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Chlodovech

Felix Dahn: Chlodovech - Kapitel 16
Quellenangabe
typefiction
authorFelix Dahn
titleChlodovech
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
projectid53b9bf09
created20070520
modified20160412
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XVI.

Die zwiefache Empfehlung des Kindes: die öffentliche in den Schutz des Christengottes und die heimliche in den der Heidengötter sollte doch nicht fruchten: wenige Stunden nach der Taufe erkrankte es schwer und starb trotz der Gebete und Gelübde der Mutter und den – heimlichen – Opfern des Vaters noch in den weißen Taufgewanden.

Es traf Chlodovech noch anders als die tiefgebeugte Frau. Unwillig, ja zornig kam er von der Besetzung des kleinen Sarges in der Krypta der Basilika des heiligen Vincentius zurück zu der in Thränen Aufgelösten. »Nun, was denn? Was denn?« schalt er. »Jetzt freilich Thränen, nichts als Thränen! Statt zu fragen, warum? Der Bub war stark gezeugt und gesund geboren: wäre ein fester Kerl geworden! Warum erkrankt er plötzlich und wird ausgeblasen wie ein Licht? Trotz allem Gebetplärren der Kreuzpriester in den Basiliken! Und trotz soviel Pfunden Gelübde-Wachses für die Kirchenkerzen! Und trotz der Austreibung des Fieber-Dämons durch Theoplastus. Und trotz« – er wollte sagen: »meiner Opfer für die Götter«: – aber er fing das noch auf. »Und trotz der trefflichen Pflege der Jungfrau Genoveva, die dich fast noch in Mühung überbot. Tot liegt der prächtige Bub. Warum? Weißt du Antwort?«

»Die Wege meines Gottes sind unerforschlich,« schluchzte die Mutter. »Ja, aber kostspielig für seine Gläubigen! Ist ja dumm! Ich will dir sagen warum das arme Tierlein sterben mußte.« Scheu sah er um, als könnten seine Worte plötzlich bestätigt werden. »Das ist die Strafe, der Zorn, die Rache der alten Götter! Ihrem Schutz – allein – hätt' ich das Kind vertrauen müssen. Dann wär' es nicht gestorben! Aber sie haben zeigen wollen, daß euer Christengott nichts vermag gegen sie: er konnte den Knaben nicht schützen, für den doch so viele Geschorene beteten. Und in den von Genoveva gestickten und geschenkten Taufkleidern ward er von der Sucht befallen: – wie ihr und euch allen und eurem Christus zum Hohne. Uh, uh! Dieser Beweis macht mich sehr stutzig. Ich fing schon beinah an, zu glauben, euer Gott sei mindestens ebenso stark wie Wodan und Donar. Aber das scheint mir doch nun gar nicht mehr. Ich muß wieder den Göttern eifriger . . . he, Ansovald, rüste zum Fest der Göttin Ostara ein reichlich Opfer zu: Eier, Hühner, Ostara-Fladen. Auch ein Sonderopfer für Wodan um Sieg: sechs Rosse. Aber höre,« flüsterte er, als ob es der Siegesgott nicht hören solle: »nicht gerade von den allerbesten; suche die nicht mehr sattelstarken aus!«

 


 

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