieder traben!«

 


 

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