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Chlodovech

Felix Dahn: Chlodovech - Kapitel 14
Quellenangabe
typefiction
authorFelix Dahn
titleChlodovech
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
projectid53b9bf09
created20070520
modified20160412
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XIV.

Kaum war der Bischof in den Palast getreten, als von außen, von der Straße her, die durchsichtige Gitterthüre geöffnet wurde und eine hohe Frauengestalt in grauen Trauerkleidern über die Schwelle schwebte. Langsam, feierlich schritt sie heran.

Wenig erfreut kam ihr Chlodovech entgegen. »Mutter! Du im Palast? Ein seltner Gast.« – »Du sagst es: ich bin hier eine Fremde.« Die königliche Frau hatte sich stark verwandelt in diesen Jahren: nicht das Alter, aber Gram und Weh hatten tiefe Furchen in das edle Antlitz gegraben: ihr Haar war schneeweiß geworden.

»Was willst du von mir?« fragte der Sohn unsicher.

»Abschied nehmen.« – »Mutter!« – »Ich verlasse diese Stadt. Ich will die Halle nie mehr sehen, in der die Christin den Hochsitz einnehmen wird, den ich, die Wodanstochter, Wodan und Frigg geweiht.« – »Aber was denn! Ich habe doch niemals versprochen, nur Heidinnen zu heiraten. Ich habe keinem ein solch' Wort gegeben!« – »Kein solch Wort. Aber du weißt, was der Sinn des sterbenden Vaters heischte. Brichst du einst auch dein Wort gegen die Götter und ihre Verehrer, dann – – wirst du mich wieder schauen. Ich – hör' es, mein Childirich, oben in Walhall! – ich halte mein Wort und erfülle meinen Schwur.« So begeistert, so feierlich, so drohend sah das hehre Weib, wie es den rechten Arm hoch gen Himmel hob, daß den kecken Sohn doch ein leiser Schauer durchfröstelte. Aber gleich wieder warf er das rote Gelock in den Nacken. »Was denn! Was für einen Schwur? Weiß nichts davon!« – »Bete, daß du es nie wissen lernest.« – »Ah, ist ja . . . Und wohin willst du dich wenden?« – »Nach Toxandrien. Die Priesterinnen in dem Wodanshaine dort, – neben Guntberts Hof – sie wünschen, mich in ihre Mitte aufzunehmen.« Erleichtert atmete er auf. »Ist gut!« dachte er. »Ist weit, weit weg. Hier würde sie unaufhörlich mahnen, klagen, schelten. – »Nun, Mutter, so lebe wohl.« – »Du aber lebe: solang du die Götter ehrst und ihre Heiligtümer schützest!« Und sie wandte sich und schied – ohne Gruß.

 


 

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