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Chlodovech

Felix Dahn: Chlodovech - Kapitel 18
Quellenangabe
typefiction
authorFelix Dahn
titleChlodovech
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
projectid53b9bf09
created20070520
modified20160412
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XVIII.

Dieser Tag bildete einen wichtigen Markstein auf der Bahn, die den Sohn Basinas immer weiter ab von deren Göttern führen sollte.

Er zweifelte nicht an dem Wunder, das er erlebt hatte: und seine Gattin, Genoveva, die Bischöfe, die andern Geistlichen und alle Christen zu Paris sorgten dafür, daß ihm gar kein solcher Zweifel aufsteigen konnte: die Königin verdoppelte ihre Gaben an die Kirchen, die Tag und Nacht von dankbaren Gläubigen erfüllt waren. Genoveva hatte ein Traumgesicht: sie sah die heilige Jungfrau ihres Sohnes Hände küssen, weil er ihre Fürbitte erhört. Und sogar aus Reims eilte der hoch vom König verehrte Bischof Remigius herbei, die Stätten des Wunders – das Bett des Kindes und den Altar der Kapelle – und das silberne Doppelbild mit eignen Augen zu sehen.

Gerade hierbei traf ihn der König. Er begrüßte den Greis mit einer gewissen Scheu: – denn er fürchtete ein wenig diese Augen, die seit so vielen Jahrzehnten gewohnt waren, in der Beichte und – nach solcher Schulung – auch außer der Beichte den Menschen in den tiefsten Grund der Seele zu schauen. Dann begann er mit listigem Augenzwinkern: »Ehrwürdiger Bischof, nun sag' mir mal: warum wohl hat euer Gott dieses Wunder gethan? Was meinst du? Aus welchem Grund?« Mit wohlklingender, orgeltöniger Stimme antwortete Sankt Remigius, die seelenbeherrschenden Augen voll aufschlagend: »Du kannst fragen? Aus dem Grund seiner unergründlichen Barmherzigkeit, aus Mitleid mit dem Schmerze der ihm vollvertrauenden Mutter.« »So, so! – Was denn?« – meinte der König, sichtlich enttäuscht und ein wenig verstimmt. »Und ich hatte geglaubt: um die drohende Zerstörung seines Bildes zu verhüten, seine Wunderkraft zu beweisen. Schade! Es wäre so hübsch gewesen, durch solche Bedrohung jeden Augenblick euren Herrn Christus zwingen zu können, zur Beweisung seiner Macht ein kleines Wunder zu thun.« »Abscheulicher!« rief da Bischof Remigius. »Was . . . was denn? – Was hast du zu sagen gewagt?« stotterte der König, vor Staunen mehr noch als vor Zorn halb sprachlos. »Wie immer: die Wahrheit!« Hoch richtete sich die ehrwürdige Gestalt des alten, doch nicht vom Alter gebeugten Mannes auf, aus seinen strahlenden Augen blitzte jener Mut des Glaubens, der die Blutzeugen der jungen Kirche mit Freudengesängen hatte in den Tod gehen lassen. »Die Wahrheit!« wiederholte er, »Herr König! Dir ist alles Heiligste nur Mittel zu deinen schnöden, weltlichen Zwecken und du schämst dich nicht, dem ewigen Gott deine sündigen Beweggründe zu leihen! Wahrlich, ich sage dir: Gott versuchen ist eine schwere Sünde. Lade sie nicht, lade sie nie wieder auf dein schuldig Haupt: – du würdest darüber zu Grunde gehen.« – »Bischof, du reizest mich sehr! Du bist . . .« – »Ein Diener des Herrn, in dessen Hand ich stehe wie du. Und Menschenfurcht rührt nicht an jene, die des Herrn sind.« Und er wandte sich und ließ den Betroffnen stehen.

»Hm,« meinte der, »das ist ein anderes Holz, aus dem der geschnitzt ist, als die Theoplastus und Cautinus. Die kann man biegen, bestechen und brechen. Aber solch ein Christenpriester . . .! Der Mann ist ein Held. Helden muß man gewinnen oder – totschlagen, anders wird man nicht mit ihnen fertig. Wäre der immer im Palatium, Frau Hrothehild und er, miteinander, wüchsen mir, fürcht' ich, über Haupt und Krone. Der drückt mich. Er muß mir bald wieder fort!«

Ein paar Tage darauf kam auf schäumendem Roß angesprengt ein eilender Bote aus Reims, den Bischof schleunig heimzurufen: eine Überschwemmung der Vesle habe die Basilika geschädigt. Bestürzt eilte der Pflichteifrige nach Hause. Die Vesle hatte weniger Wasser als je. Der Bote ist bis heute noch nicht zu ermitteln gewesen.

 


 

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