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Chlodovech

Felix Dahn: Chlodovech - Kapitel 28
Quellenangabe
typefiction
authorFelix Dahn
titleChlodovech
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
projectid53b9bf09
created20070520
modified20160412
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XXVIII.

Chlodovech brach nie sein Wort, hatte er es zu seinem Vorteil gegeben. So wandte er sich, durch den Heerbann von Cambrai verstärkt, sofort nach der Vernichtung Ragnachars gegen Chararich, den Gaukönig von Thérouenne im heutigen Departement du Pas de Calais. In wenigen Tagemärschen gen Nordwesten war das feindliche Gebiet erreicht. Überrascht durch den plötzlichen Angriff – ohne vorgängige Kriegserklärung – suchte der Erschrockene zwar seine Heerleute aufzubieten: aber im Gefühl, sie zu spät sammeln zu können, schickte er dem Angreifer Gesandte entgegen und bat um eine Unterredung, in der die Ursache des Angriffs erörtert werden solle: er sei zu jeder Sühne auch für unbeabsichtigte Beleidigung bereit.

»Er soll nur kommen,« lachte Chlodovech. »Dann wird er die Ursache des Angriffs, die Beleidigung, die Sühne und die Strafe – alles zusammen! – ganz geschwind erfahren. Er soll mich nach drei Nächten vor den Thoren von Lillers in meinem Lager aufsuchen. Aber daß er nur ja nicht vergißt, seinen Sohn Charimer mitzubringen: dem hab' ich ganz was Besonderes zu sagen.« Dem Gaukönig von Thérouenne blieb keine Wahl: er konnte, urplötzlich überfallen von übermächtigem, bisher stets siegreichem Angreifer, nicht Widerstand leisten: so hoffte er denn, ihn durch Zugeständnisse zu beschwichtigen. Wenig kannte er den Merowing!

Als er an dem Abend des verabredeten Tages mit seinem Sohn, einem stattlichen, trotzigblickenden Jüngling, in dem Zelt Chlodovechs eintrat, traf er diesen bei seinem höchst einfachen Abendschmaus. Erstaunt fragte er nach der ersten Begrüßung: »Der Duft dieses Bratens: – das ist Pferdefleisch! Du bist doch Christ: denen ist das verboten!«

»Das schert dich nicht – oder den Teufel! – du schlimmer Heide. Das hat mir der Bischof von Genf verstattet: – in Anbetracht meines schwachen Magens.« »Aber fränkische Gaue kann dieser Magen gut vertragen,« warf der junge Charimer ein. »Hei, hei,« sprach Chlodovech, mit dem Dolch im Wehrgehäng spielend, »schau, wie witzig! Schade, so kluge Kinder kommen selten zu Jahren.« Er hatte sich nicht von der Tafel erhoben, ebensowenig die Ankömmlinge aufgefordert, mit zu speisen.

»Wo sind eure Begleiter?« – »Am Eingang des Lagers wurden sie gleich von deinen Leuten zum Abendschmaus abgeführt.« – »So ist mein Befehl erfüllt. Nun sollt auch ihr sofort bedient werden. He, Ansovald!« Da stürmte Ansovald mit zehn Antrustionen in das Zelt: im Augenblick waren Vater und Sohn gebunden. Chlodovech sprang nun auf: »Ihr Elenden, hab' ich euch? Ihr falschen Klugmeister! Ist das echte Sippentreue, daß ihr mich damals im Kampfe mit dem Römer im Stiche gelassen habt? Hättet euch wohl gefreut, hätte ich mir an den dicken Mauern von Soisson den Schädel eingerannt? He?« – »Aber Vetter . . .!« – »Die Vetterschaft ist schwach, die mir nicht beisteht! Ich hatte euern Tod beschlossen. Ja, ja, fahrt nur zusammen. Aber meine fromme Königin hat für euch gebeten: sie will wieder einmal ein gottgefällig Werk thun. So hab' ich ihr denn versprochen, ihr sollt am Leben bleiben, wenn ihr Christen werdet, euch die langen, merowingischen Königslocken scheren laßt und als Mönche in mein neugegründet Kloster Micy tretet.« Bestürzt, wie vernichtet, stammelte der Vater: »Sich taufen lassen? Sei's darum. Aber das Königshaar schneiden lassen . . .« Da tröstete ihn, noch in seinen Fesseln trotzig, der Sohn: »Ach Vater, laß gut sein, die Taufe kann man wieder abspülen. Und an frischem Holze wächst auch das abgeschnittene Laub wieder nach.« – »So meinst du, du hoffnungsvoller Neffe? Entspringen und wieder als König auftreten? Warte! Da muß nicht das Laub, da muß der Stamm fallen. Führt sie hinaus – beide – und schlagt ihnen die Köpfe ab. Ich kann Frau Hrothehild nicht helfen! Er will ja nicht Mönch bleiben. Morgen ziehen wir ein in Thérouenne und nehmen alles Volk in Treuepflicht.« Und so geschah's.

 


 

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