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Chinesische Märchen

Richard Wilhelm: Chinesische Märchen - Kapitel 62
Quellenangabe
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typefairy
authorRichard Wilhelm
titleChinesische Märchen
publisherEugen Diederichs Verlag GmbH & Co.
printrunEinmalige Jubiläumsausgabe
year1985
isbn3424008508
firstpub1914
translatorRichard Wilhelm
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20120215
projectid71b5aa0f
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60. Der große Vater Hu

InitialDer große Vater Hu ist ein Fuchsgeist. Wenn die Füchse mit der Bereitung des Lebenselixiers beinahe fertig sind, so können sie Wunder tun. Sie werden dann in die kaiserlichen Opferlisten eingetragen. Als die Mandschus nach China kamen, da machten sie Mukden zu ihrem Ahnensitz und errichteten daselbst einen großen Tempel, der einem hohen Würdenträger zum Schutze anvertraut wurde. Alles ist genau so wie an dem kaiserlichen Tempel in Peking.

In diesem Tempel sind Dreifüße und Opfergefäße aufgestellt: alle aus Gold, Silber und Edelsteinen gemacht, die viele Millionen wert sind. Die Diebe tragen wohl großes Verlangen nach ihnen; aber sie kommen nicht heran.

Unter dem Kaiser Hiän Fong lebten drei mächtige Räuber, die konnten über die Dächer fliegen und an den Wänden auf- und abgehen. Wenn sie jemand überraschte, so bliesen sie ihm einen giftigen Rauch ins Gesicht, daß er bewußtlos wurde.

Die brachen bei Nacht im kaiserlichen Tempel ein und stahlen von dem Altar goldene Räuchergefäße, Nephritschalen und silberne Schüsseln. Sie bargen sie an ihrem Busen und kletterten damit die Mauer wieder hinauf.

Da sahen sie einen weißbärtigen Greis auf dem Dachfirst des Tempels sitzen. Der deutete mit der Hand nach ihnen. Da mußten die drei rittlings auf der Mauer sitzen bleiben und konnten nicht herunter. Die Beine waren ihnen wie angenagelt.

Als der Morgen dämmerte, fand sie der Tempelaufseher. Er ließ sie herunterholen und verhören. Da gestanden sie, was sich zugetragen hatte. Der Vorsteher des Tempels machte darauf einen Bericht an den Hof und erhielt die Antwort, daß dem Fuchs eine Opferstelle gewährt werden solle.

Seitdem tut er große Wunder. Er erhielt allmählich den höchsten Beamtenknopf und die gelbe Reitjacke.

In der Mandschurei sind allenthalben Tempel und Bilder für ihn errichtet. Er wird dargestellt als ein würdiger, hoher Mandschubeamter. Die Leute, die dort um Gewährung von Glück und Abwendung des Leides bitten, sind so zahlreich, daß sie sich auf den Fersen drängen und sich mit den Ellbogen stoßen. Im Tempelhofe steht ein großer Räucherofen. Darinnen stecken ganze Wälder von Weihrauchstäbchen. Der Opferrauch steigt in dichten Schwaden empor, und die Asche des verbrannten Papiergeldes fliegt wie Schmetterlinge umher. Die Betenden halten den Atem an, wenn sie sich niederwerfen, und wagen nicht, umherzublicken. Die Leute reden von ihm nur als von dem dritten Vater. Sie wagen das Wort Fuchs nicht auszusprechen. Neuerdings hat seine Verehrung auch in Ostschantung Eingang gefunden und ist jetzt sehr verbreitet.

 

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