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Chlodovech

Felix Dahn: Chlodovech - Kapitel 20
Quellenangabe
typefiction
authorFelix Dahn
titleChlodovech
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
projectid53b9bf09
created20070520
modified20160412
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XX.

In größter Stille und Heimlichkeit hatte Chlodovech im Winter und in den ersten Frühlingswochen die Vorbereitungen zu dem Feldzug gegen die Alamannen betrieben: sorgfältig und genau waren den erst kurz vor dem Losschlagen in das Vertrauen gezogenen Grafen die Sammelorte für die Aufgebote ihrer Gaue, die Straßen, – meist alte Römerstraßen – auf denen sie gen Osten zu ziehen hatten, bezeichnet worden. Der Zug ging von Westen nach Osten über Verdun auf Metz, einen Hauptort der verbündeten Uferfranken, mit deren Heer die Salier sich dort vereinen sollten, um dann gemeinsam zwischen Straßburg und Speier den Rhein zu überschreiten und schnell so tief wie möglich in das Land der Alamannen einzubrechen, den Widerstand der nächsten Landschaften zu überwältigen; noch bevor König Chnodobert aus dem Innern des Landes herbeieilen konnte.

»Hört,« rief der König bei der letzten Musterung vor den Thoren von Paris seinen Heermannen zu, »hört auf mein Wort, ihr freien, aber zuweilen frechen Franken.«

Die Leute lachten, sie liebten ihren jungen König, seinen hitzigen Mut und auch seine scharfen Scherze, die er wie geflügelte Pfeile entsandte.

»Wenn ihr nun in das Land der Uferfranken kommt, – wackre Leute, ihr versteht! – aber nicht so klug wie wir: sie arbeiten in diesem Kriege wie die Bienen: – nicht für sich: – für andere Leute . . .« Verständnisvoll nickten ihm viele lachend zu. »Dann betragt euch nicht frech; sondern friedlich. Küßt ihre Weiber nicht, trinkt ihnen die Keller nicht leer – oder doch nicht ganz! – Bedenkt, wenn ihr diese wackern Bienen aufstört und sie, gereizt, von hinten über uns herfallen, während jene wütigen Alamannen-Stiere uns von vorn auf die Hörner nehmen, – dann kann uns Wodan beim besten Willen vielleicht nicht retten. Wohl verstanden: – denn Übermenschliches mut' ich euch nicht zu! – auf dem Hinweg durch das Land der Uferfranken nehmt euch zusammen. Haben wir – mit ihrer Hilfe – die Feinde geschlagen, – nun, auf dem Rückweg dürft ihr euch schon eher gütlich thun in Haus und Keller unserer treuen Verbündeten.« Laut lachend schlugen die Leute die Speere an die Schilde.

Es war Anfang Mai, als das Heer aufbrach. – Innig, aber thränenlos war der Abschied, den Frau Bertrada von ihrem Manne nahm: »Ich bange nicht um dich,« sprach sie, »in offnem Kampf: ich baue auf deine Kraft: ich weiß, du kommst mir wieder.« »O Vater, Mutter, dann thut doch endlich nach meinem heißen Bitten,« flehte der Knabe Guntwalt, »und laßt mich – ich darf ja noch nicht in die Schlacht! – dem Vater den Schild nachtragen ins Lager.« »Schweig,« sprach Guntbert, »du mußt hier Mutter und Schwester beschützen mit deinem Bogen. Begreifst du das nicht?« Befriedigt schwieg der Knabe.

Aber mit schwererem Herzen sah die Königin ihren Gemahl ins Feld ziehen. »O Teurer,« klagte sie, »mir ist bang um dich. Remigius sagt . . .« – »Was denn? Was sagt der fromme Mann schon wieder? Er sagt etwas viel in diesen letzten Zeiten!«

»Er meint, du habest gar keinen gerechten Grund, jenen König anzugreifen.« – »Ja, in der Bibel steht wohl nichts von meinen Gründen!« – »Theoplastus entschuldigte freilich: Heiden und Ketzer zu bekämpfen, bedürfe es nie besonderen Grundes.« »Hei, hei. So, so,« lachte Chlodovech, »danach ist's nur gut, daß gar kein katholischer Herrscher auf Erden lebt: – ausgenommen der Herr Imperator drüben in Byzanz: der thut mir gewiß nichts. Sonst könnte ich ja keine Nacht mehr ruhig schlafen. Leb' nun wohl! Sieh, da bringen sie schon den Gunfanon. Guntbert trägt ihn.« Mit Erschauern sah's die Königin. »Wehe, weh! Da ist es wieder, des Heidengottes, des Dämons verhaßtes Zeichen.« Ziemlich unsanft verhielt ihr Chlodovech den Mund: es war fast ein leiser Schlag. »Schweig doch! Erzürne mir im Augenblick des Aufbruchs den Gott des Sieges! Sei so gut! Ja? – Hei, auf blutrotem Tuch die beiden grauen Wölfe und der dunkelflüglige Adler Wodans darüber hin! Ich grüße euch, Gero und Frecho, und dich, du König der Lüfte! Sendet mir Sieg.« – »O Chlodovech! Und willst du wirklich unter jenem Zeichen kämpfen . . .?« – »Ja, Wodan soll jetzt zeigen, was er kann: wie der Sohn der Jungfrau (ist doch hart zu glauben!) seine Macht an unserm Kind erwahrte. Hörst du, Wodan? – Nun gilt es deinen Ruhm! Versteck' dich nicht!« – »So verschmähe doch den Segen nicht, den dein bangend Weib dir mitgiebt. Sieh hier: Genoveva und Remigius bitten dich wie ich.« – »O Remigius? Hm! Der ist weise. Was will er?« – »Sieh hier, das silberne Jesuskind von damals . . .« – »Was denn? Was denn? Was soll's?« – »Aufgereiht an geweihter Schnur hat es Remigius: du sollst es mit dir nehmen und tragen.« – »Wie? Vor meinen heidnischen Heermännern? Nein!« – »Wohl denn: verborgen, unter der Brünne, auf der Brust.« »Hm,« meinte er nachdenklich. »Nun, mag sein! Nützt es nicht, so kann's nicht schaden. Her damit. Aber geschwind! Die Franken brauchen's nicht zu sehen. Und nun noch einen Kuß. Ei, noch einen. Jetzt – Wodan oder Christus – helft. Ich rat' es euch: – wer besser hilft, hat mich und dieses Reich der Franken.«

 


 

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