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Chlodovech

Felix Dahn: Chlodovech - Kapitel 23
Quellenangabe
typefiction
authorFelix Dahn
titleChlodovech
correctorreuters@abc.de
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senderwww.gaga.net
projectid53b9bf09
created20070520
modified20160412
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XXIII.

Nach Paris zurückgekehrt und von den Seinen jubelnd empfangen, wiederholte der Neubekehrte seine strenge Einschärfung, die bevorstehende Taufe noch immer geheim zu halten. Erstaunt und nicht ohne Mißtrauen fragte die Königin: »Weshalb? Schämst du dich des Herrn!«

»Was denn? Ist ja dumm! Er hat ja seine Wodan überlegne Macht so deutlich bewiesen, daß ich blind sein müßte, hätt' ich's nicht gesehen. Schämen! Eher dessen müßte ich mich schämen, solang dem Unrechten, das heißt dem Minder-Mächtigen gedient zu haben. Aber – Vorsicht thut not. Denn, weißt du, schöne Bekehrerin, ich möchte beileibe nicht, indem ich das Himmelreich gewinne, das Frankenreich darüber verlieren! Und das könnte mir leichtlich begegnen. Zwar können mich meine Franken nicht hindern, zu glauben, an wen ich will: aber ich kann auch sie nicht hindern, wenn ich von ihren alten Göttern abfalle, sich einen andern König zu wählen. Was denn? Sie haben das Wählen gar nicht nötig. All' meine Nachbarkönige, meist meine Ohme und Vettern und andere Schwertmagen sind noch eifrig heidnisch: Theudibert zu Béthune, Ragnachar zu Cambrai, Chararich zu Thérouenne, Rignomer zu Le Mans und noch ein halbes Schock solch' unnützer Mitesser an Gallien: meine Gauleute brauchen nur über meine – überall so nahen! – Grenzen hinaus zu ziehen: mit offenen Armen nehmen die lieben Nachbarn meine Krieger auf: das heißt: mir weg. Und leicht bezwingen sie mich dann, von allen Seiten eindringend.«

»Der Herr Christus wird dich dann beschützen,« tröstete die Königin.

»Ja, was denn? Was denn? Gar zu oft möcht' ich ihn doch nicht mühen, da oben auf seinem Himmelsthron. Und ein rechter Mann muß sich vor allem selber schützen. Beten ist gut, aber fechten dabei! Deshalb gönnet mir nur so viel Zeit, – ich werde ja doch so rasch noch nicht sterben! – meine Franken ein wenig vorzubereiten: mindestens eine solche Zahl von ihnen und so tüchtige, daß die andern sich besinnen werden, ehe sie mit uns anbinden. Ob Guntbert . . .?« Er schüttelte den Kopf. »Ach nein! Den hält meine Frau Mutter allzufest in der Hand. Uh, wenn ich die Schelte der grimmen Wodans-Priesterin doch schon überstanden hätte! Sie hat so besondere Augen! Ich fürchte diese Augen immer noch so, wie wann ich als Knabe so eine kleine nette Lüge gelogen hatte. Muß ich denn durchaus diesen unheildrohenden Augen begegnen? Was denn? Wollen doch 'mal sehen . . .« schloß er sinnend.


Während dieser Vorbereitungen verlangte Remigius, der Neubekehrte müsse nun, bevor er würdig sei, die Taufe zu empfangen, gründlich in die Lehren der Kirche, in die genaue Kenntnis der heiligen Geschichte eingeführt werden und sandte zu diesem Behuf einen frommen und gelehrten Priester, Hluthart, der ihn täglich mindestens eine Stunde unterweisen solle.

Aber Chlodovech sträubte sich gewaltig!

»Was denn? Was denn? Wozu denn? Ich habe von meiner lieben Hausfrau Tag und Nacht all' diese Jahre her schon so viel hören müssen von diesen heiligen Geschichten, daß es langt. Ist ja gar nicht nötig, daß ich's so genau weiß, wie der Priester da: will ja nicht predigen. Ich glaub' es ja doch nicht, weil der es sagt oder weil es in dem dicken Buch da steht, sondern ganz einfach von wegen des Tags an der Lauter. Und täglich eine Stunde sitzen wie die Knäblein in der Klosterschule! Das halt' ich nicht aus. Hätt' ich das gewußt . . .!« Mit Mühe bewogen ihn die Bitten der Königin nachzugeben. Er meinte dann, zu der Stunde könne ja seine Mittagsmahlzeit verwendet werden! Als der Priester das entrüstet ablehnte, setzte der ungeberdige Schüler durch, daß die halbe Zeit im Umherwandeln, nicht im Sitzen verbracht werde. Darauf ließ sich der Mann Gottes ein.

Als sie nun eines Tages in dem Palasthof auf- und niederschritten und Hluthart ausführlich erzählte, wie der Herr von Petrus verleugnet worden sei, rief der Merowing unwillig: »Ah, der Neiding! Und den hat man nicht aus der Gefolgschaft gestoßen? Und der ist ein Heiliger? Da sind mir Guntbert und Ansovald lieber!« Und als bald darauf berichtet ward, wie der göttliche Dulder von den Juden mißhandelt und verhöhnt wurde, fuhr der König heftig auf: »Ja, diese Juden! Die Elenden! Man kann ihnen noch heute nicht genug Geld abdrücken – zur Strafe. Wär' ich nur dabei gewesen mit meinen Franken« – zornig ballte er die Faust –, »wahrlich, er wäre nicht gekreuzigt worden!«

»Aber Herr König, bedenke doch! Dann wäre die Menschheit nicht erlöst worden.« – »Ja so! – – Nun, den Sieg an der Lauter hätte er mir doch auch so gespendet.« Kopfschüttelnd seufzte der Lehrer: »Ach, all' mein Mühen ist umsonst! Ich fürchte, wir werden nur deinen Scheitel taufen: – deine Seele bleibt eine arge Heidin.«

 


 

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