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Chlodovech

Felix Dahn: Chlodovech - Kapitel 15
Quellenangabe
typefiction
authorFelix Dahn
titleChlodovech
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
projectid53b9bf09
created20070520
modified20160412
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XV.

Nicht ein Jahr war ins Land gegangen, da war die Frau Königin Hrothehild eines starken Knaben genesen. Groß war des jungen Vaters Freude: er wohnte auch ganz willig der Taufe bei, die mit aller kirchlichen Pracht und Herrlichkeit in der Basilika des heiligen Vincentius von Theoplastus gehalten wurde; nur zuletzt ward er ein wenig ungeduldig, als die lateinischen Reden und Gesänge der Geistlichen gar kein Ende nehmen wollten.

Auch hatte er nicht gelitten, daß der fromme Name »Theodor« gewählt werde: »Was denn? Ist ja dumm!« hatte er gerufen. »Soll ich mir meinen eigenen Buben immer erst aus dem Griechischen übersetzen? ›Kampfreich‹ soll sein Leben sein: und nach alter Merowingensitte soll er heißen wie sein Großvater: ›Childirich, Kampfreich‹.« Die schöne, junge Mutter lobte ihn nach dem Schluß der feierlichen Handlung, daß er so gut Wort gehalten und die Taufe des Sohnes gestattet habe. Er küßte sie heiß auf den Mund. »Was denn? Ich halte immer Wort. Oder doch – meistens,« lachte er. »Und wenn's klug ist, – immer. Wir haben Heiden und Christen im Lande: – da muß man mit zwei Rudern fahren. Übrigens,« – murmelte er für sich, – »Vorsicht kann nicht schaden. Man kann dem einen Gott rechts opfern und den vielen andern links.« – »Was raunst du da? Was meinst du?« – »Oh nichts.« Aber er meinte doch etwas.

Als die warme Frühlingsnacht gekommen war, glitt er geräuschlos in das dunkle Gemach, in welchem das Kind, von einer Dienerin gehütet, in der Wiege lag, bedeutete der Alten durch gebietende Drohung Schweigen und trug den schlummernden Säugling hinaus ins Freie, in den schweigenden Hof des Palastes. Dort hing an einem Pfeiler sein dellenreicher Erzschild: er nahm ihn herab, legte das Kind hinein und hob das ›Schild-Kind‹ mit beiden Armen hoch gen Himmel: »Da habt ihr ihn, Wodan und Donar und all' ihr andern! Euer soll er sein. Wenigstens halb! Nehmt's nicht krumm, daß ich ihn halb dem – nun, dem Gott Hrothehildens geben mußte. Wirklich, – ich konnte nicht gut anders. Was denn? Ich mußte sie doch haben: – sie ist gar so schön! Das seht ihr selber ein. Du, Wodan, verstehst dich auf schöne Weiber und ihren zwingenden Reiz! Und was schadet's euch? Der andre ist ja doch wohl auch ein Gott! Helft ihr dem Buben, wie jener. Und zum Zeichen, daß er auch euch gehören soll – da – seht, – hänge ich ihm dies Bernstein-Angebinde um den Hals: sieht aus wie ein Kreuz: das werd' ich seiner Mutter klar machen – aber,« lachte er, »ist ja keins! Ihr wißt es besser: ist ja – aus meines Vaters Erbe – der Hammer Donars. So gehört er euch wie dem Kreuzgott. Aber das bleibt unter uns.«

 


 

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